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»Nun, es geht um den Gholam …«

»Man hat die meisten Zivilisten aus der Stadt gebracht«, sagte Yoeli, als er und Ituralde durch Maradons Tor traten. »Die Große Fäule liegt ganz in der Nähe; das ist nicht das erste Mal, dass wir evakuiert werden. Meine Schwester Sigril führt die Letztreiter an, die von einem Kamm im Südosten zusehen und die Nachricht verbreiten werden, sollten wir fallen. Sie wird unsere Wachtposten in Saldaea benachrichtigt und Hilfe angefordert haben. Wenn sie kommen, wird sie ein Wachfeuer entzünden.«

Der Mann mit dem schmalen Gesicht sah Ituralde grimmig an. »Es gibt kaum Truppen, die uns zu Hilfe kommen können. Königin Tenobia nahm viele mit, als sie losritt, um den Wiedergeborenen Drachen zu finden.«

Ituralde nickte. Er ging, ohne zu hinken – Antail, einer der Asha’man, war recht geschickt im Heilen. Seine Männer schlugen auf dem Hof direkt bei den Stadttoren ein provisorisches Lager auf. Die Trollocs hatten die von ihnen zurückgelassenen Zelte genommen und nachts in Brand gesteckt, damit man genau sehen konnte, wie sie die Verletzten fraßen. Ituralde hatte ein paar seiner Verbände in leeren Häusern einquartiert, aber er wollte die meisten von ihnen in Tornähe wissen, falls es einen Angriff gab.

Die Asha’man und Aes Sedai hatten Ituraldes Männer Geheilt, aber man konnte sich nur um die schlimmsten Fälle kümmern. Ituralde nickte Antail zu, der in einem mit Seilen abgesperrten Teil des Platzes mit den Verwundeten arbeitete. Antail bemerkte es nicht. Er konzentrierte sich schwitzend und arbeitete mit einer Macht, über die Ituralde nicht nachdenken wollte.

»Seid Ihr sicher, dass Ihr sie sehen wollt?«, fragte Yoeli. Er hatte eine Reiterlanze auf die Schulter gelegt; an der Spitze flatterte ein dreieckiger schwarzer und gelber Wimpel. Die Saldaeaner hier nannten es das Verräterbanner.

In der Stadt herrschte eine angespannte feindselige Stimmung, verschiedene Gruppen Saldaeaner betrachteten einander mit grimmigem Gesichtsausdruck. Viele trugen schwarze und gelbe Tuchstreifen oder hatten sie um ihre Schwertscheiden geknotet. Sie nickten Yoeli zu.

Desya gavane cierto cuendar isain carentin, dachte Ituralde. Ein Satz in der Alten Sprache. »Ein resolutes Herz ist zehnfachen Streit wert.« Er konnte sich denken, was das Banner bedeutete. Manchmal wusste ein Mann, was er tun musste, auch wenn es falsch klang.

Eine Weile streiften sie durch die Straßen. Maradon war wie die meisten Städte in den Grenzlanden: rechteckige Gebäude, schmale Straßen. Die Häuser sahen aus wie Festungen mit kleinen Fenstern und wuchtigen Türen. Die Straßen verliefen auf merkwürdige Weise, und es gab keine strohgedeckten Dächer – nur feuerfeste Dachschindeln aus Schiefer. Auf dem dunklen Stein von so mancher wichtiger Krezung war das getrocknete Blut nur schwer zu erkennen, aber Ituralde wusste, worauf er achten musste. Yoeli war erst zu seiner Rettung gekommen, nachdem es unter den Saldaeanern zu Kämpfen gekommen war.

Sie kamen zu einem unscheinbaren Gebäude. Kein Fremder konnte erkennen, dass dieses besondere Haus Vram Torkumen gehörte, einem entfernten Cousin der Königin, der in ihrer Abwesenheit der designierte Herrscher über die Stadt war. Die Soldaten an der Tür trugen Gelb und Schwarz. Sie salutierten vor Yoeli.

Hinter dem Eingang lag eine schmale Treppe; Ituralde und Yoeli stiegen drei Absätze hinauf. In fast jedem Raum waren Soldaten. Im obersten Stockwerk bewachten vier Männer mit dem Verräterbanner eine große, mit goldenen Einlegearbeiten verzierte Tür. Der Korridor war dunkeclass="underline" schmale Fenster und ein schwarzer, grüner und roter Teppich.

»Bericht, Tarran?«, fragte Yoeli.

»Keine Vorkommnisse, Herr«, sagte der Mann mit einem Salut. Er hatte einen langen Schnurrbart und die krummen Beine eines Mannes, der sich im Sattel wohlfühlte.

Yoeli nickte. »Vielen Dank, Tarran. Für alles!«

»Ich stehe an Eurer Seite, Herr. Bis zum Ende.«

»Möget Ihr Eure Augen nach Norden richten, aber Euer Herz nach Süden, mein Freund«, sagte Yoeli, holte tief Luft und stieß die Tür auf. Ituralde folgte ihm.

In dem Raum saß ein Saldaeaner in einer teuren roten Robe neben dem Kamin und trank einen Becher Wein. Ihm gegenüber saß eine Frau in einem kostbaren Gewand und beschäftigte sich mit einer Stickarbeit. Keiner der beiden schaute auf.

»Lord Torkumen«, sagte Yoeli. »Das hier ist Rodel Ituralde, der Befehlshaber des Domani-Heeres.«

Der Mann am Kamin seufzte in seinen Wein. »Ihr klopft nicht an, Ihr wartet nicht darauf, dass ich Euch hereinbitte, Ihr kommt in einer Stunde, in der ich ausdrücklich darum bat, meinem Bedürfnis nach Besinnlichkeit nachgehen zu dürfen.«

»Also wirklich, Vram«, sagte die Frau, »du erwartest von diesem Mann Manieren? Jetzt?«

Yoeli legte stumm die Hand auf den Schwertgriff. In dem Raum stand zusammengewürfeltes Mobiliar: das Bett an der Wand gehörte offensichtlich nicht hierher; dann gab es noch ein paar Truhen und einen Kleiderschrank.

»Also«, sagte Vram, »Rodel Ituralde. Ihr seid einer der Großen Hauptmänner. Mir ist durchaus klar, dass meine Frage möglicherweise eine Beleidigung darstellt, aber ich muss mich an die Formalitäten halten. Euch ist klar, dass Ihr einen Krieg riskiert habt, indem Ihr Truppen auf unser Gebiet gebracht habt?«

»Ich diene dem Wiedergeborenen Drachen«, erwiderte Ituralde. »Tarmon Gai’don kommt, und alle ehemaligen Bündnisse, Grenzen und Gesetze sind dem Willen des Drachen unterworfen.«

Vram schnalzte mit der Zunge. »Drachenverschworene. Ich kenne natürlich die Berichte – und diese Männer in Eurem Gefolge sind ein offensichtlicher Hinweis. Aber sich das anhören zu müssen ist trotzdem so seltsam. Ist Euch eigentlich nicht klar, wie albern Ihr Euch anhört?«

Ituralde erwiderte den Blick des Mannes. Er hatte sich nicht als Drachenverschworener betrachtet, aber es war sinnlos, ein Pferd als Stein zu bezeichnen und zu erwarten, dass alle anderen das auch so sahen. »Ist Euch die Trolloc-Invasion denn völlig egal?«

»Es sind schon früher Trollocs gekommen«, sagte Vram. »Trollocs hat es immer gegeben.«

»Die Königin …«, sagte Yoeli.

»Die Königin wird bald von ihrer Expedition zurückkehren«, unterbrach ihn Vram, »und diesen falschen Drachen demaskiert und gefangen genommen haben. Sobald das geschehen ist, wird sie dafür sorgen, dass man Euch hinrichtet, Verräter. Rodel Ituralde, Euch wird man wegen Eures Standes vermutlich verschonen, aber ich möchte nicht Eure Familie sein, wenn sie die Lösegeldforderung erhält. Ich hoffe, Euer Reichtum entspricht Eurem Ruf. Wenn nicht, werdet Ihr vermutlich viele der nächsten Jahre nur die Ratten in Eurer Zelle befehligen.«

»Ich verstehe«, sagte Ituralde. »Wann habt Ihr Euch dem Schatten zugewandt?«

Vram riss die Augen weit auf und erhob sich. »Ihr wagt es, mich als Schattenfreund zu bezeichnen?«

»Ich kenne einige Saldaeaner«, sagte Ituralde. »Ein paar habe ich Freund genannt, gegen andere habe ich gekämpft. Aber mir ist noch nie zuvor einer begegnet, der einfach nur zusieht, wie Männer gegen Schattengezücht kämpfen, ohne seine Hilfe anzubieten.«

»Hätte ich ein Schwert…«, sagte Vram.

»Von mir aus könnt Ihr zu Asche verbrennen, Vram Torkumen«, sagte Ituralde. »Ich bin nur gekommen, um Euch das zu sagen, wegen der Männer, die ich verlor.«

Der Mann schien schockiert zu sein, als sich Ituralde abwandte und ging. Yoeli schloss sich ihm an und zog die Tür hinter sich zu.

»Ihr stimmt nicht mit meiner Beschuldigung überein?«, fragte Ituralde, als er und der Verräter zusammen die Treppe hinuntergingen.

»Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob er ein Narr oder ein Schattenfreund ist«, sagte Yoeli. »Eins davon muss er sein, wenn er nach diesem Winter, diesem Wolkenhimmel und den Gerüchten, dass al’Thor die halbe Welt erobert hat, nicht die Wahrheit erkennt.«

»Dann habt Ihr nichts zu befürchten«, sagte Ituralde. »Man wird Euch nicht hinrichten.«

»Ich habe meine Landsmänner getötet«, erwiderte Yoeli, »eine Revolte gegen den von meiner Königin eingesetzten Anführer angezettelt und den Befehl über die Stadt an mich gerissen, obwohl ich nicht einen Tropfen adliges Blut habe.«