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»Gemäß der Arbeitsschutzbestimmungen, richtig?«

»Ja. Überhaupt wäre ein längerer Aufenthalt auf dem Mars besser für dich«, fuhr er fort, »um dir die Gelegenheit zu geben, dich von den Auswirkungen des langen Null-Ge-Flugs zu erholen.

Ach, zum Teufel.« Er stocherte im Essen herum. »Weißt du, im Grunde sind wir noch gar nicht so weit. Seit von Braun vor dreißig Jahren die Vorreiterrolle übernommen hatte, studieren wir Optionen für eine Mars-Mission. Und die grundlegenden Probleme - die Energie, die benötigt wird, um die Gravitationsquelle der Erde zu verlassen und den interplanetaren Raum zu durchqueren - sind noch immer dieselben. Und es ist uns bisher auch nicht gelungen, von Brauns Lösungen grundsätzlich zu verbessern. Wir schießen noch immer große Wasserstoff/Sauerstoff-Raketen ins All, weil uns nichts Besseres einfällt.«

Sie freute sich über Bleekers offene Worte. Vielleicht fand doch ein langsamer Wandel in der NASA-Kultur statt. Doch bei dem Ton, der in seiner Stimme mitschwang, hätte er ihr ebensogut die Fußballergebnisse mitteilen können.

»Ich werde einfach nicht schlau aus dir«, sagte sie unverblümt. »Das habe ich mir auch schon gesagt. Daß wir noch nicht soweit sind.«

Er nickte. »Dachte ich mir«, sagte er mit einem schwachen Lächeln.

»Aber das wird mich trotzdem nicht davon abhalten.«

»Nein. Und ich würde mich auch nicht davon abhalten lassen, wenn ich fliegen dürfte.«

»Du willst es mir nicht ausreden?« Sie versuchte, ihre Stimme mit Humor zu unterlegen, zweifelte aber am Erfolg ihrer Bemühungen.

»Ich würde es tun, wenn ich eine Erfolgsaussicht sähe«, sagte er ernst. »Aber nicht, daß ich etwas davon hätte.« Er schüttelte den Kopf. »Weißt du, was das Schlimmste war?« fragte er plötzlich.

»Was denn?«

»Daß ich meinem Jungen - Billy - erklären mußte, daß ich nicht zum Mars fliegen würde. Verdammt«, sagte er und sah aus dem Fenster ins Sonnenlicht, das vom Smog über Houston gefiltert wurde.

Sie wußte nicht, was sie darauf erwidern sollte.

Er widmete sich wieder der Lasagne.

Zeitdauer der Mission [Tag/Std:Min:Sek]

Plus 371/01:32:30

Gershon ließ die Bremsraketen der Challenger noch einmal kurz feuern, um sich von ihrer Funktionsfähigkeit zu überzeugen.

Elektromagneten klackten.

»Alles klar, Leute.«

Stones Gesicht hinter dem verschrammten Helm visier war unbewegt, fast schon düster. »Gut. Dann laßt uns, verdammt noch mal, weitermachen«, sagte er.

Gershon grinste.

Die Sprengbolzen knallten, und Challenger trennte sich von der restlichen Ares. Dann feuerten die Bremsraketen, die Gruppe der kleinen Feststoffraketen an der Basis des MEM.

Die Zündung brachte Challenger in einen niedrigeren Orbit um den Mars.

Die auf die Beschleunigungsliege geschnallte York versuchte sich zu entspannen. Challenger würde für ein paar Umdrehungen im neuen Orbit bleiben, während die beiden Piloten und die Controller im Kontrollzentrum die Systeme überprüften.

Die Kabine der MEM-Aufstiegsstufe hatte sich im konischen oberen Hitzeschild verborgen. Nun erhob der Zylinder sich über sie. Die Beschleunigungsliegen waren in die Basis gezwängt. Im schrägen Winkel sah sie die Navigations- und Steuerkonsolen mit dem künstlichen Horizont, und das optische Richtteleskop stieß von der Decke auf sie herab.

Die Fenster der Kabine bestanden aus großen Dreiecken, deren Spitze nach unten wies, so daß die Piloten beim Aufstehen die Landezone erkannten. Direkt über ihrem Kopf befand sich ein kleines rechteckiges Sichtfenster, und der obere Hitzeschild war von einer spiegelbildlichen Öffnung durchbrochen. York sah durch dieses Fenster; eingezwängt zwischen den beiden Piloten fühlte sie sich wie eine Gefangene, die durch ein Fensterchen in der Decke der Zelle schaute.

Im Gegensatz zum relativ angenehmen Ambiente der ApolloKommandokapsel mit den Braun-, Grau- und Grüntönen bestand diese Kabine überwiegend aus blankem Aluminium und wirkte zerbrechlich und irgendwie unfertig. Sie sah die Nieten, die das Ding zusammenhielten. Für York war die primitive Einrichtung Ausdruck einer hastigen Entwicklung und einer Technik, die nicht so ausgereift war wie Apollo.

Durchs Fenster sah York, wie die Ares sich vom MEM entfernte. Seit dem Rendezvous im Erdorbit war es das erstemal, daß sie das Schiff wieder von außen sah. Das dicke, brave MS-II-Triebwerk, das sie in den Marsorbit eingeschossen hatte, bildete noch immer den Schwerpunkt der Stufenrakete -obwohl die beiden Außentanks längst abgestoßen worden waren -, und davor war die schlanke MS-IVB-Stufe montiert, die sie wieder in den Erdorbit bringen würde. Die Endeavour, das mit Sonnensegeln bestückte zylindrische Missionsmodul, hatte sich von der MS-IVB getrennt, gedreht und mit der Nase voran wieder an der Stufe angedockt. Das Manöver hatte den Zweck gehabt, das MEM von der Verkleidung an der Basis des Missionsmoduls zu befreien. Mittlerweile hatte die Discovery, die Apollo-Kapsel, an einem seitlichen Andockpunkt festgemacht und hing nun wie eine Beere an den zylindrischen Treibstofftanks des Missionsmoduls.

Nachdem die Challenger in den Marsorbit zurückgekehrt war, würde das MEM abgestoßen und die restlichen Module -die Raketenstufen, das Missionsmodul und Apollo - würden für den Heimflug wieder zu einem Raumschiff-Verbund zusammengesetzt werden.

Im Moment stellte die Ares-Gruppe ein Ensemble von provisorisch aneinander gehängten Zylindern, Quadern und Sonnensegeln dar, die nach dem Abkoppeln der Challenger genauso unordentlich wieder zusammengefügt worden waren. Diese orbitalen Bauarbeiten - wobei Module wie Bausteine im Weltraum verschoben wurden - gingen York gehörig auf die Nerven. Wenn sie das Missionsmodul von den Raketen trennten, beraubten sie sich ihrer einzigen Rückkehrmöglichkeit! Doch sie wußte auch, daß jede Stufe über Hilfssysteme verfügte, mit deren Hilfe sie eine Konfiguration herzustellen vermochten, die sie wieder nach Hause brachte - auch wenn sie dabei eine Bruchlandung hinlegten.

Diese Beschränkungen sind nur ein Symptom der lausigen Technik. Eines Tages werden wir vielleicht in der Lage sein, diese Reise halbwegs komfortabel zu gestalten, ohne das verdammte Raumschiff ständig auseinandernehmen zu müssen.

Das montierte Raumschiff hatte nichts mehr von der filigranen, spielzeugartigen Eleganz, die sie bei den Schiffen im Erdorbit beobachtet hatte. Nach einem Jahr im Weltall hatte das ursprünglich blütenweiße Schiff sich gelblich verfärbt, und die schattigen Abschnitte der Hülle nahmen die braune Tönung der pockennarbigen Marsoberfläche an. Die Ares-Gruppe wirkte alt, vom Weltraum zermürbt.

Nachdem Ares außer Sicht war, sah sie beim Blick durchs Fenster nichts mehr außer Dunkelheit.

Dunkelheit und zuweilen einen Ausschnitt ockerfarbenen Geländes.

Die Challenger flog über der Nachtseite des Mars dahin.

»Dreißig Sekunden bis DOI19«, sagte Stone. »Alle Systeme klar.«

»Ich bestätige alle Systeme klar«, sagte Gershon.

DOI stand für das Einschwenken in einen langen, elliptischen Orbit, der die Oberfläche des Planeten tangieren würde.

York sah Gershons Hand über dem Auslöser für die manuelle Zündung schweben. Challenger war natürlich Gershons Baby; diese Landung - die nächsten paar Minuten - stellten die Krönung von zehn Jahren Arbeit für ihn dar. Angespannt und erwartungsvoll schaute er zu York auf.