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Die Antwort des Großen Zerstörers überraschte mich so, daß ich ihre Bedeutung nicht sofort zu würdigen wußte.

»Ich verstehe deine Anspielung. Die Macht der Ramiren ist mit eurer und unserer selbstverständlich nicht zu vergleichen. Aber die Ramiren haben die Perseusgruppe längst verlassen und beschäftigen sich mit der Umgestaltung des Galaxiskerns, ihnen steht nicht der Sinn nach Menschen und nach Zerstörern, schon gar nicht nach den feigen Galakten.«

Ich hörte den Herrscher an, als wüßte ich über die Ramiren weit mehr als er. Dagegen hielten meine Freunde mit ihrer Überraschung nicht zurück, das Dechiffriergerät übertrug mir ihr Stimmengewirr und ihre Unruhe bei der Nachricht von der unbekannten Sternenzivilisation.

»Lassen wir die Ramiren, sie haben eigene Sorgen genug«, sagte ich. »Sprechen wir davon, welches Prinzip der von Ihnen vorgeschlagenen Freundschaft zwischen Menschen und Zerstörern zugrunde liegen soll.«

»Das Prinzip ist einfach: unsere zersplitterte Macht zu einer Faust vereinigen!«

»Zu elementar für ein Prinzip. Das, was Sie genannt haben, ist kein Ziel, sondern ein Mittel, um ein Ziel zu verwirklichen.«

»Ich kann dir auch etwas über das Ziel erzählen.«

Neues teilte er nicht mit, es waren die Prinzipien Unterdrückung des Schwachen durch den Starken, kosmische Barbarei und Piraterie. Er schlug uns nicht Freundschaft vor, sondern Feindschaft Haß auf alles, was nicht »wir« waren. Man mußte maßlos von sich eingenommen sein, um den Menschen ein solches Projekt darzulegen. Scharfsinnig war er nicht, dieser Große Zerstörer mit der Stimme eines Wasserfalls.

Als Antwort zitierte ich ihm die Deklaration, die auf der Ora beschlossen und später Verfassung des Interastralen Bündnisses geworden war.

Ich vernahm die Rufe meiner Kameraden, und diesmal war ich nicht böse, daß sie nicht in Gedanken, sondern unbeherrscht laut ihren Beifall äußerten.

Den obersten Verderber versetzte mein Programm in Wut. »Du vergißt, wo du dich befindest!« donnerte er.

»Nein, das vergesse ich nicht!«

»Und du erkühnst dich, mir die Befreiung der unterworfenen Völker und die Einführung einer ekelhaften gegenseitigen Hilfe vorzuschlagen?«

»Ohne dies ist eine schöpferische Existenz undenkbar. Ob Sie wollen oder nicht, ob mit Ihnen oder gegen Sie, aber diese Prinzipien werden sich in den Beziehungen der vernünftigen Sternenbewohner durchsetzen.«

Er glaubte, er habe meine schwache Stelle herausgefunden und werde in unserem Streit leicht die Oberhand gewinnen. Seine Logik war doktrinärer Prägung, ihr mangelte der wichtigste menschliche Zug: Gedankenweite. Ich wußte, daß unser Streit ungleich sein würde, aber nicht von der Ungleichheit, auf die er hoffte.

»Du sagtest ,schöpferische Existenz‘? Unsinn! In der Welt existiert ein realer Prozeß, die Zerstörung, die Nivellierung, das Abtragen der Höhen. Wir, die Zerstörer, beschleunigen mit unserer vernünftigen Tätigkeit diesen elementaren Prozeß.«

»Die vernünftige Tätigkeit der Menschen ist von anderer Art.«

»Folglich ist sie unvernünftig. Das Universum strebt zum Chaos. Vernünftig und erhaben ist nur dies: das Chaos verbreiten zu helfen. Allein das Chaos gewährleistet eine vollkommene Befreiung von Ungleichheit und Unfreiheit.«

»Die Lebewesen streben danach, das Chaos durch Organisation zu ersetzen.«

»Es ist blind, danach zu streben, das Chaos zu beseitigen. Dieses Bestreben kennzeichnet die Anfangsstufen der Entwicklung, wo Ungleichheit mit Kompliziertheit allenthalben anzutreffen sind. Ihre höchste Blüte erreicht die Entwicklung in der berauschenden Gleichförmigkeit von allem, im wunderbaren Fehlen von Unterschieden!«

»Das Bestreben, ein Element zu überwinden, ist Ihrer Meinung nach elementar? Sie, die Zerstörer, haben die mächtigste Organisation geschaffen, die die Welt kennt…«

»Du vergißt die Ramiren, Mensch.«

»Lassen wir die fernen Ramiren. Ihre Organisation, ihre grausame Ordnung, Ihre ungeheure Unfreiheit für alle…«

»Die Organisation wurde zur Ausbreitung der Desorganisation geschaffen, die Ordnung dient der Einführung der Unordnung, und die allgemeine Unfreiheit ist nur eine notwendige provisorische Etappe auf dem Weg zur Befreiung aller von allem… Wir fördern, wonach die Natur strebt, wir kämpfen nicht dagegen an.«

Er stritt so selbstgefällig wie ein Spießer, der überzeugt ist, die Welt erschöpfe sich in seiner unmittelbaren Umgebung. Er war halb gebildet, hüllte seine Unwissenheit in ein philosophisches System, er war ein gewandter Sophist, der geschickt mit Paradoxen um sich warf. Es war leicht, ihn zu schlagen. Ich bezweifelte nur eins, ob er seine Niederlage begreifen würde.

In seiner Stimme klang Triumph. »Du schweigst, also bekennst du, daß du besiegt bist!«

»Sie widerlegen sich selbst«, sagte ich.

»Das mußt du beweisen.«

»Gern. Fangen Sie an, Ihre Weltanschauung zu begründen, und ich zeige, daß aus jeder Ihrer Prämissen ein Schluß zu folgern ist, der dem entgegengesetzt ist, den Sie ziehen.«

»Meinetwegen«, willigte er ein. »Für meine Untertanen wird es nützlich sein, ein übriges Mal die Grundlagen unserer Philosophie zu üben, obwohl sie ohnedies dauerhaft ist.«

Er begann originell. Seinen Worten zufolge wurde das Weltall einst als eine Unmasse ungeheurer Verschiedenheiten, als ein Herd einander unähnlicher kompliziertester Formen geboren. Leerer Raum, darin Planetengigante, kompliziertes biologisches Leben und amorphes Plasma; an einem Pol der wie ein Gipfel aufragende, stets individualisierte Verstand, am anderen die Dürftigkeit isolierter Atome.

Ungleichmaß und Unähnlichkeit, widerliche Originalität von allem und in allem, Barbarei organisierter Gesellschaften, Ordnungstyrannei, Unfreiheit verschiedenster hierarchischer Strukturen – so biete sich uns der Anfang der Welt dar, so sehe sie zum großen Teil noch heute aus.

»Aber alles beginnt nur kompliziert und entwickelt sich dann zum Einfachen«, polterte er. »Kommst du nicht vom Komplizierten zum Einfachen, wenn du eine Aufgabe löst? Gerätst du nicht in Verwirrung vor der unendlichen äußeren Vielfalt der Natur, wenn du sie betrachtest, und entdeckst du nicht dann erst ihre innere Einfachheit? Ist es nicht das höchste Ziel der Erkenntnis, die innere Einfachheit zu finden? Wieviel edler als die Erkenntnis ist da die Schaffung von Einfachheit, die Bereicherung der Welt durch Einfachheit? Und welche Einfachheit ist die höchste? Die Einfachheit des Primitiven, nicht wahr? Also müssen wir die Welt durch Primitives bereichern, immer von neuem Primitives erzeugen, Primitives pflanzen! Und nun frage ich dich: Welches Primitive ist am einfachsten und edelsten? Das Chaos du stellst das doch hoffentlich nicht in Abrede. So sind wir beide zu dem logischen Schluß gekommen, daß ein vernünftiges Wesen nur eine einzige Aufgabe hat: überall Chaos zu säen! Sich im Chaos von allen Bindungen und Unterordnungen zu befreien! Im Chaos eine vollkommene Einigung mit sich selbst zu erreichen, denn nur im Chaos stützt du dich auf dich, während alles andere dich kaltläßt!

Im Raum«, so fuhr er fort, »sind sechs Richtungen gegeben, in der Zeit dagegen nur eine vorwärts, nur vorwärts! Vorwärts zur höchsten Existenzform der Verwischung aller Unterschiede, der Auflösung aller Verschiedenartigkeiten. Das ist die Entwicklungsrichtung in der Natur, das ist das Ziel, das sich die Zerstörer gesteckt haben. Die Ungleichmäßigkeiten beseitigen und die Unähnlichkeiten abschaffen! Den leeren Raum vernichten, damit die Sterne zueinander eilen und zunächst offene, dann Kugelhaufen bilden! Die Temperaturen nivellieren die einen Sterne erschöpfen sich in einem rasenden Energiestrom, die anderen, seit jeher finster, entflammen! Und vor allem das hochmütige Leben unterbrechen, die älteste der kosmischen Eigentümlichkeiten und Unfreiheiten, die tyrannischste der Ordnungshierarchien, das arrogante Leben unterbrechen, das sich verzweifelt und hoffnungslos gegen die allgemeine frohe Entpersönlichung wehrt! Primitivisation verbindlich für jeden und Zerfall der komplizierten Strukturen als beste Form der Primitivisation! Biologische Natürlichkeit durch die Künstlichkeit der Automaten ersetzen, denn es gibt nichts Komplizierteres, Verwickelteres, Unfreieres als die Natürlichkeit, nichts Primitiveres, Einfacheres und Freieres als einen gut gearbeiteten Automaten. Wie einst die Ramiren, so klammern sich heute die Galakten, obwohl dem Untergang geweiht, an die überlebte Unähnlichkeit, an die aussterbenden Eigentümlichkeiten. Auch sie zum Nutzen der ausrottenden Tätigkeit der Zerstörer einsetzen oder mit ihnen allen Schluß machen!«