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betätigen. Der stilisierte Saturn wich noch immer vom Pfad ab.

Aber.

Aber die Abweichung war doch nicht so gravierend, wie es zunächst den Anschein gehabt hatte. Zumal die Rakete nun auch nicht mehr taumelte.

Die S-NB war ein >intelligentes< Gerät. Mittels der schwenkbaren Triebwerkstrichter war sie imstande, die Flugbahn weitgehend selbst zu korrigieren. Es sah so aus, als ob das Triebwerk alles tat, um den vorgesehenen Kurs zu halten. Die Trajektorie war noch immer unter Kontrolle.

Conlig mußte sich überwinden, Donnelly zu antworten. »Äh. Flug, Booster.«

»Mein Gott, Booster. Reden Sie.«

Conlig atmete durch. »Flug, Booster. Wir scheinen wieder alles unter Kontrolle zu haben.«

Nun gingen Anfragen von den anderen Controllern ein: Flugführung, Flugdynamik, und die Jungs in der System-Reihe hinter Conlig meldeten sich auch. Von der Oszillation um die Trajektorie abgesehen, war alles in bester Ordnung.

»Sicher, Booster?« fragte Donnelly.

Sind Sie wirklich sicher, daß Sie diesen Vogel unter Kontrolle haben? Sind Sie sicher, daß Sie nicht für einen Abbruch plädieren wollen?

Sind Sie sicher, daß Sie wissen, was Sie tun, Conlig?

Conlig hatte den Eindruck, daß der Raum, ja die ganze Welt auf ihn einstürzten; der Kopfhörer brannte förmlich auf den Ohren, und der Saturn auf der Anzeigetafel war wie ein Menetekel seiner Unentschlossenheit.

Ich sollte eigentlich abbrechen. Aber wo das Ding nun schon mal fliegt.

»Sind Sie sicher, Booster?« hakte Donnelly nach.

»Die Daten sprechen dafür, Flug.«

»Roger.« Ich will Ihnen mal vertrauen, Conlig.

Conlig starrte auf das Saturn-Symbol, als ob er es mit schierer Willenskraft dazu veranlassen könnte, aufzusteigen und in den Orbit zu gehen.

Er wußte, daß niemandem mit einem Abbruch gedient war, wenn es nicht unbedingt sein mußte.

Die Brennphase dauerte zweieinhalb Minuten. Apollo-N war auf eine Geschwindigkeit von acht Kilometern pro Sekunde beschleunigt worden und hatte in dieser Zeit vierhundert Kilometer zurückgelegt.

Dann schaltete die S-NB-Stufe das NERVA-Triebwerk ab.

Jones las die Werte auf der Anzeige ab. »Natalie, sagen Sie den Jungs aus Marshall, daß ihr Vogel sich prächtig gehalten hat. Nur daß wir mit dem Arsch voran in den Orbit geprescht sind.«

»Roger«, erwiderte York lapidar. »Ich werde es weitergeben, Chuck. Danke.«

Mike Conlig wußte, daß Natalie in ihrer Eigenschaft als Capcom nur ein paar Meter von ihm entfernt saß.

Ich hätte abbrechen sollen. Aber ich habe es nicht getan. Ich habe sie weiterfliegen lassen.

Er drehte sich nicht um, weil er den Blickkontakt mit Natalie vermeiden wollte.

Donnelly spürte, wie ein Teil der Anspannung von ihm abfiel.

Er befragte die Controller; sie meldeten, daß die Systeme des Schiffs, trotz allem, einwandfrei funktionierten. Wir haben es geschafft. Allerdings weiß ich nicht, wie.

Bert Seger wußte, daß sie nur Glück gehabt hatten. Er war entschlossen, den Kameraden aus Marshall wegen dieser Sache den Arsch aufzureißen. Die S-IC war ins Taumeln geraten. Die erste Stufe der Saturn hätte sie nicht im Stich lassen dürfen -nicht nach mehr als zehnjähriger Erfahrung, nicht nach so vielen Flügen.

Seger betrat das MOCR und beugte sich über Donnellys Station. »Wenn Sie auch nur die geringsten Zweifel an der Zuverlässigkeit des NERVA-Triebwerks aus Marshall hegen, bringen Sie die Jungs sofort wieder runter.«

Freitag, 28. November 1980

Apollo-N; Lyndon B. Johnson-Raumfahrtzentrum, Houston

Sie stopften die Druckanzüge in Netztaschen und verstauten sie unter den Liegen. Nun trug Jim Dana nur noch eine Kombi über der Unterwäsche.

Er befand sich nun in einer Höhe von hundertsechzig Kilometern, eintausendsechshundert Kilometer von Cape Canaveral entfernt und flog mit einer Geschwindigkeit von acht Kilometern pro Sekunde. Auf der mittleren Liege, die Füße zu den Sternen gerichtet, sah er durchs Fenster der Kommandokapsel auf den Heimatplaneten hinunter.

Beim Anblick der sonnenbeschienenen Erde geriet er schier in Verzückung. Sie stand als leicht gekrümmte Wand aus Farbe und Licht vor ihm, die das Universum in zwei Hälften teilte; leuchtend weiße Wolken lagen wie Federn über dem Land und dem Meer.

Ben Priest, der rechts von Dana lag, grinste ihn an. »Wie fühlst du dich?«

»Als ob ich hier oben geboren wäre.«

Chuck Jones öffnete den Sicherheitsgurt, stieß sich von der linken Liege ab und schwebte zur Instrumentenkonsole hinauf. »Wir sind im Orbit, meine Herren«, sagte er. »Willkommen im Astronauten-Korps. Nun müssen wir nur noch herausfinden, ob wir es hier aushalten.«

Priest und Jones schickten sich an, die Flugbahn des Schiffs und die geschätzte Geschwindigkeit mit den Bodenstationen und den Meßflugzeugen abzugleichen. Dana hörte, daß Jones bei der Arbeit summte. Dana hatte die Aufgabe, die Navigationsplattform auszurichten.

Er schwebte nach oben und klappte die mittlere Liege hoch. In der Mikrogravitation wirkte die enge Kabine recht geräumig. Dana tippte mit der Fingerspitze gegen eine Instrumentenkonsole; das genügte, daß er an den anderen vorbei in den Nutzlastraum unter den Liegen driftete.

Er schwebte zwischen Kühlröhren und Staufächern. Zum erstenmal seit dem Start hatte er die Gelegenheit, sich auszustrecken; die Füße stemmte er gegen die Luke, und der Kopf wies auf den Boden. Er spürte leichte Schmerzen in Bauch, Brust und in den Knien: Nachwirkungen des Taumelns. Dennoch war es nicht so schmerzhaft gewesen, wie er erwartet hatte; der Druckanzug hatte ihn offensichtlich geschützt.

Dana schwebte hinunter zum Trägheits-Meßgerät. Bei der Navigationsplattform handelte es sich um eine Metallkugel mit dem Durchmesser eines Strandballs. Innerhalb der Hülle befand sich eine Scheibe, die von drei ineinander verschachtelten Kugeln fixiert wurde.

Das Ding glich einem Tisch in einem Boot, der kardanisch montiert war, um unabhängig vom Schaukeln des Boots in der Waagrechten zu bleiben. Mit diesem System >bestimmte< das Raumschiff seine Position relativ zu einer Bezugstrajektorie. Die Kontrolle der Ausrichtung war ein Routinevorgang und wurde bei jedem Flug auf der Prüfliste abgehakt. Doch nun bestand die Gefahr, daß das Taumeln und die Kreiselbewegungen, denen die Apollo-N während des Starts ausgesetzt gewesen war, die Plattform verstellt hatten.

Um die Plattform neu zu kalibrieren, mußte Dana sich mittels eines optischen Teleskops und eines Sextanten an ein paar Sternen orientieren. Er wählte aus einem Katalog ein paar Sterne aus und ließ sie vom Raumschiff suchen. Wenn der Stern nicht exakt im Fadenkreuz des Teleskops stand, würde Dana eine Korrektur vornehmen, und der Computer übertrug diese Korrektur dann an die Plattform, woraufhin sie sich selbst ausrichtete.

Er wählte das Sternbild Orion, mit dem markanten, aus drei Sternen bestehenden Gürtel in der Mitte. Er beschirmte die Augen vor dem Licht der Erde und der Kabinenbeleuchtung und zielte mit dem Teleskop in die Richtung, wo Orion sich befinden mußte. Schließlich machte er die drei schwachen Punkte aus, die vom hellen Sirius flankiert wurden. Sie standen genau dort, wo sie sein sollten.

Er grinste. Die Justierung stimmte also noch. Vielleicht hatten sie das Schlimmste überstanden, und der Rest des Flugs würde ohne Komplikationen ablaufen.

Das erste Ziel der Flugerprobung war bereits erreicht: die S-NB war offensichtlich imstande, sich selbst und ein bemanntes Raumschiff in den Orbit zu bringen. Nun mußte noch der Nachweis erbracht werden, daß es möglich war, NERVA mehrmals hintereinander sicher zu starten. Während des einwöchigen Flugs würde Apollo-N auf langgezogene elliptische Orbits geschickt werden und hundertsechzigtausend Kilometer weit in den Raum ausgreifen - fast die Hälfte der Entfernung zum Mond.