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»Also gut«, sagte Elyas. »Obwohl du dich nicht gerade so anhörst, als wolltest du das wirklich tun.«

»Es muss erledigt werden. Und damit ist alles gesagt.« Jeder wollte, dass er wie ein Lord handelte. Nun, genau das taten Lords. Sie trafen Entscheidungen, die niemand sonst treffen wollte.

Trotzdem würde ihm dieser Befehl Magenschmerzen bereiten. Er hatte eine Vision gehabt, wie diese Wölfe Schafe auf eine Bestie zutrieben. Möglicherweise tat er ja genau das, die Weißmäntel auf ihre Vernichtung zutreiben. Zweifellos trugen sie die Farbe von Schafwolle.

Aber was hatte die Vision von Faile und den anderen zu bedeuten, die sich einem Abgrund näherten? Elyas ging und ließ Perrin noch immer mit der Axt auf der Schulter zurück. Es kam ihm so vor, als hätte er nicht auf Holz eingeschlagen, sondern auf Menschen.

25

Rückkehr nach Bandar Eban

Rand und Min verkündeten ihre Ankunft nicht, als sie nach Bandar Eban kamen. Durch das Wegetor betraten sie eine kleine Gasse, beschützt von zwei Töchtern – Lerian und Heidia – und Naeff, dem hochgewachsenen Asha’man mit dem markanten Kinn.

Die Töchter eilten zur Gassenmündung und spähten misstrauisch in die Stadt. Rand legte Heidia die Hand auf die Schulter und beruhigte die schlanke Frau, die es nervös zu machen schien, dass er von so wenigen Getreuen begleitet wurde. Er trug den braunen Mantelumhang.

Am Himmel riss die Wolkendecke auf; die Wolken über der Stadt schmolzen bei Rands Ankunft einfach hinweg. Min schaute nach oben und spürte die Wärme auf dem Gesicht. In der Gasse stank es schrecklich nach Abfall und menschlichen Exkrementen, aber eine warme Brise kam auf und vertrieb den Gestank.

»Mein Lord Drache«, sagte Naeff. »Das gefällt mir nicht. Ihr solltet mehr Schutz haben. Lasst uns zurückkehren und …«

» Das geht schon in Ordnung, Naeff«, sagte Rand. Er wandte sich Min zu und streckte die Hand aus.

Sie ergriff sie und trat an seine Seite. Naeff und die Töchter hatten den Befehl, ein Stück hinter ihnen zu bleiben; sie würden Aufmerksamkeit erregen.

Als Min und Rand auf einen der vielen Holzbürgersteige der Hauptstadt der Domani traten, schlug sie die Hand vor den Mund. Seit Rands Abreise war doch nicht viel Zeit vergangen. Wie hatte sich die Stadt so schnell verändern können?

Die Straße war voller kränklich aussehender, schmutziger Menschen, die sich in Decken gehüllt an Häuserwänden drängten. Man konnte sich auf den Bürgersteigen nicht bewegen; Min und Rand mussten in den Schlamm steigen, um weitergehen zu können. Menschen husteten und stöhnten, und Min wurde klar, dass der Gestank nicht auf die Gasse beschränkt war. Die ganze Stadt schien zu stinken. Einst hatten von vielen dieser Gebäude Banner gehangen, aber man hatte sie abgenommen und für Decken oder Brennstoff zerrissen.

Die meisten Häuser wiesen kaputte Fenster auf, Flüchtlinge drängten sich in Eingängen und auf den Böden. Als Min und Rand weitergingen, wandten ihnen viele Menschen den Kopf zu. Manche schienen ins Delirium gefallen zu sein. Andere sahen hungrig aus. Und gefährlich. Viele waren Domani, aber es schien auch viele hellhäutige Menschen zu geben. Möglicherweise Flüchtlinge von der Ebene von Almoth oder aus Saldaea. Min lockerte das Messer in ihrem Ärmel, als sie eine Gruppe junger, finster aussehender Gestalten passierten, die in einer Gassenmündung herumlungerten. Vielleicht hatte Naeff doch recht. Hier konnte man sich nicht sicher fühlen.

»Auf diese Weise ging ich durch Ebou Dar«, sagte Rand leise. Plötzlich war sie sich seiner Qualen bewusst. Das erdrückende Gefühl von Schuld, viel zerstörerischer als die Wunden in seiner Seite. »Das war einer der Gründe, die zu meiner Veränderung führten. Die Menschen in Ebou Dar waren glücklich und satt. Sie sahen nicht so aus wie die Leute hier. Die Seanchaner herrschen besser als ich.«

»Rand, du bist dafür nicht verantwortlich«, sagte Min. »Du warst nicht hier, um …«

Sein Schmerz verstärkte sich, und sie begriff, dass sie genau das Falsche gesagt hatte. »Ja«, erwiderte er leise, »ich war nicht hier. Ich ließ diese Stadt im Stich, als ich sah, dass sie nicht das gewünschte Werkzeug war. Ich vergaß, Min. Ich vergaß, worum es hier eigentlich ging. Tarn hatte so recht. Ein Mann muss wissen, aus welchem Grund er kämpft.«

Rand hatte seinen Vater zusammen mit einem Asha’man zu den Zwei Flüssen geschickt, damit man sich dort auf die Letzte Schlacht vorbereitete.

Rand stolperte und sah plötzlich sehr müde aus. Er setzte sich auf eine Kiste, die dort herumstand. Ein kupferfarbener Straßenjunge betrachtete ihn aufmerksam aus einem Hauseingang. Gegenüber bog eine Straße von dieser Hauptdurchgangsstraße ab. Sie wurde nicht von Leuten verstopft; kräftig aussehende Männer mit Keulen standen an der Einmündung.

»Sie zerfallen zu Banden«, sagte Rand leise und mit gesenkten Schultern. »Die Reichen bezahlen die Starken, damit die sie beschützen und jeden verjagen, der auf ihren Reichtum aus ist. Aber bei dem Reichtum handelt es sich nicht länger um Gold oder Schmuck. Jetzt sind es Lebensmittel.«

Sie ließ sich neben ihm auf ein Knie nieder. »Rand. Du kannst nicht…«

»Ich weiß, ich muss weitergehen, aber es schmerzt, die Dinge zu wissen, die ich tat. Indem ich mich zu Stahl machte, wies ich all diese Gefühle von mir. Indem ich zuließ, wieder Mitleid zu empfinden, wieder zu lachen, musste ich mich auch meinem Versagen öffnen.«

»Rand, ich sehe Sonnenlicht um dich herum.«

Er schaute zu ihr hoch, dann weiter zum Himmel.

»Nicht dieses Sonnenlicht«, flüsterte Min. »Eine Sicht. Ich sehe dunkle Wolken, die von der Wärme des Sonnenlichts verdrängt werden. Ich sehe dich, mit einem strahlend weißen Schwert in der Hand, das du gegen eine schwarze Klinge führst, die von einer gesichtslosen Dunkelheit gehalten wird. Ich sehe Bäume, die wieder grün sind und Früchte tragen. Ich sehe ein Feld mit gesunden und vollen Ähren.« Sie zögerte. »Ich sehe die Zwei Flüsse, Rand. Ich sehe dort ein Gasthaus mit dem Zeichen des Drachenzahns auf der Tür. Aber es ist nicht länger ein Symbol der Dunkelheit oder des Hasses. Es ist ein Zeichen des Sieges und der Hoffnung.«

Er blickte sie an.

Min sah etwas in ihrem Augenwinkel. Sie wandte sich den auf der Straße sitzenden Menschen zu und keuchte auf. Jeder einzelne von ihnen wies ein Bild über dem Kopf auf. Es war erstaunlich, so viele Sichten gleichzeitig zu sehen, die über den Köpfen von Kranken, Schwachen und Verlassenen aufblitzten.

»Ich sehe eine silberne Axt über dem Kopf dieses Mannes«, sagte sie und zeigte auf einen bärtigen Bettler, der mit auf die Brust gesunkenem Kinn an einer Hauswand saß. »In der Letzten Schlacht wird er ein Anführer sein. Diese Frau da, die sich im Schatten herumdrückt, wird in der Weißen Burg ausgebildet und zur Aes Sedai werden. Ich sehe die Flamme von Tar Valon neben ihr, und ich weiß, was das bedeutet. Der Mann da drüben, der wie ein Straßenräuber aussieht? Er wird ihr Leben retten. Ich weiß, dass er nicht danach aussieht, aber er wird kämpfen. Das werden sie alle. Ich kann es sehen!«

Sie schaute Rand an und nahm seine Hand. »Du wirst stark sein, Rand. Du wirst das vollbringen. Du wirst sie anführen. Ich weiß es.«

»Das hast du gesehen?«, fragte er. »In einer Sicht?« Sie schüttelte den Kopf. »Das war nicht nötig. Ich glaube an dich.«

»Um ein Haar hätte ich dich getötet«, flüsterte er. »Als du mich ansahst, sahst du einen Mörder. Du fühltest meine Hand an deiner Kehle.«

»Was? Natürlich nicht! Rand, sieh mir in die Augen. Du kannst mich durch den Bund spüren. Fühlst du da auch nur den Hauch von Furcht?«

Er erwiderte ihren Blick mit Augen, die so tief und unergründlich waren. Sie wich nicht zurück. Sie konnte dem Blick dieses Schafhirten standhalten.

Er setzte sich aufrechter hin. »Oh, Min. Was würde ich ohne dich tun?«