zusammengebaut haben. Und das Personal im Lyndon B. Johnson-
Raumfahrtzentrum, welches das Management übernommen, die Mission geplant, die Flüge überwacht und die Besatzungen ausgebildet hat. Diese Operation hat Ähnlichkeit mit einer Nachrichtensendung im Fernsehen: auf dem Bildschirm sind nur wir drei zu sehen, doch hinter den Kulissen stehen noch Tausende weitere -Hunderttausende. Und jeder einzelne von ihnen hat mit vollem Einsatz gearbeitet.
313/11:35:10 MMP [UNHÖRBAR]
313/11:35:12 CDR Und jeder einzelne von ihnen hat mit vollem Einsatz gearbeitet. Diesen Menschen gilt unser besonderer Dank, und auch allen Menschen, die uns heute nacht sehen und hören. Und wir gedenken den Besatzungen, den Astronauten, die im Verlauf des Raumfahrtprogramms ihr Leben gelassen haben. In dieses Gedenken schließe ich sowohl Russen als auch Amerikaner ein. Ich möchte Ihnen sagen, daß ich um jeden Toten trauere und daß dieser Preis zu hoch war. Aber durch ihr Opfer haben diese tapferen Männer und Frauen diese Mission erst ermöglicht. Gott segne Sie. Und nun wird Ralph Ihnen etwas zeigen: die Markierung, die wir auf der Oberfläche des Mars zurücklassen wollen. Ralph?
313/11:35:45 MMP Da ist sie. Ich werde sie in die Kamera halten. Ich hoffe, Sie sehen sie. Wenn ich sie vielleicht etwas drehe. Für alle, die sie nicht sehen, werde ich die Markierung nun beschreiben. Es handelt sich um eine Diamantscheibe ähnlich einer Münze. Sie hat einen Durchmesser von etwa einem Zoll und eine Stärke von ungefähr drei Millimetern. Es ist ein EinkristallDiamant. Mit einem Excimer-Laser wurde eine Botschaft in den Diamanten gefräst. So entstanden eine Graphitschicht und eine darüberliegende Diamantschicht. Die Markierung besteht aus Diamant, weil er der dauerhafteste Werkstoff ist, den wir kennen. Er wird das MEM und andere Geräte um Millionen Jahre überdauern. Wie Sie wissen, ist dies der erste und vorerst auch letzte Flug zum Mars. Aber für Menschen, die vielleicht nach uns zum Mars fliegen, ist die Markierung wie eine Zeitkapsel; und sie ist auch eine Botschaft an zukünftiges Leben auf dem Mars, an intelligente Wesen, die sich eines Tages vielleicht dort entwickeln werden. Die Markierung hat Ähnlichkeit mit einem Mikrofiche. Die Informationen sind so klein, daß ich sie mit bloßem Auge nicht erkenne. Die Markierung enthält Grüße von allen Nationen der Erde, eine Karte des uns bekannten Sonnensystems und Informationen zum biologischen Aufbau des Menschen. Im Diamant
eingeschlossen sind Gesteinsproben von der Erde und vom Mond sowie
menschliches Gewebe. Und darüber
hinaus trägt das Artefakt eine Liste mit den Namen aller vierhunderttausend Amerikaner, die am Projekt Ares
mitgearbeitet haben. Wir halten es für angemessen, einen solchen Gegenstand als Andenken an unsere Mission auf dem Mars zurückzulassen.
313/11:37:07 CDR In Ordnung. Natalie, ich glaube, Sie sollen die Leute nun über die Rufzeichen informieren, die wir für den Rest der Mission verwenden werden.
313/11:37:11 MSP Vielen Dank. Ich weiß, daß der WeltraumJargon die Leute manchmal arg verwirrt.
313/11:37:15 CDR Heißes Mikro.
313/11:37:17 MSP Das verwirrt die Leute. Und mich schon ganz und gar. Nehmen wir zum Beispiel den Raumfahrer->Kalender<. Wir zählen die Tage von dem Moment an, als wir mit der Saturn VB-Rakete vom Jacqueline B. Kennedy-Raumfahrtzentrum gestartet sind. Deshalb haben wir heute MET 313 Tage - das heißt, die Zeitdauer der Mission beträgt dreihundertdreizehn Tage. Wir haben die Erde vor mehr als dreihundert Tagen verlassen. Für Sie hingegen ist wie gehabt Dienstag, der 28.
Januar 1986. Und die Sache mit den Rufzeichen ist noch so ein Problem. Wie kommt’s, daß Raumschiffe manchmal Rufzeichen haben - Namen wie Eagle und Columbia bei Apollo 11 -, und daß Houston uns dann wieder nur >Ares< ruft? Die Antwort ist die, daß wir mit Rufzeichen arbeiten, wenn mehrere Raumschiffe an einem Flug beteiligt sind und im Funkverkehr auseinandergehalten werden müssen. Und das gilt auch für diesen Flug, wenn wir in ein paar Monaten den Mars erreichen und im MEM dort landen. Anders als bei den ApolloMissionen haben wir die Schiffe noch nicht benannt, weil bisher keine Veranlassung dazu bestand. In unserer Eigenschaft als Besatzung sagten wir uns, auf dem langen Flug zum Mars hätten wir noch genug Zeit, uns Namen auszusuchen.
313/11:38:18 MMP Genau. Das tun wir, anstatt uns Videos reinzuziehen.
313/11:38:25 CDR [UNHÖRBAR]
313/11:38:28 MSP Heute werde ich Ihnen also sagen, welche Namen wir ausgesucht haben. Ich weiß, daß viele Schulkinder uns zuhören und hoffe, das wird den Geschichtsunterricht etwas lebendiger gestalten. Ihr sollt erkennen, daß die Erforschung des Mars im Grunde eine Fortsetzung der großen
Forschungsreisen ist, von denen in den Schulbüchern berichtet wird. Phil, wenn Sie.
313/11:38:46 CDR Sicher. Wir haben beschlossen, unser Raumschiff nach berühmten Segelschiffen von Entdeckern zu benennen. äh. um daran anzuknüpfen, was Natalie gerade gesagt hat. Und ich freue mich besonders über den Namen, den wir dem Missionsmodul - dort werden wir während der Reise leben - gegeben haben. Im Missionsmodul hatten wir nämlich die Venus erforscht, während wir an diesem Planeten vorbeiflogen. Wir haben beschlossen, es nach dem Schiff zu benennen, mit dem Captain James Cook im Jahre 1769 nach Tahiti gesegelt ist, um den Venusdurchgang zu beobachten: Endeavour. - Ralph.
313/11:39:17 MMP Genau. Dann hätten wir noch die Apollo, mit der wir den Rückflug zur Erde antreten werden. Sie haben wir auf den Namen Discovery getauft. Diesen Namen trugen gleich zwei Schiffe: das Schiff von Henry Hudson, der im Jahre 1610 eine Nordwest-Passage zwischen dem Atlantik und dem Pazifik suchte, und das Schiff, mit dem Cook Hawaii, Alaska und die Westküste von Kanada erkundete. Und nun zurück zu Natalie.
313/11:40:00 MSP Und nun zum MEM, dem Exkursionsmodul. Es wird das erste Raumschiff sein, mit dem Menschen auf der Oberfläche des Mars landen. Wir benennen es nach einem berühmten Schiff der amerikanischen Kriegsmarine, das in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts eine lange und erfolgreiche Forschungsreise im Atlantischen und Pazifischen Ozean unternommen hat. 313/11:40:19 CDR Ja.
313/11:40:21 MSP Wir taufen das MEM auf den Namen Challenger.
Auszug aus der technischen Luft-Boden-Stimmentranskription von Ares, NASA, Lyndon B. Johnson-Raumfahrtzentrum, Januar 1986, pp. 1367ff. Akte Ares, Geschichtliches Forschungsamt der NASA, NASA-Hauptquartier, Washington, DC.
Montag, 11. Januar 1982
George C. Marshall-Raumfahrtzentrum,
Huntsville, Alabama
Der Konferenzraum war fast vollbesetzt, doch in der ersten Reihe war ein Stuhl für Udet reserviert worden. Er nahm Platz und schlug die Beine übereinander.
Gregory Dana stand auf dem Podium und rückte die Brille mit den dicken Gläsern zurecht. Gleich würde er sprechen. Es
hatte Udet nicht überrascht, daß Dana zum Leiter des Untersuchungsausschusses ernannt worden war.
Ein Bild wurde auf eine Leinwand hinter Dana projiziert. Es zeigte die Saturn VB ein paar Minuten vor dem Start auf der Rampe 39B in Cape Canaveral. Die wuchtige MS-IC, die erste Stufe, schimmerte weiß im Sonnenlicht. Aus dem Gerät wuchsen breite Heckflossen, und die vier Feststoff-Booster klebten an der Stufe. Das Gebilde sah aus wie der Säulenstumpf eines antiken Tempels. Die zweite Stufe hockte als kompakter, elfenbeinfarbener Zylinder auf der MS-IC, und auf der Spitze thronte eine silbergraue, unbemannte ApolloKapsel aus Grobblech.