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Plötzlich riß der Fieberwahn ab, wie aus weiter Ferne hörte ich, was mir in der Vision wie triumphierendes Gelächter vorgekommen war ein schwaches Schluchzen, klägliches Murmeln. Ich lag an der unsichtbaren Wand, derart entkräftet, daß ich die Hand nicht rühren konnte. Wahrscheinlich war es die größte physische Anstrengung meines Lebens, als ich meinen Kopf wandte und hob.

Von der anderen Seite der Barriere schaute mich Romero an. Er sagte hoffnungsvolclass="underline" »Mir scheint, Sie hatten wieder einen merkwürdigen Traum.«

Ich stand auf. »Ein vortrefflicher Traum!« flüsterte ich. »Sie werden lachen, Pawel.«

Zu Romero gesellten sich Kamagin und Lussin, nach ihnen traten Oshima und Petri heran. Sie hörten mir aufmerksam und mit ernsten Mienen zu. Ich konnte mich des Lachens nicht erwehren. Jetzt, bei taghell leuchtenden Wänden, erschienen mir die phantastischen Figuren und Schatten der Redner, ihre unsinnige Sprache noch spaßiger.

Oshima zuckte schweigend die Schultern, Kamagin rief: »Die Visionen sind phantastisch, die Wirklichkeit ungeheuerlich! Leider ist der Spott, wenn auch nur in der Phantasie, unsere einzige Möglichkeit, diesen gräßlichen Wesen die Stirn zu bieten.«

»Allzu kompliziert sind die Träume, um nur Träume zu sein«, sagte Romero zweifelnd.

»Wollen Sie sagen, ein unbekannter Freund versorge den Admiral mit geheimen Informationen, indem er sie in Traumbilder kleidet?«

Romero entgegnete zurückhaltend: »Ich will sagen, daß ich mich überhaupt nicht wundern würde, wenn es so wäre. Jedenfalls gibt mir der galaktische Beobachtungsraum zu denken, den der Admiral zweimal besucht hat, daß Allart den Perseus stürmt, indem er einen Rammsporn annihilierbarer Planeten zwischen die Gestirne treibt, daß auf dem Dritten Planeten, der mächtigsten Festung der Zerstörer, Defekte aufgetreten sind und daß unsere Freunde, die Galakten, irgendwelche biologischen Waffen besitzen, vor denen die Zerstörer zittern. Sie müssen zugeben, daß wir noch nie von etwas Derartigem gehört haben, bevor Eli es träumte.«

Der kleine Kosmonaut brauste auf: »Fieberphantasien eines Darbenden – das sind diese Informationen!« Reuevoll wandte er sich an mich: »Admiral, ich wollte Sie nicht kränken.«

Mühsam lächelte ich. »Darbe ich etwa nicht? Und ich leugne auch nicht, daß das alles Wahnvorstellungen sind.«

Romero sagte kalt: »Folgendes soll gelten: Wenn sich eine der durch die Traumgesichte des Admirals offenbar gewordenen Visionen als real erweist, dann sind es die übrigen ebenfalls. Einverstanden?«

»Einverstanden!« sagte Kamagin und fügte spöttisch hinzu: »Sie haben eine Nachricht vergessen, Romero, die uns aus den Traumgesichten des Admirals bekannt geworden ist. Sie läßt sich leicht nachprüfen.

Die Verderber haben angeblich vor, uns heute auf einen Manganplaneten zu evakuieren! Heute, Pawel!

Wenn der heutige Tag vergeht und wir nicht evakuiert werden…«

»Die Wände sind ganz hell geworden«, sagte ich seufzend. »Gleich erscheint unser Kerkermeister und erkundigt sich, ob ich den Tod begehre.«

Orlan erschien wie gerufen. »Admiral Eli, die erste Prüfung ist beendet«, sagte er leidenschaftslos. »Man wird dir bald etwas zu essen bringen. Nach dem Essen müßt ihr euch alle sammeln. Die Gefangenen werden vom Nickelplaneten zum Manganplaneten evakuiert.«

Orlan verschwand ebenso plötzlich, wie er erschienen war.

Dritter Teil

- Der verträumte Automat auf dem Dritten Planeten -

1

Die Evakuierung glich einer Flucht.

Augenköpfige strömten in den Saal. Man gab uns keine Gelegenheit, den Befehl zu erörtern oder wenigstens darüber nachzudenken. Die menschliche Sprache beherrschten die Augenköpfigen nicht, aber sie sahen besser als wir, und ihre Gravitationsohrfeigen waren wirkungsvoller als Worte. Wieder erschien Orlan, und wir hörten ihn zum erstenmal brüllen, wie dann so oft, daß es mir bis heute in den Ohren klingt:

»Schnell! Schnell! Schnell!«

Vieles von dem, was in den ersten Minuten der Evakuierung geschah, weiß ich nicht, ich verlor das Bewußtsein, bevor der Kraftkäfig verschwand. Auf dem Lager kam ich zu mir. Ich hörte Marys Stimme. »Er ist zu sich gekommen! Er lebt!«

Ich wollte sagen, tot könnte ich ja nicht sein, da mir das Leben garantiert wäre, aber selbst zum Flüstern fehlte mir die Kraft. Dafür bemühte ich mich, ihnen mit Blicken zu sagen, daß ich mich vorzüglich fühlte.

Mary weinte hemmungslos, das Gesicht an meiner Brust verborgen.

»Großartig, Admiral«, erklärte Oshima munter.

»Während Sie ohne Bewußtsein lagen, hat man Sie gefüttert.«

»Und Sie aßen mit Appetit«, fügte Romero lächelnd hinzu.

»Dann erstarrten Sie plötzlich, und wir erschraken mächtig.«

»Auf welches Schiff verfrachtet man uns?« fragte ich, als ich meine Stimme ein bißchen in der Gewalt hatte.

»Auf die ,Bootes‘«, antwortete Kamagin. »Die Alleroberer wagen es nicht, uns ihre Schiffe zu zeigen.«

Mit Romeros und Marys Hilfe richtete ich mich auf. Lussin kam auf dem Donnerschleuderer in den Saal geritten. Mary, Petri und ich hockten uns hinter Lussin. Die Freunde nahmen auf den anderen Drachen Platz.

Nachdem sich der Donnerschleuderer hinausgearbeitet hatte, schwang er sich in die Lüfte. Wieder erblickten wir die winzige weiße Sonne im Zenit, ein unfreundliches, kraftloses Gestirn, das weder den Planeten erwärmen noch das fieberhafte Gefunkel der Sterne überstrahlen konnte. Unten erstreckte sich der grüne leblose Planet -Nickelfelder, Nickelwälder, Seen und Flüsse aus Nickellösungen. Und überall, so weit das Auge reichte, türmten sich die Kugeln der riesigen, düsteren Sternenflugzeuge Berge neben dem kleinen Hügel der »Bootes". Fünf Sternenflugzeuge waren seit unserer Landung hinzugekommen.

Der Donnerschleuderer hatte noch keine Schleife über der »Bootes« geflogen, da wurde er von einem Gravitationskegel erfaßt und so geschwind heruntergeholt, daß Lussin ächzte, Mary stöhnte und mir sekundenlang das Herz stehenblieb.

Noch geschwinder wurden wir ins Innere der »Bootes« gesaugt und auf dem Anlegeplatz fächerartig auseinandergewirbelt.

»Aufpassen!« schrie Petri und zog mich beiseite, denn die anderen vom Gravitationsrohr angesaugten Drachen purzelten herab.

Zum Glück plumpste uns keine der gigantischen Echsen auf den Kopf. Die Zerstörer besaßen Apparate, die darauf achteten, daß die eroberte lebendige Beute bei solchen Gelegenheiten nicht zu Brei zerquetscht wurde. Wir wußten das nicht und atmeten erleichtert auf, als wir uns auf die Straße des Schiffsstädtchens gerettet hatten.

»Zu Hause!« sagte Oshima und sprach aus, was wir alle empfanden. Wir gingen an den Gebäuden entlang, die noch vor kurzem unsere Wohnungen gewesen waren; im All gab es wohl kein Fleckchen, das uns vertrauter war als dieses. Die Zerstörer hatten in unseren Zimmern nichts angerührt.

»Schau mal nach, wie es bei uns aussieht«, bat ich Mary, als wir uns unserer Wohnung näherten. »Ich gehe in den Observationssaal. Mach dir keine Sorgen, ich fühle mich gut.«

Noch hatte ich keine zwei Schritte getan, als Aster mit einem Glas in der Hand an mir vorbeirannte. Ich rief seinen Namen, doch er gab keine Antwort. »Wohin läuft unser Sohn?« fragte ich Mary besorgt. »Es ist nicht ungefährlich, jetzt auf dem Sternenflugzeug umherzustreifen!«

Sie lächelte verschmitzt. »Ihm wird nichts passieren. Warten wir hier, bis er zurückkommt.«

Wenig später war Aster wieder da. Er strahlte. »Alles erledigt, Mama!« rief er schon von weitem. »Zwar ist es mir nicht geglückt, das Schiff kurz zu verlassen, aber ich habe das Glas in den Analysatorkanal geschüttet. Der Planet ist infiziert.«