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»So bitter«, flüsterte sie.

»Ihr habt deutlich zum Ausdruck gebracht, dass mein Interesse nicht erwünscht ist. Eine Königin und ein einfacher Gardesoldat. Der reine Irrsinn.«

»Ich bin keine Königin mehr.«

»Nicht dem Titel nach, Morgase. Im Wesen schon.«

Ein Blatt löste sich aus der Höhe und fiel in den Teich. Dabei hätte es noch ein langes grünes Leben haben müssen.

»Wisst Ihr, was das Schlimmste daran ist?«, fragte Tallanvor. »Die Hoffnung. Die Hoffnung, die ich mir zu empfinden gestattete. Ich dachte, wenn ich mit Euch … mit dir reise, dich beschütze, dann erkennst du es vielleicht. Interessierst dich ebenfalls. Und vergisst ihn.«

»Ihn?«

»Gaebril«, fauchte Tallanvor. »Ich sehe doch, dass du noch immer an ihn denkst. Selbst nach allem, was er dir antat. Ich lasse mein Herz hier, aber du hast deins in Caemlyn gelassen.« Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie er sich von ihr abwandte. »Was auch immer du in ihm sahst, ich habe es nicht. Ich bin nur ein einfacher Idiot von einem Gardisten, der die richtigen Worte nicht findet. Du hast Gaebril angehimmelt, und er hat dich so gut wie ignoriert. So ist die Liebe. Verdammte Asche, eigentlich habe ich bei dir das Gleiche getan. «

Sie schwieg.

»Und darum muss ich gehen«, sagte er. »Du bist jetzt in Sicherheit, und allein das ist wichtig. Das Licht steh mir bei, aber das ist immer noch alles, wofür ich mich interessiere!«

Er ging, Zweige zerbrachen unter seinen Stiefeln.

»Gaebril war einer der Verlorenen«, sagte sie.

Die Zweige verstummten.

»In Wirklichkeit war er Rahvin«, fuhr sie fort. »Er übernahm Andor mithilfe der Einen Macht und zwang anderen Menschen seinen Willen auf.«

Tallanvor stieß zischend die Luft aus und eilte zurück zu ihr. »Bist du sicher?«

»Sicher? Nein. Aber es macht Sinn. Wir können nicht ignorieren, was mit der Welt geschieht, Tallanvor. Das Wetter, wie Lebensmittel in einem Herzschlag verderben, die Taten dieses Rand al’Thors. Er ist kein falscher Drache. Die Verlorenen müssen wieder frei sein.

Was würdest du tun, wenn du einer von ihnen wärst? Ein Heer aufstellen und erobern? Oder einfach in einen Palast spazieren und die Königin zu deiner Gefährtin machen? Ihren Verstand so verdrehen, dass sie dich tun lässt, was immer du willst? Du bekämst die Mittel einer ganzen Nation, und das mit geringem Aufwand. Du müsstest kaum einen Finger rühren …«

Sie hob den Kopf und starrte in die Ferne. Nach Norden. Nach Andor. »Man nennt es Zwang. Ein finsteres, abscheuliches Gewebe, das deinem Opfer den Willen raubt. Eigentlich darf ich gar nicht wissen, dass es das gibt. .

Du sagst, dass ich an ihn denke. Das stimmt. Ich denke an ihn, und ich hasse ihn. Ich hasse mich selbst für das, was ich ihn tun ließ. Und ein Teil meines Herzens weiß ganz genau, sollte er hier erscheinen und etwas von mir verlangen, ich würde es tun. Ich könnte nichts dagegen tun. Aber was ich für ihn empfinde, dieses Ding, das mein Verlangen und meinen Hass wie zwei Haarsträhnen in einem Zopf verflicht, das ist keine Liebe.«

Sie drehte sich um und sah Tallanvor an. »Ich weiß, was Liebe ist, Tallanvor, und Gaebril hat sie nie von mir bekommen. Ich bezweifle, dass eine Kreatur wie er überhaupt Liebe verstehen konnte.«

Tallanvor erwiderte ihren Blick. Seine Augen waren dunkelgrau, weich und rein. »Frau, du gibst mir wieder dieses Ungeheuer namens Hoffnung. Pass auf, was sich direkt vor dir befindet.«

»Ich brauche Zeit zum Nachdenken. Würdest du im Augenblick davon Abstand nehmen, nach Tear zu gehen?«

Er verneigte sich. »Morgase, wenn du etwas von mir willst, egal was es ist, brauchst du mich nur zu fragen. Ich dachte, ich hätte das klargemacht. Ich streiche meinen Namen von dieser Liste.«

Er ging. Morgase sah ihm hinterher, und trotz der Stille der Bäume und des Teiches vor ihr herrschte Aufruhr in ihrem Inneren.

22

Das Ende einer Legende

In der Nacht konnte Gawyn die Wunden der Weißen Burg nicht sehen.

In der Dunkelheit konnte man nicht zwischen wunderschönen Wandgemälden und einer Wand mit nicht zueinander passenden Fliesen unterscheiden. In der Nacht verwandelten sich die schönsten Gebäude von Tar Valon nur in eine weitere dunkle Masse.

Und in der Nacht flickten Verbände aus Dunkelheit die Löcher und Narben der Weißen Burg. Natürlich konnte man in einer so finsteren, wolkenverhangenen Nacht auch die Farbe des Turms nicht erkennen. Weiß oder Schwarz; nachts spielte das wirklich keine Rolle.

Gawyn überquerte das Burggelände; er trug steife Hosen und einen Mantel in Rot und Gold. Wie eine Uniform, die aber auf keine besondere Dienstverpflichtung hinwies. Anscheinend hatte er im Moment keine Dienstverpflichtung. Beinahe schon unbewusst ging er auf den Osteingang zu, als wollte er zu Egwenes Schlafgemach. Er biss die Zähne zusammen und schlug die andere Richtung ein.

Eigentlich hätte er schlafen sollen. Aber nachdem er Egwenes Tür beinahe eine Woche lang bewacht hatte, nahm er gerade seine Mitternachtsmittagspause, wie die Soldaten so sagten. Vielleicht hätte er in seinem Gemach bleiben sollen, um sich dort zu entspannen, aber sein Quartier in den Wächterunterkünften der Weißen Burg fühlte sich bedrückend an.

In der Nähe schlichen zwei kleine wilde Katzen durch das Gras; ihre Augen spiegelten das Fackellicht eines Wachtpostens wider. Die Katzen duckten sich und beobachteten ihn, als würden sie einen kurzen Augenblick lang in Betracht ziehen, ob er einen Angriff wert war oder nicht. In der Luft kreiste eine nicht zu sehende Eule, deren Anwesenheit nur von einer einzelnen herabschwebenden Feder verkündet wurde. In der Nacht fiel es leichter, etwas anderes darstellen zu wollen. Manche Männer lebten ihr ganzes Leben auf diese Weise, zogen die Vorhänge der Dunkelheit den offenen Fenstern des Tageslichts vor, weil sie ihnen die Welt in Schatten gehüllt zeigten.

Jetzt war Sommer, aber obwohl es tagsüber heiß gewesen war, war die Nacht doch seltsam kalt. Eine Brise ließ ihn frösteln. Seit dem Tod der unglückseligen Weißen hatte es keine weiteren Morde mehr gegeben. Wann schlug der Mörder wieder zu? Er – oder sie – konnten in diesem Augenblick durch die Gänge schleichen, auf der Suche nach einer einsamen Aes Sedai wie die Katzen nach Mäusen.

Egwene hatte ihn von ihrer Tür fortgeschickt, aber das bedeutete nicht, dass er keine Wache hielt. Doch was nutzte es, durch die Gärten zu streifen? Er sollte im Turm sein, wo er die Gelegenheit hatte, etwas Gutes zu tun. Gawyn begab sich zu einem der Dienstboteneingänge.

Der dahinterliegende Korridor mit der niedrigen Decke war sauber und gut beleuchtet, wie die anderen in der Burg auch, allerdings war der Boden mit mattgrauen Schieferplatten ausgelegt anstelle von Fliesen. Aus einem offenen Raum zu seiner Rechten hallten Gelächter und angeregte Unterhaltung, Wächter, die sich zusammen mit ihren Kameraden nach Dienstende die Zeit vertrieben. Gawyn schenkte ihnen kaum einen Blick, aber dann blieb er ruckartig stehen.

Er drehte um und erkannte ein paar der Männer. »Mazone? Celark? Zang? Was macht Ihr denn hier?«

Die drei Männer schauten alarmiert aus, dann zerknirscht. Sie gehörten zu einem Dutzend der Jünglinge, die würfelten und zusammen mit dienstfreien Burgwächtern Pfeifen rauchten. Die Jünglinge stolperten auf ihre Füße und salutierten, obwohl er nicht mehr ihr Kommandant war. Daran schienen sie nicht zu denken.

Celark, ihr Anführer, eilte zu Gawyn. Er war ein schlanker Bursche mit hellbraunem Haar und dicken Fingern. »Mein Lord«, sagte er. »Nichts Wichtiges, mein Lord. Nur etwas harmloser Spaß.«

»Die Behüter halten nichts von so einem Benehmen«, sagte Gawyn. »Das wisst Ihr, Celark. Wenn es sich herumspricht, dass Ihr so lange aufbleibt und würfelt, werdet Ihr nie eine Aes Sedai überzeugen können, mit Euch den Bund einzugehen. «

Celark schnitt eine Grimasse. »Ja, mein Lord.«