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»Ich schätze, das ändert sich in dem Augenblick, in dem Tenobia zurückkehrt«, sagte Ituralde. »Auf jeden Fall habt Ihr Euch einen Titel verdient.«

Yoeli blieb im dunklen Treppenhaus, das nur von oben und unten erhellt wurde, stehen. »Ich sehe, dass Ihr das nicht versteht. Ich habe meine Eide verraten und Freunde getötet. Ich werde die Hinrichtung verlangen, wie es mein Recht ist.«

Ituralde fröstelte. Verdammte Grenzländer, dachte er. »Verschwört Euch dem Drachen. Er hebt sämtliche Eide auf. Verschwendet Euer Leben nicht. Kämpft an meiner Seite in der Letzten Schlacht.«

»Ich werde mich nicht hinter Ausflüchten verstecken, Lord Ituralde«, sagte der Mann und ging weiter die Stufen hinunter. »Genauso wenig wie ich zusehen konnte, dass Eure Männer sterben. Kommt. Lasst uns dafür sorgen, dass diese Asha’man untergebracht werden. Ich würde sehr gern diese Wegetore sehen, von denen Ihr sprecht. Wenn wir sie dazu nutzen könnten, Botschaften zu verschicken und Vorräte zu holen, könnte das in der Tat eine sehr interessante Belagerung werden.«

Ituralde seufzte, folgte ihm dann aber. Es war nicht die Rede davon gewesen, durch die Wegetore zu fliehen. Yoeli würde seine Stadt nicht im Stich lassen. Und er würde Yoeli und dessen Männer ebenfalls nicht im Stich lassen, wie ihm plötzlich klar wurde. Nicht nach dem, was sie durchgemacht hatten, um ihn zu retten.

Dieser Ort war genauso gut wie jeder andere, um sich dem Feind entgegenzustellen. Besser als so manche Situation, in der er in letzter Zeit gesteckt hatte, das war mal sicher.

Als Perrin das Zelt betrat, bürstete sich Faile gerade das Haar. Sie war so schön. Jeden Tag hielt er es noch immer für ein Wunder, dass sie wirklich wieder bei ihm war.

Sie drehte sich zu ihm um und lächelte zufrieden. Sie benutzte den neuen Silberkamm, den er ihr aufs Kissen gelegt hatte – er hatte ihn Gaul abgehandelt, der ihn in Maiden gefunden hatte. Wenn ihr dieses Shanna’har wichtig war, dann sollte es ihm auch wichtig sein.

»Die Boten sind zurückgekehrt«, sagte Perrin und schloss die Zeltplane. »Die Weißmäntel haben ein Schlachtfeld bestimmt. Beim Licht, Faile. Sie werden mich zwingen, sie auszulöschen.«

»Gräme dich nicht«, erwiderte sie. »Wir werden siegen.«

»Vermutlich.« Perrin setzte sich neben ihrer Schlafpritsche auf ein Kissen. »Aber auch wenn die Asha’man zuerst zuschlagen, müssen wir doch kämpfen. Das bedeutet, wir werden Leute verlieren. Gute Männer, die wir in der Letzten Schlacht brauchen werden.« Er zwang sich, die Fäuste zu entspannen, die er geballt hatte. »Das Licht soll diese Weißmäntel für das verbrennen, was sie getan haben, und dafür, was sie tun.«

»Dann ist das eine willkommene Gelegenheit, sie zu besiegen.«

Perrin grunzte zur Erwiderung und verschwieg, wie frustrierend er das doch alles fand. Er würde den Kampf gegen die Weißmäntel verlieren, ganz egal, was geschah. Auf beiden Seiten würden Männer sterben. Männer, die sie dringend brauchten.

Draußen blitzte es, was Schatten auf das Zeltdach warf. Faile holte für sich ein Nachthemd aus ihrer Truhe und legte ihm einen Schlafmantel heraus. Sie war der Ansicht, dass ein Lord einen Schlafmantel in der Nähe haben sollte, falls man in der Nacht nach ihm verlangte. Bis jetzt hatte sie damit mehrere Male recht gehabt.

Sie ging an ihm vorbei und roch besorgt, obwohl ihre Miene ganz entspannt war. Er hatte sämtliche Möglichkeiten für eine friedliche Lösung mit den Weißmänteln ausgeschöpft. So wie es aussah, würde er bald wieder töten müssen, ob er es wollte oder nicht.

Er zog sich bis auf den Lendenschurz aus und legte sich hin, dann schlief er ein, bevor sich Faile ausgezogen hatte.

Er betrat den Wolfstraum unter dem großen Schwert, das im Boden begraben lag. In der Ferne konnte er den Hügel ausmachen, den Gaul als »guten Wachpunkt« bezeichnet hatte. Das Lager wurde dahinter von einem Bach mit Wasser versorgt.

Perrin drehte sich um und eilte zum Lager der Weißmäntel. Sie saßen da wie ein Damm in einem Fluss und hinderten ihn an der Weiterreise.

»Springer?«, rief er und schaute sich im Lager des Feindes um, Zelte, die auf einem offenen Feld standen. Der Wolf meldete sich nicht, also durchsuchte Perrin noch eine Weile das Lager. Balwer hatte das Siegel nicht erkannt, das Perrin ihm beschrieben hatte. Wer war der Anführer dieser Weißmäntel?

Etwa eine Stunde später hatte Perrin noch immer keine neuen Erkenntnisse. Allerdings glaubte er ziemlich sicher zu wissen, in welchen Zelten ihre Vorräte lagerten; möglicherweise waren sie nicht so gut bewacht wie die Gefangenen, und mit Wegetoren würde er sie vielleicht verbrennen können.

Vielleicht. Die Briefe ihres Kommandierenden Lordhauptmanns waren gefüllt mit Sätzen wie: »Ich halte Euren Leuten zugute, dass sie keine Ahnung von Eurer wahren Natur hatten« oder »Meine Geduld für Eure Verzögerungstaktik schwindet« oder »Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Stellt Euch einem ordentlichen Verfahren oder kommt mit Eurem Heer, um das Urteil des Lichts zu erfahren.«

Dieser Mann hatte ein seltsames Ehrgefühl, das Perrin schon bei ihrer Begegnung aufgefallen war, aber seine Briefe brachten das noch mehr zum Ausdruck. Aber wer war er? Er unterschrieb immer nur mit »Kommandierender Lordhauptmann der Kinder des Lichts «.

Perrin begab sich zur Landstraße. Wo steckte Springer? Perrin rannte los. Ein paar Augenblicke später wechselte er auf das Gras über. Die Erde war so weich, bei jedem Schritt sanken seine Pfoten ein wenig ein.

Er sandte seine Gedanken aus und glaubte im Süden etwas zu spüren. Er rannte darauf zu; er wünschte sich, schneller zu sein, also war er es auch. Bäume und Hügel rasten an ihm vorbei.

Die Wölfe waren sich seiner Anwesenheit bewusst. Das war Eichentänzerins Rudel, da waren Grenzenlos, Funke, Morgenlicht und andere. Perrin konnte fühlen, wie sie miteinander sprachen, fernes Geflüster aus Bildern und Gerüchen. Perrin bewegte sich schneller, und der Wind um ihn herum stieg zu einem Brausen an.

Die Wölfe liefen weiter nach Süden. Wartet!, übermittelte er ihnen. Ich will euch sehen!

Sie reagierten bloß mit Belustigung. Plötzlich gingen sie in Richtung Osten, und er hielt an und drehte sich um. Er rannte so schnell er konnte, aber wenn er sich ihnen näherte, befanden sie sich unversehens woanders. Sie bewegten sich, verschwanden im Süden und erschienen im Norden vor ihm.

Perrin knurrte, und plötzlich lief er auf allen vieren. Sein Fell wehte, als er mit geöffnetem Rachen nach Norden raste und den zischenden Wind trank. Aber die Wölfe blieben unerreichbar in der Ferne.

Er heulte auf. Sie verspotteten ihn zur Antwort.

Er trieb sich noch mehr an, sprang von Hügel zu Hügel, setzte über Bäume hinweg; der Boden war nur noch ein Schemen. Augenblicke später traten zu seiner Linken die Verschleierten Berge in Erscheinung, und er passierte sie wie im Rausch.

Die Wölfe wandten sich nach Osten. Warum konnte er sie nicht einholen? Er roch sie doch voraus. Junger Bulle heulte sie an, erhielt aber keine Antwort.

Klammere dich nicht zu verhissen hier fest, junger Bulle.

Junger Bulle blieb stehen, und die Welt um ihn herum tat einen Ruck. Das Rudel bewegte sich weiter nach Osten, aber Springer saß neben einer Flussbiegung auf den Hinterbeinen. Junger Bulle war schon einmal hier gewesen; das war ganz in der Nähe seiner Erzeuger. Er war schon selbst auf einem der treibenden Bäume der Menschen darauf gereist. Er …

Nein … nein … erinnere dich an Faile!

Sein Fell verwandelte sich in Kleidung, und er fand sich auf Händen und Knien wieder. Er starrte Springer böse an. »Warum bist du weggelaufen?«, verlangte er zu wissen.

Du willst lernen. Du wirst geschickter. Schneller. Du streckst die Beine und läufst. Das ist gut.