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Zwei Monarchen im Zelt, und beide standen hinter Aybara. Galad erhob sich von seinem Stuhl und schenkte Alliandre eine Verbeugung, die der entsprach, die er Berelain gegeben hatte. »Euer Majestät.«

»Ihr seid sehr höflich, Kommandierender Lordhauptmann«, sagte Berelain. »Und das waren sehr anmutige Verbeugungen. Verratet mir, wo habt Ihr Eure Erziehung genossen?«

Ihre Stimme war wie Musik. »Am Hof von Andor, meine Lady. Ich bin Galad Damodred, Stiefsohn der von uns gegangenen Königin Morgase und Halbbruder von Elayne Trakand, der rechtmäßigen Königin.«

»Ah«, sagte Perrin. »Es wurde auch Zeit, dass ich Euren Namen erfahre. Ich wünschte, Ihr hättet ihn beim letzten Mal erwähnt.«

Berelain starrte ihm in die Augen, und sie lächelte und sah aus, als wollte sie vortreten. Aber dann beherrschte sie sich. »Galad Damodred. Ja, ich dachte mir, dass mir etwas an Eurem Gesicht bekannt vorkommt. Wie geht es Eurer Schwester?«

»Ich hoffe, es geht Ihr gut«, erwiderte Galad. »Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen.«

»Elayne geht es gut«, sagte Perrin barsch. »Das Letzte, das ich von ihr hörte – erst vor wenigen Tagen – ist, dass sie ihren Anspruch auf den Thron durchsetzen konnte. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie Rand nun heiraten will. Falls sie ihn von dem Reich fortlocken kann, welches auch immer er gerade erobert.«

Hinter Galad zog Byar zischend die Luft ein. Hatte Aybara ihn beleidigen wollen, indem er eine Beziehung zwischen Elayne und dem Wiedergeborenen Drachen andeutete? Leider kannte Galad seine Schwester nur zu gut. Sie war impulsiv, und sie hatte eine unangebrachte Faszination mit dem jungen al’Thor zur Schau gestellt.

»Meine Schwester kann tun, was sie will«, sagte Galad und war überrascht, wie mühelos er seinen Ärger über sie und den Wiedergeborenen Drachen zügeln konnte. »Wir sind hier, um über Euch zu sprechen, Perrin Aybara, und Euer Heer.«

Aybara beugte sich vor und legte beide Hände auf den Tisch. »Wir wissen beide, dass es hier nicht um mein Heer geht.«

»Worum geht es dann?«, wollte Galad wissen.

Aybara erwiderte seinen Blick mit diesen unnatürlichen Augen. »Es geht um die beiden Kinder des Lichts, die ich vor zwei Jahren getötet habe. Und jetzt scheint jedes Mal, wenn ich mich umdrehe, eine Gruppe von Euch nach meinen Fersen zuschnappen.«

Es geschah nicht oft, dass ein Mörder so offen über seine Tat sprach. Galad hörte, wie hinter ihm ein Schwert zischend seine Scheide verließ, und hob die Hand. »Kind Bornhaid! Ihr werdet Euch beherrschen!«

»Zwei Kinder des Lichts, Schattengezücht?«, spie Bornhaid. »Und was ist mit meinem Vater?«

»Ich hatte nichts mit seinem Tod zu tun, Bornhaid«, sagte Aybara. »Geofram wurde unglücklicherweise von den Seanchanern getötet. Für einen Weißmantel schien er ein vernünftiger Mann zu sein, auch wenn er mich hängen wollte.«

»Er wollte Euch für die Morde hängen, die Ihr gerade gestanden habt«, sagte Galad ruhig und warf Bornhaid einen finsteren Blick zu. Der Mann rammte sein Schwert zurück in die Scheide, aber sein Gesicht war rot angelaufen.

»Das waren keine Morde«, behauptete Aybara. »Sie griffen mich an. Ich wehrte mich.«

»Das habe ich anders gehört«, sagte Galad. Welches Spiel spielte dieser Mann? »Ich habe die beeidete Aussage, dass Ihr Euch unter einem Felsspalt verborgen habt. Als die Männer Euch baten, hervorzukommen, seid Ihr schreiend herausgestürzt und habt sie ohne jede Provokation angegriffen.«

»Oh, es gab schon eine Provokation«, erwiderte Aybara. » Eure Weißmäntel töteten einen Freund von mir.«

»Die Frau, die bei Euch war? Soweit ich weiß, entkam sie unbeschadet.« Er war entsetzt gewesen, als Bornhaid diesen Namen erwähnt hatte. Egwene al’Vere. Noch eine Frau, die gefährliche Gesellschaft vorzuziehen schien.

»Nicht sie. Einen Freund namens Springer. Und nach ihm kam einer seiner Gefährten dran. Sie waren Wölfe.«

Der Mann ritt sich immer tiefer hinein! »Ihr schließt Freundschaft mit Wölfen, die als Kreaturen des Schattens bekannt sind?«

»Wölfe gehören dem Schatten nicht«, sagte Aybara. »Sie hassen Schattengezücht mit der gleichen Inbrunst wie jeder mir bekannte Mensch.«

»Und woher wisst Ihr das?«

Aybara schwieg. Da steckte mehr dahinter. Byar behauptete, dass dieser Mann den Wölfen befehlen konnte; er lief mit ihnen, als wäre er selbst ein Wolf. Nicht zuletzt diese Aussage hatte Galad davon überzeugt, dass ihnen nur die Schlacht übrig blieb. Anscheinend hatte Byar nicht übertrieben.

Aber es bestand keine Notwendigkeit, jetzt darüber nachzudenken. Aybara hatte die Morde zugegeben. »Ich akzeptiere nicht, dass das Erlegen von Wölfen Euch entlastet«, sagte er. »Viele Jäger töten Wölfe, die ihre Herden angreifen oder ihr Leben bedrohen. Die Kinder taten nichts Falsches. Darum war Euer Angriff unprovozierter Mord.«

»Es war etwas komplizierter«, sagte Aybara. »Aber ich bezweifle, dass ich Euch davon überzeugen kann.«

»Ich kann nicht von etwas überzeugt werden, das nicht stimmt.«

»Und Ihr werdet mich auch nicht in Ruhe lassen.«

»Dann stecken wir fest«, sagte Galad. »Ihr habt Verbrechen gestanden, die ich als Diener der Gerechtigkeit ahnden muss. Ich kann mich nicht davon abwenden und gehen. Ihr begreift, warum ich der Meinung war, dass weitere Verhandlungen sinnlos waren?«

»Und wenn ich mich einverstanden erklären würde, mich einem Gericht zu stellen?«, fragte Aybara.

Seine Frau mit der kühn geschwungenen Nase legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er bedeckte sie mit seiner, wandte sich aber nicht von Galad ab.

»Wenn Ihr zu uns kommt und die Strafe für Eure Tat akzeptiert …«, sagte Galad. Das bedeutete Hinrichtung. Sicherlich würde sich die Kreatur nicht freiwillig ergeben.

Im hinteren Teil des Pavillons war eine Gruppe Diener eingetroffen und bereitete Tee vor. Tee. Bei Waffenstillstandsverhandlungen. Offensichtlich hatte Aybara nur wenig Erfahrung in solchen Dingen.

»Keine Strafe«, sagte Aybara scharf. »Ein Gerichtsverfahren. Erweist sich meine Unschuld, gehe ich als freier Mann und Ihr, der Kommandierende Lordhauptmann, befehlt Euren Männern, mich nicht länger zu verfolgen. Vor allem Bornhaid und dem anderen hinter Euch, der wie ein Welpe knurrt, der seinen ersten Leoparden sieht.«

»Und solltet Ihr Euch als schuldig erweisen?«

»Das kommt darauf an.«

»Hört nicht auf ihn, mein Kommandierender Lordhauptmann!«, sagte Byar. »Er hat schon einmal versprochen, sich uns auszuliefern, und dann sein Wort gebrochen!«

»Das tat ich nicht!«, erwiderte Aybara. »Ihr habt Euren Teil der Abmachung nicht eingehalten!«

»Ich …«

Galad hieb auf den Tisch. »Das ist sinnlos. Es wird kein Gericht geben.«

»Warum nicht?«, wollte Aybara wissen. »Ihr sprecht von Gerechtigkeit, gesteht mir aber kein Verfahren zu?«

»Und wer sollte der Richter sein?«, fragte Galad. »Würdet Ihr mir diese Funktion anvertrauen?«

»Natürlich nicht«, sagte Aybara. »Aber Alliandre. Sie ist Königin.«

»Und Eure Gefährtin. Das soll keine Beleidigung sein, aber ich fürchte, sie würde Euch freisprechen, ohne sich die Beweise anzuhören. Nicht einmal die Erste wäre adäquat – natürlich würde ich ihrem Wort vertrauen, aber ich fürchte, meine Männer denken da anders.«

Beim Licht, was war diese Frau doch für eine Schönheit! Er schaute sie einen Moment lang an, und sie errötete tatsächlich, als sie seinen Blicken standhielt. Es war kaum zu sehen, aber er war sich sicher, es bemerkt zu haben. Er errötete selbst.

»Dann die Aes Sedai.«

Galad riss den Blick von Berelain los und sah Aybara bloß an. »Wenn Ihr glaubt, dass ein Urteil von einer aus der Weißen Burg meine Männer zufriedenstellen würde, dann wisst Ihr nur wenig über die Kinder des Lichts, Perrin Aybara.«

Aybaras Blick wurde hart. Ja, er wusste es. Es war wirklich schade. Ein Gerichtsverfahren hätte die Sache sauber beendet. Eine Dienerin näherte sich dem Tisch mit zwei Tassen Tee, aber dazu bestand keine Notwendigkeit. Diese zweite Zusammenkunft war vorbei.