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»Natürlich ihr Behüter sein. Und … und, nun, sie heiraten. Ich liebe sie, Bryne.«

» Mir kommt es so vor, als wären das zwei sehr verschiedene Dinge. Ähnlich, aber doch voneinander getrennt. Aber abgesehen von Egwene, was wollt Ihr?«

»Nichts«, sagte Gawyn. »Sie ist alles.«

»Nun, da liegt Euer Problem.«

»Wieso ist das ein Problem? Ich liebe sie.«

»Das sagtet Ihr bereits.« Bryne betrachtete Gawyn, den einen Arm auf dem Tisch, den anderen auf seinem Oberschenkel. Gawyn widerstand dem Drang, sich unter diesem Blick zu winden. »Ihr seid schon immer leidenschaftlich gewesen, Gawyn. Genau wie Eure Mutter und Eure Schwester. Impulsiv, aber nie so berechnend wie Euer Bruder.«

»Galad ist nicht berechnend«, sagte Gawyn. »Er handelt einfach.«

»Nein. Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt – Galad mag nicht berechnend sein, aber er ist auch nicht impulsiv. Impulsiv zu sein bedeutet, einfach zu handeln, ohne vorher nachzudenken. Galad hat über alles viel nachgedacht. Auf diese Weise hat er seine Überzeugungen entwickelt. Er kann schnell und entschieden handeln, weil er bereits beschlossen hat, was zu tun ist.

Ihr handelt mit Leidenschaft. Ihr handelt nicht nach dem, was Ihr denkt, sondern nach dem, was Ihr fühlt. Schnell, gefühlsbetont. Das gibt Euch Kraft. Ihr könnt handeln, wenn es sein muss, und Euch später um die Konsequenzen Gedanken machen. Für gewöhnlich sind Eure Instinkte gut, genau wie es die Eurer Mutter waren. Aber darum musstet Ihr Euch nie dem stellen, was zu tun wäre, wenn Euch Euer Instinkt in die falsche Richtung geführt hat.«

Gawyn ertappte sich dabei, dass er nickte.

»Aber, mein Sohn«, sagte Bryne und beugte sich vor. »Ein Mann ist mehr als ein Antrieb, ein Ziel. Keine Frau will das bei einem Mann. Ich bin der Ansicht, dass Männer, die ihre Zeit damit verbringen, etwas aus sich zu machen – statt aller Welt ihre Hingabe zu verkünden -, diejenigen sind, die auch etwas erreichen. Sowohl bei Frauen wie auch im Leben selbst.« Bryne rieb sich das Kinn. »Wenn ich also einen Rat für Euch habe, dann Folgendes: Findet heraus, wer Ihr ohne Egwene sein würdet, und dann findet heraus, wie sie darin hineinpassen soll. Ich glaube, das will eine Frau …«

»Bist du jetzt ein Experte für Frauen?«, fragte eine neue Stimme.

Überrascht drehte sich Gawyn um und entdeckte Siuan Sanche, die die Tür aufstieß.

Bryne ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. »Du hast lange genug gelauscht, Siuan, um zu wissen, worum es bei dieser Unterhaltung geht.«

Siuan schnaubte und rauschte mit einer Kanne Tee ins Zimmer. »Du solltest im Bett sein«, sagte sie und ignorierte Gawyn nach einem flüchtigen Blick.

»Das ist wahr«, sagte Bryne ungerührt. »Seltsamerweise unterwerfen sich die Bedürfnisse des Landes nicht meinen Launen.«

»Karten kann man auch am Morgen studieren.«

»Und man kann sie in der Nacht studieren. Und am Nachmittag. Jede Stunde, die ich damit verbringe, könnten Meilen bedeuten, die verteidigt werden, wenn die Trollocs durchbrechen.«

Siuan seufzte laut, gab ihm eine Tasse, dann goss sie Tee ein, der nach Wolkenbeere roch. Es war schon seltsam, Siuan, die wegen ihrer Dämpfung wie eine Frau in Gawyns Alter aussah, dabei zuzusehen, wie sie den ergrauten General Bryne bemutterte.

Siuan wandte sich Gawyn zu, nachdem Bryne seinen Tee hatte. »Und Ihr, Gawyn Trakand«, sagte sie. »Ich wollte schon lange mit Euch sprechen. Der Amyrlin Befehle zu geben, ihr zu sagen, was sie tun soll? Also ehrlich. Manchmal scheinen Männer zu glauben, dass Frauen nichts weiter als ihre persönlichen Boten sind. Ihr spinnt euch alle möglichen verrückten Pläne zusammen, und dann erwartet ihr von uns, dass wir sie irgendwie durchführen.«

Sie musterte ihn und erweckte keinesfalls den Eindruck, von ihm irgendeine andere Reaktion als einen beschämtem Blick auf die Stiefelspitzen zu erwarten. Gawyn erfüllte den Wunsch und verzog sich schnell, um weiteren Angriffen zu entgehen.

Nichts von dem, was Bryne gesagt hatte, war eine Überraschung gewesen. Der Mann war beständig und hatte ihm schon zuvor das Gleiche gesagt. Denk nach, statt impulsiv zu handeln; reagiere wohlüberlegt. Aber er hatte Wochen mit Nachdenken verbracht, und seine Gedanken hatten sich im Kreis gedreht wie in einem Glas gefangene Fliegen. Er hatte keine Lösung gefunden.

Gawyn durchkreuzte die Gänge und registrierte Chubains in regelmäßigen Abständen aufgestellte Wächter. Er redete sich ein, nicht zu Egwenes Gemächern hinaufzusteigen; er überprüfte lediglich die Wachtposten. Trotzdem fand er sich bald in einem Gang in unmittelbarer Nähe zu den Gemächern der Amyrlin wieder. Nur einen Korridor entfernt. Er würde einen schnellen Blick riskieren und …

Gawyn erstarrte. Was tue ich da?

Seine Unruhe in dieser Nacht rührte vor allem von dem Unwissen her, nicht zu wissen, ob Egwene vernünftig beschützt wurde oder nicht. Er würde nicht schlafen können, bevor er …

Nein, sagte er sich energisch. Dieses Mal tue ich, worum sie gebeten hat. Er drehte sich um.

Ein Geräusch ließ ihn zögern und über die Schulter blicken. Schritte und raschelnder Stoff. Für Novizinnen war es zu spät, aber es war durchaus vorstellbar, dass Diener eine späte Mahlzeit servierten. Bryne und Gawyn waren nicht die Einzigen, die in der Weißen Burg zu ungewöhnlicher Stunde aktiv waren.

Es ertönte wieder. So leise, kaum wahrnehmbar. Stirnrunzelnd schob Gawyn die Stiefel von den Füßen und schlich los, um einen Blick um die Ecke zu riskieren.

Da war nichts. Egwenes Tür mit der schmückenden goldenen Reproduktion des Avendesoras war geschlossen, der Korridor menschenleer. Seufzend schüttelte Gawyn den Kopf und lehnte sich gegen die Wand, um sich die Stiefel wieder anzuziehen. Er wünschte, Egwene würde wenigstens zulassen, dass Chubain ihre Gemächer bewachte. Hier keinen Wächter aufzustellen war wirklich …

Direkt neben Egwenes Tür bewegte sich etwas im Schatten. Gawyn erstarrte. Dort gab es keine großen dunklen Flächen, sondern nur den wenige Zoll breiten Schatten eines Alkovens. Aber als er diese Stelle musterte, bereitete es ihm Probleme, den Blick darauf gerichtet zu halten. Sein Blick glitt ständig zur Seite wie ein Stück Butter auf einer gekochten Steckrübe.

Es hatte den Anschein, als wäre die Dunkelheit… größer als zuerst gedacht. Warum konnte er sie nicht direkt ansehen?

Eine blitzartige Bewegung, dann wirbelte etwas durch die Luft. Gawyn warf sich zur Seite, Stahl klirrte gegen Stein. Nur einen Stiefel am Fuß ließ er den anderen fallen und zog das Schwert. Das Messer, das nach seinem Herzen gezielt hatte, schepperte über den Fliesenboden.

Angespannt spähte Gawyn um die Ecke. Jemand floh den Korridor entlang. Jemand in Schwarz, mit einer Kapuze über dem Kopf.

Gawyn eilte mit pumpenden Armen und dem Schwert in der Hand hinterher, etwas unbeholfen, da er nur einen Stiefel trug. Der Attentäter war außerordentlich schnell. Gawyn schlug lautstark Alarm, seine Stimme halte durch die stillen Korridore der Burg; er bog nach links ab. Der Meuchelmörder würde einen Bogen beschreiben und durch den Gang zu seiner Rechten kommen.

Gawyn stürmte in den Korridor, um dem Attentäter rechtzeitig den Weg abzuschneiden. Er rutschte um die nächste Ecke.

Der Gang war leer. War der Attentäter wieder umgekehrt? Fluchend rannte Gawyn los und erreichte den Gang am anderen Ende. Niemand in Sicht. Vielleicht gab es irgendwo eine Tür? Hier gab es nur Sackgassen. Wenn er wartete, bis Hilfe eintraf…

Nein, dachte er und fuhr herum. Finsternis. Suche nach Finsternis. Neben einem Türrahmen zu seiner Linken gab es eine dunkle Stelle. Viel zu klein, als dass sich dort jemand hätte verstecken können, aber als er dort hinsah, verspürte er das gleiche Gefühl der Desorientierung wie zuvor.

Eine Gestalt sprang hervor und zielte mit einem Schwert nach Gawyns Kopf. Er riss die Klinge zu Schneide den Schilf hoch und wehrte den Angriff ab. Der Attentäter war viel kleiner als er, also hätte er den bedeutsamen Vorteil der Reichweite haben müssen. Aber der Angreifer bewegte sich mit übermenschlicher Schnelligkeit, eine Reihe von Stichen fuhr Gawyn entgegen, ohne dass dieser die Schwertfiguren erkannte.