Выбрать главу

Die Sitzenden schienen erschüttert über das zu sein, was sie gerade getan hatten, und beendeten die Sitzung. Vor dem Raum hatten sich Schwestern versammelt, die das Zusammentreffen des Saals mit Überraschung registriert hatten.

Egwene nickte Saerin und den anderen ihrer Anhängerinnen zu und verließ den Raum, Silviana an ihrer Seite.

»Das war ein Sieg«, sagte die Behüterin der Chroniken, sobald sie unter sich waren. Sie klang zufrieden. »Aber Ihr habt die Kontrolle über Eure Heere aufgegeben.«

»Das musste ich. Sie hätten mir den Befehl jederzeit abnehmen können; auf diese Weise habe ich im Gegenzug etwas bekommen.«

»Autorität über den Wiedergeborenen Drachen?«

»Ja, aber ich meinte mehr das Ende dieses Schlupflochs im Burggesetz. Solange es dem Saal möglich war, nahezu unangekündigt und geheim zusammenzutreten, konnte man meine Autorität – und damit meine ich die Autorität einer jeden Amyrlin – umgehen. Falls sie jetzt ihre Spielchen spielen wollen, müssen sie das in meiner Anwesenheit tun.«

Silviana gestattete sich ein seltenes Lächeln. »Da so etwas wie heute das Resultat eines solchen Manövers ist, Mutter, vermute ich, dass sie da in Zukunft etwas vorsichtiger sind.«

»Das war die Absicht«, sagte Egwene. »Obwohl ich bezweifle, dass Aes Sedai je aufhören werden, irgendwelche Spielchen zu spielen. Man darf ihnen einfach nicht erlauben, mit der Letzten Schlacht oder dem Wiedergeborenen Drachen zu würfeln.«

Nicola und Nissa warteten noch immer in Egwenes Arbeitszimmer. »Das habt Ihr gut gemacht«, sagte Egwene. »Sogar sehr gut. Tatsächlich denke ich darüber nach, Euch mehr Verantwortung zu geben. Begebt Euch zum Reisegelände und geht nach Caemlyn – die Königin erwartet Euch. Kehrt mit den Gegenständen zurück, die sie Euch überreicht.«

»Ja, Mutter«, sagte Nicola grinsend. »Was wird sie uns denn geben?«

»Ter’angreale«, erwiderte Egwene. »Die man dazu benutzt, die Welt der Träume zu besuchen. Ich werde Euch und ein paar andere in ihrer Anwendung unterrichten. Aber benutzt sie nicht ohne meine ausdrückliche Erlaubnis. Ich werde Euch ein paar Soldaten mitgeben.« Das sollte ausreichen, damit die beiden keinen Unsinn anstellten.

Die Aufgenommenen machten einen Knicks und eilten aufgeregt fort. Silviana sah Egwene an. »Ihr habt sie nicht zum Stillschweigen verschworen. Sie sind Aufgenommene, und sie werden mit der Ausbildung an den Ter’angrealen angeben.«

»Ich verlasse mich darauf«, sagte Egwene und ging zu ihrer Tür.

Silviana hob eine Braue.

»Ich habe nicht die Absicht, dass die Mädchen sich einen Schaden zufügen«, sagte Egwene. »Tatsächlich werden sie viel weniger in TeTaran’rhiod machen, als sie meinen Worten vermutlich entnommen haben. Bis jetzt war Rosil sehr nachsichtig mit mir, aber sie würde niemals zulassen, dass ich Aufgenommene in Gefahr bringe. Das soll nur die entsprechenden Gerüchte in Umlauf bringen.«

»Was für Gerüchte?«

»Gawyn hat den Attentäter verscheucht. Es hat seit Tagen keinen Mord mehr gegeben, und dafür sollten wir ihn wohl segnen. Aber der Mörder verbirgt sich noch immer, und mir ist nicht entgangen, dass ich in Tel’aran’rhiod von Schwarzen Schwestern beobachtet werde. Wenn ich sie hier nicht stellen kann, dann fange ich sie eben dort. Aber zuerst muss ich eine Möglichkeit finden, sie glauben zu machen, dass sie wissen, wo sie uns antreffen können.«

»Solange sie Euch finden sollen und nicht diese Mädchen«, sagte Silviana mit ruhiger, aber eisenharter Stimme. Sie war die Oberin der Novizinnen gewesen.

Egwene verzog das Gesicht, weil sie an die Dinge denken musste, die man von ihr als Aufgenommene erwartet hatte. Ja, Silviana hatte recht. Sie würde aufpassen müssen, Nicola und Nissa nicht ähnlichen Gefahren auszusetzen. Sie hatte überlebt und war darum stärker, aber man sollte keine Aufgenommenen derartigen Prüfungen unterwerfen, falls man eine andere Wahl hatte.

»Ich sehe mich vor«, sagte sie. »Ich brauche sie einfach, um das Gerücht zu verbreiten, dass ein für mich sehr wichtiges Zusammentreffen bevorsteht. Falls ich dafür die richtige Grundlage schaffe, wird unser Phantom nicht der Versuchung widerstehen können, es zu belauschen.«

»Kühn.«

»Von entscheidender Bedeutung«, erwiderte Egwene. Sie zögerte, die Hand auf der Türklinke. »Apropos Gawyn. Habt Ihr herausfinden können, wo er sich in der Stadt verkrochen hat?«

»Tatsächlich habe ich heute eine Nachricht bekommen, Mutter, was das angeht. Anscheinend ist er … nun, er ist nicht in der Stadt. Eine der Schwestern, die der Königin von Andor Eure Botschaften überbrachte, hat ihn dort gesehen.«

Egwene stöhnte und schloss die Augen. Dieser Mann wird noch mein Tod sein. »Befehlt ihm, er soll zurückkehren. So sehr er einen auch aufregen kann, werde ich ihn in den nächsten Tagen doch brauchen.«

»Ja, Mutter«, sagte Silviana und nahm sich ein Blatt Papier.

Egwene betrat ihr Arbeitszimmer, um weiter an ihrer Korrespondenz zu arbeiten. Ihre Zeit war knapp. Ihre Zeit war so schrecklich knapp.

28

Seltsame Begebenheiten

Was willst du tun, mein Gemahl?«, fragte Faile. Sie waren nach den Verhandlungen mit den Weißmänteln in ihr Zelt zurückgekehrt. Perrins Vorgehensweise hatte sie überrascht – was ihre Zuversicht stärkte, aber auch beunruhigend war.

Er zog den Mantel aus. »Ich rieche etwas Seltsames im Wind, Faile. Etwas, das ich noch nie zuvor gerochen habe.« Er zögerte, sah sie an. »Es sind keine Wölfe da.« »Keine Wölfe?«

»Ich kann keine in der Nähe fühlen«, sagte Perrin mit entrücktem Blick. »Es waren welche da. Jetzt sind sie weg.«

Er zog das Hemd aus und enthüllte eine muskulöse Brust mit braunen Haaren. »Heute gab es viel zu wenig Vögel, zu wenig Geschöpfe im Unterholz. Das Licht soll diesen Himmel verbrennen. Ist er daran schuld, oder ist es etwas anderes?« Er seufzte und setzte sich auf ihre Schlafpritsche.

»Du gehst… dorthin!«, fragte Faile.

»Etwas stimmt nicht«, wiederholte er. »Ich muss vor der Gerichtsverhandlung so viel erfahren, wie ich kann. Im Wolfstraum könnten Antworten sein.«

Die Gerichtsverhandlung. »Perrin, mir gefällt die Idee nicht.«

»Du bist wütend wegen Maighdin.«

»Natürlich bin ich wütend wegen Maighdin«, sagte sie. Sie hatten zusammen Maiden durchgemacht, und die Frau hatte ihr nicht erzählt, dass sie die Königin des verdammten Andor war? Es ließ sie wie eine Idiotin aussehen – wie eine Angeberin aus einer kleinen Stadt, die vor einem durchreisenden Schwertmeister ihre Fertigkeiten mit der Klinge anpries.

»Sie wusste nicht, ob sie uns vertrauen konnte«, sagte Perrin. »Anscheinend floh sie vor einem der Verlorenen. Ich hätte mich auch versteckt.«

Faile starrte ihn finster an.

»Sieh mich nicht so an«, sagte er. »Sie hat es doch nicht getan, um dich schlecht aussehen zu lassen. Sie hatte ihre Gründe. Denk einfach nicht mehr daran.«

Das ließ sie sich ein bisschen besser fühlen; es war so schön, dass er jetzt für sich selbst eintrat. »Nun, ich frage mich allerdings, wer Lini sein wird. Eine seanchanische Königin? Meister Gill ist der untergetauchte König von Arad Doman?«

Perrin lächelte. »Sie sind bestimmt ihre Diener. Zumindest Gill ist der, der er zu sein vorgibt. Balwer hat vermutlich gerade einen Anfall, weil ihm das entgangen ist.«

»Ich wette, er hat es herausgefunden«, sagte sie und kniete neben ihm nieder. »Perrin, ich meinte das mit der Gerichtsverhandlung ernst. Ich mache mir Sorgen.« , »Ich lasse nicht zu, dass man mich gefangen nimmt«, sagte er. »Ich habe nur gesagt, dass ich einer Verhandlung beiwohne und ihnen Gelegenheit gebe, ihre Beweise zu präsentieren.«

»Und was soll das für einen Sinn haben?«

»Ich habe dadurch mehr Zeit zum Nachdenken«, sagte er, »und es könnte dafür sorgen, dass ich sie nicht töten muss. Ihr Hauptmann, Damodred – etwas an ihm riecht besser als bei vielen der anderen. Er wird nicht von Zorn oder Hass zerfressen. So bekommen wir unsere Leute zurück, und ich kann meine Sichtweise darlegen. Es tut einem Mann gut, seinen Standpunkt darzulegen. Vielleicht brauchte ich die ganze Zeit genau das.«