Выбрать главу

Qualifikation waren >weiche< Faktoren wie Image im Zweifelsfall ausschlaggebend.

Also hielt Gershon die Vorliebe für Mozart lieber geheim.

Er war allein in der Kabine, während er die Checkliste abarbeitete. Das Schließen der Luke war ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften, und er mußte sich jedesmal Stones Genehmigung holen. Doch Apollo war einer der wenigen Orte der ganzen Mehrstufenrakete, in der man eine echte

Privatsphäre hatte. Stone verstand das. Man brauchte einen kleinen Raum, etwas Zeit für sich selbst.

Es war eine seltsame Vorstellung, daß es im Umkreis von Dutzenden von Millionen Kilometern nur drei Menschen gab und daß sie dennoch für mehrere Monate in dieser Kollektion von Blechbüchsen zusammengepfercht waren. Die einzigen massiven Trennwände im Missionsmodul umschlossen den Müllschlucker.

Obendrein kamen die drei nicht sonderlich gut miteinander aus. York war nicht sonderlich gesprächig, Stone war zu sehr der gottverdammte Luftwaffenoffizier, um für ein gutes Betriebsklima zu sorgen, und er, Gershon, redete zuviel.

Doch das focht Gershon nicht an. Und seine Kameraden wohl auch nicht, sagte er sich. In Gershons Augen war dieser ganze psychologische Teamgei st-Krempel eh nur Mist. Sie führten diese Mission nicht durch, um Freunde zu werden; sie wollten zum Mars fliegen. Und um das zu erreichen, würden sie die kleinen zwischenmenschlichen Reibereien wohl überwinden.

Solange ein Mensch etwas Zeit für sich hatte und ein bißchen Abgeschiedenheit, war das alles kein Problem.

Er kontrollierte die Anzeigen, Skalen und Monitore und verglich sie mit den Sollwerten auf der per Fernschreiber übermittelten Checkliste. Das Mikrofon hatte er so eingestellt, daß Mozart unterbrochen wurde, wenn er sprach.

Gershon arbeitete gern mit der Apollo-Technik.

Die Grundkonstruktion war zwar schon veraltet, doch seit dem letzten Störfall bei Apollo 13 vor fünfzehn Jahren war kein größerer Defekt mehr aufgetreten. Zumal >veraltet< nicht unbedingt etwas Negatives war. Für einen Piloten war es nämlich der Unterschied zwischen einer noch unbekannten Neuentwicklung und einer robusten Kiste; >veraltet< stand in diesem Fall für >erprobt<. In Gershons Augen wäre es eine Schande gewesen, wenn man die Apollo-Baureihe Anfang der

Siebziger eingestellt und statt dessen ein neumodisches Raumflugzeug konstruiert hätte. So schön das Space Shuttle auch zu fliegen gewesen wäre.

Durch die Verbesserungen, die Rockwell im Lauf der Jahre vorgenommen hatte, war aus der Grundkonfiguration ein ebenso vielseitiges wie robustes Weltraumfahrzeug geworden. Rein äußerlich unterschied sich das Schiff, das mit der Nase im Kopplungstunnel des Missionsmoduls steckte, kaum von den anderen Apollos, die bisher geflogen waren. Es wies die klassische Konfiguration auf: die zylindrische Betriebs- und Versorgungseinheit, unten der Triebwerkstrichter des großen Antriebssystems und oben der gedrungene Kegel der Kommandokapsel. Doch sonst unterschied diese Apollo - mit der Bezeichnung >Block V-Konstruktion< nach den Rockwell-Ingenieuren, die sie gebaut hatten - sich deutlich von den alten Block II-Versionen, die in den Sechzigern zum Mond geflogen waren. Auch die Unterschiede zu den Block III und IV-Erdorbit-Fähren waren noch ziemlich markant.

Die ersten Mondmissionen hatten lediglich zwei Wochen gedauert. Die Ares-Apollo indes sollte achtzehn Monate im Leerraum überstehen. Und die Temperaturunterschiede, denen Apollo ausgesetzt sein würde, während Ares im Sonnensystem kreuzte, wären viel stärker als bei einem Mondflug. Deshalb waren die meisten Hauptsysteme der Apollo neu konzipiert worden.

Die Betriebs- und Versorgungseinheit verfügte über mehr Treibstoff für die Steuertriebwerke und weniger Brennstoff für das Haupttriebwerk. Die herkömmlichen Betriebs- und Versorgungseinheiten hatten zuviel Wasser abgeblasen, das von den Bordbatterien produziert wurde; die Ares-Version speicherte das Wasser in Tanks, wodurch vermieden wurde, daß Eispartikel das Schiff umschwärmten. Die ganze Konfiguration war mit mehr Batterien bestückt, und die

Kommandokapsel verfügte über mehr Nutzlastraum. Die obere Kopplungseinheit verfügte über eine Luftaustauschleitung, um Luft vom Missionsmodul in die Kommandokapsel zu leiten. Und so weiter.

Zuverlässigkeit war bei Langstreckenflügen unverzichtbar. Viele Systeme der Apollo waren mehrfach gesichert - mit Geradeauskopien, die bei einem Defekt einsprangen -, aber das alte Dreifach-Redundanz-System, das bei den Mondflügen verwendet worden war, hatte sich für Langstreckenflüge als ungeeignet erwiesen. Redundanzen, die das Risiko über eine solche Flugdauer minimiert hätten, hätten ein Raumschiff mit einer gewaltigen Masse und höchstem Komplexitätsgrad erfordert.

Also hatten die Konstrukteure sich eine intelligentere Lösung ausgedacht. Zusätzlich zur bloßen Redundanz waren auch andere Systeme imstande, die Funktionen ausgefallener Komponenten zu übernehmen. Dadurch wurde das Risiko vermindert, daß durch den Ausfall eines Systems gleich mehrere Funktionen beeinträchtigt wurden - wie bei Apollo 13 geschehen. Und an die Besatzung hatte man auch gedacht. Das Schiff war in Modulbauweise errichtet worden, so daß die Baugruppen leicht zugänglich waren und relativ schnell repariert oder ausgetauscht werden konnten. Außerdem gab es Isolierventile, Not-Ausschalter, Prüfgeräte und Diagnosewerkzeuge. Ein paar Baugruppen verfügten sogar über integrierte mikroelektronische Selbsttest-Einheiten.

Außerdem umfaßte der Flug der Apollo zum Mars eine Reihe von Abbruchoptionen. Bei der Rückkehr zur Erde sollte die Apollo mit dem Missionsmodul in einen langgezogenen elliptischen Orbit um den Planeten gehen, wobei die lange Halbachse eine Länge von hundertsechzigtausend Kilometern hatte und die kurze Halbachse eine Länge von achtzigtausend Kilometern. Es handelte sich also um eine weite Kurve, auf der die Mehrstufenrakete sich dem Mond bis auf die halbe Distanz zwischen Erde und Mond nähern und danach wieder abdrehen würde - ein Orbit, den Ares mit einem relativ geringen Brennstoffverbrauch einzuschlagen vermochte. Die Kommandokapsel würde sie aus einer solchen Trajektorie sicher zur Erde zurückbringen, weil die Hitzeentwicklung beim Wiedereintritt geringer war als bei einer Rückkehr vom Mond. Und falls Apollo dennoch ausfallen sollte, würde die Besatzung im Orbit überleben, bis Rettung in Gestalt einer anderen Apollo kam.

Und falls sie es nicht einmal in den Erdorbit schafften - wenn zum Beispiel das J-2S, das einzige Triebwerk der letzten Stufe der MS-IVB-Zusatzrakete versagte -, waren sie immer noch in der Lage, aus dem freien Fall einen direkten Wiedereintritt zu versuchen. Der Hitzeschild an der Unterseite der Kommandokapsel war verstärkt und versteift worden, so daß sie eine reelle Chance hatten, den Eintritt in die Erdatmosphäre zu überstehen. Die Geschwindigkeit wäre nur um etwa fünfzehn Prozent höher als bei einer Rückkehr vom Mond.

Und wenn die Lebenserhaltungssysteme des Missionsmoduls während des Flugs ausfielen, hatte die Besatzung immer noch die Möglichkeit, sich in die Kommandokapsel zurückzuziehen und sie als Schutzraum beziehungsweise als >Rettungsboot< zu nutzen. Wo Gershon nun allein hier war, wirkte die Kommandokapsel recht geräumig; wenn sie sich jedoch zu dritt hier aufhalten müßten, würden es ein paar harte Wochen oder gar Monate werden.

Doch das wäre immer noch besser als der Tod.

Jeder Aspekt der Mission war unter Berücksichtigung eines möglichen Defekts geplant worden, um in jeder Phase eine Option bereitzustellen und keine >toten Zonen< zuzulassen, in denen es keine Abbruchmöglichkeit gab. Die Konstrukteure hatten an fast alles gedacht.

Gershon summte die Mozart-Melodie bei der Arbeit.

Diese Inspektion war lästige Routinearbeit für Gershon, doch andererseits war alles auf diesem Flug lästige Routinearbeit für Gershon. So war es nun mal auf jedem beschissenen Langstrecken-Raumflug.