Eine Putzfrau klopfte an und trat mit einem schweren Staubsauger ein. Josephson schaltete das Diktiergerät aus. Millie Jacks grinste Josephson an; sie war daran gewöhnt, daß er so spät noch arbeitete.
»Wie ich höre, fliegen wir zum Mars, Dr. Josephson?«
»Sieht so aus, Millie.«
»Huu!« stieß Millie ungläubig aus. Doch sie hatte schon alle Aktionen mit einem Kopfschütteln quittiert, welche die NASA seit 1966 durchgeführt hatte. Josephson fragte sich manchmal, ob sie wirklich glaubte, daß die Menschen zum Mond geflogen waren oder ob sie das nur für eine Art Räuberpistole hielt.
Was würde Millie erst sagen, wenn wir ein paar Schwarze oder sogar Frauen in die Mars-Besatzungen aufnähmen. Sie würde sich überhaupt nicht mehr einkriegen.
Vielleicht wird es sich ändern. Vielleicht werden wir in einer anderen Welt leben, wenn wir 1982 zum Mars fliegen.
. Ich habe heute entschieden, daß die Vereinigten Staaten die Entwicklung von Systemen und Technik vorantreiben sollen, die geeignet sind, amerikanischen Astronauten eine Landung auf dem Mars zu ermöglichen. Dieses System wird auf einer neuen Generation von Raketen mit Nuklearantrieb basieren, die den interplanetaren Raumflug revolutionieren und zu einer Routineangelegenheit machen werden.
Im Jahre 1971 wurde Amerikas bemanntes MondflugProgramm eingestellt. Bei den drei erfolgreichen Mondlandungen wurde viel erreicht - wobei die wissenschaftlichen Ergebnisse der dritten Mission die Ergebnisse aller vorherigen bemannten Raumflüge übertrafen, ob in den Erdorbit oder zum Mond. Doch sie hat uns auch zu einer Entscheidung geführt - an einen Punkt, an dem wir entscheiden mußten, wo mit dem Ende von Apollo unser Horizont im Weltraum verläuft und wohin wir von dort aus gehen wollen.
Die wissenschaftlichen Erfahrungen der letzten zehn Jahre haben uns gelehrt, daß Raumschiffe ein notwendiges Werkzeug für die Erforschung des näheren Weltraums - des Mondes und der Planeten - sind und ein wichtiges Hilfsmittel für das Studium der Sonne und Sterne darstellen. Indem wir uns den Weltraum zunutze machten, um die Bedürfnisse der Erde zu befriedigen, haben wir das enorme Potential von Satelliten für die internationale Kommunikation, Klimaforschung und Überwachung der globalen Ressourcen erkannt.
All diese Möglichkeiten und unzählige andere, welche die Wohlfahrt der Menschheit steigern, werden jedoch nur dann Wirklichkeit, wenn der Traum, der uns so schnell so weit gebracht hat, ebenfalls Wirklichkeit wird: ich meine den Traum der Erforschung des Weltraums, des Ausgreifens der Amerikaner und der gesamten Menschheit ins All. Mit meiner heutigen Entscheidung habe ich der Notwendigkeit Rechnung getragen, diesen Traum zu fördern und zu verwirklichen.
Die NASA und viele Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie haben umfassende Konstruktionsentwürfe für die Mars-Mission vorgelegt. Der Kongreß hat diese Anstrengungen geprüft und gebilligt. Die Vorbereitungen sind nun so weit gediehen, um mit Zuversicht ein neues Entwicklungsprogramm ins Leben zu rufen. Um die technischen und wirtschaftlichen Risiken zu minimieren, wird die NASA einen evolutionären Ansatz bei der Entwicklung dieses neuen Systems verfolgen. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden wir am Ende dieses Jahrzehnts die ersten Komponenten des Mars-Raumschiffs in bemannten Flugversuchen erproben und wenig später einsatzbereit sein. Doch wir werden keine willkürlichen Fristen setzen, wie manche es gefordert haben; wir werden Entscheidungen in Abhängigkeit vom Fortschritt des Programms und nach eingehender Prüfung treffen.
Aus technischen Gründen habe ich mich gegen die Entwicklung der wiederverwendbaren Raumfähre zu diesem Zeitpunkt entschieden. Ungeachtet der offenkundigen ökonomischen Vorteile eines solchen Trägersystems bin ich nicht davon überzeugt, daß unsere Technik schon so ausgereift ist, um ohne Kostenschübe und Verzögerungen die gewaltigen Probleme zu lösen, die dieses Projekt mit sich bringt. Zumal viele dieser wirtschaftlichen Vorteile auch durch Modernisierungen unserer existierenden >Wegwerf<-Plattformen zu realisieren wären.
Ein anderer wichtiger Punkt ist, daß dieses Projekt von nationaler Bedeutung Tausenden hochqualifizierter Arbeiter und Hunderten von Unternehmen für die nächsten Jahre ein Betätigungsfeld eröffnet. Die fortdauernde Überlegenheit Amerikas und der amerikanischen Industrie im Bereich der Luft- und Raumfahrt wird ein wichtiger Teil der Nutzlast der Mars-Mission sein.
Wir werden zum Mars fliegen, weil er außer der Erde wohl der einzige Planet ist, auf dem menschliches Leben möglich ist und wo wir Kolonien gründen können. Wir werden zum Mars fliegen, weil die Untersuchung seiner Geologie und Entstehungsgeschichte in hohem Maße zum Verständnis unserer wertvollen Erde beitragen wird.
Und vor allem werden wir zum Mars fliegen, weil er uns über die Schwierigkeiten und Probleme der Gegenwart hinweg eine Perspektive auf eine bessere Zukunft ermöglicht.
>Wir müssen manchmal mit dem Wind und manchmal gegen ihn segelnc, sagte Oliver Wendell Holmes, >doch wir müssen segeln, und nicht treiben oder vor Anker liegen« Dasselbe gilt für die epische Reise der Menschheit ins All - eine Reise, welche die Vereinigten Staaten von Amerika geführt haben und die sie noch immer führen. Apollo ist in den Hafen zurückgekehrt. Nun ist es an der Zeit, zügig neue Schiffe zu bauen und in fernere Gefilde zu segeln, als unsere Vorfahren sich jemals hätten träumen lassen.
Veröffentlichte Dokumente der Präsidenten der Vereinigten Staaten: Richard M. Nixon, 1972 (Washington, DG: Presseamt der Regierung, 1972)
Mittwoch, 5. Januar 1972
.Wie aus der Verlautbarung des Präsidenten hervorgeht, sind die Studien der NASA und der Luft- und Raumfahrt-Industrie in bezug auf die Mars-Mission nun an dem Punkt angelangt, wo der Übergang zur Entwicklung der Missions-Komponenten entscheidungsreif ist. Die Entscheidung zur Fortführung des Projekts, die der Präsident nun getroffen hat, geht mit den Plänen konform, die dem Kongreß für den NASA-Etat des Haushaltsjahrs 1972 vorgelegt und von diesem gebilligt wurden.
Die Mars-Mission wird aus zwei Schiffen bestehen, die im Erdorbit montiert werden. Die Schiffe werden aus mehreren Antriebsmodulen in Gestalt von Nuklearraketen bestehen, die von chemischen Raketen auf der Basis der bewährten Saturn V-Technologie gestartet werden. Das Raumschiff wird in dieser modularen Form konzipiert, um einen schnellen Umbau zu unterschiedlichen Konfigurationen zu ermöglichen: zum Beispiel für Flüge zu anderen Planeten oder den Asteroiden. Die Besatzung wird Module beziehen, bei denen es sich um die ersten aus >trockenen Brennstofftanks< bestehenden SkylabRaumstationen handelt, die wir ab dem nächsten Jahr ins All schicken wollen. Die Besatzung wird in einer neuen Landekapsel auf der Marsoberfläche landen.
Wie der Präsident bereits ausführte, werden wir nicht nach einem Zeitplan arbeiten. Dennoch hoffen wir, daß wir für die erste Mission bereit sind, wenn 1982 der Mars in Opposition zur Erde steht. Dieser ersten Mission wird ein intensives Entwicklungsprogramm vorausgehen, das unter anderem Flugphasen im Erdorbit umfaßt. Das Programm umfaßt die Entwicklung der Nukleartechnik bis zur Serienreife und die Entwicklung lebenserhaltender Systeme für Langstreckenflüge sowie interplanetarer Kommunikations- und Navigationstechniken. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wiederverwendbarkeit und Steigerung der Zuverlässigkeit der Systeme sowie die Entwicklung von Systemen für den Eintritt in die Marsatmosphäre und die Landung auf dem Mars. Die
Rekrutierung von Astronauten für das neue Programm wird in Kürze erfolgen.
Um Landezonen für die bemannte Mission ausfindig zu machen, wird eine Reihe neuer, mit Kameras ausgerüsteter Mariner-Sonden zum Mars geschickt werden. Diese Sonden ersetzen die ursprünglich vorgesehenen wissenschaftlichen Viking-Plattformen, die gestrichen wurden. Der Etat wird also nicht überzogen.