Выбрать главу

»Mir geht es gut«, sagte sie. »Wirklich, man hat mich Geheilt. «

Also war Mellar entkommen. »Schnell. Durchsucht die Korridore. Die Gardisten und die Kusinen, die den Kerker bewachten …«

»Wir haben sie gefunden«, berichtete Birgitte. »Unten hinter die Treppe gezwängt. Tot. Elayne, was ist hier passiert?« Neben ihr stieß Mat Temailes Leiche an und musterte den Dolch in ihrer Brust.

Elayne drückte beide Hände auf den Bauch. Ihre Kinder würden doch wohlauf sein, oder? »Ich tat etwas sehr Unüberlegtes, Birgitte, und ich weiß, dass du mich deswegen anschreien wirst. Aber würdest du mich bitte vorher in meine Gemächer bringen? Ich glaube, Melfane sollte einen Blick auf mich werfen. Nur für alle Fälle.«

Eine Stunde nach dem gescheiterten Attentatsversuch auf Egwene stand Gawyn allein in dem kleinen Zimmer, das zu den Gemächern der Amyrlin gehörte. Man hatte ihn von den Fesseln der Gewebe befreit und ihm dann befohlen, dort zu warten.

Schließlich rauschte Egwene in den Raum. »Setz dich«, sagte sie.

Er zögerte, aber ihr wilder Blick hätte eine Kerze entzünden können. Er setzte sich auf den Hocker. Der kleine Raum enthielt ein paar Truhen für Kleider und mehrere Kleiderschränke. Die Tür führte in das größere Wohnzimmer, wo ihn die Gewebe gefangen hatten; von diesem Zimmer führte eine weitere Tür in Egwenes Schlafzimmer.

Egwene schloss die Tür und trennte sie von den vielen Wächtern, Behütern und Aes Sedai, die die anderen Zimmer bevölkerten. Ihre Unterhaltungen drangen als leises Summen durch das Holz. Egwene trug noch immer Rot und Gold, sie hatte goldene Fäden in ihr dunkles Haar geflochten. Ihre Wangen waren vor Zorn gerötet. Das ließ sie noch schöner als gewöhnlich aussehen.

» Egwene, ich …«

»Ist dir klar, was du getan hast?«

»Ich habe nachgesehen, ob es der Frau, die ich liebe, gut geht, nachdem ich einen Attentäter vor ihrer Tür fand.«

Sie verschränkte die Arme unter den Brüsten. Er konnte die Hitze ihrer Wut förmlich spüren. »Dein Gebrüll hat die halbe Weiße Burg geweckt. Man sah dich gefangen. Vermutlich weiß der Attentäter jetzt über meine Gewebe Bescheid.«

»Beim Licht, Egwene! Du tust gerade so, als hätte ich das absichtlich getan. Ich wollte dich bloß beschützen.«

»Ich habe nicht um deinen Schutz gebeten! Aber um deinen Gehorsam! Gawyn, begreifst du nicht, welche Gelegenheit wir hier versäumt haben? Hättest du Mesaana nicht verscheucht, wäre sie mir in die Falle gegangen!«

»Das war keine der Verlorenen«, sagte Gawyn. »Es war ein Mann.«

»Du hast gesagt, du konntest weder das Gesicht noch die Gestalt erkennen, weil alles verschwommen war.«

»Nun … ja. Aber er kämpfte mit dem Schwert.«

»Und eine Frau kann kein Schwert benutzen? Die Größe der Person, mit der du es zu tun hattest, weist auf eine Frau hin.«

»Vielleicht, aber eine Verlorene? Beim Licht, Egwene, wäre es Mesaana gewesen, hätte sie mich mit der Macht zu Asche verbrannt!«

»Noch ein Grund, warum du mir hättest gehorchen sollen«, sagte Egwene. »Vielleicht hast du recht – möglicherweise war es einer von Mesaanas Handlangern. Ein Schattenfreund oder ein Grauer Mann. Wäre das der Fall, wären sie jetzt meine Gefangenen, und ich könnte etwas über Mesaanas Pläne erfahren. Und Gawyn, was wäre denn gewesen, wenn du auf Mesaana gestoßen wärst? Was hättest du ausrichten können?«

Er schaute zu Boden.

»Ich habe dir gesagt, dass ich Vorkehrungen getroffen habe«, fuhr sie fort. »Und trotzdem hast du meinen Befehl missachtet! Und wegen dir weiß die Mörderin jetzt, dass ich sie erwartete. Beim nächsten Mal wird sie vorsichtiger sein. Was glaubst du, wie viele Leben hast du uns gerade gekostet?«

Gawyn hielt die Hände im Schoß und versuchte die Fäuste zu verbergen, die er ballte. Er hätte Scham empfinden sollen, aber da war nur Wut. Ein Zorn, den er nicht erklären konnte – Zorn auf sich selbst, aber hauptsächlich Zorn auf Egwene, die seinen Fehler dazu nutzte, ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.

»Anscheinend willst du gar keinen Behüter haben«, sagte er. »Denn ich sage dir eines, Egwene, wenn du es nicht erträgst, dass man auf dich aufpasst, dann wird kein Mann der richtige sein.«

»Vielleicht hast du recht«, sagte sie kurz angebunden. Mit raschelnden Röcken öffnete sie die Tür, ging hinaus und zog sie hinter sich zu. Sie knallte sie nicht zu, jedenfalls nicht richtig -

Gawyn stand auf und hätte der Tür am liebsten einen Tritt versetzt. Beim Licht, was war das doch für ein Fiasko geworden!

Er konnte durch die Tür hören, wie Egwene die Schaulustigen zurück in ihre Betten scheuchte und der Burgwache befahl, in dieser Nacht besonders aufmerksam zu sein. Das sollte aber bloß dem Anschein genügen. Sie wusste, dass der Attentäter es nicht so schnell wieder versuchen würde.

Gawyn schlüpfte aus dem Zimmer und ging. Sie sah ihn, sagte aber kein Wort und wandte sich stattdessen Silviana zu, um leise mit ihr zu sprechen. Die Rote warf Gawyn einen Blick zu, der einen Stein hätte zusammenzucken lassen.

Er kam an mehreren Wächtern vorbei, die durchaus respektvoll erschienen. Soweit es sie betraf, hatte er einen Angriff auf das Leben der Amyrlin vereitelt. Gawyn dankte ihrem Salut mit einem Nicken. In der Nähe stand Chubain und untersuchte das Messer, das Gawyn beinahe in die Brust bekommen hätte.

Chubain hielt ihm die Waffe hin. »Habt Ihr jemals so etwas gesehen?«

Er nahm das schmale Messer entgegen. Zum Wurf ausbalanciert, erinnerte die dünne Stahlklinge an eine längere Kerzenflamme. In die Mitte hatte man drei blutrote Steinchen eingesetzt.

»Was für ein Stein ist das?« Gawyn hielt die Klinge ins Licht.

»Den habe ich noch nie zuvor gesehen.«

Gawyn drehte das Messer ein paar Mal. Es gab keine Inschriften oder Verzierungen. »Das hätte mich um ein Haar das Leben gekostet.«

»Wenn Ihr wollt, könnt Ihr es mitnehmen«, sagte Chubain. »Vielleicht könnt Ihr es ja unter Brynes Männern herumzeigen; vielleicht hat einer von ihnen schon einmal so ein Messer gesehen. Wir haben ja noch das zweite, das wir im Korridor fanden.«

»Auch das war für mein Herz bestimmt.« Gawyn schob sich das Messer unter den Gürtel. »Danke. Ich habe auch ein Geschenk für Euch.«

Chubain sah ihn fragend an.

»Ihr habt Euch doch über die Männer beklagt, die Ihr verloren habt. Nun, ich habe da eine Gruppe von Soldaten, die ich wärmstens empfehlen kann.«

»Aus Brynes Heer?«, fragte Chubain und verzog den Mund. Wie viele Angehörige der Burgwache betrachtete er Brynes Heer als eine rivalisierende Streitmacht.

»Nein. Männer, die der Burg loyal gesinnt sind. Einige von denen, die die Ausbildung zum Behüter gemacht haben und zusammen mit mir auf Elaidas Seite kämpften. Jetzt fühlen sie sich am falschen Ort und wären lieber Soldaten statt Behüter. Ich würde es zu schätzen wissen, könntet Ihr ihnen ein Heim bieten. Es sind verlässliche Männer und ausgezeichnete Krieger.«

Chubain nickte. » Schickt sie zu mir.«

»Sie werden sich Euch morgen vorstellen«, sagte Gawyn. »Ich bitte nur um eines. Versucht nicht, die Gruppe voneinander zu trennen. Sie haben viel zusammen durchgemacht. Ihre Freundschaft gibt ihnen Kraft.«

»Das dürfte nicht schwer sein. Diese verfluchten Seanchaner haben die Zehnte Burgkompanie fast aufgerieben. Ich stelle ein paar Veteranen für Eure Jungs ab und bilde aus ihnen eine neue Kompanie.«

»Danke«, sagte Gawyn. Er wies mit dem Kopf auf Egwenes Gemächer. »Passt für mich auf sie auf, Chubain. Ich glaube, sie ist entschlossen, den Tod zu suchen.«

»Es ist meine Pflicht, die Amyrlin zu beschützen und ihr beizustehen. Aber wo werdet Ihr sein?«

»Sie hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass sie keinen Behüter will«, erklärte Gawyn und dachte an die Dinge, die Bryne früher am Abend gesagt hatte. Was wollte er, abgesehen von Egwene? Vielleicht war die Zeit gekommen, das herauszufinden. »Ich glaube, ich hätte meiner Schwester schon vor langer Zeit einen Besuch abstatten müssen.«