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Die Kerntemperatur stieg weiter an. Das Kreischen im Ohr verstärkte sich.

Verdammt, verdammt. Er würde die Brennphase abbrechen müssen. Und das bedeutete dann wohl das Ende der Mission; er bezweifelte, daß man ihm nach einem solchen Fehlschlag die nochmalige Zündung des Triebwerks erlauben würde.

Er schickte einen Befehl an die Moderatortrimmung des Triebwerks. Er würde die Reaktion im NERVA-Kern verzögern und dadurch die Temperatur verringern.

Wieder tat sich nichts.

Wenn die Temperatur einen bestimmten Wert überschritt, bestand die Gefahr, daß die Brennelemente sich verzogen, vielleicht sogar schmolzen. Und dann wäre es nicht mehr möglich, die Steuerelemente in den Kern einzuführen. War dieser Fall schon eingetreten?

Wenn ja, war die Situation seiner Kontrolle entglitten. Während Conlig den Anstieg der Werte verfolgte, verspürte er den ersten Anflug von Panik.

Priest erkannte die Vulkankegel von Hawaii, die wie große, rissige Blasen wirkten. Die Erde fiel merklich zurück, als ob er sich in einem Aufzug befände. Der Flug war wirklich ein Erlebnis.

Er fühlte einen Anflug von Überschwang. Die verdammte Atombombe funktioniert!

Es geschah ganz plötzlich.

Conlig beobachtete einen Leistungsanstieg, der durch den überhitzten Kern bedingt wurde. Dann stieg der Widerstand, den der Kern dem Wasserstoffdurchfluß entgegensetzte, steil an. Im ganzen System bildeten sich Blasen. Die Brennstoffpumpen versagten. Auch die Brennstoffzuleitungen drohten unter dem steigenden Druck zu bersten.

Die gesamte Struktur des Kerns kollabierte.

Der Druckanstieg im Reaktor betrug nun über fünfzehn Atmosphären pro Sekunde. Zudem liefen aufgrund der exorbitanten Temperaturen nun chemische und exotherme Reaktionen im Kern ab.

Und nun wirkte der erhöhte Druck im Reaktor auf die Pumpen zurück, so daß deren Überdruckventile platzten. Wo die Pumpen nun ausgefallen waren, kam der Wasserstoffdurchfluß des Kerns gänzlich zum Erliegen.

Die Sicherheitsventile des Reaktors wurden ausgelöst und bliesen Wasserstoff in den Weltraum ab. Das entspannte die Lage zunächst. Doch es war nur von kurzer Dauer; die Ventile hielten dem enormen Druck und Durchsatz nicht stand und barsten.

Und nun wirkte der gewaltige Druck auf die Struktur des Druckmantels selbst ein.

Ich habe ihn verloren. Ich habe den Reaktor verloren. In wenigen Sekunden war sein Lebenswerk zerstört worden. Er wollte reagieren und den Vorfall dem Flugleiter melden. Doch der Mund war wie ausgedörrt, und die Kiefermuskulatur hatte sich verkrampft.

Plötzlich ertönte ein lauter, dumpfer Knall, und die Kommandokapsel bockte wie ein Mustang.

Dana, der auf der mittleren Liege angeschnallt war, spürte, wie das Raumschiff erbebte. Ein dumpfes Rattern und Knarren drang von unten in die Kabine, und das Metall der Kabine stöhnte unter der Belastung. Die Geräusche glichen irgendwie dem niederfrequenten Gesang einer Walherde.

Der Hauptalarm schrillte als piepsendes Stakkato in Danas Kopfhörer.

Er drehte sich zu seinen Kameraden um. Jones starrte auf die Instrumentenkonsole, und Priest machte große Augen. Das war verflucht keine Routine, was auch immer los war.

Jones stellte den Alarm ab.

Das Gefühl des Schubs brach sofort ab. Es war wie ein Zusammenstoß zwischen zwei langsam fahrenden Autos. Dana wurde sachte in die Gurte gedrückt.

»Jim«, sagte Jones. »Das Licht des Hauptalarms ist an. Überprüfen Sie das.«

Dana sah auf seine Konsole. Eine rote Unterspannungslampe glühte. Verdammt. Ich hätte das sofort sehen müssen. Dana war für die Systeme der Kommandokapsel verantwortlich.

»Bestätige«, sagte er. »Wir haben eine HauptalarmUnterspannungsanzeige.« Er wunderte sich, daß er das so gelassen gesagt hatte. Nun überprüfte er die Spannungs- und Stromkreise; sie zeigten erratische, unzusammenhängende Werte.

Plötzlich machte es >ping< und >plopp<. So hörte es sich an, wenn Metall sich durchbog und brach. Das Raumschiff erbebte von neuem. Irgendein verdammtes Teil ist unter uns explodiert.

Die Erde wirbelte an den Fenstern vorbei. Eigentlich hätten die Triebwerke der Betriebs- und Versorgungseinheit feuern müssen, um das Raumschiff zu stabilisieren. Nur daß er die Elektromagneten nicht klacken hörte.

Jones nahm Kontakt zu Houston auf: »Natalie, wir sind ein gerupfter Vogel. Wir haben ein Problem.« Er löste die Gurte und schwebte zum linken Fenster hinauf. Dana wußte, daß er einem alten Piloteninstinkt folgte: in einem solchen Moment mußte man, unabhängig von der Telemetrie, eine Sichtprüfung des Vogels vornehmen, nach Lecks suchen und gegen die Reifen treten. Man mußte sich selbst vom Zustand der Maschine überzeugen.

Dana schaute an Ben Priest vorbei durchs Fenster zur Rechten.

Er sah Funken stieben und irgendwelche Brocken, die an der Kommandokapsel vorbei nach oben flogen. Das Material war rotglühend.

Und nun roch er etwas im Helm. Es erinnerte ihn irgendwie an Hampton: an seine Kindheit, ans Meer.

Ozon!

Donnelly mußte sich den Wortlaut der Meldung gar nicht erst anhören. Er spürte, was los war, sah es an der veränderten

Körpersprache der Controller und hörte es aus den gehobenen Stimmen heraus.

Irgend etwas war schiefgelaufen. Die Ursache war zunächst noch unklar; alles, was Donnelly mitbekam, war eine Flut von Symptomen, die von seinen Controllern festgestellt worden waren.

»Wir haben mehr als nur ein Problem.« Das war EECOM, der die elektrischen Anlagen und Lebenserhaltungssysteme der Apollo-N überwachte. »Ich habe hohe Dichte bei CSM EPS«, rief er. »Hört zu, Leute. Der Druck auf Brennstoffzellen 1 und 2 ist verschwunden.« Das war Controller-Jargon für auf Null gefallen. »Und jetzt verliere ich auch noch den Druck und die Temperatur bei Sauerstoff tank 1.«

Natalie York funkte die Besatzung an. »Hier ist Houston. Wiederholen Sie das bitte.«

».Wir haben ein Problem«, sagte Jones über die LuftBoden-Schleife. »NERVA ist ausgefallen, und wir haben eine Unterspannung in Hauptbus A.«

»Roger. Hauptbus A. Bleiben Sie dran, Apollo-N; wir suchen den Fehler.«

»Wir haben einen Computer-Warmstart. Wir wissen nicht, woran es liegt.«

Ein Warmstart erfolgte dann, wenn ein außergewöhnliches Ereignis den Computer veranlaßt hatte, selbsttätig herunterzufahren und wieder zu starten. Donnelly ließ sich das von einem anderen Controller bestätigen.

Die Besatzung bestätigte die Bus A-Unterspannung.

Die elektrische Energie für die Apollo-N wurde in drei Brennstoffzellen in der Betriebs- und Versorgungseinheit erzeugt. Der Strom floß dann von den Zellen durch die A- und B-Busse - Hauptleitungen, welche die Komponenten des Raumschiffs mit Strom versorgten. Ein Unterspannungs-Alarm bedeutete also, daß die Stromversorgung des Raumschiffs zusammenbrach.

Donnelly wollte sich das Problem von EECOM bestätigen lassen. »Sehen Sie eine Bus-Unterspannung, EECOM?«

». Negativ, Flugleiter.«

EECOM hatte jedoch gezögert.

Er weiß mehr, als er mir sagt. Er will das Problem erst einmal selbst lösen. Was, zum Teufel, ging hier vor? Die Mission schien sich vor seinen Augen zu einer Katastrophe auszuwachsen.

Donnelly wandte sich erneut an EECOM, um weitere Informationen abzufragen. »Die Besatzung meldet noch immer Unterspannung, EECOM.«

»In Ordnung, Flugleiter. Ich habe Probleme mit den Meßwerten. Die will ich erst beheben.«

Probleme mit den Meßwerten. EECOM registriert also die Unterspannung. Aber er traut den Instrumenten nicht. Bei den vielen Abweichungen vermutet er einen Defekt an der Telemetrie. Er will sichergehen, bevor er Meldung macht.