Выбрать главу

»Also?«

»Also greift man auf Bewährtes zurück und fängt mit einem flachen A-durch-L-Profil an, sagen wir null komma fünf. A durch L:    Auftrieb    geteilt durch Luftwiderstand, das aerodynamische Grundmaß eines Körpers. Null komma fünf. Das ist die Form einer Apollo-Kommandokapsel.«

»Genau. Bauen Sie eine dicke, fette Kommandokapsel. Das einzige Problem würde darin bestehen, den Hitzeschild zu vergrößern. Von dieser Konstruktion wissen wir nämlich, daß sie funktioniert. Mit Apollo wurden acht bemannte Mondflüge durchgeführt, und seit 1975 drei Skylab-Missionen und eine Moonlab-Mission pro Jahr. wie viele Flüge sind das per Saldo, fünfundzwanzig? Und die Apollo 13 CM hat sogar die Explosion der Betriebs- und Versorgungseinheit überlebt.«

»Aber eine solche Konstruktion wäre in der Marsatmosphäre nicht manövrierfähig.«

»Einem Doppelkegel wäre sie wohl unterlegen, aber bis zu einem gewissen Grad wäre sie doch manövrierfähig. Es ist wie bei Apollo. Das Schiff wird durch die Verlagerung des Schwerpunkts gesteuert, und der Auftrieb resultiert aus der Form des Schiffs. Und das ist der eigentliche Vorteil. Die Flugeigenschaften wären so unkompliziert, daß man das verdammte Ding sogar manuell fliegen könnte, falls die Elektronik ausfiele. Mit einem Doppelkegel wäre das nicht möglich.«

»Wie soll der Eintritt in die Atmosphäre erfolgen? Mit Fallschirmen?«

»Nein«, sagte Lee nach einigem Überlegen. »Die Luft ist zu dünn. Man müßte den Hitzeschild abstoßen und mit einem Abstiegstriebwerk landen, wie bei der Mondfähre. Grumman hat das auch vorgeschlagen. Und dann brauchte man eine Wiederaufstiegsstufe, die obere Hälfte des Kegels, um in den Orbit zu gehen. Der Hitzeschild und die OberflächenAusrüstung würden zurückbleiben.«

Für Gershon klang das plausibel. Es wäre kostengünstig, es würden nur geringe Entwicklungskosten anfallen, und das System war ausgereift. Das würde schon genügen, um zum

Mars zu fliegen. Und das Ding könnte in ein paar Jahren fliegen.

»JK, Sie sollten ein Angebot abgeben. Das ist mein voller Ernst.«

Lee lachte nur.

Er fuchtelte mit der Hand, in der er die Bierdose hielt. »Sehen Sie.«

Gershon sah die Wüste als fahle Kruste im Sternenlicht. Salzflächen. Und am Horizont erschien wie aus dem Nichts eine Lichterkette, wie eine Stadt in der Wüste.

»Edwards«, sagte Lee. »Hierher bin ich mit Stormy Storms gekommen, um die X-15 fliegen zu sehen. Mein Gott, waren das noch Zeiten.« Er nahm noch einen Schluck aus der Dose und warf sie dann aus dem Auto.

Gershon gab ihm eine neue Dose, und der Thunderbird jagte auf die riesigen Hangars des Luftwaffenstützpunkts zu, die sich aus der Dunkelheit schälten.

Montag, 7. August 1978

Lyndon B. Johnson-Raumfahrtzentrum, Houston

Sie wurde eine Stunde lang in Gebäude 110 aufgehalten, dem Sicherheitsbüro des JSC.

Wie soll man auftreten, wenn man ein frischgebackener Astronaut ist, der gerade den Dienst antritt? Man hat keinen Sicherheitsausweis, denn den bekommt man erst auf dem Gelände des Raumfahrtzentrums ausgehändigt.

Streng genommen, sagte York sich, war das eine unendliche Regression, eine Paradoxie. Logisch betrachtet war es unmöglich, ins JSC zu gelangen. Sie versuchte, der Pförtnerin das zu erklären.

Die Pförtnerin, von deren breitem, teigigem Gesicht der Schweiß troff, sah sie nur kurz an und widmete sich wieder den Presseleuten, die sich hinter ihr drängelten. Nach einer Weile gab York es auf und nahm in dem Kabuff Platz. Hätte nur noch gefehlt, daß sie wie ein Schulmädchen die Hände im Schoß faltete.

Schließlich kam eine Sekretärin mit Pumps angetippelt und holte sie ab.

Die Sekretärin führte sie durch das stachelige Gras des Geländes. Die Frau war um die Dreißig. Sie zog eine so intensive Duftwolke hinter sich her - Parfüm, Gesichtspuder und Haarspray -, daß York fast die Augen tränten. Sie schaute York seltsam an, und York sah, daß sie sich fragte, ob sie ihr von Frau zu Frau den Tip geben sollte, etwas für ihre Frisur zu tun.

York packte die leere Aktentasche und fragte sich, was sie hier überhaupt wollte.

Die Sekretärin führte sie zu Gebäude 4 und sagte ihr, daß man von ihr erwartete, ab sofort an den regelmäßigen Pilotenbesprechungen teilzunehmen. Jeden zweiten Montag um acht Uhr: sie kam also schon zu spät.

Sie huschte durch die Hintertür in den Besprechungsraum.

Es saßen vielleicht fünfzig Leute im Raum: nur Männer, mit offenen, glattrasierten Gesichtern und kurzen Haaren. Bekleidet waren sie mit Polohemden und Sommerhosen. Es wurden Witze gerissen, und tiefes, kehliges Lachen hallte durch den Saal.

Chuck Jones, der Chefastronaut, stand an der Stirnseite des Raums. Er hatte die Hände in die Hüften gestemmt und referierte über technische Daten des Schulflugzeugs T-38.

York erspähte einen freien Platz, nicht weit von der Tür, und mit gemurmelten Entschuldigungen zwängte sie sich an ein paar Beinpaaren vorbei. Die Astronauten ließen sie zwar anstandslos durch, doch sie spürte die neugierigen und fragenden Blicke auf sich, mit denen die Männer ihre Figur und das ungeschminkte Gesicht musterten. Was, zum Teufel, ist das? Ist das etwa eine Frau? Bist du hier, um Notizen zu machen, Baby? Ich trinke übrigens Koffeinfreien...

Sie erspähte Ben Priest, der mit verschränkten Armen in der ersten Reihe saß und völlig unbeteiligt wirkte.

»Mir wurde von Ellington gemeldet«, sagte Jones, »daß ein paar von euch Jungs nicht die Ausrüstung überprüfen, bevor sie die T-38 fliegen.«

Vereinzeltes Stöhnen war zu hören. »Mein Gott, Chuck, müssen wir das noch mal durchkauen?«

»Wir wollen uns das Privileg bewahren, die T-38 zu fliegen. Es ist jedoch ein Privileg, das uns jederzeit entzogen werden kann. Ihr seid vielleicht Astronauten, aber das befreit euch nicht von der Verantwortung für das Gerät, das ihr fliegt. Ich will nur vermeiden, daß ihr es euch mit den Kameraden in Elligton verderbt.«

Dann nahm Jones die Diensteinteilung für die nächsten zwei Wochen vor. »Bleeker, Dana und Stone gehen von Dienstag bis Freitag nach Cape Canaveral. Gershon für die ganze Woche nach Downey. Curval und Priest nach Los Angeles.«

»He, Chuck«, sagte jemand. »Ich dachte, Sie würden mit uns nach LA gehen.«

»Nein, ich habe es mir anders überlegt. Ich werde nach Cape Canaveral gehen. Ich will mir die neue Kommandokapsel ansehen, die dort gebaut wird.«

»Lieben Sie uns denn nicht mehr, Chuck?«

»Ihr geht nach Westen, und ich gehe nach Osten.« Die nächste halbe Stunde wurde mit einem solchen Quatsch vertrödelt. Schließlich wurde York unruhig; vom Fachjargon schwirrte ihr der Kopf, und sie wunderte sich über das gemächliche Tempo und die scheinbare Zeitverschwendung.

Sie fühlte sich wie in einem ungewöhnlich sauberen Umkleideraum für Männer.

Sie war verschüchtert und fühlte sich fehl am Platz. Wie soll ich mich in einer solchen Umgebung behaupten?

Sie traf mit den anderen Anfängern zusammen: acht Leute, alles Männer, die meisten mit Flugerfahrung. Sie machten einen intelligenten und dynamischen Eindruck. Meine Güte, drei von ihnen trugen bereits Polohemden mit dem NASA-Logo! Woher hatten sie das gewußt?

Chuck Jones unternahm mit den Neuen eine Besichtigung des Raumfahrtzentrums.

York lugte in die leeren Büros hochrangiger Astronauten. Die Räume sahen alle gleich aus, ordentlich, aufgeräumt und kaum bewohnt, mit Raumschiff- und Flugzeugbildern an den Wänden. Auf den Schreibtischen stand Spielzeug: Flugzeuge, Mondfähren und Modelle der neuen Saturn VB mit abnehmbaren Zusatztriebwerken.

Fast erwartete sie, Polohemden mit dem NASA-Logo an den Kleiderhaken zu sehen.

Überall, wo sie hinkamen, grüßten die Leute Jones wie einen König. Er schien gar keine Notiz davon zu nehmen. Mein Gott, sagte York sich. Hier muß es aber ein paar monumentale Egos geben.