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Kein einziges Gestirn entbrannte an dem sich allmählich verlöschenden Himmel! Er wurde schwarz, nicht das kleinste Fünkchen störte die unheilvolle Schwärze. Es war merkwürdig und schrecklich, und obwohl wir erschöpft waren, tauschten wir uns in Gedanken und Worten erregt aus.

»Kein Strahl nach draußen, kein Strahl zu uns, als wären wir aus dem All herausgefallen!« rief Romero halb in Worten, halb in Gedanken… Selbst die alte Hölle hatte mehr Verbindung zur Welt.«

»Offenbar meinte Albert dies, als er sagte, der Orangefarbene falle aus dem Raum«, dachte Kamagin verwundert. Er hatte nicht glauben wollen, daß wir in einer Raumschnecke eingeschlossen waren, nun überzeugte er sich mit eigenen Augen, daß die Sterne fehlten.

Die Periskope der Augenköpfigen leuchteten auf.

—Bald erhellten sie allein den Planeten eine Kette trüber Lichter, die mal heller, mal dunkler wurden oder drohend aufzuckten. Mitunter änderte sich der Helligkeitsgrad bei vielen gleichzeitig, als würden Fackeln vom Wind angefacht oder ausgelöscht.

»Schneller! Schneller!« spornte uns Orlan an.

Er befahl die zweite Rast.

Und nach dem Essen wieder das Kommando:

»Sammeln! Schneller!«

Wieder trotteten wir unter dem schwarzen, kalten Himmel, von den Periskopen wie von Fackeln im Wind beleuchtet, und der Schrei »Schneller!«, der wie ein Peitschenhieb war, trieb uns an.

6

Aster lag zwischen mir und Mary. Ich berührte seine Schulter, mühsam öffnete er die Augen und versuchte aufzustehen. Doch er vermochte es nicht und schloß erneut die Lider. Er hatte sich gänzlich blau verfärbt.

Sein Gesicht, seine Brust, die Arme, der Hals waren blau… Eine Aviette mit Vorräten kam zu uns, ich versuchte Aster zu füttern, er nahm mir nichts ab, er wollte nicht essen, und hätte er es gewollt, so hätte er nicht kauen können.

»Wir werden unseren Sohn bald verlieren«, sagte ich zu Mary.

Ich hörte meine Stimme wie aus weiter Ferne sie klang hölzern, teilnahmslos ruhig. Mary blickte mich wortlos an. All diese Nachtstunden hindurch war sie mir tapfer gefolgt, kein Wort der Klage hatte ich von ihr gehört, kein Stöhnen, jetzt jedoch, beim Licht des aufgehenden grausamen Sterns, gewahrte ich, was diese Nacht sie gekostet hatte.

Ich rief Romero beiseite: »Wir modernen Menschen sind unglückliche Wesen, wir haben die Krankheiten besiegt, mächtige Maschinen bemuttern uns.

Doch ohne die mechanischen Helfer sind wir hilflos.

Im Altertum wuchsen zähere Menschen heran. Sie sind der einzige Altertumskenner unter uns. Fällt Ihnen nicht irgendein altes Rezept ein, das uns retten könnte? Es gab doch so vieles, was zum Leben verhalf: Massagen, Blutübertragung, Hypnose, irgendwelche Mittel, die sich Arzneien nannten.«

Bekümmert schüttelte er den Kopf. »Arzneien gegen Schwereüberlastungen kannten auch die Alten nicht. Wenn Sie meine Meinung hören wollen, dann muß ich Ihnen sagen, daß es nur eine Möglichkeit gibt, um Aster zu retten, und diese Möglichkeit hängt von Ihnen ab…«

»Pawel, alles, was in meiner Macht steht…«

Er sprach eindringlich, aber was er forderte, war wohl das einzige, was sich meinem Willen entzog.

»Sie müssen einen neuen prophetischen Traum träumen und erkunden, wohin wir gehetzt werden, warum, wozu… Vertrauen Sie meiner Intuition, lieber Freund, nur das…«

Ich bat Orlan um eine Aviette für Aster und Mary.

Er gestattete, eine zu nehmen, lehnte es jedoch ab, sie zwischen den Menschen zu plazieren. Die Aviettes sollten der Gefangenenkolonne folgen. Trub und Oshima versuchten mich zu überreden, Aster nicht ganz und gar den Verderbern auszuliefern. Trub hob Aster hoch, um zu beweisen, daß es ihm nicht schwer falle, den Jungen zu tragen. »Heute drückt es uns weniger zu Boden, Eli!«

»Die Schwerkraft wird schwächer«, bestätigte Oshima. Ihr Zureden wirkte, um so mehr, als auch Mary kein Verlangen danach hatte, allein unter den Feinden zu bleiben. Trub stellte sich mit Aster zwischen Mary und Oshima.

7

Wie blind schleppte ich mich weiter. Ich sah nicht den Planeten, nicht den Himmel, nicht das rasend lohende Gestirn, nicht die Menschen, nicht die Verderber. Ich war in meiner eigenen kleinen Welt, die von der äußeren so völlig abgesondert war, wie sich der Orangefarbene vom gesamten All abgesondert hatte. Ein Sturm wütete in mir, ich taumelte nicht unter der Schwerkraft, sondern unter der Last meiner Qualen. All meine Gedanken, all meine Empfindungen waren darauf gerichtet, jenen unbekannten Freund oder die Freunde zu rufen, die mir die prophetischen Träume eingegeben hatten. Ich wußte nicht, ob sie in Wirklichkeit existierten, ob es nicht Fieberwahn war, sie für existent zu halten, aber ich rief sie, flehte sie an zu erscheinen, bat sie, mich zu erleuchten… Helft, bat ich sie stumm, helft, wir brauchen eure Hilfe!

Mary führte mich zu einem Drachen. Auf seinem Rücken ruhte unbeweglich Aster. Ich sprach mit ihm, doch er reagierte nicht, und ich wußte schon, daß er nicht reagieren würde, denn langsam erlosch er…

»Eli, du mußt dich ausruhen«, sagte Mary leise.

Ich ging, und den Platz neben Aster nahmen Lussin und André ein. Ich drehte mich um. Lussin sagte etwas zu meinem Jungen und streichelte ihm die Hände, André stand mit hängendem Kopf, Mary weinte still.

Ich dachte, mir wäre sicherlich leichter, wenn ich auch weinen könnte, aber ich hatte keine Tränen, ich war ausgedörrt, eine grausame Flamme verzehrte mich.

Als der Stern untergegangen war, ruhte Aster immer noch auf dem Rücken des Drachens. Morgen läßt die Schwerkraft weiter nach, dachte ich. Während ich noch bei Aster stand, wurde mir plötzlich schwarz vor den Augen.

Ich war der Wirklichkeit noch nicht völlig entrückt, da hatte mich bereits ein Traum umfangen. Wie mit fremden Augen beobachtete ich, wie ich über die Kette der augenköpfigen Wächter ans andere Lagerende versetzt wurde, wo die Feinde kampierten. Dabei wurde ich in einen Zerstörer transformiert.

Ich schritt mit Orlan durchs nächtliche Lager, als einer seiner Wächter, als einer von den beiden, die ihn stets begleiteten, denn der zweite war nicht da. Orlan flüsterte mir zu: »Merk dir jede Meinung, das ist wichtig, Krad…«

»Ja«, sagte ich, deutlich hörte ich den drohenden Klang meiner Stimme, denn Orlan wußte ja nicht, daß ich keineswegs Krad, sondern Eli war. »Ich werde mir alles merken!«

Bald darauf begann eine Konferenz der Heerführer und der Wache. Und ich nahm daran teil. Undurchdringliche Nacht lag über dem Planeten, gedämpfte Geräusche drangen herüber, die Gefangenen stöhnten, schluchzten und redeten im Schlaf, die Pegasusse und Drachen wälzten sich schwerfällig, während wir in einer goldenen Mulde saßen, abgeschirmt durch Felsen aus Blei, beleuchtet vom dämmrigen Schein der Augenköpfigen.

Orlan eröffnete die Konferenz. »Die Lage ist ernst«, sagte er. »Wir müssen wichtige Entscheidungen treffen.«

»Sage, was du weißt, Orlan«, bat der große Unsichtbare. »Man kann nicht wirksame Entscheidungen treffen, wenn man nicht genau informiert ist.«

»Alle Gefangenen vernichten das ist die einzige Entscheidung«, sagte Orlans zweiter Wächter brüsk.

Er benahm sich wie ein Führer und nicht wie der schweigsame Leibwächter, als den ich ihn gekannt hatte. Unvermutet wurde mir bewußt, daß ich sein Gesicht nie richtig gesehen hatte. Auch jetzt sah ich es nicht.

Orlan warf dem zweiten Wächter einen Blick zu, schwieg aber.

»Ich begreife deinen Wunsch, Gig«, wandte er sich nun an den hochgewachsenen Unsichtbaren, »doch ich kann kaum Neues mitteilen, Verbindung zur Station haben wir nach wie vor nicht. Wir marschieren aufs Geratewohl, handeln aufs Geratewohl.«