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Tags darauf überlegte ich lange, ob ich eine Nachricht in die Garnison schicken sollte, um für meinen Antrittsbesuch ein Reitpferd und eine Ehrenwache zu bekommen, worauf ich selbstverständlich ein Recht hatte. Da ich aber meinen Vorgesetzten Rubrius noch nicht kannte, hielt ich es zuletzt doch für das beste, eher bescheiden aufzutreten. Ich legte daher nur nach Vorschrift meinen Brustharnisch mit dem silbernen Adler an, zog die eisenbeschlagenen Schuhe und die Beinschienen an und setzte den Helm mit dem roten Federbusch auf. Um die Schultern legte mir Hierax den kurzen roten Kriegstribunenmantel.

Mein Aufzug erweckte so viel Aufsehen in der Herberge, daß sogar die Köche und die Putzweiber sich in der Tür drängten, um einen Blick zu erhaschen. Als ich mit klirrender Rüstung ein Stück marschiert war, begannen die Leute hinter und neben mir herzulaufen und zu gaffen. Die Männer zeigten auf meinen Helmbusch und riefen etwas, was ich nicht verstand, die Frauen betasteten meinen Brustharnisch, und einige Straßenjungen gingen schreiend und grölend im Gleichschritt neben mir her. Es dauerte dennoch eine Weile, bis ich endlich begriff, daß man mich verspottete.

Ich empfand meine Lage als so peinlich, daß ich am liebsten mein langes Reiterschwert gezogen und mit der flachen Klinge um mich gehauen hätte, sagte mir jedoch, daß das nur zu noch größerem Aufruhr führen würde, und wandte mich mit rotem Kopf an einen Ordnungswächter. Der verjagte mit seinem Rohrstock die Gassenjungen, um mir einen Weg zu bahnen. Trotzdem folgten mir noch immer mindestens hundert Menschen bis zum Tor der Garnison.

Die Posten nahmen hastig Schild und Lanze von der Mauer, und der eine blies auf seinem Horn Alarm, als er den johlenden Volkshaufen auf die Kaserne zukommen sah. Die Leute dachten jedoch nicht daran, den Bereich der Garnison zu betreten und sich dafür ein paar Stockhiebe einzuhandeln. Sie hielten im Halbkreis vor den Lanzenspitzen der Soldaten, riefen mir Glückwünsche zu und beteuerten, sie hätten seit Jahren keinen so erhebenden Anblick mehr genossen.

Der Oberzenturio der Kohorte kam im Untergewand auf mich zugerannt. Eine Handvoll mit Lanze und Schild bewaffneter Legionäre rottete sich zu einem formlosen Haufen auf dem Hof zusammen. Man möge mir verzeihen, daß ich sie in der Dummheit meiner Jugend anbrüllte und ihnen Befehle erteilte, wozu ich gar nicht berechtigt war, da ich mich noch nicht bei Rubrius gemeldet hatte. Ich jagte sie im Laufschritt zur Mauer und wieder zurück und befahl ihnen, ordentlich anzutreten, dann bat ich den Zenturio, den Befehl zu übernehmen. Er stand breitbeinig vor mir, die Arme in die Seiten gestemmt und mit langen Bartstoppeln im Gesicht, und antwortete verblüfft: »Rubrius schläft noch nach einer schweren Nachtübung, und es geht nicht an, ihn zu wecken. Auch die Mannschaft ist müde von der Übung. Wie wäre es, wenn du erst einmal einen Schluck Wein mit mir tränkest und mir sagtest, wer du bist, woher du kommst und warum du stirnrunzelnd und zähneknirschend auf uns niederfährst wie der Kriegsgott selbst?«

An seinem Gesicht und seinen narbenbedeckten Oberschenkeln erkannte ich, daß ich einen alten Veteranen vor mir hatte, und ich mußte seiner Aufforderung wohl nachkommen. Ein junger Ritter wie ich konnte von so einem alten Zenturio leicht einen Nasenstüber bekommen, und ich wollte nach der soeben erlittenen Schmach nicht auch noch vor der Mannschaft gedemütigt werden, von der bereits einige langsam auf uns zuschlenderten.

Der Zenturio führte mich in seine Kammer, die nach Leder und Metallputzmitteln roch, und wollte mir aus einem Tonkrug Wein einschenken. Ich lehnte ab und sagte, ich dürfe auf Grund eines Gelübdes nur Wasser und Gemüse zu mir nehmen. Er sah mich erstaunt an und meinte: »Korinth gilt im allgemeinen nicht als Verbannungsort. Du mußt aus einer sehr vornehmen Familie stammen, wenn man dich für das, was du in Rom angestellt hast, hierherschickt.«

Er kratzte sich am Kinn, daß die Bartstoppeln raschelten, gähnte herzhaft und trank dann selbst von dem Wein. Auf meinen Befehl holte er schließlich wenigstens Rubrius’ Schreiber und die Kohortenrolle und erklärte: »In der Stadt hier haben wir nur vor dem Hof des Prokonsuls und an den Toren der meistbenützten Straßen Posten stehen. In Kenchreae und Lykaion – das sind, wie du wissen dürftest, Häfen – befinden sich ständige Garnisonen, die ihre eigenen Unterkünfte haben, so daß die Männer nicht zwischen Hafen und Kaserne hin und her zu laufen brauchen. Laut Rolle sind wir eine vollzählige Kohorte samt Zeugmeistern und anderen Spezialisten, so dal? wir im Bedarfsfall eine selbständige Feldeinheit bilden können.«

Ich fragte nach der Reiterei, und der Zenturio antwortete: »Genaugenommen haben wir im Augenblick nicht einen einzigen Berittenen. Rubrius und dem Statthalter stehen natürlich Pferde zur Verfügung, aber sie benützen lieber eine Sänfte. Du kannst dir ja ein Pferd nehmen, wenn du unbedingt eines haben mußt. Im übrigen hat uns die korinthische Reiterei auf Befehl beizustehen.«

Als ich mich nach der Tageseinteilung, dem Exerzieren, Waffenputzen und dergleichen erkundigte, warf er mir einen mißtrauischen Blick zu und sagte: »Darüber sprichst du am besten mit Rubrius selbst. Ich bin nur sein Untergebener.«

Um Zeit zu gewinnen, besichtigte ich die leeren Unterkünfte, die voller Unrat und Spinnweben waren, die Waffenkammer, die Küche und den Altar. Die Garnison hatte keinen eigenen Adler, sondern nur eines der üblichen Kohortenfeldzeichen mit Quasten und Gedenkschildern. Ich war nach dieser Besichtigungsrunde ebenso verblüfft wie entsetzt.

»Wo stecken denn die Kerle alle?« rief ich laut. »Was tun wir, wenn wir plötzlich ausrücken und kämpfen müssen?«

Der Zenturio verlor allmählich die Geduld mit mir und antwortete übellaunig: »Das fragst du am besten auch deinen unmittelbaren Vorgesetzten Rubrius.«

Zu Mittag ließ mich Rubrius endlich rufen. Er bewohnte einen auf griechische Art sehr geschmackvoll eingerichteten Raum, und ich sah mindestens drei recht junge Frauen, die ihn bedienten. Er hatte eine Glatze, ein aufgedunsenes Gesicht mit geplatzten Äderchen und bläuliche Lippen. Ich bemerkte, daß er beim Gehen den linken Fuß nachzog. Er empfing mich herzlich, umarmte mich und blies mir seinen nach Wein riechenden Atem ins Gesicht und forderte mich auf, mich sogleich niederzulassen und mich so frei und ungezwungen zu benehmen, als wäre ich bei mir zu Hause.

»Du kommst aus Rom und wunderst dich gewiß über unser faules, bequemes Leben«, sagte er. »Es ist wirklich an der Zeit, daß einmal ein junger Ritter erscheint und uns Beine macht. Ach ja, du bist ja Kriegstribun und hast dir den Rang in Britannien erworben! Ich verstehe! Daß man dich hierherschickte, ist also eine Auszeichnung!«

Ich bat ihn um Dienstanweisungen. Er zögerte mit der Antwort und meinte schließlich: »Wir brauchen uns in Korinth nicht in Kriegsbereitschaft zu halten; im Gegenteil, der Rat der Stadt und die Einwohner würden das nur als eine Beleidigung auffassen. Die meisten Legionäre sind verheiratet. Ich habe ihnen erlaubt, bei ihren Familien in der Stadt zu wohnen, ein Handwerk auszuüben oder Handel zu treiben. Ab und zu, an römischen Festtagen, halten wir natürlich Musterung, aber nur innerhalb unserer Mauern, um kein unnötiges Aufsehen zu erregen.«

Ich erkühnte mich, darauf hinzuweisen, daß die Soldaten, die ich gesehen hatte, faul und zuchtlos waren, daß in der Waffenkammer der Staub fingerdick lag und daß die Unterkünfte vor Schmutz starrten. »Wohl möglich«, gab Rubrius zu. »Ich habe mich schon seit einer Weile nicht mehr so recht um die Leute kümmern können. Das Gesellschaftsleben hier in Korinth fordert einen hohen Zoll von einem betagten Manne wie mir. Zum Glück habe ich einen zuverlässigen Oberzenturio, der für alles verantwortlich ist. An sich wärst du der nächste nach mir, aber es würde ihn kränken, wenn ich ihn zurücksetzte. Vielleicht könnt ihr euch miteinander einigen und euren Dienst sozusagen als Gleichgestellte tun, nur kommt mir nicht und beschwert euch einer über den andern. Ich habe in meinem Leben genug Verdruß gehabt und möchte meine restliche Zeit in Ruhe abdienen. Es sind ohnehin nur noch ein paar Jahre.« Plötzlich sah er mich scharf an und fügte anscheinend zerstreut hinzu: »Weißt du übrigens, daß meine Schwester Rubria die älteste der Vestalinnen in Rom ist?«