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Zumal Jones selbst auch noch etwas zu sagen hatte.

Nach ein paar Stunden stürmte er in Slaytons Büro.

»Verdammt, Deke, mit der Rolle als Ersatzmann bin ich nicht einverstanden. Mir steht das Kommando über die Besatzung von 14 zu und nicht Scott.« Schließlich hatte er - Jones - zu den Mercury-Astronauten gehört und war der vierte Amerikaner im All gewesen. Und er trainierte bereits in der Freizeit für spätere J-Klasse-Missionen.

Er hatte verdammt lang auf diese Krönung seiner Karriere gewartet und würde nicht kampflos die Flagge streichen und sich mit Flügen in der Skylab-Mülltonne begnügen.

Doch Deke hatte seine Einwände mit einer Handbewegung abgetan. »Das ist unbegründet, Chuck. Hör zu: Al Shepard gehört auch zu den ersten Astronauten - für den Fall, daß du das vergessen haben solltest -, und er hat nach dieser schlimmen Ohrenerkrankung viele Jahre auf einen zweiten Flug gewartet. Und er war der erste Amerikaner im All; also rangiert Al vor dir, Chuck. Und trotzdem stelle ich ihn zugunsten von Dave Scott zurück. Du mußt dich damit abfinden, Chuck. Das gefällt mir genauso wenig wie dir, aber Scotts Mannschaft ist für die eine Mission, die wir noch haben, am besten qualifiziert.«

»Klar.« Natürlich verstand Jones das. Der Erfolg der Mission stand im Vordergrund; niemand in der NASA wollte auch nur das geringste Risiko eines Scheiterns eingehen.

Niemand außer den Astronauten, die sich nicht an Bord des letzten Apollo-Raumschiffs befanden.

Das Verständnis hinderte ihn allerdings nicht daran, es weiter zu versuchen, und er war noch für eine lange Zeit in Slaytons Büro geblieben und hatte ihn umzustimmen versucht.

Da lag wieder ein alter Stein, Anorthosit oder sonst ein Scheiß, im Weg. Jones trat dagegen und ging weiter.

Für den Nachmittag war ein simulierter dreistündiger Mondspaziergang angesetzt. Weil zu wenig Astronauten verfügbar waren, mußte York einspringen. Jones tat sich mit Priest zusammen und Bleeker mit York. Jorge Romero würde vom Fahrzeug aus den Capcom mimen. Die Astronauten waren mit Tornistern, Funkgeräten und Kameras bepackt und folgten Routen, die auf Karten eingetragen waren, deren Qualität den Orbital-Photographien mit ihrer niedrigen Auflösung entsprach.

York und Bleeker hielten am ersten Probenpunkt an. Sie standen vor einem großen, zerklüfteten Felsbrocken mit Durchschüssen von Anorthosit. Bleeker stellte ein Gnomon auf und machte Aufnahmen vom Felsen. Das Gnomon war ein Kalibrierungs-Gerät, ein kleines Stativ mit einer Farbskala für die Photographie und einem frei aufgehängten Stab in der Mitte, um die Senkrechte auszuloten. Bleeker schlug mit dem Hammer gegen den Fels und brach ein faustgroßes Stück los. Er verstaute die Probe in einem Teflonbeutel und steckte sie in Yorks Rückentornister. York sah, daß er sich zu diesem Zweck Spezialhandschuhe angezogen hatte, die so steif waren, daß er die Probe kaum greifen konnte.

»Na, wie war ich?«

Sie erwiderte sein Grinsen. »Standard-Operations-Prozedur, Adam; Jorge wird stolz auf dich sein.«

Sie gingen weiter.

Bleeker wandte das Gesicht der Sonne zu, wobei der Anflug eines Lächelns zu sehen war. Der blasse und sommersprossige Bleeker - ein Junge aus den Nordstaaten - hatte sich unter der kalifornischen Sonne ordentlich mit Sonnencreme eingeschmiert. York war heute das erstemal mit ihm allein. Er kam ihr nichtssagend und phantasielos vor. Idealprofil für einen Mond-Spaziergänger, sagte sie sich.

»Dieses Training unterscheidet sich wohl sehr von dem, was du bisher gemacht hast«, sagte sie.

»Darauf kannst du wetten. Vor allem im Vergleich zu der Aufgabe, die ich vor dem Eintritt ins Astronauten-Büro hatte.«

»Und was war das?«

»Staffel 510. Das ist eine Jagdbomber-Staffel, die in Virginia stationiert ist. Eine schöne Gegend. Bist du schon mal dort gewesen?«

»Nein. welche Art von Bomben?«

Er schaute sie an. »Spezialwaffen«, beschied er sie mit der Reserviertheit eines Geheimnisträgers.

Ach so. Nuklearwaffen.

»Wir wurden ausgebildet, Einsätze von Westdeutschland aus zu fliegen. Wir hätten das feindliche Radar im Tiefflug in dreißig Metern Höhe unterflogen.« Er veranschaulichte das

Manöver mit der Hand und winkelte sie dann nach oben ab. »Es kam darauf an, die Ladung genau im richtigen Moment abzuwerfen. Das Paket wäre dann in einer drei Kilometer langen Kurve ins Ziel gegangen.« Er grinste schüchtern. »Und ich mußte die Maschine senkrecht hochziehen, bevor es knallte.«

»Klingt echt riskant.«

»Das Fliegen ist an sich riskant«, sagte er gleichmütig. »Aber die F100, die wir flogen, waren schöne Geräte.«

Für eine Weile erging er sich in Lobreden über die F100: die >Super Saberc, das erste Kampfflugzeug der Welt, das für Marschflug im Überschallbereich ausgelegt war.

York stellte die Ohren auf >Durchzug<.

Die F100 war von Rockwell produziert worden: derselbe Hersteller, der die Apollo-Raumschiffe gebaut und der sich nun um den Auftrag für das Mars-Raumschiff beworben hatte. Wenn man bedachte, wohin das Geld in der Hauptsache ging, dann stellte der Unternehmensbereich >Raumfahrttechnik< bei Firmen wie Rockwell nur einen dünnen, glänzenden Firnis auf der Oberfläche der eigentlichen Geschäftstätigkeit, der militärischen Entwicklung, dar.

»Der Ausstieg hat mir aber nicht so gut gefallen.«

»Ausstieg?«

»Es war eine >Einweg<-Mission. Die Maschinen hatten nicht genug Treibstoff für den Rückweg. Wir mußten Hunderte von Kilometern von der Basis entfernt aussteigen und uns nach dem Absturz der Maschine irgendwie durchschlagen.«

»Meine Güte«, sagte York. »Du mußtest den Rückweg durch ein nukleares Schlachtfeld antreten?«

»Ich war dafür ausgebildet«, sagte er. »Ich war Teil der globalen Strategie. Neue Waffen bedingen neue EinsatzStrategien. Gegenseitige Abschreckung lautete die Parole.

>Sicherheit ist das Kind des Schreckens, und das Überleben der Zwillingsbruder der Vernichtung. <«

Sie gruselte sich bei diesem Zitat. »Schön gesagt.«

»Winston Churchill.« Seine Augen waren wie Fenster, durch die blaues Licht fiel.

Ihr wurde bewußt, daß er durchaus intelligent war. Nur daß er eben anders war als sie und die Leute, mit denen sie Umgang pflegte. Ein Kalter Krieger. Sie schauderte.

Er warf einen Blick auf die Checkliste. »He, sieh maclass="underline" wir haben den letzten Haltepunkt übersehen.«

Sie machten kehrt und gingen in ihren Fußspuren zurück, wobei sie neue Probenbeutel zückten.

Am späten Nachmittag fanden sie sich beim Fahrzeug ein. Romero grinste zwar noch immer und scherzte gar mit Jones, doch York glaubte, unter dem Staub und der Sonnencreme Ringe um Romeros Augen zu erkennen. Im Radio des Fahrzeugs wurde eine Rede übertragen, die Walter Mondale vor dem Kongreß hielt, wo gerade über den Etatentwurf der NASA debattiert wurde:.Ich halte ein Projekt, das mit solch gigantischen Kosten verbunden ist wie diese Mars-Mission, angesichts der Unterernährung vieler Menschen, der Verschmutzung unserer Flüsse und Seen und des Niedergangs unserer Städte und ländlichen Regionen schlicht für gewissenlos. Für welche Werte treten wir ein? Was ist uns wichtiger .?

York und Ben Priest zapften sich aus einer Kanne eine Tasse Kaffee und entfernten sich ein Stück. Die tief am Himmel stehende Sonne stach ihnen in die Augen; sie hatte kaum etwas von ihrer Intensität verloren.

»Ich glaube, Romero bekommt nun Chucks Frust wegen des gestrichenen Flugs zu spüren«, sagte York.