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Claudia antwortete schadenfroh grinsend, um Neros Gunst brauchte ich mich ohnehin nicht mehr zu bemühen und mein Leben sei allein dadurch schon in Gefahr, daß ich einen Sohn in die Welt gesetzt hatte, in dessen Adern das Blut der Claudier floß. Mir lief es bei diesen Worten kalt über den Rücken, aber Claudia erklärte sich nun endlich gnädig bereit, mir meinen Sohn zu zeigen.

Du warst ein schönes, makelloses Kind, sahst aus dunklen Augen an mir vorbei und packtest mit Deinen kleinen Fingern meinen Daumen, als wolltest Du mir gleich den goldenen Ring abnehmen. Mein Herz hast Du jedenfalls gleich genommen, und das war mir noch nie zuvor geschehen. Du bist mein Sohn, Du magst es wollen oder nicht.

Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen, bat Epaphroditus, Sabina und Lausus, mich zu begleiten, und hielt an einem Nachmittag, an dem ich annehmen konnte, daß Nero nach dem Mahl und einem erfrischenden Bad bis in die Nacht hinein weitertrinken und sich vergnügen werde, im fertigen Teil des Goldenen Hauses um Audienz an. Die Künstler waren eben dabei, die Wandmalereien in den Gängen zu beenden. Der runde Speisesaal, der von Gold und Elfenbein glänzte, war erst halb fertig.

Nero beschäftigte sich gerade mit den Plänen zu einer Riesenstatue seiner selbst, die vor dem Durchgangsgebäude aufgestellt werden sollte. Er zeigte mir die Zeichnungen und erwies den Bildhauern so viel schmeichelnde Aufmerksamkeit, daß er mir die Namen dieser Handwerker nannte, als wären wir von gleichem Rang. Ich nahm jedoch nicht Anstoß daran, sondern freute mich, daß Nero bei bester Laune war.

Er schickte die Handwerker fort, als ich ihn bat, unter vier Augen mit ihm sprechen zu dürfen, sah mich schuldbewußt an, rieb sich verlegen das Kinn und gestand, daß auch er mit mir zu reden habe. Es falle ihm nicht leicht und er habe es immer wieder aufgeschoben, weil er fürchtete, ich könnte ihm übelnehmen, was er mir sagen müsse.

Ich legte ihm mit vielen Worten dar, wie treu und unter welchen Opfern ich durch so viele Jahre den großen Tiergarten Roms geführt hatte. Dieses Amt werde mir nun, so sagte ich, eine allzu schwere Bürde, zumal ein neuer, zum Goldenen Haus gehöriger Tiergarten angelegt werden müsse und ich mich dieser Aufgabe, die großen künstlerischen Geschmack erfordere, nicht gewachsen fühle. Ich sei daher gekommen, um ihn zu bitten, mich von meinem Amt zu befreien.

Als Nero zu begreifen begann, wo ich mit meiner langen Rede hinauswollte, erhellte sich seine Miene. Er lachte und schlug mir zum Zeichen seiner Gunst freundschaftlich auf die Schulter.

»Sei ohne Sorge, Minutus«, sagte er. »Deinen Wunsch will ich dir gern erfüllen. Ich will ihn dir um so lieber erfüllen, als ich ohnehin schon seit geraumer Zeit nach einem passenden Vorwand suche, dich deines Amtes zu entheben. Gewisse einflußreiche Personen machen mir seit dem Herbst immer wieder Vorwürfe wegen der unnötig grausamen Vorführungen, die du veranstaltet hast, und verlangen, daß ich dich zur Strafe für deinen schlechten Geschmack absetze. Ich muß selbst sagen, daß gewisse Einzelheiten der Vorstellung mir den Magen umgedreht haben, obwohl die Brandstifter natürlich ihre Strafe verdienten. Es freut mich, daß du selbst eingesehen hast, wie unhaltbar deine Stellung geworden ist. Ich konnte ja nicht ahnen, daß du mein Vertrauen mißbrauchen und eines Erbstreits wegen deinen eigenen Halbbruder gegen die Löwen schicken würdest.«

Ich öffnete den Mund, um diese wahnsinnige Beschuldigung zurückzuweisen, aber Nero fuhr mit finsterer Miene fort: »Die Hinterlassenschaft deines Vaters und seine Geschäfte sind so undurchsichtig und verworren, daß ich noch nicht einmal meine Auslagen wieder hereinbrachte, als ich die Forderungen eintrieb. Man munkelt, du habest im vollen Einverständnis mit deinem Vater den größten Teil des Vermögens auf die Seite geschafft, um den Staat und mich zu betrügen. Das mag ich von dir nicht glauben, denn ich weiß, daß du mit deinem Vater verfeindet warst. Ich müßte dich sonst aus Rom verbannen. Ich habe vielmehr deine Tante Laelia im Verdacht, die es für gut befand, sich das Leben zu nehmen, um der Strafe zu entgehen. Aber ich hoffe, du hast nichts dagegen, daß ich die Ädilen bitte, einmal einen Blick in deine Bücher zu werfen. Ich würde es nicht tun, wenn ich nicht dank der rücksichtslosen Habgier gewisser Leute ständig in Geldnöten wäre. Sie klemmen ihre Geldbeutel zu und weigern sich, ihrem Kaiser zu helfen, sich endlich eine menschenwürdige Wohnstätte zu schaffen. Und ob du es glaubst oder nicht: Seneca hat sich damit begnügt, mir lächerliche zehn Millionen Sesterze zu schicken, er, der immer behauptete, er sei bereit, mir alles zu geben, was er besaß, weil er nur zu gut wußte, daß ich es aus politischen Gründen nicht annehmen konnte. Pallas liegt auf seinem Geld wie ein feister Köter, und von dir habe ich sagen hören, daß du einige Monate vor dem Brand alle deine Mietshäuser und Baugründe in den Stadtteilen verkauft hast, die später am schlimmsten verheert wurden. Statt dessen hast du billigen Boden in Ostia gekauft, der seither beträchtlich im Wert gestiegen ist. Eine solche Umsicht sieht sehr verdächtig aus. Wenn ich dich nicht kannte, würde ich dich der Teilnahme an der Verschwörung der Christen anklagen.«

Er lachte laut auf, und ich benutzte die Gelegenheit, um ihn rasch zu versichern, mein Vermögen stehe ihm selbstverständlich zur Verfügung, wenngleich ich nicht so reich sei, wie allgemein angenommen werde. In dieser Hinsicht könne ich mit Seneca oder Pallas nicht in einem Atem genannt werden. Nero klopfte mir begütigend auf die Schulter und sagte: »Nimm mir den kleinen Scherz nicht übel, Minutus. Es ist für dich selbst das beste, du weißt, was alles über dich geredet wird. Ein Herrscher hat es schwer. Er muß alle anhören und weiß nie, wessen Absichten wirklich lauter sind. Immerhin sagt mir aber meine Menschenkenntnis, daß du eher einfältig als umsichtig bist. Ich will daher nicht aufgrund von Gerüchten und wegen der Verbrechen deines Vaters dein Vermögen beschlagnahmen. Daß ich dich wegen Untauglichkeit deines Amtes enthebe, sei Strafe genug. Ich weiß nur nicht, wen ich an deiner Stelle ernennen soll. Es finden sich für dieses Amt, das keinerlei politische Bedeutung hat, keine Bewerber.«

Ich hätte ihm über die politische Bedeutung dieses Amtes das eine oder andere sagen können, aber ich schlug ihm statt dessen lieber vor, den Tiergarten Sabina und Epaphroditus zu überlassen. In diesem Falle würde ich keine Entschädigung fordern und die Ädilen brauchten sich nicht die Mühe zu machen, meine Bücher zu überprüfen. Dies sei mein Angebot als ehrlicher Mann. Zuerst aber müsse Epaphroditus in den Ritterstand erhoben werden.

»Über die Hautfarbe eines römischen Ritters steht in keinem Gesetz, in keiner Verordnung ein Wort zu lesen«, sagte ich. »Die einzige Bedingung ist ein gewisses Vermögen und jährliches Einkommen, obgleich es natürlich zuletzt ganz von deiner Gnade abhängt, wen du zum Ritter machen willst. Und ich weiß, daß Nero nichts unmöglich ist. Wenn du meinen Vorschlag günstig aufnimmst, so erlaube mir, Epaphroditus und Sabina hereinzurufen.«

Nero kannte Epaphroditus vom Sehen, und er hatte gewiß vor meiner Scheidung mit meinen anderen Freunden heimlich über meine Leichtgläubigkeit gelacht. Nun erheiterte es ihn, daß ausgerechnet ich ein Wort für ihn einlegte, und er lachte offen heraus, als Sabina Lausus hereinführte und er die Hautfarbe des Knaben mit der des Epaphroditus verglich.

Ich glaube, all dies bestärkte Nero in seiner Meinung, daß ich ein leichtgläubiger Tropf sei, doch das konnte mir nur recht sein. Ich durfte auf keinen Fall zulassen, daß die Ädilen die Buchführung des Tiergartens überprüften. Wenn Nero glaubte, Epaphroditus habe sich auf meine Kosten so bereichert, daß er nun imstande war, das für einen Ritter erforderliche Vermögen nachzuweisen, so war das seine Sache.