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Ralph Gershon fühlte eine tiefe Befriedigung. Endlich kam es ans Licht.

Er war davon überzeugt, daß dieser subversive Kram in den letzten Jahren seine Karriere behindert hatte. Vielleicht hatte das auch seine zaghaften Bemühungen zunichte gemacht, ins Raumfahrtprogramm aufgenommen zu werden. Das - und seine Hautfarbe. Vielleicht hatten manche Leute auch Angst, daß er auspacken würde, wenn er ins Rampenlicht der Öffentlichkeit trat. Wenigstens wurde nun alles publik, und niemand vermochte das zu verhindern.

Er traf eine Entscheidung, während er im stickigen Lesesaal der Bibliothek saß. Ihm gegenüber saß ein alter Mann, der schlief und dem Speichel aus dem Mundwinkel rann. Sobald er wieder bei seinem Geschwader war, würde er sich erneut bei der NASA bewerben.

Bevor er ging, las er noch, daß Ehrlichman und Haldeman vor dem Senat würden aussagen müssen. Endlich, sagte er sich: endlich bekam dieses Arschloch Nixon die Quittung.

Erosion durch Sintfluten auf dem Mars und auf der Erde

Ronald R. Victor (Fachbereich für Geologie, University of Texas, Austin), Natalie B. York (Raumfahrtwissenschaftliches Laboratorium, University of California, Berkeley)

Erschienen: 18. März 1974; überarbeitet: 6. Oktober 1974.

INHALTSANGABE:

Die großen Mars-Kanäle, insbesondere Kasei, Ares, Tiu, Simud und Mangala Valles, verfügen über morphologische Merkmale, die eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Rinnen des Kanalisierten Scablands< aufweisen. Merkmale des vorherrschenden Musters sind die beachtliche Größe,

regionale Querverbindungen und ein gerader Verlauf der Kanäle. Erosionsmerkmale sind stromlinienförmige Hügel, längliche Rinnen, innere Kanal-Katarakte, in Fließrichtung abgeschliffene Hindernisse und vielleicht marginale Katarakte sowie Restberg- und Becken-Topographie. Ablagerungen in Form von Säulenkomplexen in ausgedehnten Gebieten und vielleicht Hängesäulen beziehungsweise Nischensäulen. >Scabland<-Erosion findet statt bei tiefen Gewässern mit hoher Fließgeschwindigkeit, die auf massiven Gesteinsuntergrund wirken, als eine hydrodynamische Folge sekundärer Fließphänomene, einschließlich verschiedener Formen makroturbulenter Strudel und Fließtrennungen. Falls die Analogie zu den >kanalisierten Scablands< korrekt ist, sind auf dem Mars Fluten mit einem Wasserdurchsatz von Millionen Kubikmetern pro Sekunde und einer maximalen Fließgeschwindigkeit von mehreren Dutzend Metern pro Sekunde aufgetreten, deren Dauer jedoch vielleicht nur ein paar Tage betragen hat...

Aus Das Bulletin der Geophysikalischen Forschung, Band 23, pp. 27-41 (1974). Copyright 1974 Academia Press, Inc.; alle Rechte vorbehalten.

Juli 1976

Jet Propulsion Laboratory, Pasadena

Später würde York sich sagen, daß ein paar Tage im Sommer 1976 einen Scheideweg in ihrem Leben markiert hatten.

Im folgenden wurde sie von der Entwicklung förmlich überrollt, als ob ein neues Schicksal ihrer harrte.

York lechzte nach Wasser. Obwohl sie sämtliche Scheiben heruntergekurbelt hatte, war es im Auto so heiß wie in der

Hölle. Die Sonnenbrille rutschte, und wenn sie den Ellbogen zum Wagenfenster hinaussteckte, bekam sie gleich einen Sonnenbrand.

Sie fummelte am Lenkrad herum und wartete auf Ben Priest.

In ihrem ziellosen, chaotischen Leben war er eine Art ruhender Pol.

Sie hatte ein Riesenposter vom Mars an die Wand ihres Schlafzimmers geheftet, ein Schwarzweiß-Mosaik, das aus fünfzehnhundert Fotos von Mariner 9 zusammengesetzt war. Die Erhebung des Olympus Mons befand sich mitten auf dem Bild. Zumindest hatte das Poster dort gehängt, bis Mike sie aufgefordert hatte, es abzunehmen. Er sagte, Olympus Mons sähe aus wie eine riesige Brustwarze.

Und nun stand sie vor den Toren des JPL und durfte nicht hinein, weil sie keinen Sicherheitsausweis hatte - sie kam sich vor wie ein Groupie, das sich einen Blick auf die neuen sowjetischen Bilder von der Marsoberfläche erhoffte.

Wenigstens erschien nun Ben Priest. Mit dem ergrauenden Bürstenhaarschnitt war er jeder Zoll ein Soldat. Er hatte einen dicken Aktenordner dabei, auf dessen Deckel ein blaues NASA-Logo geprägt war. Obwohl er sich in der Hitze im Trott bewegte, schwitzte er nicht. Das gestärkte kurzärmlige Hemd strahlte blütenweiß im Sonnenlicht.

Diesmal war es ihm nicht gelungen, ihr Zutritt zum Labor zu verschaffen. Die Bilder, welche die Sowjets vom Mars sendeten, waren Verschlußsache.

Ben setzte sich auf den Beifahrersitz. »Ich hab’s.«

Sie griff nach dem Ordner. »Gib her.«

»Teufel, nein. Ist das vielleicht eine Art, einen alten Freund zu begrüßen? Gehen wir erst einmal irgendwohin, wo es kühler ist. Solange hat der Mars auch noch Zeit.«

Sie unterdrückte ihre Neugier. Das wäre unhöflich, Natalie. Und schließlich war das Ben. Sie startete den Wagen. »Wo ist die nächste Bar?«

»Nur die Wasserlöcher, wo die Jungs vom JPL ‘rumhängen. Ich möchte mal meine Ruhe vor ihnen haben.«

»Ich bin im Holiday Inn abgestiegen. Es ist nur ein paar Minuten von hier.«

»Nix wie hin.«

Sie fuhr los.

»Mike wollte doch auch mitkommen«, sagte Ben.

»Ja, aber er hat es dann doch nicht geschafft. Er ist zu tief in den Auspuff einer NERVA 2 ‘reingekrochen.« Oder vielleicht auch in seinen eigenen Arsch, sagte sie sich düster.

»Du weißt, daß das NERVA-Projekt noch immer nicht richtig auf Touren kommt. Mein Flug mit Apollo-N ist wieder einmal aufgeschoben worden, und.«

»Mike erzählt mir überhaupt nichts. Zumal die Hälfte sowieso geheim ist.«

»So läuft’s eben in der NASA. Und wie geht’s meiner allerliebsten Geologin so?«

Sie grunzte und korrigierte den Sitz der Sonnenbrille. »Beschissen, wenn du die Wahrheit hören willst. Mein Professor in Berkeley - Cattermole - ist ein widerlicher Furzer.«

Priest lachte. »Kannst du nicht etwas deutlicher werden?«

»Cattermole setzt sich zwar innerhalb des Fachbereichs durch und beschafft Fördermittel. Aber das war’s dann auch schon. Er ist so dumm wie Bohnenstroh. Seine Projekte sind ebenso lausig wie seine Methodik. Er betrachtet das Raumfahrtwissenschaftliche Labor von Berkeley bloß als Meißel, mit dem er Geld aus der NASA ‘rausklopft. Wenn ich das vorher gewußt hätte, dann hätte ich einen großen Bogen um den Mann gemacht.«

»Aber du hast doch sowieso nur einen Zeitvertrag.«

»Ja, und dann muß ich mich um einen neuen bemühen.«

»Du schaffst das schon. Wenn du es denn willst. Du bist ein kluges Mädchen, Natalie.«

»Komm mir nicht so von oben herab, du Arschloch.«

Er lachte wieder.

»Ja, ich werde schon etwas finden. Vielleicht bekomme ich sogar irgendwo eine Assistentenstelle. Aber.«

»Aber du glaubst nicht, daß die Geologie die Erfüllung für dich ist.«

»Ich weiß nicht, Ben. Vielleicht nicht.« Nicht einmal die Bearbeitung der Mars-Daten befriedigte sie.

»Was wäre die Alternative?«

»Nun, die Ölgesellschaften haben viele Stellenangebote für Geologen. Das Gehalt ist ordentlich, und man ist viel unterwegs.«

Ben sagte nichts. Als sie ihm einen Blick zuwarf, verzog er das Gesicht.

Das brachte sie auf. »Was soll ich denn sonst tun, du Klugscheißer?«

Er grinste und klopfte auf den Ordner auf seinem Schoß. »Das ist doch offensichtlich. Dein Problem ist, daß vor dir schon Tausende von Geologen in Alaska waren.«

»Also?«

»Ich kenne einen Ort, an dem bisher noch kein einziger Geologe war. Dein Problem ist, daß du auf dem falschen Planeten arbeitest.«