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Nach ein paar Tagen war ich es müde, im Lager umherzuwandern und mir die unverschämten Witzeleien der alten Legionäre anzuhören. Ich nahm eine Axt und begann Bäume zu fällen. Beim Einrammen der Pfähle griff ich mit ins Zugseil der Ramme und stimmte in den Gesang der anderen ein. Die beiden Zenturionen und den Baumeister lud ich abends zum Wein, den man zu unverschämten Preisen vom Händler des Lagers kaufen konnte, aber oft gesellte ich mich auch zu den narbenbedeckten unteren Dienstgraden am Lagerfeuer und teilte mit ihnen Grütze und Pökelfleisch. Ich wurde kräftiger, härter und rauher, ich lernte fluchen und machte mir nichts mehr daraus, wenn man mich fragte, wann ich eigentlich von der Mutterbrust entwöhnt worden sei.

Zu unserer Garnison gehörten zwanzig gallische Reiter. Als deren Führer merkte, daß ich es nicht darauf anlegte, ihm das Kommando abzunehmen, sagte er, es sei an der Zeit, daß ich meinen ersten Briten erschlüge, und nahm mich auf einen Beutezug mit. Wir setzten über den Fluß und ritten auf einer langen Straße zu einer Stadt, deren Bewohner darüber geklagt hatten, daß ein Nachbarstamm sie bedrohe. Sie hatten ihre Waffen versteckt, aber die Veteranen, die uns zu Fuß nachfolgten, wußten sie in den Erdböden der runden Hütten und den Abfallhaufen davor zu finden. Nachdem sie die Waffen ausgegraben hatten, plünderten sie die Stadt und nahmen alles Getreide und einen Teil des Viehs an sich. Die Männer, die ihre Habe zu verteidigen versuchten, machten sie erbarmungslos nieder, da die Briten, wie sie mir versicherten, nicht einmal zu Sklaven taugten. Die Frauen, die sich nicht in den Wäldern versteckt hatten, vergewaltigten sie freundlich grinsend und mit der Selbstverständlichkeit, mit der man Gewohntes tut.

Diese wahnwitzige, zwecklose Zerstörung erschreckte mich, aber der Führer der Reiterabteilung lachte nur und bat mich, ruhig Blut zu bewahren und die Waffen bereitzuhalten. Die Bitte der Stadt um Schutz sei nur eine der üblichen Fallen gewesen, sagte er, das bewiesen ja die Waffen, die wir gefunden hatten. Tatsächlich setzten beim Morgengrauen die blaubemalten Briten von allen Seiten her laut brüllend zum Angriff auf die Stadt an.

Sie hatten gehofft, uns zu überrumpeln, aber wir waren auf der Hut gewesen und hielten den leicht bewaffneten Barbaren, die nicht die starken Schilde unserer Legionäre hatten, ohne weiteres stand. Die Veteranen, die tags zuvor die Stadt verwüstet hatten und denen ich die Bluttaten, die ich mit eigenen Augen angesehen hatte, nie verzeihen wollte, nahmen mich fürsorglich in ihre Mitte und schützten mich. Als die Briten flohen, ließen sie einen Krieger zurück, der am Knie verwundet war. Er schrie wild, stützte sich auf seinen Lederschild und schwang sein Schwert. Die Veteranen stießen mich nach vorn und riefen lachend: »Da hast du einen! Nun töte deinen Briten, kleiner Freund!«

Es war mir ein leichtes, mich gut zu decken und den Verwundeten trotz seiner Körperkraft und seinem Schwert zusammenzuschlagen. Als ich ihm aber zuletzt mein langes Reiterschwert in die Kehle gestoßen hatte und er röchelnd und aus vielen Wunden blutend auf dem Boden lag, mußte ich mich abwenden und mich erbrechen. Voll Scham über meine Schwäche sprang ich rasch in den Sattel und schloß mich den Galliern an, die den fliehenden Feind in den Wald hinein verfolgten, bis das Horn sie zurückrief. Wir verließen die Stadt und bereiteten uns auf einen zweiten Angriff vor, denn unser Zenturio war überzeugt, daß die Briten sich noch nicht geschlagen gaben. Wir hatten einen beschwerlichen Weg vor uns, denn wir mußten das Vieh treiben und das Korn in Weidenkörben schleppen. Die Briten unternahmen mehrere Überraschungsangriffe, und ich fühlte mich ein wenig besser, als ich mich selbst meiner Haut erwehren mußte und sogar versuchen konnte, andere vom Pferd aus zu schützen, aber eine ehrenhafte Kriegführung schien mir das dennoch nicht zu sein.

Als wir endlich im Schutz unserer Befestigungen den Fluß überquert hatten, stellten wir fest, daß wir zwei Mann und ein Pferd verloren hatten und daß viele verwundet worden waren. Todmüde ging ich in meine Hütte, um zu schlafen, aber immer wieder schrak ich auf und glaubte aus den Wäldern das Kriegsgeheul der Briten zu hören.

Am nächsten Tag mochte ich nichts von der Beute annehmen, aber der Führer der Reiterabteilung rühmte mich laut und rief, ich hätte mich vortrefflich geschlagen, gewaltig mit dem Schwert um mich gehauen und vor Angst fast ebenso laut gebrüllt wie die Briten. Daher hätte ich dasselbe Recht auf Beute wie die anderen. Da stießen die Veteranen ein halbwüchsiges Britenmädchen mit gefesselten Händen vor mich hin und sagten: »Hier hast du deinen Anteil an der Beute, damit du dich nicht langweilst und uns wieder verläßt, du tapferes Ritterknäblein.«

Ich rief entsetzt, ich dächte nicht daran, mich mit einer Sklavin abzuplagen, aber die Veteranen grinsten nur und versicherten mir mit unschuldsvollen Mienen: »Wenn einer von uns sie nimmt, steckt sie ihm bloß einen Dolch in die Gurgel, sobald sie die Hände frei hat. Du aber bist ein vornehmer Jüngling mit feinen Manieren und kannst sogar Griechisch. Du gefällst ihr bestimmt besser.«

Sie versprechen mir bereitwillig, mir mit gutem Rat zu helfen und mir zu zeigen, wie man sich so eine Sklavin zieht. Zu allererst einmal müsse ich sie jeden Morgen und jeden Abend prügeln, um ihr die Mucken auszutreiben, sagten sie und gaben mir noch andere Ratschläge, die ich aber nicht auf sauberem Papier niederschreiben mag. Als ich mich immer noch weigerte, spielten sie die Betrübten, schüttelten traurig die Köpfe und sagten: »Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als sie für ein paar Denare an den Händler zu verschachern. Wie es ihr dort ergeht, kannst du dir selber ausmalen.«

Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn dieses verschreckte Kind mit Peitschenhieben zur Lagerhure gemacht worden wäre. Widerwillig erklärte ich mich daher bereit, die Britin als meinen Anteil an der Beute anzunehmen. Ich geleitete die Veteranen aus meiner Hütte, setzte mich ihr gegenüber nieder und starrte sie an. Ihr kindliches Gesicht war voll blauer Flecke, und ihr rotleuchtendes Haar hing ihr in wirren Strähnen in die Stirn. Sie erinnerte mich an eines der kleinen britischen Fohlen, wie sie da unter den Haaren hervor nach mir schielte.

Ich begann zu lachen, zerschnitt mit meinem Messer ihre Fesseln und forderte sie durch Gesten auf, sich das Gesicht zu waschen und das Haar zu kämmen. Sie rieb sich die geschwollenen Handgelenke und starrte mich argwöhnisch an. Zuletzt holte ich den Baumeister, der ein wenig von der Sprache der Briten verstand, und bat ihn, mir zu helfen. Er lachte über meine Verlegenheit und stellte fest, daß das Mädchen wenigstens gesund war und gerade Glieder hatte. Als sie ihre eigene Sprache hörte, schien sie Mut zu fassen. Die beiden schwatzten eine Weile lebhaft miteinander, dann erklärte mir der Baumeister: »Sie will sich weder waschen noch kämmen, weil sie deinen Absichten mißtraut. Wenn du sie anrührst, bringt sie dich um, das schwört sie bei der Hasengöttin.«

Ich versicherte, der Gedanke, das Mädchen anzurühren, läge mir fern, und der Baumeister meinte, es wäre das Vernünftigste, ihr Wein zu trinken zu geben. »Sie wird schnell betrunken sein, denn die unzivilisierten Briten sind den Wein nicht gewohnt, und dann kannst du mit ihr machen, was du willst. Paß nur auf, daß du selbst dich nicht betrinkst, denn sie ist imstande und schneidet dir die Kehle durch, wenn sie wieder nüchtern wird. So ist es einem unserer Gerber ergangen, der unvorsichtig genug war, sich in Gesellschaft einer ungezähmten Britin einen Rausch anzutrinken.«

Ich wiederholte ungeduldig, daß ich nicht die Absicht hatte, dem Mädchen etwas anzutun, aber der Baumeister meinte, ich sollte sie lieber fesseln, sonst würde sie bei der ersten besten Gelegenheit zu den Ihren fliehen. »Ich wünsche mir nichts Besseres«, sagte ich. »Erkläre ihr, daß ich sie heute nacht an den Posten vorbeibringe und laufenlasse.«