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wundervolles Gerät, eine Maschine aus einer anderen Welt, aus einer lichten Zukunft - und Dana erkannte auch den Traum, der mit der Rakete Gestalt angenommen hatte, den Traum der Konstrukteure.

Auch wenn die Arbeit ihn umbrachte.

Eines Morgens - so früh, daß die Sterne noch leuchteten und Frost den Boden bedeckte -, sah er, wie die Ingenieure von der

Forschungseinrichtung in Peenemünde - Wernher von Braun, Hans Udet, Walter Riedel und die anderen sowie ein paar junge uniformierte Männer, von denen manche kaum älter waren als Dana - zu den Sternen hinaufschauten und sich leise unterhielten.

Dana folgte der Richtung ihres Blicks und erkannte einen hellen, stetig glühenden Stern, der rötlich schimmerte wie ein Rubin.

Der >Stern< war natürlich der Planet Mars in seinem Glanz.

Natürlich: das war der Traum, der diese jungen, intelligenten Deutschen umtrieb und anspornte - daß eines Tages die Scheibe des Mars im Schein der von Menschenhand erbauten Städte erstrahlte. Und diese Menschen sollten von einem fernen Nachfolger der V-2 dorthin geflogen werden.

Mit fünfzehn hatte Gregory Dana bereits begriffen, daß diese jungen Männer aus Peenemünde von der strahlenden Schönheit der V-2 und dem, wofür sie stand, geblendet waren. Es war keine bloße Schwärmerei: ja, er verstand den ungeheuerlichen Zwiespalt und begnügte sich damit, seine Pläne bis nach dem Krieg aufzuschieben. Er träumte davon, selbst noch größere Raketen zu bauen und sogar einen Sohn zu zeugen, der als erster Mensch den Mars oder die Venus betrat.

Wie er die jungen Ingenieure aus Peenemünde beneidete, die in ihren schmucken Uniformen im Mittelwerk umhergingen; ihnen schien es nichts auszumachen, an den aufgestapelten Leichen und an den bis zum Skelett abgemagerten Menschen vorbeizuschlendern, die die großen Raumschiffe zusammenbauten! Dieser Zwiespalt war erdrückend. Dana fragte sich, ob ein solcher Schmutz und solche Qualen der unvermeidliche Preis waren, den man für den Traum vom Raumflug bezahlen mußte.

Er versuchte sich vorzustellen, er wäre einer dieser klugen Deutschen in ihren SS-Uniformen.

Wenn er sich solchen Träumereien hingab, linderte das etwas den Schmerz, den er jeden Tag verspürte.

Und dann war dieser Morgen wieder da.

In seiner Werkstatt, im sonnigen Juni des Jahres 1970, arbeitete Gregory Dana in Erinnerungen versunken an der Tafel, um den Traum von der Raumfahrt zu verwirklichen.

Als Dana vom Hof fuhr, kam sein Vater aus dem Haus gerannt und legte die Hände auf den Windschutzscheibenrahmen der Corvette. Er hatte Kreidespuren an der Stirn.

»Wohin willst du?«

»Ich muß fahren, Paps«, sagte Dana bedauernd. »Ich muß nach.«

»Ich glaube, es funktioniert«, erklärte Gregory atemlos. »Natürlich ist es noch zu früh, um sicher zu sein, aber.«

»Was funktioniert?«

»Venus. Nicht Jupiter - Venus. Verne hat ausgedient - wir brauchen diese riesigen Nuklearraketen überhaupt nicht!« »Paps, ich.«

Sylvia hakte sich bei Gregory unter. »Auf Wiedersehen, mein Junge. Fahr vorsichtig.«

»Ich rufe an, wenn ich zuhause bin, Mama.«

Am Ende des Blocks blickte Dana noch einmal zurück. Sylvia winkte, doch sein Vater war schon wieder in der Werkstatt verschwunden.

Donnerstag, 9. Juli 1970 San Gabriel-Berge, Kalifornien

Es war später Vormittag; von einem strahlend blauen Himmel brannte die Sonne auf Yorks unbedeckten Kopf und die bloßen Schultern herab.

Jorge Romero hatte die Gruppe in ein kleines Tal geführt, von dem aus man einen freien Blick auf die Hügel hatte. Nun wandte er sich einem alten, knorrigen Eisenholz-Baum zu. »Dieser Baum ist eure Landekapsel. Ihr seid soeben auf dem Mond gelandet. Ich möchte nun, daß ihr dort hinübergeht und mir sagt, was ihr seht.«

Die drei Astronauten - Jones, Priest und Bleeker - sahen in die angegebene Richtung. Mit den Baseballkappen, den TShirts und den verspiegelten Sonnenbrillen waren sie kaum voneinander zu unterscheiden.

York wußte, daß Romeros Frage leicht zu beantworten war. Dies war eine interessante Gegend: es war zwar nicht der Mond, aber die Schichtung der bunten Felsformationen hatte durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Mond. Doch die Körpersprache und der Gesichtsausdruck der Astronauten kündeten von einer Mischung aus Verwirrung, Verlegenheit und Verärgerung.

Mein Gott, sagte York sich. Dieser Ausflug wird eine Katastrophe.

Doch Romero fuchtelte mit den Armen. »Kommt schon! Das einzige, wovon ihr auf dem Mond zuwenig habt, ist Zeit. Sie -Charles. Kommen Sie her.«

Mit einem süffisanten Grinsen an Bleekers Adresse schlenderte Chuck Jones zu Romero hinüber. Er lehnte sich neben Romero gegen den Baum und erzählte ihnen, was er so sah.

York schätzte Romero auf Anfang Fünfzig, doch er war kräftig und geschmeidig und steckte anscheinend noch voller Energie. Die von der Sonne verbrannte Nase lugte unter der Sonnenbrille hervor, und ein paar Strähnen graumelierten Haars fielen unter dem Schlapphut hervor. York hatte vor ein paar Jahren eine Vorlesung bei Romero besucht. Der von Flagstaff aus operierende Romero war ein hervorragender Geologe und Geochemiker. Sie hatte sofort gespürt, daß er selbst den trägsten Studenten aufrüttelte - zum Beispiel den durchschnittlichen biersüffelnden und klugschwätzenden Helden-Astronauten.

Nachdem Ben Priest ihr also gesagt hatte, Romero hätte sich bereit erklärt, den beiden Apollo 14-Besatzungen eine geologische Grundausbildung zu vermitteln und nachdem Ben ihr angeboten hatte, Romero zu assistieren, hatte sie mit Freuden eingewilligt.

».Nein, nein, nein! Was ist denn mit den Schichten in dem Berg dort drüben?«

»Sehen Sie, Professor.«

»Und das herausragende Merkmal der Landschaft habt ihr überhaupt nicht gesehen!«

Jones wirkte konsterniert; das dichte Haar auf Händen und Armen des stämmigen Manns schien sich vor Zorn zu sträuben. »Was für ein >herausragendes Merkmal< denn, um Himmels willen?«

»Sehen Sie hier.« Romero kniete sich hin und hob ein paar weiße Gesteinssplitter vom Talboden auf. »Sehen Sie? Solche Steine gibt es überall - stimmt’s? -, wo Sie nun genauer hinsehen.«

Jones hatte genug. »Das ist ein verdammtes Feldlager.« Er trat gegen einen von Romeros weißen Steinen. »Ben, das ist eine verdammte Zeitverschwendung.

Unser Programm ist auch ohne diesen Mist schon dicht gepackt genug.«

»Komm schon, Chuck«, sagte Adam Bleeker gemütlich. »Gib ihm wenigstens eine Chance.«

»Scheiß drauf und scheiß auf dich«, gab Jones ihm zu verstehen. »Hört zu: wir sind doch nur die gottverdammte Reserve-Mannschaft für Apollo 14. Zum einen werden wir wahrscheinlich nicht einmal zum Mond fliegen. Zum zweiten sind die Mond-Apenninen das Ziel, und nicht Kalifornien. Weshalb sollte ich also über einen Haufen beschissener kalifornischer Steine stolpern? Zum dritten bin Pilot. Ich sehe nicht ein, weshalb ich über die Geologie des Mondes Bescheid wissen muß, um meine Aufgabe zu erfüllen.«

»Sieh mal, Chuck.«, sagte York und trat vor.

Der verächtliche Blick, den er ihr nun zuwarf, ließ sie innehalten; gerade so lange, daß Romero Zeit hatte, die Hand zu heben.

»Nur mit der Ruhe. Mr. Jones hat natürlich völlig recht.«

Jones wirkte verwirrt.

»Es kommt nicht darauf an, ob Sie über die San GabrielBerge Bescheid wissen. Natürlich nicht. Im Grunde kommt es auch nicht darauf an, ob Sie über den Mond Bescheid wissen. Worauf es mir aber ankommt, ist, daß Sie lernen müssen, zu beobachten, wenn die Mission ein durchschlagender Erfolg werden soll.«

Ein durchschlagender Erfolg. Ben Priest mußte ein Grinsen unterdrücken, und York fragte sich, ob er Romero ein paar Boxer-Sprüche beigebracht hatte, mit denen er Jones kontern konnte.