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»Oh, gut, Phil«, sagte sie. »Es geht mir gut. Das ist.«

»Ich weiß.« Er sah sie über die Schulter an. Die Augen waren hinter der Sonnenbrille verborgen. »Und im Orbit fliegen Sie mit der zwanzigfachen Geschwindigkeit und in viel größerer Höhe. Vielleicht verstehen Sie nun, weshalb ein paar von uns so scharf sind aufs Fliegen.«

Sie schnitt eine Grimasse. »Ist mein Widerwille denn so offensichtlich?«

»Für mich schon. Ich mache Ihnen deshalb keinen Vorwurf. Aber Sie müssen auch lernen, den Standpunkt der anderen Seite zu verstehen.«

»Was geht Sie das überhaupt an?« fragte sie in plötzlichem Trotz.

Er lachte ungerührt. »Vielleicht mehr als Sie glauben. Natalie, ich habe Sie im Büro beobachtet. Ich glaube, Sie haben ein großes Potential. Ich glaube, wir brauchen Leute wie Sie im Programm. Aber Sie müssen noch lernen, im Team zu arbeiten.«

Unvermittelt brachte er die Maschine wieder in den Sturzflug und vollführte ein paar wilde Rollen.

York zog den Beutel heraus. Wie ein Häufchen Elend saß sie da und starrte auf die Beine, während die Welt sich um sie drehte.

Die T-38 stürzte wie ein fallender Stein auf die Landebahn zu. Die Landung, als sie dann kam, erfolgte sanft und schnell.

Die Mechaniker halfen York aus dem Cockpit. Ihr war nicht mehr schlecht, aber sie fühlte sich desorientiert, als ob sie kleiner und leichter geworden wäre. Der bleierne Himmel über ihr und die feuchtwarme Luft setzten ihr zu.

Stone klopfte ihr auf die Schulter. »Sie haben sich gut gehalten«, sagte er.

»Ich hätte mich fast übergeben.«

»Aber sie haben es nicht getan. Ich sagte Ihnen doch, daß Sie Potential hätten, York.«

»Ja. Vielleicht.«

Sie stand dort auf dem Rollfeld von Ellington und sah zu den Wolken empor. Sie erinnerte sich an diese paar Sekunden der Schwerelosigkeit und schwenkte die Arme nach oben.

Stone beobachtete sie.

Verlegen klemmte sie sich den Helm unter den Arm, nickte Stone knapp zu und begab sich auf den Weg zum Umkleideraum.

Donnerstag, 27. November 1980 Tjuratam-Kosmodrom, Kasachstan

Der Himmel war wolkenlos und erstrahlte in einem satten Blau. Jenseits der Startanlagen peitschte der Wind Sand über die kahle, flache Steppe. Bert Seger war froh, daß er sich in der Sicherheit dieses Beobachtungsraums befand, fünf Kilometer von der Startzone entfernt.

Hinter sich hörte er das Gemurmel der anderen Gäste -Manager, Politiker, Akademiker und Prominenz -, die sich eher für das üppige Büffet zu interessieren schienen und für die Verfolgung politischer und diplomatischer Ziele, die mit dieser gemeinsamen Mission verbunden waren.

Seger hatte ein Fernglas umhängen; nun setzte er es an die Augen und betrachtete den Startkomplex.

Die große N-1-Rakete ragte in den Himmel. N für Nositel -der Träger. Die Rakete saß auf einer Art Bühne am Rand einer Flammgrube. Die mobile Versorgungseinheit war bereits herabgesenkt worden; eine Dreiviertelstunde vor dem Start waren die Türme um neunzig Grad gekippt worden, so daß die Rakete frei stand. Sie hob sich nun als vertikaler Strich von dieser weiten, horizontalen Landschaft ab.

Seger sah Brennstoffschwaden aus den Stufen der N-1 entweichen, und der Dunst führte in der unbewegten Luft zu Schlierenbildung. Die drei unteren Stufen bildeten einen Kegelstumpf, der sich an der Grundfläche verbreiterte, und die oberen Stufen sowie das Raumschiff selbst waren als Zylinder auf diese Baugruppe gesetzt. Die oberen Stufen glichen in Größe und Form einer Saturn IB. Und irgendwo in diesem Komplex, so wußte Seger, verbarg sich das Raumschiff Sojus T-3; und darin verbargen sich wiederum zwei Kosmonauten und saßen die letzten Minuten des Countdowns aus.

In seiner Gesamtheit wirkte das Gerät wie ein Kreml-Turm. Daß es sich bei der N-1 um keine amerikanische Konstruktion handelte, sah man auf den ersten Blick. Doch die N-1 war dennoch der Stiefbruder der Saturn. Sie war nach dem Krieg von einer Gruppe Deutscher entwickelt worden, die an denselben Nazi-Projekten gearbeitet hatten, die von Braun und seine Leute nach White Sands mitgenommen hatten. Noch ein Kind der V-2.

»Hier.« Fred Michaels trat an seine Seite und reichte ihm ein Glas Wodka. »Sie sehen so aus, als ob Sie das vertragen könnten.«

Seger beäugte den Hochprozentigen skeptisch. »Danke, aber ich trinke nicht an einem Starttag, Fred.«

»Trinken Sie. Das ist ein Befehl. Bert, das ist Ihr Start, nicht unserer.«

Seger rang sich ein Lachen ab und nahm den Drink. »Sie haben recht. Ich muß wohl immer alles unter Kontrolle haben.«

»Ich kenne das Gefühl. Aber Sie müssen lernen, sich zu entspannen, wenn Sie eh nicht imstande sind, in den Ablauf der Dinge einzugreifen.«

Michaels hatte natürlich recht. Die Sowjets und die Amerikaner hatten für diesen Flug Personal der jeweiligen Kontrollzentren ausgetauscht, so daß ein paar Amerikaner in Kalinin stationiert waren. Und im Kosmodrom von Tjuratam hatte man die Amerikaner bis zu diesem Beobachtungsbunker vorgelassen. Doch das war auch schon alles. Weder Seger noch sonst jemand von der amerikanischen Abordnung war in der Lage, die Abwicklung dieses Starts in irgendeiner Hinsicht zu beeinflussen. »Ich bin nur froh, daß nicht zwei von unseren Jungs da drinstecken«, sagte er. »Ich würde sie nicht mit dieser verdammten Kiste fliegen lassen. Fred, wir würden der N-1 nicht einmal die Zulassung für den bemannten Raumflug erteilen.«

Ungerührt zog Michaels seine antike Taschenuhr aus der Westentasche und las die Zeit ab. »Dann ist das sowjetische Raumfahrtprogramm also eine Luftnummer, was, Bert?«

Seger nippte am Wodka. Das war ein höllischer Stoff, doch der Alkohol schien wirkungslos zu verpuffen. »Das ist nicht mehr lustig, wenn man - wie wir nun - einen Einblick in die sowjetischen Startvorbereitungen bekommt. Die Überprüfung erfolgt überwiegend in der Bodenstation. In der Startzone selbst tun sie kaum noch etwas. Teufel, es gibt dort fast keine elektronischen Überwachungsgeräte und nur eine leistungsschwache Computerschnittstelle. Dadurch erfolgt der Start zwar schneller, doch die Zuverlässigkeit leidet darunter. Kein Wunder, daß bei diesem Triebwerk so viele Pannen aufgetreten sind.

Und wußten Sie schon, daß die Rollachse nur eine Nick- und Gierregelung hat? Das verdammte Ding vermag nicht mal den eigenen Azimuth zu kontrollieren, und man muß die ganze Tragstruktur schwenken, um diese Momente auszugleichen.«

»Noch mal von vorn; diesmal aber verständlich, Bert.«

»Die Saturn V ist imstande, mit Hilfe des Bordcomputers sich selbst in den Orbit zu steuern. Die N-1 nicht. Je nachdem, wo sie hinwollen, müssen sie das Ding ausrichten...«

Dies war das Haupt-Kosmodrom der Sowjets, ihr Gegenstück zu Kennedy. Es war mitten in Zentralasien gelegen, ein paar hundert Kilometer vom Aral-See entfernt: wo die Amerikaner den Atlantik als Schießplatz nutzten, bedienten die Sowjets sich ihres riesigen, menschenleeren Herzlands. Die nächste Stadt war Tjuratam, ein kleiner, fünfundzwanzig Kilometer entfernter Eisenbahnknotenpunkt. Der Ort hatte nicht von dem spektakulären Kosmonauten-Hotel profitiert, das man im Zentrum hochgezogen hatte und war so ärmlich und heruntergekommen wie eh und je.

Die Startzone war heute sogar vom Rest des Kosmodroms isoliert, der sich vielleicht dreißig Kilometer östlich befand. Sie gehen kein Risiko ein. Und ich kann es ihnen auch nicht verübeln.

Seger fühlte sich abgeschnitten, isoliert und hilflos. Ich bin hier näher an der chinesischen Grenze als an Moskau.

Nun, er hatte alles in seiner Macht Stehende unternommen, um zum Gelingen der gemeinsamen Mission beizutragen. Er hatte in mühevoller Arbeit dafür gesorgt, daß seine amerikanischen Mitarbeiter und ihre sowjetischen Kollegen effektiv und sicher zusammenarbeiteten. Zum Beispiel hatte er bald erkannt, daß die Sprachbarriere sich nicht nur auf die Lücke Russisch-Englisch beschränkte, und eine Art Sprachendienst eingerichtet, der die NASA-Fachsprache in allgemeinsprachliches Englisch übersetzte, das dann von den russischen Dolmetschern übertragen wurde. Hinzu kam die alltägliche Routine. Sein Planungschef war im letzten Jahr mit einem ganzen Stapel Unterlagen nach Rußland geflogen. Sein sowjetischer Kollege war sage und schreibe mit einem Bleistift bewehrt gewesen. Nicht nur, daß es kein Papier in den Büros gab; selbst jetzt existierte zum Beispiel nur eine Kopie des Sojus-Missionsplans für dieses gemeinsame Projekt, das auf lange Papierrollen geschrieben und an die Wände des sowjetischen Planungsstabs in Kaliningrad gepinnt war. Seger rätselte noch, ob die Sowjets das absichtlich machten, um ihnen Informationen vorzuenthalten, oder ob nur ein Mangel an Kopiergeräten herrschte.