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Sie fing an zu denken, daß sich Piter Castelli der Sünde der Vollere! so schuldig machte, wie man es nur konnte.

Aber sie liebte ihn trotz seiner Eßgewohnheiten, denn er zweifelte nicht einmal an ihrem Verstand oder an ihrer wilden Geschichte. Er hörte interessiert und ernsthaft zu, schien aufrichtig besorgt und sogar verängstigt von dem zu sein, was sie ihm erzählte. »Nun, Chrissie, es gibt schätzungsweise tausend Filme über außerirdische Invasionen, feindliche Geschöpfe von anderen Welten, und es gibt schätzungsweise zehntausend Bücher darüber, und ich habe immer gesagt, daß sich der menschliche Verstand nichts ausdenken kann, was in Gottes Welt nicht möglich wäre. Also, wer weiß, hmmmm? Wer kann sagen, daß sie nicht hier in Moonlight Cove gelandet sind? Ich bin Filmfan, und unheimliche Filme haben mir immer am besten gefallen, aber ich hätte mir nie träumen lassen, daß ich mich selbst einmal mitten in einem echten unheimlichen Film befinden würde.« Er war aufrichtig. Er hatte sie nie herablassend behandelt.

Obwohl Pater Castelli mit ungedämpftem Appetit weiteraß, beendete Chrissie das Frühstück und ihre Geschichte zur gleichen Zeit. Es war warm in der Küche, daher trocknete sie allmählich, und nur ihr Hosenboden und die Tennis -schuhe waren noch naß. Sie fühlte sich hinreichend wiederhergestellt, daß sie, nachdem sie jetzt in Sicherheit war, darüber nachdenken konnte, was vor ihr lag. »Was jetzt?« Wir müssen die Armee benachrichtigen, Pater, finden Sie nicht auch?«

»Vielleicht die Armee und die Marines«, sagte er nach einem Augenblick des Überlegens. »Die Marines werden mit dieser Situation vielleicht besser fertig.«

»Glauben Sie...«

»Was denn, mein Kind?«

»Glauben Sie, es besteht eine Möglichkeit... nun, eine Möglichkeit, daß ich meine Eltern wiederbekomme? Ich meine, so, wie sie waren?«

Er legte das Brötchen weg, das er zum Mund geführt hatte, und griff über den Tisch, zwischen Tellern und Schüsseln hindurch, um ihre Hand zu nehmen. Seine Finger waren etwas fettig von Butter, aber das störte sie nicht, weil er so beruhigend und tröstend war; und augenblicklich brauchte sie eine Menge Trost und Beruhigung.

»Du wirst mit deinen Eltern vereint werden«, sagte Pater Castelli mit großem Mitgefühl. »Das kann ich dir felsenfest versprechen.«

Sie biß sich auf die Unterlippe und versuchte, Tränen zurückzuhalten.

»Ich verspreche es dir«, wiederholte er.

Und plötzlich blähte sich sein Gesicht auf. Nicht wie ein Ballon, der aufgeblasen wurde. Es blähte sich nur an manchen Stellen auf, an anderen nicht, wogte und pulsierte, als wäre sein Schädel zu Gallerte geworden und würden sich Würmer unter der Haut bewegen.

»Ich verspreche es dirl«

Chrissie war so entsetzt, daß sie nicht einmal schreien konnte. Sie konnte sich einen Augenblick nicht bewegen. Sie war vor Angst gelähmt und wie am Stuhl festgewachsen, und sie besaß nicht einmal genügend motorische Kontrolle, zu blinzeln oder Atem zu holen.

Sie konnte seine Knochen laut brechen-krachen-platzen hören, als sie sich auflösten und mit unfaßbarer Geschwindigkeit neu formten. Sein Fleisch gab ein abstoßendes, blubberndes Geräusch von sich, als es sich so mühelos wie heißes Wachs zu neuen Gestalten formte.

Der Schädel des Priesters dehnte sich aufwärts und schwoll zu einem Knochenkamm an, das Gesicht war jetzt überhaupt nicht mehr menschlich, sondern teils fischähnlich, teils insektenhaft, vage wespenähnlich und mit einer Spur Schakal darin; und mit stechenden, haßerfüllten Augen.

Schließlich schrie Chrissie unbeherrscht: »Nein!« Ihr Herz schlug so heftig, daß jeder Schlag schmerzhaft war. »Nein, geh weg, laß mich in Ruhe, laß mich gehen!«

Sein Kiefer wurde länger, dann platzte er bis fast zu den Ohren auf, ein bedrohliches Grinsen, das Doppelreihen unglaublich spitzer Zähne entblößte.

»Nein, nein!«

Sie versuchte aufzustehen.

Sie merkte, daß er immer noch ihre linke Hand hielt.

Er sprach mit einer unheimlichen Stimme, die sie an die ihrer Mutter und Tuckers erinnerte, als sie sie gestern nacht bis zum Eingang des Abflußrohrs verfolgt hatten:

»...brauche, brauche... will... gib mir... gib mir... brauche...«

Er sah nicht wie ihre Eltern aus, als diese sich verwandelt hatten. Warum sahen nicht alle Außerirdischen gleich aus?

Er riß den Mund weit auf und fauchte sie an, dickflüssiger, gelber Speichel zog sich in Fäden von den oberen zu den unteren Zahnreihen. Etwas bewegte sich in seinem Mund, eine seltsam aussehende Zunge; diese schnellte ihr entgegen wie ein Jack-in-the-Box und entpuppte sich als Mund im Mund, noch mehr kleinere und sogar noch spitzere Zähne an einem Stiel, die dazu entworfen worden waren, in enge Höhlen vorzudringen und Beute zu fressen, die sich dort verkrochen hatte.

Pater Castelli wurde zu etwas seltsam Vertrautem: dem Wesen aus dem Film Allen. Nicht gerade dieses Monster in allen Einzelheiten, aber ziemlich ähnlich.

Sie war in einem Film gefangen, wie der Priester gesagt hatte, einem wahrhaften Horror-Streifen: zweifellos einem seiner Favoriten. Konnte Pater Castelli jede Gestalt annehmen, die er wollte, und wurde er nur deshalb zu diesem Ge -schöpf, weil es ihm gefiel und weil es Chrissies Erwartungshaltung gegenüber außerirdischen Invasoren erfüllte?

Das war verrückt.

Auch der Körper des Priesters veränderte sich unter der Kleidung. An manchen Stellen hing das Hemd herunter, als wäre der Körper darunter weggeschmolzen, aber an anderen Stellen spannten die Nähte, wenn sich neue Knochenwüchse und nichtmenschliche Wülste bildeten. Hemdenknöpfe sprangen weg. Stoff riß. Der Priesterkragen platzte und hing schief an dem gräßlich neu geformten Hals.

Sie keuchte und gab ein eigentümliches uh-uh-uh-uh-uh-Geräusch im Hals von sich, mit dem sie nicht aufhören konnte, während sie versuchte, sich von ihm loszureißen. Sie stand auf, stieß den Stuhl um, aber er hielt sie immer noch fest. Er war sehr stark. Sie konnte sich nicht losreißen.

Auch seine Hände hatten angefangen, sich zu verwandeln. Die Finger wurden länger. Sie waren von einer hornähnlichen Substanz überzogen - glatt, hart und schwarzglänzend - und glichen eher Scheren als menschlichen Händen.

»...brauche... will, will... brauche...«

Sie ergriff das Frühstücksmesser, schwang es hoch über den Kopf und stieß mit aller Kraft zu, hieb es ihm direkt über dem Handgelenk in den Unterarm, wo das Fleisch immer noch ansatzweise menschlich aussah. Sie hatte gehofft, das Messer würde ihn am Tisch festnageln, aber sie spürte, daß es nicht ganz durch ihn hindurch und bis ins Holz ging.

Sein Schrei war so schrill und durchdringend, daß er Chrissie durch Mark und Bein zu gehen schien.

Er öffnete die schuppige Dämonenhand. Sie riß sich von ihm los. Glücklicherweise war sie schnell, denn er krampfte die Hand einen Sekundenbruchteil später wieder zusammen und kniff ihr in die Fingerspitzen, konnte sie aber nicht festhalten.

Die Küchentür befand sich auf der Seite des Priesters. Dorthin konnte sie nicht gelangen, ohne ihm den Rücken zuzukehren.