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Gewunden und schmeichlerisch antwortete einer von denen, die zu Bächen wurden. Auch seine murmelnde, schäumende Information verstand ich. »Viel wurde getan, sehr viel, o Großer, die Flottillen des Feindes sind nicht eingedrungen, es ist ihnen nicht gelungen, einzudringen, die zunehmende Nichteuklidheit wirft sie hinaus, wirft sie hinaus…«

»Über die Grenzen unserer Gruppe?«

»Nein, bisher nicht«, wand sich der redselige Bach, »aber sie werden zurückgedrängt, zurückgedrängt. zurückgedrängt…«

Der Große Zerstörer winkte ab, und der Bach versiegte augenblicklich. »Sie haben einen Planeten annihiliert, und sie schleppen mehr als zehn mit sich. Was geschieht, wenn sie die Annihilationen wiederholen?«

Jetzt zersprang ein »Schwärmer«. Seine lohenden Splitter surrten noch über den Würdenträgern und dem Herrscher, da wußte ich bereits, was das Feuerwerk kundtat. »Jede Annihilation bedeutet, daß ungefähr ein Zehntel der nichteuklidischen Hindernisse durchbrochen werden. Wenn die Feinde die eroberte kosmische Materie vollständig in Leere verwandeln, dringen sie in unseren Sternhaufen ein.«

»Was bleibt uns dann?«

Als Antwort begann sich ein neuer Würdenträger zu schlängeln. Er wand und drehte sich, daß es schrecklich war, seinen Verrenkungen zuzusehen.

Sein Tanz war wenig tröstlich für die Verderber. »Die letzte Chance ist dann: eine offene Schlacht, Flotte gegen Flotte, alle Schiffe sammeln, alle Schiffe unserer Sternengruppe, und vorstoßen, einkesseln, abwürgen, vorstoßen, vorstoßen, abwürgen, sie sollen zerfallen, zerfallen…«

»Zerfalle selber!« blaffte der Herrscher.

Der Redner zerfiel nicht, doch er sank zusammen und kroch geschwind auf seinen Platz.

Der Große Zerstörer schwieg eine Weile, dann setzte er sein lautstarkes Verhör fort. »Und wenn wir es nicht schaffen, dem Gegner im Gefecht eine Niederlage beizubringen, welche Prognosen bieten sich dann?«

Der nächste Redner, der als Flammensäule aufschoß, drehte sich so rasend schnell vor dem Thron, daß ich fast erblindet wäre von dem Feuerwirbel seines Beitrages. Nur mit Mühe wurde mir klar, daß dieser Stratege vorschlug, auf die abgeschirmten Planeten zu fliehen und sich dort »einzuringen".

»Anders ausgedrückt, die interastralen Räume des Perseus verlassen, die wir seit Generationen uneingeschränkt beherrschen«, sagte der oberste Verderber düster. »In die Lage der gejagten Galakten überwechseln, die in ihren Sternlagern blockiert sind? Sich ohne Aussicht auf Sieg verteidigen? Und alle stimmen diesem entsetzlichen Projekt zu?«

Es stellte sich heraus, daß keiner mit dem feurigen Defätisten einverstanden war. Die Redner verbreiteten sich, ergingen sich, zerflossen in Protesten, platzten und schlängelten Ablehnungen heraus, flammten Widerlegungen, entluden sich in Kritikblitzen. Für alle stand fest, daß die Flucht auf die befestigten Planeten der Anfang vom unvermeidlichen Ende wäre.

Großen Eindruck machte auf mich die neblige Ansprache eines Heerführers, die keineswegs deshalb neblig war, weil es die darin eingeschlossenen Gedanken an Klarheit fehlen ließen, nein, er äußerte sich deutlich, doch für die Übermittlung seiner Vorschläge wählte er eine Methode, die noch kein Vorredner benutzt hatte. Er stieg als blaues Wölkchen empor und schwebte dann langsam auf die Anwesenden nieder.

»Unsere Gegner werden die abgeschirmten Planeten nicht angreifen«, nieselte der neblige Stratege schneidend kalt. »Sie werden ihre Schiffe nicht der Gefahr der Vernichtung aussetzen, baut nicht darauf eure Hoffnungen. Die Feinde werden sich mit den aus der Blockade gelösten Planeten der Galakten vereinigen, die entsetzlichen biologischen Waffen erbitten und uns aus großer Entfernung erschießen. Vergeßt nicht, daß die Umautomatisierung unserer Organismen auf eine zuverlässige mechanische Grundlage noch nicht abgeschlossen ist.«

Der Herrscher überlegte. »Richtig, alles richtig!« donnerte er dann. »Der Prozeß der Primitivisierung hat erst begonnen. Wir haben uns von zweitrangigen Aufgaben fortreißen lassen und wenig Anstrengungen auf die Hauptsache verwandt: das kosmischuniverselle Problem, sämtliche Kompliziertheiten zu vertilgen. Praktisch haben wir keine Fortschritte gemacht.

Und wenn die biologischen Waffen der Galakten auf unsere Planeten gerichtet werden, gibt es für uns keine Rettung. Wir dürfen nicht zulassen, daß sich die —Menschen mit den Galakten vereinigen. Wie steht es eigentlich auf dem Dritten Planeten? Ich bitte, mir nur Neuigkeiten mitzuteilen.«

Ein weiterer Redner trat auf, ich verstand, warum ihm der Herrscher Beschränkungen auferlegt hatte.

Im Saal verbreitete sich Gestank.

Der Redner, ein Wesen, das den Augenköpfigen glich, allerdings fehlte ihm das funkelnde Periskop , hüllte sich in gelben Rauch. Ich hielt mir die Nase zu, und wenn ich sie nicht ganz zudrückte, dann nur deshalb, weil ich mir die interessante Information nicht entgehen lassen wollte. Der Redner stank über den Dritten Planeten: ein neuer Aufseher habe den Befehl über das leitende Gehirn übernommen, die Defekte seien unbedeutend, obwohl sie in der angespannten Situation beinahe katastrophale Folgen bewirkt hätten. Jetzt seien sie behoben, und der Dritte Planet, die mächtigste Anlage im Perseus, arbeite wieder normal.

»Und wenn der Dritte Planet in der ersten Durchbruchsphase geringeren Widerstand leistete«, wehte mich die unerträglich stinkende Rede des Sprechers an, »so gelang es ihm gegen Ende der Phase, die neugeschaffenen Leereräume in seinen nichteuklidischen Griff zu bekommen. Der Zweite und der Vierte Planet haben sehr geholfen, doch den Ausgang des Zusammenstoßes entschied der Dritte, das lasse ich mir nicht ausreden, und wenn es erlaubt ist…«

»Genug!« polterte der Herrscher. »Bei der dir eigenen Übermittlungsmethode sind deine Reden allzu wortreich. Mag jetzt Orlan berichten, wie sich die Gefangenen fühlen und was mit ihnen zu tun ist.«

Etwas Wichtiges äußerte Orlan nicht. Die dem Admiral auferlegten Prüfungen bedrückten die Gefangenen, der Admiral selbst sei munter, obwohl entkräftet und außerstande, sich fortzubewegen. Doch dieses Leben begeistere ihn, etwas anderes sei von ihm nicht zu erreichen.

Alles, was Orlan der Versammlung mitteilte, wußte ich besser als er.

Dagegen brachte die Diskussion viel Neues. Orlan begann sie mit den Worten: »Was wir mit den Gefangenen tun wollen, hängt davon ab, was wir selber tun wollen.«

»Evakuieren!« donnerte der Herrscher. »Der Nickelplanet ist angriffsgefährdet. Wir verlegen unseren Stützpunkt auf den Mangan- oder den Natriumplaneten. Die Gefangenen nehmen wir mit.«

»Weder auf dem Mangan- noch auf dem Natriumplaneten läßt sich ihre Existenz sichern. Die Menschen sind biologisch schwache Objekte, das Spektrum ihrer Lebensbedingungen ist schmal.«

»Das ist ihre Sache, ob ihr Spektrum schmal ist oder breit! Sollen sie wissen, daß man mit solchen biologischen Strukturen nicht die Herrschaft im All erobern kann, denn sie erstreben genau wie wir die Herrschaft, obwohl sie von allgemeiner Freundschaft faseln. Die Menschen und alle, die mit ihnen sind, ins eroberte Sternenflugzeug verfrachten und morgen zum Manganplaneten abschicken!«

»Wird ausgeführt, o Großer! Was den Admiral anbelangt… Hast du ihm das Leben garantiert, o Großer?«

»Ich habe ihm nur garantiert, daß ich ihm nicht nach dem Leben trachte. Wenn dieser eingebildete Pechvogel an seinem eigenen Eifer verreckt, werde ich nicht traurig sein. Noch weniger wird mich der Tod seiner Freunde bekümmern. Von allen Sternvölkern, die wir unterworfen haben, sind die Menschen die abscheulichsten. Allerdings haben wir sie noch nicht unterworfen, aber wenn das eintritt, sind sie selber schuld!«

Ich mußte laut lachen, wälzte mich auf dem Fußboden und erstickte fast vor Lachen.