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»Wie Ihr wollt«, sagte Mat.

»Feuer, um zu blenden«, fuhr Noal fort. »Was haben wir?«

»Laternen und Fackeln.« Mat stieß mit dem Fuß gegen den Sack neben seinem Stuhl. »Und ein paar von Aludras Zündhölzern, damit wir sie entzünden können. Und noch ein paar andere Überraschungen von ihr.«

»Feuerwerk?«, fragte Noal.

»Ein paar dieser explodierenden Zylinder, die wir gegen die Seanchaner eingesetzt haben. Sie bezeichnet sie als Donnerstöcke. «

Thom stieß einen Pfiff aus. »Die hat sie dir überlassen?«

»Zwei Stück. Als ich ihr Elaynes Einwilligung präsentierte, hätte ich sie um so gut wie alles bitten können und auch bekommen.« Mat verzog das Gesicht. »Sie wollte mitkommen, um sie zu entzünden. Höchstpersönlich! Es war gar nicht so einfach, diese Unterredung zu beenden. Aber wir haben einen Haufen Nachtblumen.« Er stieß erneut mit dem Fuß gegen den Sack.

»Du hast sie mitgebracht!«, fragte Thom.

»Ich wollte sie in der Nähe haben. Und sie gab sie mir erst heute. Die werden nicht zufällig explodieren, Thom. Das passiert nicht oft.«

»Dann nimm sie wenigstens vom Kamin weg!« Thom warf einen Blick auf seine Pfeife und fluchte, dann schob er seinen Stuhl ein paar Zoll von Mat weg.

»Musik, um zu verwirren«, zitierte Noal weiter.

»Da habe ich einiges«, sagte Thom. »Ich bringe Harfe und Flöte mit, aber ich habe uns ein paar Handtrommeln und Zimbeln besorgt. Die kann man ans Bein schnallen und mit einer Hand schlagen. Ich habe auch noch eine Flöte gekauft.« Er warf Mat einen Blick zu. »Eine ganz schlichte, für Leute mit unbeweglichen Wurstfingern.«

Mat schnaubte.

»Und schließlich noch Eisen, um zu binden«, sagte Noal und zog seinen Sack herbei. Es klirrte leise, als er ihn aufschnürte. Der Inhalt funkelte im Schein des Kaminfeuers. »Für jeden von uns einen Satz Wurfmesser, dann zwei Kurzschwerter. Alles aus reinem Eisen, kein Stahl. Ich habe uns ein paar Ketten besorgt, und eine Eisenröhre, die man über das Ende von Mats Speer schieben kann. Allerdings könnte es die Balance stören.«

»Ich nehme ihn«, sagte Mat.

Noal schnürte den Sack wieder zu, und die drei Männer blieben noch eine Weile vor dem Kamin sitzen. In gewisser Weise waren die von ihnen zusammengetragenen Dinge eine Illusion. Eine Möglichkeit, sich einzureden, dass sie tatsächlich etwas taten, um sich vorzubereiten.

Aber Mat musste an die verzerrten Orte jenseits der Tore denken, an die Winkel, die nicht stimmten, an die unnatürliche Landschaft. Die Kreaturen, die man Schlangen und Füchse nannte, weil sie sich jeder normalen Beschreibung entzogen.

Dieser Ort befand sich in einer anderen Welt. Die Vorbereitungen, die er mit Thom und Noal getroffen hatte, erwiesen sich vielleicht als hilfreich, möglicherweise waren sie aber völlig nutzlos. Das würde sich erst herausstellen, wenn sie diesen Turm betreten hatten. Es kam ihm so vor, als wüsste man nicht, ob man das richtige Gegenmittel hatte, bevor einem die Schlange ihre Zähne in den Arm schlug.

Schließlich verabschiedete er sich von den anderen. Noal wollte zurück ins Lager der Bande, das sich nur noch einen zehnminütigen Ritt von der Stadt entfernt befand. Thom schloss sich ihm an, und sie nahmen Mats Sack mit den Nachtblumen mit – obwohl beide Männer aussahen, als hätten sie lieber einen Sack voller Spinnen getragen.

Mat schnallte sich das Schwert über den Mantel, nahm seinen Stab und schlug die Richtung zu seinem Gasthaus ein. Allerdings nahm er nicht den direkten Weg, sondern ging durch alle möglichen Gassen und Straßen. Hütten und Zelte erhoben sich neben richtigen Gebäuden, seit sich die Stadt vor der Stadt entlang der Stadtmauer ausbreitete wie Schimmel auf einem Laib Brot.

Der Himmel war dunkel, aber die Nacht war noch immer belebt. Schlepper riefen aus den hellen Eingängen der Gasthäuser. Mat sorgte dafür, dass sein Schwert zu sehen war. Viele würden einen einsamen Wanderer in der Nacht überfallen, vor allem außerhalb der Stadtmauer, wo der Arm des Gesetzes eher schwächlich als stark war.

Die Luft roch nach Regen, aber das tat sie oft in letzter Zeit. Er wünschte sich, es würde weitergehen und ordentlich stürmen oder verflucht noch mal aufklaren. Es kam einem vor, als würde die Luft selbst den Atem anhalten und auf etwas warten. Ein Schlag, der nie kam, eine Glocke, die nie läutete, ein paar Würfel, die nie fielen. Genau wie die, die in seinem Kopf donnerten.

Er konnte Verins Brief in seiner Tasche fühlen. Würden die Würfel verstummen, wenn er ihn öffnete? Vielleicht ging es um den Gholam. Wenn er sein Medaillon nicht bald von Elayne zurückbekam, würde das Monstrum ihn vermutlich aufspüren und die Eingeweide herausreißen.

Verdammte Asche. Er hatte Lust, etwas trinken zu gehen und eine Weile zu vergessen, wer er war – und wofür man ihn alles hielt. Aber wenn er sich betrank, würde er mit ziemlicher Sicherheit irgendwann sein Gesicht sehen lassen. Vielleicht anfangen darüber zu reden, wer er wirklich war. Man konnte nie vorher sagen, was ein Mann alles tat, wenn er betrunken war, selbst wenn man selbst dieser Mann war.

Er passierte die Stadttore und betrat die Neustadt. Die Luft wurde feuchter mit etwas, das kein richtiger Regen war, als hätte der Himmel auf sein Murren gehört und entschieden, sich ein kleines Niesen zu erlauben, um ihn damit zu treffen.

Großartig, dachte er. Einfach großartig.

Kurz darauf waren die Pflastersteine feucht vom Möchtegernregen, und die Straßenlaternen glühten in einem nebeligen Schimmer. Mat senkte den Kopf, das Tuch noch immer vor dem Gesicht wie ein verfluchter Aielmann. War ihm nicht erst vor Kurzem noch zu heiß gewesen?

Er hatte es genauso eilig wie Thom, aufzubrechen und Moiraine zu finden. Sie hatte sein Leben auf den Kopf gestellt, aber er war der Ansicht, ihr dafür etwas zu schulden. Besser mit diesem Schlamassel zu leben, als in den Zwei Flüssen festzusitzen und ein langweiliges Leben zu leben ohne überhaupt zu ahnen, wie langweilig es war. Er war nicht wie Perrin, der schon Heimweh nach den Zwei Flüssen gehabt hatte, bevor sie überhaupt in Baerlon gewesen waren. Perrins Bild blitzte in seinen Gedanken auf, und er verbannte es.

Und was war mit Rand? Er sah ihn auf einem kostbaren Stuhl sitzen und in dem dunklen Raum zu Boden starren; eine einzelne Lampe flackerte. Er sah erschöpft aus, seine Augen waren weit aufgerissen, seine Miene grimmig. Mat schüttelte den Kopf, um auch dieses Bild zu verscheuchen. Armer Rand. Vermutlich hielt sich der Mann mittlerweile für einen verdammten Schwarzfußiltis, der an einem Tannenzapfen knabberte. Aber vermutlich ein Schwarzfußiltis, der wieder in den Zwei Flüssen leben wollte.

Nein, Mat wollte nicht zurück. In den Zwei Flüssen gab es keine Tuon. Beim Licht, er würde sich wirklich darüber klar werden müssen, was er mit Tuon machen sollte. Aber er wollte sie nicht loswerden. Wäre sie noch bei ihm, dürfte sie ihn Spielzeug nennen, ohne dass er sich beschwerte. Zumindest nicht allzu sehr.

Aber zuerst war Moiraine an der Reihe. Er wünschte sich, er hätte mehr über Aelfinn und Eelfinn und ihren verdammten Turm gewusst. Niemand wusste etwas darüber, niemand erzählte mehr als Legenden, niemand hatte irgendwelche nützlichen Informationen …

… niemand außer Birgitte. Mat blieb wie angewurzelt stehen. Birgitte. Sie war diejenige gewesen, die Olver erzählt hatte, wie man in den Turm kam. Wie hatte sie das wissen können?

Er verfluchte sich und schlug die Richtung zur Innenstadt ein. Der Trubel, der die Straßen vor dem Beinaheregen gefüllt hatte, löste sich auf. Bald hatte Mat das Gefühl, die Stadt für sich allein zu haben; selbst die Beutelschneider und Bettler verzogen sich.

Aus irgendeinem Grund machte ihn das noch nervöser, als angestarrt zu werden. Es war unnatürlich. Jemand hätte zumindest versuchen können, ihn zu beschatten, um zu sehen, ob er eine lohnende Beute darstellte. Wieder sehnte er sich nach seinem Medaillon. Er war ein Narr gewesen, es aus der Hand zu geben. Er hätte besser seine verdammte Hand abgeschnitten und die Elayne als Bezahlung angeboten! Lauerte da irgendwo der Gholam in der Dunkelheit?