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»Entspann dich.« Er grinste. »Halt dich warm und entspann dich. Und, Natalie. Nimm eine Augenmaske und Ohrenstopfen, wenn es dir hilft. Ich werd’s schon nicht weitersagen.«

Sie zog sich in ihre Kabine zurück. Ich werde eh nicht mehr einschlafen. Ich sollte Gershons Beispiel folgen und mein Tagewerk verrichten. Doch sie schlüpfte wieder in den warmen Schlafsack, schaltete das Licht aus und streckte sich.

In einer bewußten Anstrengung streckte sie die Zehen aus. Sofort wichen die Rückenschmerzen. He, was sagt man dazu? Das Arschloch hatte recht.

Sie schloß die Augen.

Mittwoch, 24. Mai 1972 Moskau

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:

Die Betrachtung der Rolle, welche die USA und die UdSSR bei der Erforschung und Nutzung des Weltalls für friedliche Zwecke spielen;

Das Streben nach einem weiteren Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR bei der Erforschung und Nutzung des Weltalls für friedliche Zwecke;

Eine Bilanz der positiven Kooperation, welche die Parteien bisher in diesem Bereich vereinbart haben;

Das Bestreben, die wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche aus der Erforschung und Nutzung des Weltalls für friedliche Zwecke resultieren, den Völkern der beiden Länder und allen Völkern der Erde zugänglich zu machen;

Die Berücksichtigung der Klauseln des Vertrags über die Grundsätze in bezug auf die Aktivitäten bei der Erforschung und Nutzung des Weltalls, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, ebenso wie das Abkommen zur Rettung von Astronauten, der Rückkehr von Astronauten und der Rückkehr von ins Weltall geschossenen Objekten;

Gemäß dem am 11. April 1972 unterzeichneten Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über den Austausch und die Zusammenarbeit auf den Feldern der Wissenschaft, Technik, Bildung, Kultur und anderen sowie zur Portentwicklung des Grundsatzes der zum beiderseitigen Vorteil gereichenden Kooperation zwischen den beiden Ländern;

haben folgende Vereinbarung getroffen.

ARTIKEL 3 (von 6)

Die Parteien sind übereingekommen, Projekte für die Entwicklung kompatibler Rendezvous- und Andocksysteme für amerikanische und sowjetische bemannte Raumschiffe und -stationen durchzuführen, um die Sicherheit bemannter Flüge ins All zu erhöhen und den Boden für die gemeinschaftliche Durchführung von Experimenten in der Zukunft zu bereiten. Der erste Experimentalflug zur Erprobung dieser Systeme ist für die zweite Hälfte der Dekade geplant und sieht das Andocken eines amerikanischen Raumschiffs vom Typ >Apollo< an einer sowjetischen Raumstation vom Typ >Saljut< und/oder einem sowjetischen Raumschiff vom Typ >Sojus< an einer amerikanischen Raumstation vom Typ >Skylab< vor, mit Besuchen von Astronauten im Raumschiff und in der Raumstation der jeweils anderen Seite. Die Umsetzung dieser Projekte erfolgt auf der Basis der Prinzipien und Prozeduren, die gemäß der Zusammenfassung der Ergebnisse der Konferenz der Repräsentanten der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde der USA und der Akademie der Wissenschaften der UdSSR hinsichtlich der Entwicklung kompatibler Systeme für Rendezvous und Andockmanöver von bemannten Raumschiffen und Raumstationen der USA und der UdSSR vom 6. April 1972 entwickelt werden...

Auszug aus der Absichtserklärung, unterzeichnet von Präsident Richard M. Nixon und dem Vorsitzenden des Ministerrats der Sowjetunion, A. N. Kossygin. Veröffentlichte Dokumente des Präsidenten der Vereinigten Staaten: Richard M. Nixon, 1972 (Washington, DC: Presseamt der Regierung, 1972)

Samstag, 28. Oktober 1972 University of California, Berkeley

Ben Priest rief sie nach Mitternacht an.

»Es ist vorbei, Natalie. Ich sagte mir, das würde dich vielleicht interessieren. Wir haben Mariner verloren.« Sie setzte sich im Bett auf. »Oh! Wie kommt’s?«

»Die Sonde hatte weitere Aufnahmen von Tharsis und Syrtis Major gemacht, und die Bilder waren auch schon auf Band. Doch dann mußte Mariner sich neu positionieren, um für die

Übertragung der Bilder die Hochleistungsantenne zur Erde auszurichten, und - futsch. Nichts. Der Brennstoff für die Steuertriebwerke war verbraucht. Dadurch haben wir fünfzehn Bilder verloren.

Aber was mich wirklich fuchst«, knurrte er ins Telefon, »ist, daß Mariner noch Brennstoff an Bord hat; nur eben am falschen Ort - in den Tanks für die Bremsraketen und nicht in den Tanks für die Steuertriebwerke. Wir hätten jedoch Leitungen legen können, um den Sprit von den Bremsraketen zu den Steuertriebwerken zu leiten. Damit hätten wir die Lebensdauer von Mariner um ein Jahr verlängert.«

»Aber.«

»Aber es hätte noch mal dreißigtausend Klicker gekostet. Bei einer Hundert-Millionen-Dollar-Mission. Die paar Piepen waren ihnen anscheinend zuviel.«

»Ach, Ben. Es hat wohl niemand damit gerechnet, daß Mariner überhaupt so lange durchhalten würde. Die Planung hatte gerade einmal neunzig Tage vorgesehen.«

»Vielleicht. Aber wenn ich das geahnt hätte, hätte ich die dreißig Riesen aus eigener Tasche bezahlt. Und dann haben die Wichser auch noch Viking plattgemacht!«

Sie mußte lachen. »Komm schon, Ben. Das klingt gar nicht nach dir. Du bist doch der große >Mann-auf-dem-Mond<-Held. Mit den dreißigtausend Mäusen ist wahrscheinlich dein Gehalt gezahlt worden.« Das war grundsätzlich richtig; die unbemannte Erforschung des Mars war eingeschränkt worden, wobei die eingesparten Mittel in die bemannte Raumfahrt flossen.

»Es ist eine Frage der Prioritäten, Natalie. Es ist nicht das verlorene Jahr, das mich fuchst; es sind diese fünfzehn gottverdammten Bilder. Da sind sie nun dort oben auf dem gottverdammten Band gespeichert.

Wir mußten einen letzten Befehl ‘raufschicken, damit Mariner den Sender abstellt.«

O Gott. Die arme, tapfere kleine Sonde. Sie drückte das Kissen gegen das Gesicht, um nicht ein brüllendes Gelächter auszustoßen. Schließlich war es gerade ein paar Tage her, seit sie Ben in einer ähnlichen Stimmung angerufen hatte, nachdem sie den Abend über den aktuellen Umfrageergebnissen gebrütet hatte, die Nixon einen erdrutschartigen Sieg über McGovern verhießen. »Wie lang wird Mariner noch im Orbit bleiben?«

»Fünfzig Jahre.«

»Nun, vielleicht haben wir bis dahin ein bemanntes Raumschiff zum Mars geschickt. Du wirst selbst hinfliegen, Ben. Vielleicht wirst du dir auch die Bilder holen. Und vielleicht wirst du sogar die alte Sonde selbst bergen. Wer weiß?«

Sie hörte sein Lachen. »Sicher. Wir bergen sie und hängen sie ins Museum, wo sie hingehört.«

»Was steht nun für dich an, Ben?«

Sie hörte ihn seufzen. »Apollo-N. Die Testflüge für NERVA. Irgendwann in Wolkenkuckucksheim.«

»Wenigstens werdet ihr, du und Mike, euch vielleicht jetzt öfter sehen. Und vielleicht werde ich euch beide auch öfter sehen.«

»Vielleicht. Aber bis zu den Flügen ist es noch lang hin, Natalie.«

»Ich sollte noch etwas schlafen, Ben.«

»In Ordnung. Gute Nacht, Natalie.«

»Ja. Dir auch, Ben.«

Sie lag hellwach in der Dunkelheit.

Mike war tausend Kilometer von ihr entfernt. Er ging in der Entwicklung von NERVA auf. Wie Ben bereits angedeutet hatte, geriet das verdammte Projekt schon wieder ins Rutschen.

Überhaupt, so wurde ihr bewußt, war es zwischen ihnen nie mehr so gewesen wie an jenem Tag des Jahres 1969, als sie mit Mike und Ben nach Jackass Flats hinausgefahren war.

Sie hatte versucht, mit Mike darüber zu sprechen. Für sie war es mehr gewesen als eine schlichte Diskussion, war über die leidenschaftlichen Debatten hinausgegangen, die ihr in der Vergangenheit ein solches Vergnügen bereitet hatten. NERVA war symbolisch für das Unbehagen, das sie angesichts der Art und Weise empfand, wie ihr Land geführt wurde. Schließlich schien Mike das auch erkannt zu haben. Widerwillig hatte er ihr Pläne für die Rückhaltung des radioaktiven Wasserstoffs und für eine sicherere Endlagerung der ausgebrannten Kernbrennstäbe gezeigt.