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»Vielleicht«, sagte Birgitte, »aber das werdet ihr nicht schaffen. Die Abkommen treten dann nicht in Kraft, also können Aelfinn und Eelfinn Blut fordern. Normalerweise muss man sich nur um Tricks mit Fallgruben oder Seilen Sorgen machen, weil sie nicht…» Sie verstummte und musterte ihn. »Wie bist du eigentlich am Strang gelandet?«

Er errötete und starrte in seinen Becher. »Sie sollten diese Türrahmen mit einer verdammten Erklärung versehen. ›Tritt hindurch, dann können sie dich verdammt noch mal aufhängen. Und das tun sie dann auch. Idiot.‹«

Birgitte schnaubte. Sie hatten über seine Erinnerungen gesprochen. Sie hätte es sich denken können. »Trittst du auf die andere Weise ein, versuchen sie das vermutlich trotzdem. In ihrem Königreich Blut zu vergießen kann seltsame Auswirkungen haben. Sie werden versuchen, dir die Knochen durch einen Sturz zu brechen oder dich mit Rauschmitteln in Schlaf zu versetzen. Und sie werden gewinnen, Mat. Das ist ihre Welt.«

»Und wenn wir schummeln?«, fragte Mat. »Eisen, Musik, Feuer.«

»Das ist doch kein Schummeln. Das ist bloß vernünftig. Jeder, der durch den Turm kommt und nur halbwegs bei Verstand ist, wird diese Dinge bei sich tragen. Aber nur einer von tausend schafft es wieder hinaus, Mat.«

Er zögerte, dann fischte er eine Handvoll Münzen aus der Tasche. »Was glaubst du, wie stehen die Chancen, dass sie alle Kopf zeigen, wenn ich die in die Luft werfe? Eins zu tausend?«

»Mat…«

Er warf sie über dem Tisch in die Höhe. Sie prasselten herunter. Nicht eine einzige davon sprang oder rollte vom Tisch auf den Boden.

Mat behielt sie nicht im Auge. Stattdessen erwiderte er Brigittes Blick, während sie alle vibrierend und klirrend zur Ruhe kamen. Sie betrachtete sie. Zwei Dutzend Münzen. Sie waren mit dem Kopf nach oben gelandet.

»Eins zu tausend, das ist eine gute Chance«, sagte er. »Für mich.«

»Verdammte Asche. Du bist genauso schlimm wie Elayne! Begreifst du es nicht? Nur ein falscher Wurf, mehr ist nicht nötig. Selbst du wirfst mal daneben.«

»Das Risiko gehe ich ein. Verdammt, Birgitte, ich weiß, dass es dumm ist, aber ich mache es. Wieso weißt du überhaupt so viel über den Turm? Du hast ihn betreten, oder?«

»Das habe ich«, gab sie zu.

Mat sah selbstzufrieden aus. »Und du konntest ihn verlassen! Wie hast du das geschafft?«

Sie zögerte, griff schließlich nach ihrer Milch. »Ich nehme an, dass diese Legende nicht überliefert wurde?«

»Ich kenne sie jedenfalls nicht.«

»Ich ging hinein, um sie darum zu bitten, die Liebe meines Lebens zu retten«, sagte sie. »Nach der Schlacht in den Hügeln von Lahpoint, als wir die Rebellion der Buchaner anführten. Gaidal war schrecklich verwundet; durch einen Schlag auf den Kopf konnte er nicht mehr richtig denken. Manchmal vergaß er sogar, wer ich war. Es brach mir das Herz, also brachte ich ihn in den Turm, damit er dort Geheilt wird.«

»Und wie bist du da rausgekommen? Wie hast du sie hereingelegt?«

»Das habe ich nicht«, sagte Birgitte leise.

Mat erstarrte.

»Die Eelfinn Heilten ihn nicht«, fuhr sie fort. »Sie töteten uns beide. Ich überlebte nicht, Mat. Das ist das Ende dieser Legende.«

Er schwieg. »Oh«, sagte er schließlich. »Nun, das ist irgendwie eine traurige Geschichte.«

»Sie können nicht alle mit einem Sieg enden. Gaidal und ich kommen sowieso nicht gut mit einem glücklichen Ende zurecht. Es ist besser für uns, wenn wir spektakulär und ruhmreich untergehen.« Sie verzog das Gesicht, als sie sich an eine Inkarnation erinnerte, in der sie beide zusammen gezwungen gewesen waren, in Frieden alt zu werden. Das langweiligste Leben, das sie je gehabt hatte, obwohl sie damals durchaus glücklich damit gewesen war, weil sie nicht gewusst hatte, welche Rolle sie im Muster spielte.

»Nun, ich gehe trotzdem«, sagte Mat.

Sie seufzte. »Ich kann dich nicht begleiten, Mat. Nicht, wenn ich Elayne nicht verlassen will. Sie hat einen Todeswunsch von dem Ausmaß deines Stolzes, und ich will, dass sie überlebt.«

»Ich erwarte auch gar nicht von dir, dass du mitkommst«, sagte er schnell. »Verflucht, darum bitte ich doch gar nicht. Und …« Er runzelte die Stirn. »Einen Todeswas vom Ausmaß meines was?«

»Vergiss es«, sagte sie und trank ihre Milch. Sie mochte Milch, obwohl sie das nie jemandem erzählte. Natürlich freute sie sich darauf, wieder trinken zu können; sie vermisste das Gebräu des alten Snert. Sie mochte hässliches Bier genauso sehr wie hässliche Männer.

»Ich kam zu dir, weil ich Hilfe brauche«, sagte Mat.

»Was gibt es da noch zu sagen? Du nimmst Eisen, Feuer und Musik mit. Eisen verletzt sie, bannt sie und hält sie. Feuer macht ihnen Angst und tötet sie. Musik verzaubert sie. Aber du wirst herausfinden, dass sowohl Feuer wie auch Musik zusehends weniger effektiv sein werden, je länger du sie benutzt.

Der Turm ist kein Gebäude, er ist das Portal. Eine Art Tor zum Kreuzweg zwischen ihren Reichen. Dort wirst du beide finden, die Aelfinn-Schlangen und die Eelfinn-Füchse. Vorausgesetzt, sie arbeiten zurzeit zusammen. Sie haben eine seltsame Beziehung.«

»Aber was wollen sie?«, fragte Mat. »Ich meine, von uns? Warum interessieren sie sich für uns?«

»Gefühle«, sagte Birgitte. »Darum haben sie Portale in unsere Welt gebaut, darum locken sie uns zu ihnen. Sie nähren sich von unseren Gefühlen. Aus irgendeinem Grund mögen sie vor allem Aes Sedai. Vielleicht schmecken die mit der Einen Macht ja wie ein besonders starkes Ale.« Mat erschauderte sichtlich.

»Das Innere wird verwirrend sein«, sagte Birgitte. »Dort an einen bestimmten Ort zu gelangen ist schwierig. Der Zugang durch den Turm statt durch den Türrahmen brachte mich in Gefahr, aber ich wusste, dass ich einen Handel abschließen kann, wenn ich den Großen Saal erreiche. Übrigens, wenn du durch den Turm eintrittst, bekommst du nichts umsonst. Sie werden einen Preis fordern, etwas, das für dich von großem Wert ist.

Aber wie dem auch sei, ich fand eine Methode, den Großen Saal zu finden. An den Kreuzungen ließ ich Eisenstaub zurück, damit ich wusste, welchen Weg ich gekommen war. Sie können ihn nicht anfassen, und … bist du sicher, dass du diese Geschichte nie gehört hast?«

Mat nickte energisch.

»In dieser Gegend hier war sie früher recht populär«, sagte sie stirnrunzelnd. »Vor hundert Jahren oder so.«

»Du klingst aufgebracht.«

»Es war ja auch eine gute Geschichte.«

»Wenn ich überlebe, lasse ich Thom daraus eine verdammte Ballade machen. Erzähl mir von dem Staub. Hat dein Plan funktioniert?«

Sie schüttelte den Kopf. »Ich verirrte mich trotzdem. Ich weiß nicht, ob sie den Staub irgendwie wegblasen konnten oder ob der Ort so groß ist, dass ich nie auf einen zuvor benutzten Weg stieß. Am Ende hatte man mich in die Ecke gedrängt, mein Feuer erlosch, meine Laute war kaputt, meine Bogensehne gerissen und Gaidal bewusstlos hinter mir. An manchen der Tage dort drinnen konnte er gehen, aber an anderen war er dazu viel zu benommen, also zog ich ihn auf einer mitgebrachten Trage hinter mir her.«

»An manchen Tagen?«, wiederholte Mat. »Wie lange warst du denn dort?«

»Ich hatte Proviant für zwei Monate«, sagte Birgitte leise. »Ich weiß nicht mehr, wie lange wir noch durchhielten, nachdem alles aufgebraucht war.«

»Verdammte Asche!«, sagte Mat und nahm einen tiefen Schluck von seinem Ale.

»Ich habe dir ja gesagt, du sollst nicht da reingehen«, sagte Birgitte. »Einmal angenommen, du findest deine Freundin, du wirst es niemals wieder hinausschaffen. An diesem Ort kannst du wochenlang umherwandern, ohne jemals nach rechts oder nach links abzubiegen, du gehst einfach geradeaus, durch einen Gang nach dem anderen. Sie sind alle gleich. Wüsstest du, welche Richtung du einschlagen müsstest, könnte der Große Saal nur Minuten weit entfernt sein. Aber du wirst ihn verfehlen.«

Mat starrte in seinen Becher und wünschte sich vermutlich, etwas Stärkeres bestellt zu haben.