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»Ja. Und das ist sicher kein Zufall. Als der Buckel sich aufwölbte, taten sich vielleicht Risse und Spalten in der Oberfläche auf und Magma strömte aus. Das muß Erdbeben und Auffaltungen zur Folge gehabt haben.«

»Es wäre also möglich, Valles Marineris als Landezone auszuwählen«, sagte Stone.

»Schon möglich«, sagte York. »Diese Flagge markiert eigentlich einen Seitenarm namens Condor Chasma. Die Schichtung der Wände erteilt uns Aufschluß über die Entstehung des Canyons.«

»Aber ich möchte wetten, daß es ein ziemlich schwieriges Gelände für eine Landung ist.«

»Nein. Die kleineren Schluchten sind teilweise ein paar Kilometer tief. Wenn man den Ort für ein paar Monate untersuchen und eine Drohne einsetzen würde.«

»Die Zeit haben wir aber nicht«, sagte Stone. »Gut, Natalie. Das reduziert die Auswahl auf zwei Orte. Das Gebiet zwischen den alten Vulkanen in der südlichen Hemisphäre und die vulkanischen Ebenen im Norden.«

»Ja. Das Gebiet in der östlichen Hemisphäre« - auf der Tharsis gegenüberliegenden Seite des Mars - »heißt Nilosyrtis Mensa. Ein solches Gelände bezeichnen wir als >gefrittet<.« Sie zeigte ihnen das Schwarzweißbild einer pockennarbigen Oberfläche.

»Toll«, sagte Stone. »Das sieht aus wie geschmiedetes Kupfer.«

»Wir vermuten, daß diese waschbrettartige Landschaft die Folge eines Erosionsprozesses der älteren, südlichen Hemisphäre ist.«

»Ein verdammt ungünstiger Landeplatz«, sagte Bleeker.

»Ja, und man brauchte lange Traversen, um das Gelände systematisch zu kartieren.«

»In Ordnung. Dann scheidet das also auch aus.«

»Die letzte Flagge markierte den westlichen Ausläufer des Tharsis-Buckel s, an der Grenze zwischen der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Sie steckte in der Mitte eines grünen Streifens, der sich von Nord nach Süd durch die Valles zog.

Dieser grüne Streifen bildete zusammen mit dem blauen Band der Valles ein Kreuz auf dem Äquator.

Dies ist eine Region, die von fließendem Wasser geformt wurde. Jedenfalls hat es den Anschein. Es gibt dort Kanäle, die von Valles Marineris ausgehen und durch die nördlichen Ebenen verlaufen.«

Stone lächelte. »Dann sind das also die berühmten, vom Wasser geprägten Merkmale, von denen Sie uns im Singing Wheel erzählt haben.«

»Dieses Gebiet befindet sich am Äquator«, sagte sie. »Wir haben hier eine Mischform aus jungen und alten geologischen Typen. Und das ist wichtig für uns. Gemischtes Gelände ist in der Regel komplex und zerklüftet. Doch diese Landschaft wäre für eine Landung gut geeignet. Und wenn es irgendwo Wasser gibt, dann dort. Vielleicht unter der Oberfläche. Und wo Wasser ist.«

»Ist vielleicht auch Leben.« Stone erhob sich vom Stuhl und ging zur Karte hinüber. Er trat so dicht heran, daß er die Beschriftung neben dem Fähnchen erkannte. »Mangala Vallis. Was bedeutet das?«

»Die größeren Valles sind jeweils mit dem Namen des Planeten in verschiedenen Sprachen benannt worden. Hier, östlich von Marineris, haben wir sogar ein Ares-Tal.«

»Und Mangala?«

»Sanskrit. Die älteste Sprache der indoeuropäischen Gruppe.«

»Dann ist Mangala vielleicht das älteste Wort für Mars in der westlichen Welt.« Stone lächelte. »Das gefällt mir.« Er blieb vor der Karte stehen und drehte sich zu York um. »Dann haben Sie der Auswahlkommission also Mangala Vallis untergejubelt. Aus rein operativen Gründen natürlich. Ein Ort, den Sie zufällig besser kennen als sonst jemand. Nicht wahr, York?«

Er grinste, und Bleeker auch.

»Noch immer scharf auf meinen Platz, Natalie?« fragte Bleeker launig.

Ihr lief es kalt den Rücken hinunter. Die Kerle haben mich durchschaut.

Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Wenn Bleeker weiß, daß ich ihn im Visier habe, wird er die Geologie vielleicht etwas ernster nehmen.

Und er müßte sich nur noch einen Ausrutscher erlauben...

Sie rollte die Karten zusammen. »Was sagen Sie dazu? Ich lasse Ihnen das Manuskript meines Beitrags im nächsten Journal of Geophysical Research zukommen. Er handelt von Mangala. Ich wünsche eine spannende Lektüre.«

»Was nun?« fragte Stone. »Sind wir fertig?«

»Schön war’s. Das war erst der Anfang - der angenehme Teil. Nun kommen wir zur Klimatologie des Mars. Wir stellen sie der Klimatologie der Erde gegenüber und.«

Nörgelnd setzten die Burschen sich wieder.

So verging der Tag, und im kleinen Raum wurde es immer wärmer.

Oktober 1981

Insgesamt fünf Firmen gaben ein Angebot für die Produktion des Mars-Exkursionsmoduls ab: Rockwell, McDonnell, Martin, Boeing und JK Lees Firma, Columbia.

Die Arbeit des MEM-Prüfungsausschusses war langwierig und kompliziert. Es war alles eine Frage der Gewichtung der Kriterien; Ralph Gershon hatte so etwas noch nie gesehen. Es gab Unterausschüsse zur Beurteilung der administrativen Kapazität des Anbieters, der >Geschäftsmethoden< und der technischen Qualifikation« Gershon saß selbst in drei Unterausschüssen. Und jeder Unterausschuß bewertete die

Angebote anhand eines Punktschemas mit ein paar hundert Kriterien.

Für Gershon ergab das alles keinen Sinn. Würde der Zuschlag wirklich auf der Grundlage dieser Zahlen erfolgen? Wenn man die Entscheidungsfindung zu einem mechanischen Prozeß degradierte, wäre es eines Tages auch möglich, die NASA durch einen Computer zu ersetzen.

Es war offensichtlich für Gershon, daß Columbia in diesem Wettbewerb die plausibelste Strategie verfolgte. Die NASA und die großen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie hatten fast ein ganzes Jahrzehnt mit Studien, Vorschlägen und Beurteilungen von exotischen Marsfähren vergeudet, ohne je zu konkreten Ergebnissen zu gelangen. Lees Leute indes waren unkonventionell vorgegangen, hatten sich gar nicht erst mit den ausgelutschten Konzepten aufgehalten und statt dessen ein Gerät präsentiert, das so aussah, als ob es in ein paar Jahren flugfähig sei.

Leider war Intuition bei der Beurteilung des Angebots kein relevantes Kriterium. Obwohl Columbia die technische Konzeption kompetent vermittelt hatte - wobei man die Problematik des >menschlichen Faktors< hervorragend gelöst hatte -, stellte Columbias Status als kleiner Hersteller von Experimentalgerät ein Handikap dar. Man traute Columbia schlicht und einfach nicht zu, ein komplettes Raumschiff zu liefern.

Die ersten Beurteilungen plazierten Rockwell auf Platz Eins, Boeing und McDonnell lagen gleichauf auf Rang Zwei, und Columbia war weit abgeschlagen.

Gershon erhob auf der Abschlußsitzung Einwände gegen die Beurteilung: »Verdammt, Sie haben doch die Ergebnisse der Simulationen vorliegen. Ich reiße mir selbst den Arsch auf beim Versuch, einen Doppelkegel zum Fliegen zu bringen. Wir müssen dem Bewerber den Vorzug geben, der am ehesten in der Lage ist, ein flugfähiges Gerät zu bauen.«

Joe Muldoon sprang ihm bei. Also wurden die Beurteilungen einer Revision unterzogen, woraufhin Columbia etwas besser abschnitt.

Dennoch folgte Muldoon im für Tim Josephson bestimmten Abschlußbericht der Empfehlung der Kommission: >Rockwell International wird als der geeignete Auftragnehmer für das Mars-Exkursionsmodul betrachtet.«

Nachdem sein Auftrag nun beendet war, kehrte Gershon nach Cape Canaveral zurück, um an der ersten A-Klasse-Mission von Ares zu arbeiten - einem unbemannten Probeflug der modernisierten Saturn VB.

Nach ein paar Tagen wurde er erneut ins JSC bestellt, um seine Unterschrift unter den MEM-Abschlußbericht zu setzen. Gershon hatte die Schnauze voll von dem ganzen Kram.

Muldoon fing ihn ab.

»Wo soll’s denn hingehen?«

»Es ist doch vorbei, oder? Kommen Sie, Joe. Sie wissen genauso gut wie ich, daß Columbias Vorschlag der einzige war, der innerhalb einer vertretbaren Frist in die Praxis umzusetzen gewesen wäre. Und nun haben wir sie abgelehnt.«