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Leichter als die anderen ertrug es Kamagin. Zu seiner Zeit hatten die Kosmonauten große Überlastungen trainiert, sie waren nicht von Gravitatoren verwöhnt worden, die überall die dem Menschen gemäßen Bedingungen erzeugten. Kamagin war ebenfalls blaß, aber er atmete freier; ich denke, in seinen Ohren rauschte es nicht so heftig, und sein Herz schlug weniger mühsam. Dennoch sagte er: »Eine Welt ist das, Eli, man möchte sich aufhängen!«

Die Engel und Lussins geflügelte Wirtschaft waren vor den Menschen ausgeladen worden, sie alle hatten es schwer. Die Drachen verwandelten sich in Echsen und krochen geschwind dahin, wobei sie sich mit ihren Flügeln halfen, die sie wie Ruder gebrauchten.

Selbst der mächtige Donnerschleuderer fand sich mit dem Schicksal eines Kriechtieres ab. Die Pegasusse kämpften verzweifelt gegen die Anziehungskraft, einige schwangen sich auf, fielen aber sogleich herab.

Den leichteren Engeln gelang es, höher aufzusteigen, doch sie mußten sich so anstrengen, daß sie bald erschöpft waren. Trub flog mit Getöse über uns, es dauerte nicht lange, da wischte er sich den Schweiß vom Gesicht und sprach, als wälzte er Gewichte mit der Zunge. Der Lärm, das Wiehern der Pegasusse, das gereizte Schreien der Engel, das Rauschen des Bluts in meinen Ohren, das mühsame Klopfen des Herzens quälte mich.

Immer noch wurde ausgeladen, und ich dachte voller Angst an Mary und Aster. Orlan hob den Kopf nicht so hoch wie sonst und ließ ihn tiefer als früher sinken. Auch er hatte es nicht leicht.

»Können wir nicht die Schwächsten zurücklassen?« bat ich. »Auf dem Schiff sind Gravitatoren…«

»Alles ausladen!« antwortete er kurz.

Indessen erschien Aster auf dem Fallreep. Er trug einen Rucksack. Ihm folgte Mary. Petri schrie dem Jungen zu, er solle nicht laufen, doch Aster hörte die Warnung zu spät. Wie ein Stein sauste er herab, und wenn Petri ihn nicht im letzten Augenblick aufgefangen hätte, wäre er bei dem Sturz ums Leben gekommen. Mary und ich erreichten ihn gleichzeitig. Aster keuchte, Blut sickerte ihm aus der Nase, er war noch bleicher als Romero. Ich nahm Aster den Rucksack ab. In ihm befanden sich, wie ich später erfuhr, Gläser mit lebenspendenden Bakterien, die sich von Gold und Blei ernährten.

Petri hatte Aster umgefaßt und führte ihn vorn Fallreep weg. Aster war fast genauso groß wie der kleine Kosmonaut, auch im Mut konnte er es mit ihm aufnehmen, doch ihre Kräfte waren ungleich.

»Wie entsetzlich, Eli!« flüsterte Mary.

»Beruhige dich«, sagte ich. »Am schwierigsten sind die ersten Minuten, und die hat Aster überstanden.

Allmählich gewöhnen wir uns an die Schwere. Aber wenn Petri nicht gewesen wäre, hätte euer Streben, überall Leben zu säen, unserem Aster das Leben gekostet.«

»Ich habe Angst um dich. Nach dieser Hungerzeit!«

»Ich habe Gelegenheit gehabt, die Hungerzeit zu vergessen.«

Als der letzte Mensch das Schiff verlassen hatte, luden die Schiffsautomaten die Aviettes, die Vorräte und seltsame lange Kisten mit der Habe der Zerstörer aus. Petri verstaute auch Asters Rucksack in einer Aviette.

Keine Aviette vermochte zu fliegen. Obwohl sie die Leistung der Gravitatoren erhöhten, krochen sie plumper als die Drachen dahin. Dabei hatten sie weniger als die Hälfte ihrer sonstigen Fracht aufgenommen. Die Kisten der Zerstörer bewegten sich selbständig. Auf einem Gravitationskissen flogen sie dicht über dem Boden, als säßen sie auf Rollen.

»Setzt die Schutzbrillen auf, Freunde!« riet Petri.

Als wir die Brillen aufhatten, blendeten uns die Felsen des Planeten und der ihm einheizende grausame Stern nicht so arg. Der unerträgliche Goldglanz des Himmels wurde milder.

Meine Gedanken verwirrten sich, in meinen Ohren rauschte es. Der verfluchte Planet war zu massiv. Ich fiel zwar nicht mehr hin, aber Arme und Beine waren bleischwer, der Kopf lastete wie ein Stein auf meinen Schultern. Immer hatte ich mich über meinen Körper gefreut, nun verwandelte er sich in etwas Äußerliches, mir nicht Gemäßes. Von mir wurde der Befehl erwartet, guten Mutes zu sein, ich konnte ihn nicht erteilen, denn ich war es selber nicht.

Ich betrachtete die Kameraden. Nur Kamagin schaute mich nicht an, die anderen ermunterten mich mit ihren Blicken. Bestimmt war Kamagin überzeugt, alles wäre anders gekommen, wenn wir gemeutert und unsere Wachmannschaft plötzlich überfallen hätten.

Ich sagte: »Jeder soll das leisten und ertragen, was ich selbst leiste und ertrage.«

Ungelenk flatterte Orlan mit seinen Leibwächtern zu uns.

»Wer geht als erster in der Kolonne?«

»Ich gehe als erster«, sagte ich.

Wir machten uns auf einen unbegreiflichen Weg eine Kette von Augenköpfigen umringte die Kolonne, Orlan mit seinen Leibwächtern innerhalb der Kette.

Von Zeit zu Zeit drehte sich Orlan um, sein ungeduldiger Schrei »Schneller! Schneller!« trieb uns wie Peitschenhiebe an.

Ich bemühte mich, den bedrückenden Glanz der Wüste mit den Bleifelsen nicht zu sehen, die sich auf der goldenen Unterlage blähten. Anfangs hob ich das Gesicht, um mich nach dem Orangefarbenen zu orientieren, der langsam über den goldenen Himmel rollte, aber der Himmel war noch bedrückender als der Planet. Ich ging und empfand, daß das Fortbewegen hier zehnfach schwerer war als das Stehen, die Hundertkilogrammsäulen der Beine beugten sich fast gar nicht.

Petri entdeckte, daß man die Füße nicht setzen, sondern schieben mußte, und bald bewegten wir uns alle wie auf Skiern über das glatte Metall. Dennoch konnten wir mit den unermüdlich kriechenden Augenköpfigen kaum Schritt halten, sie hatten wie der ungeschickt hüpfende Orlan unter der Schwere nicht zu leiden.

»Schneller!« schrie er immer wütender, und jeder Schrei war von Gravitationsohrfeigen der Wache begleitet.

Wir wurden erbarmungslos, grausam gejagt. Und wenn wir uns zur Wehr setzten, wurden wir noch heftiger angetrieben.

Hinter mir verstummten allmählich die Laute, das Stöhnen und die Flüche der Menschen, das Rauschen von den Flügeln der Engel, das Ächzen der Drachen und das böse Wiehern der Pegasusse. Erbittertes, haßvolles Schweigen breitete sich aus, wir verachteten die Feinde, indem wir schwiegen, mit unserem Schweigen erhoben wir uns gegen sie. Und wie seltsam es auch erscheinen mag, mit der Zeit fiel uns das Gehen leichter, wir gewöhnten uns an die Bewegungen.

Doch als Orlan die erste Rast befahl, ließ sich jeder dort fallen, wo er sich gerade befand.

Mary atmete heiser, ihre Augen lagen tief in den Höhlen. »Alles in Ordnung, Eli«, flüsterte sie. »Ich halte durch. Aber um Aster steht es schlecht.«

Aster näherte sich mit Trub. Der hünenhafte Engel hatte Aster unterwegs auf seine Schulter nehmen wollen, aber der ließ sich nicht einmal stützen. »Ich ertrage alles, was du erträgst«, flüsterte Aster, als ich ihm Vorwürfe machte. Erschöpft sank er neben Mary nieder. Er hatte die Augen geschlossen. Seine Lippen waren schwarz, die Wangen hohl. Aster überschätzte seine Kräfte.

»Du bist nicht nur mein Sohn, sondern auch ein Mitglied der Besatzung der ,Bootes‘ und deshalb verpflichtet, dich meinen Befehlen zu fügen«, sagte ich.

»Ich füge mich«, flüsterte er und hob mühsam die Lider. Seine Augen waren trüb.

»Wenn wir weitermarschieren, nimmst du Trubs Hilfe an.«

Dann lagen wir da, ohne uns zu rühren, ohne zu sprechen, selbst Gedanken lauschten wir nicht aus.

Als wir aufbrachen, ging der Orangefarbene unter.

Später beobachteten wir dieses Schauspiel oft, und es bewegte uns nicht mehr, doch diesmal waren wir von seiner düsteren Pracht erschüttert.

Als das Gestirn den Horizont berührte, brausten Farben am eintönig goldenen Himmel auf. Alle nur denkbaren Schattierungen glitten wie die flüchtigen Farben auf stark erhitztem Metall darüber hin. Der goldene Himmel wurde blendend orangefarben der Stern selbst verschwand auf dem von ihm geschaffenen Hintergrund. Zum Schluß versank alles in düsterem Violett.