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Er gestattete Lee zwei Telefonate.

Lee telefonierte von Muldoons Büro aus. Er zog auch in Erwägung, Jennine anzurufen.

Dann rief er Art Cane an.

Und dann klingelte er bei Gene Tyson bei Hughes durch und rieb es ihm genüßlich unter die Nase.

Muldoon lud Lee an diesem Abend zum Essen und zu ein paar Bierchen ein. Lee ließ sich ordentlich vollaufen und amüsierte sich prächtig.

Doch um fünf Uhr stand er schon wieder auf, verfolgte die Morgennachrichten im Fernsehen und packte die Reisetasche.

Er schaute flüchtig in den Spiegel an der Wand. »Mein Gott«, sagte er laut. »Ich werde ein Raumschiff bauen, das drei Amerikaner zum Mars bringt.«

Dann holte eine Nachricht ihn wieder in die Wirklichkeit zurück.

Eine Saturn VB war explodiert. Er sah das Bild einer weißen, mit orangefarbenen Einsprengseln durchsetzten Wolke, und die Feststoff-Booster jagten auf einer erratischen Bahn durch den Himmel, wobei sie eine Rauchfahne hinter sich herzogen.

Die Kommentatoren sagten, das würde das Ares-Programm um Jahre zurückwerfen.

Mein Gott. Hastig band Lee sich die Krawatte und stürmte aus dem Raum.

New York Times,

Dienstag, 15. Dezember 1981

.Heute sind die letzten Überreste des tragischen Apollo-N-Weltraumflugs in einer unterirdischen Deponie des NASA-Weltraumbahnhofs Cape Canaveral in Florida begraben worden.

Ich habe mich mit Aaron Raab vom Jacqueline B. KennedyRaumfahrtzentrum über die Probleme unterhalten, die sich in diesem Zusammenhang ergeben. Raab wurde 1946 in Tulsa, Oklahoma, geboren. Er trat im Juli 1967 in die NASA ein - ein paar Monate nach einer anderen Tragödie, wo in der auf der Startrampe stehenden Apollo 1 ein Feuer ausbrach und die Astronauten Grissom, White und Chaffee verbrannten.

Gleich nach der Apollo-N-Katastrophe schulterte Raab die schwere Bürde als >Trümmer-Manager<.

Nachdem das Bergungsschiff die Apollo-N-Kommandokapsel nach Port Canaveral gebracht hatte, wurde die Fünf-Tonnen-Kapsel, mit der die NASA-Astronauten Dana, Jones und Priest zur Erde zurückgekehrt waren, bis zur letzten Schraube zerlegt. Die Einzelteile wurden für Untersuchungszwecke in verschiedenen Lagerhallen ausgebreitet. Unter Raabs Leitung wurden die jeweiligen

Baugruppen der Kommandokapsel in der ursprünglichen Konfiguration relativ zueinander angeordnet, um den Untersuchungsbeamten die Arbeit zu erleichtern. Der von Präsident Reagan eingesetzte Untersuchungsausschuß wachte derweil mit Argusaugen über den ganzen Vorgang. Die Komponenten blieben fast für ein ganzes Jahr so liegen. Nachdem die Untersuchung abgeschlossen und die Berichte geschrieben waren, führte die NASA nämlich eine interne Untersuchung durch.

Es wurde erstaunlich wenig Gerät eingesetzt, um die Komponenten zu bewegen: ein leichter Kran, ein Gabelstapler und zwei Pritschenwagen.

Weil die Kommandokapsel aus dem Salzwasser des Ozeans geborgen worden war, mußten ein paar Bauteile mit Korrosionsschutz behandelt werden, damit sie nicht rosteten. Besondere Maßnahmen waren erforderlich, um die Stimmenrecorder der Apollo-N zu konservieren. Kurze Zeit nach der Bergung wurden die Recorder zum JohnsonRaumfahrtzentrum in Houston geschickt, wo Sie von IBM restauriert und von einer Arbeitsgruppe ausgewertet wurden. Leiter der Gruppe war ein weiblicher Astronaut namens Natalie York.

Die letzte Ruhestätte der Kommandokapsel ist vielleicht bizarr, aber praktisch. Das Raumschiff liegt nun tief unter der Erde im Silo einer Minuteman-Rakete, in einer ruhigen Ecke von Cape Canaveral. Der Ort umfaßt ein Silo (Komplex 31) und vier gewölbeartige, unterirdische Geräteräume.

Es war nicht einfach, den Silo seiner neuen Bestimmung zuzuführen. Der Silo-Komplex wurde seit zehn Jahren nicht mehr genutzt und war dementsprechend heruntergekommen. Die Geräteräume beherbergten noch immer eine umfangreiche elektronische Ausrüstung für Raketenabschüsse, die Raabs Team erst fortschaffen mußte, bevor sie die Trümmer von

Apollo-N einzulagern vermochten. Die Geräteräume selbst befanden sich in einem schlechten Zustand und mußten für eine langfristige Lagerung umgebaut werden. Obwohl es keine Umweltschutzauflagen gab, mußten die unterirdischen Anlagen zumindest wasserdicht gemacht werden; man stellte nämlich fest, daß in den späten Sechzigern der Boden von Komplex 31 durch einen Rohrbruch etwa einen Meter hoch unter Wasser gesetzt worden war. Also wurden die Wasserrohre abgesperrt, bevor die Wrackteile von Apollo-N dort eingelagert wurden.

Die Trümmer wurden von NASA-Kameramännern gründlich dokumentiert. Die ganze Operation lief unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab, wobei die Wrackteile rund um die Uhr bewacht wurden, um morbide Souvenirjäger abzuschrecken.

>Wir haben die Komponenten in der Kammer systematisch geordnet<, sagte Aaron Raab mir. >Wir haben die Baugruppen nach Funktion und Lagererfordernissen sortiert. Zunächst haben wir die größeren Komponenten eingelagert. Alles, von dem wir glaubten, daß es später noch gebraucht würde, haben wir in einem leicht zugänglichen Bereich deponiert. Die Mitarbeiter der Qualitätskontrolle von Cape Canaveral haben alles in offiziellen Logbüchern verzeichnet. So kennen wir den genauen Lagerort jedes Teils.<

Jeden Besucher der Gruft wird wohl ein mulmiges Gefühl beschleichen, doch stellt das Inventar einen Fundus dar, auf den Wissenschaftler jederzeit zurückgreifen können. Allerdings ist laut Aussage von Raab nicht geplant, die Kammern in regelmäßigen Abständen zu öffnen, um den Zustand der Wrackteile zu ermitteln.

Heute war ich dabei, wie Aaron Raab die letzten Bauteile der Kommandokapsel am dafür vorgesehenen Ort niedergelegt hat. Dann wurde ein zehn Tonnen schwerer Betondeckel mit

Stahlrohren gesichert, die anschließend über der Gruft verschweißt wurden.

Ein Jahr nach der Havarie hat Apollo-N endlich die letzte Ruhestätte gefunden.

Januar 1982 Washington, DC

Anfangs hatte Bert Seger sich noch für den neuen Posten in Washington begeistert. Schließlich war er zum Inspektor der NASA befördert worden und erwartete, in seiner Eigenschaft als Führungskraft im Büro für Bemannte Raumfahrt auch ein Wörtchen mitzureden. Als er indes die neuen Organigramme studierte und sah, daß er sich fernab der Berichtswege der Hauptakteure wie Joe Muldoon befand, begriff er, daß man ihn aufs Abstellgleis geschoben hatte. Er hatte Sinekure, war weggelobt worden, damit er bei den Apollo-N-Untersuchungen nicht im Weg war.

Er fühlte sich einfach nicht wohl im Hauptquartier. Er hatte ein paar Aufträge und führte auch ein paar Projekte durch, die zwar den Tag ausfüllten, aber nicht ihn selbst. Oft saß er stundenlang allein im Büro, las Zeitung und wartete darauf, daß das Telefon klingelte.

Er machte ausgedehnte Spaziergänge durch Washington.

Er fand Lieblingsbänke in den weitläufigen Parkanlagen und schlenderte durch Museen. Die Beschaulichkeit und die Zeitlosigkeit der Museen hatten es ihm angetan.

Die Abende waren nicht besser.

Fay war mit den Jungs in Houston geblieben, und Seger flog jeden Freitag nach Hause. Fay wollte nicht umziehen, weil die Jungs gerade eingeschult worden waren, und Seger akzeptierte das widerstrebend.

Wenn er sich sonntags beziehungsweise montags für den Rückflug nach Washington rüstete, stellte Fay ihm einen kleinen Blumenstrauß zusammen. Jeden Tag steckte er sich ein anderes Blümchen ins Knopfloch, doch am Wochenende waren sie verwelkt, und überhaupt war es nicht dasselbe.

Er hatte einfach zu viel Zeit zum Grübeln.

Immer wieder ließ er jenen Flug Revue passieren - und das, was er in all den Jahren bis zum Start von Apollo-N getan hatte.

Hätte er während des Flugs etwas anders machen sollen; hatte er etwas übersehen, das Jones, Priest und Dana vielleicht gerettet hätte? Und in welchem Maß war er für die Schlamperei und Nachlässigkeit in der langjährigen Entwicklung verantwortlich, die schließlich zur Zerstörung der Nuklearrakete geführt hatte?