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»Nun, das ist klar wie nur was«, seufzte sie.

Er lachte. »Was willst du mir sagen? Daß ich dein wäre, wenn ich mit einem Koffer hier aufkreuzen würde?«

Sie dachte darüber nach. »Ich weiß nicht«, sagte sie. »Ich könnte nie eine Seemannsbraut sein.«

»Das weiß ich.« Er nahm ihr Gesicht in die Hände. »Du bist etwas ganz Besonderes, Natalie.«

Sie nahm einen Schluck Cola. Ihre Gedanken schweiften wieder zur NASA ab. »Weißt du, die Alten Köpfe im Büro wollen uns überhaupt nicht dort haben.«

»Alte Köpfe?«

»Ben, nun tu nicht so, als ob du das noch nie gehört hättest. Die Alten. So nennen wir euch, die Dienstälteren.«

»Mich auch?«

»Dich auch, du Arsch. Und die ältesten der Alten Köpfe sind die schlimmsten. Chuck Jones und der Rest der Mercury-Generation.«

»Ach, komm schon«, sagte Ben. »Diese Jungs sind ganz in Ordnung. Ich meine, sie sind die guten Jungs. Sie treiben das Programm voran und versuchen, noch einen Flug zu ergattern. Sie sind wenigstens nicht in den Vorruhestand gegangen, um in Werbesendungen aufzutreten oder irgendwo als Frühstücksdirektor anzuheuern. Sie sind auch nicht in Talkshows aufgetreten oder haben ihre Raumanzüge verhökert. Männer wie Joe Muldoon und John Young, Fred Haise und Chuck Jones sind die alte Garde.«

»Vielleicht.« Im Rückblick wunderte sie sich über die Verehrung, die sie diesen Männern entgegengebracht hatte. Doch es war schon erstaunlich, wie die Einstellung einer Person gegenüber umzuschlagen vermochte, wenn man über einen längeren Zeitraum immer nur von ihr brüskiert wurde. »Sie reden nur vom Fliegen«, sagte sie verschnupft. »Und von der Gänsejagd und davon, wie sie schnell mit ihren Sportwagen von ihren gemütlichen Häuschen in El Lago zum JSC rasen.«

»Welches Verhalten hättest du denn von ihnen erwartet? Diese Jungs sind im Grunde Testpiloten.«

»Aber mir bringt man das Fliegen nicht bei! Aber das ist noch nicht alles. Selbst wegen der wissenschaftlichen Projekte, die wir durchführen wollen, rümpfen sie die Nase.«

»Chuck Jones auch?«

»Gerade Jones. Kennst du zum Beispiel Bob Gold aus meiner Gruppe?«

»Sicher.«

»Bob wollte sich im nächsten Jahr freistellen lassen, um einen Forschungsauftrag an der University of Texas anzunehmen. Bei der Einführungsveranstaltung hatte man uns diese Möglichkeit in Aussicht gestellt, um den Kontakt zu unseren alten Hochschulen aufrechtzuerhalten. Aber Jones hat es nicht erlaubt. Er sagte, er würde Bob hier brauchen! Wozu denn, um Gottes willen? Um als Staffage bei irgendwelchen Versuchen mitzuwirken? Ben, für ein paar dieser Versuche würde ein x-beliebiges Lebewesen genügen. Es müßte nicht einmal ein Bewußtsein haben. Bob spielt jedenfalls mit dem Gedanken, aufzuhören.«

»Dann soll er eben aufhören.« Die Unruhe, die sie schon an ihm wahrgenommen hatte, schien nun an die Oberfläche zu drängen, »Ich verstehe dich. Aber du mußt das mit dir selbst ausmachen, Natalie.«

Aber York war noch nicht fertig. »Noch etwas. Da sitzt du zum Beispiel im Büro und willst den Stoff nachbereiten. Dann kommt so ein grinsendes Arschloch rein und sagt: >He, Natalie, in Gebäude 4 findet eine Besprechung statt. Es geht um EVA-Überschuhe oder S-Band-Antennenhalterungen oder einen anderen Scheiß, den Sie sich anhören sollten« Was soll man da machen?«

»Hingehen«, sagte Priest dezidiert. Mit einer endgültig wirkenden Geste stellte er das Bier auf dem Nachttisch ab. »Hör mir wenigstens einmal zu, Natalie. Du mußt eine Entscheidung treffen. Dieses verdammte Gejammer. Wenn du ins akademische Leben zurückwillst, zurück zu deiner alten Arbeit, dann schnür dein Bündel und geh.«

»Das würde ich auch am liebsten tun.«

»Dann solltest du nicht nur reden, sondern handeln. Wenn du aber hierbleiben willst, dann mußt du mitspielen. Nach ihren Regeln, den Regeln der Alten Köpfe oder wie auch immer ihr sie nennt. Jack Schmitt war der erfolgreichste Wissenschaftsastronaut der Sechziger. Wie das wohl möglich war?«

»Weil er der beste Geologe war?«

»Er war ein guter Geologe. Doch es gab viele gute Geologen, die sich aus dem Programm verabschiedet und Schmitt zurückgelassen haben. Schmitt hat sich nützlich gemacht, und zwar so, daß er den anderen Leuten - den Entscheidungsträgern - aufgefallen ist. Man bestimmte ihn zum Repräsentanten der Astronauten für die Mondausrüstung der Apollo, und er führte den Auftrag aus. Und ohne daß man ihn dazu aufgefordert hätte, kümmerte er sich gleich auch um die Landestufe der Mondfähre. Er entwarf Strategien zur Erkundung des Mondes. Er bewirkte, daß die anderen Jungs die Geologie ernst nahmen.«

»Aber, Ben - Schmitt ist nie auf dem Mond gelandet.«

Priest schüttelte den Kopf. »Du hörst mir nicht zu. Wenn Schmitt nicht gewesen wäre, würden uns längst nicht so gute geologische Forschungsergebnisse vom Mond vorliegen. Daran solltest du einmal denken. Er hatte Pech - die späteren Mondlandungen, die in seine Dienstzeit gefallen wären, wurden gestrichen. Aber er hat sich selbst die bestmögliche Chance gegeben.« Er musterte sie. »Immerhin hat Schmitt in Moonlab gearbeitet und ist bis auf hundert Kilometer an den Mond herangekommen. Und du kennst doch auch Ralph Gershon, nicht wahr?«

»Sicher. Ein riesengroßes Arschloch.«

»Nein.« Nun wurde Ben ungehalten. »Du bist das Arschloch, Natalie. Es tut mir leid, aber es ist die Wahrheit. Hör zu: Gershon hat es genauso schwer wie du, nur in anderer Hinsicht. Er ist der beste Pilot der NASA, und die meisten von uns wissen das auch. Aber er paßt eben nicht rein. Er gehört zu einer anderen Generation als diese Jungs. Er hat in einem schmutzigen Krieg gekämpft, und vielleicht wird ihm unterstellt, etwas von diesem Schmutz sei an ihm kleben geblieben.

Aber«, fuhr Priest fort, »Ralph hat nicht aufgegeben. Er setzt alles daran, einen Platz in einer Rakete zu bekommen. So macht er sich zum Beispiel nützlich, indem er für euch das Kindermädchen spielt.«

»Aber er ist ein lausiger Ausbilder!«

Priest schüttelte den Kopf. »Moment! Das ist nicht der Maßstab. Daß er den Auftrag angenommen hat, ihn ausführt und ein >Mannschaftsspieler< ist: das ist es, was zählt. Und obendrein verbringt Ralph sein halbes Leben in Langley und bei Rockwell - wo auch immer Komponenten des MEM getestet werden. Und weißt du, weshalb? Er sagt sich nämlich, wenn es einmal soweit ist, will er niemanden um sich haben, der sich besser mit dem MEM auskennt als er. Genauso wie Schmitt spielt er mit vollem Einsatz.«

»Und das sollte ich auch tun?«

»Das solltest du auch tun. Und noch mehr. Hör auf mit diesem Gejammer, um Himmels willen. Du hast hier eine einmalige Gelegenheit. Setz dich in den Simulator. Nutze alle Ausbildungsmöglichkeiten, so sinnlos sie dir auch erscheinen mögen. Besuch die Vorträge über die verdammten EVA-Gamaschen oder was auch immer. Und such nach Möglichkeiten, deine Fähigkeiten zu entwickeln. Laß dich zum Beispiel auf die Bewerberliste für den Marsflug setzen.«

»Ich wußte gar nicht, daß es eine solche Liste gibt.«

»Jetzt weißt du es«, sagte er.

»Verdammt, Ben, ich hasse es, wenn du mir Ratschläge gibst.«

Er lachte. »Nur weil ich recht habe.« Er sah auf die Rolex, die er auf den Nachttisch gelegt hatte. »Verdammt. Ich muß los. Muß auch wieder die Schulbank drücken und die NERVA-Steuersysteme auf den neusten Stand bringen.«

»Also«, sagte sie und streichelte ihm den Rücken. »Dann müssen wir noch etwas erledigen, was?«

»Ja. Wir müssen noch etwas erledigen. Wir werden reden.«

Er schwang die Beine aus dem Bett.

Nach ein paar Wochen wurde das Leben interessanter.

Yorks Gruppe wurde nun an den Systemen ausgebildet. York arbeitete sich durch die Hierarchie der Ausbildungssysteme -zuerst anhand von schriftlichen Unterlagen, dann mit Computerunterstützung -, so daß sie eine ganzheitliche Vorstellung von dem Raumschiff bekam, das sie fliegen würde.