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Der Hammer konnte töten oder erschaffen. Er wusste noch nicht, was diese Situation davon erforderte. Er wollte nicht zuschlagen, bevor er es wusste.

Galad saß auf dem grasigen Feld, das ein Schlachtfeld hätte sein sollen, und betrachtete den aus dem Boden gerissenen Graben, der mit Hunderten Pfeilen gespickt war.

Auf Aes Sedai war er vorbereitet. Eine Aes Sedai konnte niemanden verletzen, solange sie oder ihr Behüter nicht in Gefahr schwebten, und Galad hatte seinen Männern sehr genaue Befehle gegeben, keine Aes Sedai anzugreifen, nicht einmal in ihre Nähe zu kommen. Sollten die Kinder Aes Sedai begegnen, sollten sie stehen bleiben, höflich nicken und die Waffen senken. Wenn seine Männer deutlich demonstrierten, dass sie keiner Aes Sedai ein Leid zufügen wollten, würden die Schwestern in der Schlacht nutzlos sein.

Viele der Kinder glaubten das nicht. Sie bezeichneten die Geschichten über die Drei Eide als bewusste Täuschungen. Sie hatten nicht in der Weißen Burg gelebt. Galad konnte die meisten Aes Sedai nicht ausstehen, und natürlich vertraute er ihnen nicht, aber er wusste, dass die Eide standhielten.

Galads Männer schlossen murmelnd wieder ihre Reihen. Er hob das Fernglas und betrachtete Aybaras Frontlinie. Männer in schwarzen Mänteln. Mehrere Aielfrauen, einschließlich der, die Aybara bei ihrer ersten Begegnung begleitet hatte. Zweifellos eine Machtlenkerin. Er stellte sich vor, wie mitten in ihrem Angriff der Boden unter ihren Füßen explodierte und die Kavallerie in die Luft schleuderte, während andere in den Graben stürzten und die hinteren Reihen verwirrt stehen blieben und den beeindruckenden Langbogen zum Opfer fielen.

Bornhaid ritt mit zorniger Miene heran. »Wir werden doch wohl nicht verhandeln?«

Galad senkte das Fernglas. »Doch, ich glaube, das machen wir.«

»Aber wir haben uns bereits mit ihm getroffen!«, sagte Bornhaid. »Ihr habt gesagt, Ihr wollt diese Augen sehen, zum Beweis, dass er Schattengezücht ist, und Ihr habt sie gesehen. Was braucht Ihr denn noch?«

Byar trieb sein Pferd an und kam näher. In letzter Zeit machte er sich oft zu Galads Leibwächter. »Mein Kommandierender Lordhauptmann, man kann ihm nicht vertrauen.«

Galad zeigte auf den Graben. »Er hätte uns mit diesem Angriff vernichten können.«

»Ich stimme Byar zu«, sagte Bornhaid. »Er will Euch aus der Reserve locken und dann töten, um uns zu demoralisieren.«

Galad nickte langsam. »Das ist durchaus möglich.« Er wandte sich Lordhauptmann Harnesh zu, der in der Nähe ritt. »Sollte ich sterben, dann will ich, dass Ihr den Befehl übernehmt und angreift. Greift ohne Gnade an; ich nehme meinen Befehl zurück, den Aes Sedai aus dem Weg zu gehen. Tötet jeden, der die Macht zu lenken scheint. Macht das zu Eurer Priorität. Es ist möglich, dass wir nicht verstehen, was hier vor sich geht.«

»Aber Ihr geht trotzdem?«, fragte Bornhaid.

»Ja.« Galad hatte sich von Bornhaid und Byar zu dieser Schlacht überreden lassen, aber jetzt fragte er sich, ob das nicht voreilig gewesen war. Er hatte diese Augen gesehen, und er hatte die Aussagen beider Kinder und von ein paar Leuten gehört, die mit Aybara geritten waren. Ein Angriff war als die einzige Alternative erschienen.

Aber Aybara hatte recht. Wie gebeten hatte er sich Galad gestellt. Vielleicht gab es eine Möglichkeit, Blutvergießen zu vermeiden. Zwar glaubte Galad nicht daran, aber wenn auch nur eine geringe Chance dafür existierte, dann war es richtig, den Angriff aufzuschieben. So einfach war das.

Bornhaid schien darüber nicht erfreut zu sein. Sein Zorn auf den Mann, der seinen Vater umgebracht hatte, war verständlich, aber man durfte nicht zulassen, dass das den Weg der Kinder bestimmte. »Ihr dürft mich begleiten«, sagte er und trieb sein Pferd an. »Das gilt auch für Euch, Kind Byar. Die Lordhauptmänner sollten zurückbleiben und sich unter den Männern verteilen, damit Aybara uns nicht unserer Anführer beraubt.«

Harnesh salutierte. Bornhaid setzte sich zögernd neben Galad, genau wie Byar, in dessen Augen ein fanatischer Eifer brannte, der Bornhaids Zorn entsprach. Beide waren von diesem Perrin Aybara besiegt und gedemütigt worden. Galad nahm auch fünfzig Kinder als Leibwache mit, die hinter ihm in Formation ritten.

Als sie eintrafen, hatte man bereits einen Pavillon aufgebaut. Vier Stangen hielten die bräunlich graue Zeltplane aufrecht und erschufen ein Flachdach. Darunter standen ein kleiner rechteckiger Tisch und zwei Stühle.

Aybara saß an der einen Seite des Tisches. Er erhob sich, als Galad näher kam; heute trug der hochgewachsene Mann einen grünen Mantel und braune Hosen. Beides war schlicht, wenn auch sorgfältig gefertigt. An der Taille hing ein Hammer. Die Kleidung vermittelte einen bodenständigen Eindruck. Nein, das war kein Mann der Paläste, sondern ein Mann der Felder und Wälder. Ein Waldläufer, der zum Lord aufgestiegen war.

Hinten im Pavillon standen zwei Männer von den Zwei Flüssen und hielten die kraftvollen Langbogen. Angeblich waren es freie Bauern und Schafhirten, ein unbeugsamer und uralter Menschenschlag. Und sie hatten diesen Perrin Aybara zu ihrem Anführer erwählt.

Galad ging auf den Pavillon zu. Byar und Bornhaid schlossen sich ihm an, aber die fünfzig Männer blieben im Sattel.

Im Gegensatz zu ihrer letzten Begegnung waren Aes Sedai anwesend. Eine kleine Cairhienerin, eine schlanke, gut aussehende Frau in einem einfachen Kleid, eine stämmige Frau, deren zahlreiche Zöpfe darauf hinwiesen, dass sie vermutlich aus Tarabon kam. Sie standen bei einer Gruppe Aielfrauen mit Schultertüchern, beschützt von einer Handvoll Töchter des Speers. Nun, diese Aiel bestätigten die Behauptung, dass Aybara im Auftrag des Wiedergeborenen Drachen unterwegs war.

Galad legte die Hand lässig auf den Schwertgriff und musterte den Rest der Leute, die sich im Pavillon versammelt hatten.

Und erstarrte. Hinter Aybaras Stuhl stand eine atemberaubend schöne Frau. Nein, nicht schön, wunderschön. Langes schwarzes Haar strömte ihr auf den Rücken; es schien zu glänzen. Sie trug ein rotes Gewand, das dünn genug war, um ihre Figur zu unterstreichen, und der tiefe Ausschnitt enthüllte schwellende Brüste.

Und diese Augen. So dunkel, mit langen, wunderschönen Wimpern. Sie schienen ihn … anzuziehen. Warum war diese Frau das letzte Mal nicht dabei gewesen?

»Ihr erscheint überrascht«, sagte Aybara, als er sich wieder setzte. Sein Ton war schroff. »Ihre Lady die Erste ist genau wie ich im Auftrag des Drachen hier. Habt Ihr nicht die Flagge von Mayene über meinen Streitkräften flattern gesehen?«

»Ich …« Galad schloss ruckartig den Mund und verneigte sich vor der Frau. Berelain sur Pændrag Pæron? Man sagte ihr nach, eine unvergleichliche Schönheit zu sein, aber diese Geschichten wurden ihr nicht gerecht. Galad riss den Blick von ihr los und zwang sich, gegenüber von Aybara Platz zu nehmen. Er musste sich auf seinen Feind konzentrieren.

Diese goldenen Augen waren genauso beunruhigend, wie er in Erinnerung hatte. Es war so seltsam hineinzublicken. Ja, dieser Mann konnte unmöglich etwas anderes als Schattengezücht sein. Aber warum sollten so viele Menschen so einer Kreatur folgen? Warum würde sie so einer Kreatur folgen?

»Danke, dass Ihr gekommen seid«, sagte Aybara. »Unsere letzte Begegnung war eine hastige Sache. Dieses Mal machen wir es richtig. Ihr solltet wissen, dass diese Frau neben mir Alliandre Maritha Kigarin ist, die Königin von Ghealdan, Gesegnete des Lichts, Verteidigerin von Garens Wall.« Also war diese stattliche dunkelhaarige Frau die derzeitige Königin von Ghealdan. Natürlich gab es bei den Unruhen hier in letzter Zeit vermutlich ein halbes Dutzend Leute, die den Thron für sich beanspruchten. Sie war hübsch, wurde aber völlig von Berelain überschattet.

Perrin wies mit dem Kopf auf eine dritte Frau. »Das ist Faile ni Bashere t’Aybara, meine Gemahlin und Kusine der Königin von Saldaea.« Aybaras Frau musterte Galad misstrauisch. Ja, sie stammte offensichtlich aus Saldaea, das verriet schon ihre Nase. Bornhaid und Byar hatten nichts von ihrer Verbindung zum Königshaus gewusst.