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Außer dem Booster.

»Gottverdammt«, fluchte Donnelly. »Booster, Flug. Geben Sie mir bitte bernstein.«

»Verstanden«, sagte Mike Conlig hastig. Die letzte Lampe wechselte auf bernsteinfarben.

»In Ordnung, Leute, sagt mir, wo wir stehen. Was ist der dringendste Punkt? Wer fängt an?«

»Flug, Lenkung. Die Lage- und Bahnabweichung.«

»Rog. Capcom, bitte informieren Sie die Besatzung, daß sie sich aus einer drohenden Kardansperre herausmanövrieren müssen.«

»Verstanden«, sagte York.

Nun kam Bert Seger in staksendem Gang aus der Management-Reihe. Jede Geste des hageren Mannes zeugte von Nervosität. An Donnellys Ellbogen blieb er stehen. Er stöpselte sich in eine Konsole ein und hörte die Schleifen der Controller ab.

»Flug.« Das war EECOM. »Ich glaube, im Moment wäre es das Beste, alle Systeme herunterzufahren. Wir sollten uns die Telemetrie ansehen und versuchen, die Systeme dann wieder hochzufahren.«

Das klang verdammt optimistisch für Donnelly. »Bleiben Sie dran, EECOM.« Er wollte die Systeme der Kommandokapsel nicht herunterfahren, um sich die Option offenzuhalten, die Besatzung schnell runterzubringen. »Gut, wer kommt als nächster?«

Dieses Arschloch vom Booster, Mike Conlig, sprach noch immer nicht mit ihm.

»Es ist die NERVA«, sprach Seger ihm ins Ohr.

»Ja. Ich.«

»Diese abgefuckte Atombombe ist geplatzt. Und es sieht so aus, als ob sie die Betriebs- und Versorgungseinheit auch zerstört hätte. Das fällt sogar mir auf. Rolf, Sie sind zu langsam. Sie müssen sie von diesem Ding wegbringen und nach Hause holen.«

»Aber.«

»Tun Sie es, Rolf, oder ich werde das Kommando übernehmen!«

Donnelly schloß für eine Sekunde die Augen. Mein Gott. Da geht meine Karriere den Bach runter.

»Kommunikation, bitte übermitteln Sie der Besatzung neue Instruktionen.«

Apollo-N nickte und gierte. Metall stöhnte, und Priest spürte, wie sein Magen sich verkrampfte.

»Wir müssen die NERVA abstoßen«, sagte Chuck Jones mit raspelnder Stimme. »Die Strahlung bringt uns sonst noch um. Tun Sie es, Jim.«

Dana reagierte nicht.

Priest schaute nach links.

Jim Dana lag auf der mittleren Liege. Er schien das Bewußtsein verloren zu haben. Sein Gesicht unter dem Helm war mit Blasen bedeckt; an manchen Stellen hatten sich Streifen von Fleisch abgelöst und hingen in der Luft. Er schien sich übergeben zu haben; Kügelchen einer hellbraunen Flüssigkeit hingen an der Innenseite des Helmvisiers.

Priest streckte die Hand nach Danas Station aus. Die Trennung der Apollo-N vom S-NB-Zusatztriebwerk war ein Routinemanöver, das jeder von ihnen durchzuführen in der Lage war. Doch Priests Gehirn war wie in Watte gepackt, und er hatte Schwierigkeiten, die Konsole vor sich zu erkennen. Außerdem spürte er mit dem Handschuh des Druckanzugs die Schalter nicht. Er fummelte am Handschuh herum, doch die Hand schien geschwollen zu sein, und der Handschuh saß ziemlich fest. Schließlich hatte er den Handschuh abgestreift und ließ ihn davonschweben.

Verwundert betrachtete er die Hand. Die Haut wies einen dunklen Braunton auf. Nukleare Bräune. Was sagt man dazu.

Er legte ein paar Schalter um.

Ein paarmal ertönte ein lauter Knall, und die Kapsel wurde durchgeschüttelt.

»Houston, die Trennung ist erfolgt«, sagte Jones.

Die Erde glitt nun schneller an den Fenstern vorbei, während die befreite Apollo-N sich von der S-NB entfernte. Nach der Trennung schien das Taumeln schwächer zu werden; Priest vermutete, daß das Nicken hauptsächlich durch das aus der S-NB ausströmende Gas verursacht worden war.

Jones betätigte die Hebel, welche die Steuertriebwerke der Betriebs- und Versorgungseinheit hätten aktivieren sollen. Er versuchte, das Taumeln aufzuzehren und das Schiff zu stabilisieren. »Mist«, sagte er. »Noch immer nichts, Houston; die Lage- und Bahnregelung funktioniert nicht.«

»Verstanden, Apollo-N«, sagte Natalie York. »Wir arbeiten daran. Vermeiden Sie Kardansperre.«

Priest sah, daß die rote Warnfläche ins Sichtfenster des künstlichen Horizonts wanderte - eine Kardansperre stand unmittelbar bevor.

»Scheiße«, knurrte Jones, »ich wüßte nicht, wie ich das verhindern sollte, Natalie.«

Nun geriet durch das Taumeln das Nukleartriebwerk in Priests Blickfeld. Der schlanke, schwarzweiße Zylinder wirkte geradezu ästhetisch, wie er sich von ihm entfernte. Er hob sich gegen die leuchtende Erdoberfläche ab und glänzte im Sonnenlicht. Aber er sah auch, daß an der Basis des Wasserstofftanks durch die Wucht der Explosion eine Platte aus dem Druckmantel des Reaktorkerns gesprengt worden war. Priest sah die im Innern des Mantels verlegten Röhren und die

Mylar-Isolierung. Und der Wasserstofftank selbst war aufgerissen worden; noch immer entwichen dünne Gasschwaden aus dem Behälter.

Priest fragte sich flüchtig, ob er eine Kamera auf den Booster richten solle.

Jones beschrieb Houston die S-NB. »Von dem verdammten Ding fehlt eine ganze Seite. Ich sehe Kabel herumhängen, und die Basis des Wasserstofftanks ist zerfetzt. Es sieht wirklich schlimm aus.«

Während die S-NB weiterrollte, sah Priest durch die Basis des aufgerissenen Tanks bis hinauf zum NERVA-Reaktor selbst. Dort indes sah er einen weißglühenden Lichtpunkt. Das ist der gottverdammte Kern. Der Reaktor ist geplatzt und hat den Kern freigelegt. Von dem biologischen Schild war nichts zu sehen. Er mußte weggesprengt worden sein. Vielleicht waren das die rotglühenden Bruchstücke gewesen, die er an den Fenstern der Kommandokapsel hatte vorbeifliegen sehen.

Als er den Schrotthaufen betrachtete, spürte er Wärme im Gesicht: Hitze, die vom Kern ausstrahlte, als wäre er eine winzige, eingefangene Sonne.

Er warf einen Blick auf die Anzeige des Dosimeters. Der Kern strahlte mit dreißigtausend Röntgen pro Stunde, und diese Strahlung durchdrang das Schiff mit einem unsichtbaren Hagel aus Gamma- und Neutronenstrahlen.

Dreißigtausend! Dieser Wert war schier unvorstellbar. Die Obergrenze lag gemäß den Missionsbestimmungen bei einem Tausendstel Röntgen pro Tag.

»Wir genießen wohl eine Art von Privileg«, sagte Priest. »Noch nie in der Menschheitsgeschichte war jemand aus so geringer Distanz einer so intensiven Strahlungsquelle ausgesetzt. Selbst die Opfer von Hiroshima kamen hauptsächlich durch die Hitze und Druckwelle ums Leben und weniger durch die Strahlung selbst.«

Jones stieß ein keckerndes Lachen aus und schloß die Augen. »Wieder eine Premiere im Raumfahrtprogramm. Ich danke dir, Gott.«

Mittwoch, 3. Dezember 1980 Timber Cove, El Lago, Houston

Gregory Dana mußte sich regelrecht aus dem JSC freikämpfen. Dutzende von Reportern drängten sich am Tor und wollten bei den Lagebesprechungen der NASA anwesend sein. Der Parkplatz vor Gebäude 2, dem Büro für Öffentlichkeitsarbeit, war belegt.

Es war schon stockfinster, als Dana endlich das Ranchhaus in der Lazywood Lane erreichte.

Jim und Mary wohnten in einer schönen Gegend. Timber Cove war eine Siedlung, die in den Sechzigern ein paar Kilometer vom JSC entfernt angelegt worden war. Die properen Straßen waren mit individuell gestalteten Ranchhäusern gesäumt, die in den grünen Gärten wie Holzspielzeug wirkten. Das üppig sprießende Gras war mit Rauhreif überzogen, und die Kiefern auf den Rasenflächen hoben sich dunkelgrün, fast schwarz gegen die Straßenbeleuchtung ab.

In der Gegend lebten fast nur NASA-Angehörige und deren Familien. Früher hatte Jim immer damit angegeben, daß kein Geringerer als Jim Lovell mit seiner Familie im Haus neben ihm gewohnt habe. Hier hatte Dana in glücklicheren Tagen mit Jake Baseball gespielt, Papierflieger für Klein Mary gefaltet und mit seinem Sohn die politischen und technischen Aspekte der Raumfahrt erörtert.