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Tief in seinem Inneren lauerte etwas, eine Erschöpfung. Die konnte er ignorieren. Er setzte sich auf, atmete ein und aus, dann sah er Antail an. »Also das ist ein nützliches Gewebe, mein Sohn. Ihr hättet mir sagen sollen, dass Ihr dazu imstande seid!«

»Es ist gefährlich«, wiederholte Antail. »Viel gefährlicher als die Version der Frauen, wie man mir sagte. In mancherlei Hinsicht effektiver. Ihr tauscht jetzige Aufmerksamkeit gegen eine größere Erschöpfung später.«

»Später sitzen wir nicht mitten in einer Stadt, die den Trollocs zum Opfer fällt. Zumindest nicht, wenn es das Licht will. Deepe?«

»Ich habe mich zuerst um ihn gekümmert.« Antail zeigte auf den Asha’man, der mit angesengter Kleidung und blutverschmiertem Gesicht auf einer Pritsche in der Nähe lag. Sein rechtes Bein endete in einem geheilten Stumpf, und er schien ruhig zu atmen, auch wenn er bewusstlos war.

»Connel!«, rief Ituralde.

»Mein Lord«, sagte der Soldat und trat vor. Er hatte eine Abteilung Soldaten mitgebracht, die als persönliche Leibwache dienten.

»Wir wollen uns diesen Schlamassel ansehen«, sagte Ituralde. Er rannte aus dem Zelt und schlug die Richtung zum Cordamorapalast ein. In der Stadt herrschte Chaos, Gruppen aus Saldaeanern und Domani eilten umher. Connel bewies Voraussicht und schickte einen Boten los, der Yoeli finden sollte.

Der Palast stand direkt in der Nähe des vorderen Stadttors. Die Explosion hatte seine Fassade beschädigt, aber das Gebäude sah noch immer stabil aus. Ituralde hatte es als Kommandoposten bestimmt. Die Männer würden erwarten, ihn hier zu finden. Sie rannten hinein. Connel trug Ituraldes Schwert – irgendwann war der Gürtel zerschnitten worden. Sie stiegen in die zweite Etage, dann rannten sie auf einen Balkon, der auf die von der Explosion verwüstete Gegend hinausschaute.

Es war, wie Ituralde befürchtet hatte: die Stadt war verloren. Die Bresche in der Mauer wurde von einem hastig zusammengezogenen Kommando verteidigt. Ein ständig wachsender Strom Trollocs schleuderte Flöße in den Graben, einige eilten bereits vorwärts, gefolgt von Blassen. Desorientierte Männer rannten durch die Straßen.

Hätte er mehr Zeit zur Vorbereitung gehabt, hätte er standhalten können, genau wie er Deepe gesagt hatte. Das war vorbei. Beim Licht, diese Verteidigung ist eine Katastrophe nach der anderen gewesen.

»Sammelt die Asha’man«, befahl Ituralde. »Und jeden meiner Offiziere, die Ihr finden könnt. Wir organisieren einen Rückzug durch Wegetore für die Männer.«

»Ja, mein Lord«, erwiderte Connel.

»Ituralde, nein!« Yoeli stürmte mit völlig verdreckter und zerrissener Uniform auf den Balkon.

»Ihr habt überlebt«, sagte Ituralde erleichtert. »Ausgezeichnet. Eure Stadt ist verloren. Es tut mir leid. Holt Eure Männer, und wir können zusammen …«

» Seht!«, sagte Yoeli, zog Ituralde zur Seite des Balkons und zeigte nach Osten. In der Ferne stieg eine dichte Rauchsäule in die Höhe. Ein Dorf, das die Trollocs verbrannt hatten?

»Das Wachfeuer«, fuhr Yoeli fort. »Meine Schwester hat Hilfe kommen sehen! Wir müssen bis zu ihrem Eintreffen durchhalten!«

Ituralde zögerte. »Yoeli«, sagte er leise, »wenn da eine Streitmacht kommt, dann kann sie nicht groß genug sein, um diese Horde aufzuhalten. Immer vorausgesetzt, es ist keine List. Das Schattengezücht erwies sich auch schon in der Vergangenheit als durchtrieben.«

»Gebt uns ein paar Stunden«, sagte Yoeli. »Haltet die Stadt mit mir und schickt Späher durch Eure sogenannten Wegetore, um zu sehen, ob da wirklich Truppen kommen.«

»Ein paar Stunden? Mit einer Bresche in Eurer Mauer? Wir sind in der Unterzahl, Yoeli.«

»Bitte«, flehte Yoeli. »Seid Ihr nicht einer der Großen Hauptmänner? Zeigt mir, was dieser Titel bedeutet, Lord Rodel Ituralde.«

Ituralde drehte sich um und wandte sich wieder der zerborstenen Mauer zu. Hinter ihm versammelten sich seine Offiziere in dem Zimmer. Die Reihe an der Mauer löste sich langsam auf. Sie würde nicht mehr lange halten.

Zeigt mir, was das bedeutet.

Vielleicht…

»Tymoth, seid Ihr da?«, bellte Ituralde.

Ein rothaariger Mann im schwarzen Mantel trat auf den Balkon. Nachdem Deepe nun ausgefallen war, hatte er den Befehl über die Asha’man. »Zur Stelle, Lord Ituralde.«

»Sammelt Eure Männer«, sagte Ituralde drängend. »Übernehmt diese Bresche und lasst die Soldaten dort den Rückzug antreten. Ich will, dass die Asha’man den Abschnitt halten. Ich brauche eine halbe Stunde. Ich will, dass Ihr Trollocs mit Eurer ganzen Kraft trefft, mit allem, was Ihr habt. Habt Ihr mich verstanden? Alles, was Ihr habt! Wenn Ihr danach noch eine Kerze mit der Macht anzünden könnt, hole ich mir Eure Haut.«

»Herr«, sagte der Asha’man. »Unser Rückzug?«

»Lasst Antail im Heilungszelt. Er kann ein Wegetor erschaffen, durch das die Asha’man fliehen können. Aber jeder andere, haltet diese Bresche!«

Tymoth eilte los. »Yoeli, Eure Aufgabe besteht darin, Eure Streitkräfte zu sammeln und sie davon abzuhalten, durch die Stadt zu rennen, als wäre …« Ituralde hielt inne. »Als wäre es das verdammte Tarmon Gai’don«, hatte er sagen wollen. Verflucht! »… als wäre kein Verantwortlicher da. Wenn wir die Stadt halten wollen, dann müssen wir organisiert und diszipliniert sein. In zehn Minuten brauche ich vier Kavalleriekompanien ordentlich formiert auf dem Hof. Gebt die Befehle.«

»Ja, mein Lord«, sagte Yoeli und wandte sich zum Gehen.

»Ach ja.« Ituralde drehte sich um. »Ich brauche ein paar Wagenladungen Feuerholz, so viele Fässer Öl, wie Ihr auftreiben könnt, und sämtliche Verwundeten aus beiden Heeren, die noch laufen können, aber Arme oder Gesicht verletzt haben. Und schafft mir jeden in der Stadt herbei, der jemals einen Bogen in der Hand hielt. Geht!«

Beinahe eine Stunde später stand Ituralde mit auf dem Rücken verschränkten Händen da und wartete. Er hatte den Balkon verlassen und schaute aus einem Fenster, damit er die Deckung nicht verließ. Aber er hatte noch immer einen guten Blick auf die Schlacht.

Draußen vor dem Palast gab die Reihe der Asha’man schließlich nach. Sie hatten ihm fast eine Stunde Zeit verschafft und in einer eindrucksvollen Zurschaustellung der Macht eine Welle Trollocs nach der anderen zurückgeschlagen. Glücklicherweise waren die feindlichen Machtlenker nicht aufgetaucht. Hoffentlich waren sie nach dem Beweis ihrer Macht erschöpft.

Mit der bedrückenden Wolkendecke am Himmel und den Massen von Gestalten, die die Hügel jenseits der Stadt verfinsterten, fühlte es sich wie die Abenddämmerung an. Glücklicherweise brachten die Trollocs weder Sturmleitern noch Belagerungstürme mit. Nur eine Welle nach der anderen, die von Myrddraals zum Angriff aufgehetzt gegen die Bresche anstürmten.

Ein paar der in schwarze Mäntel gekleideten Männer hinkten bereits erschöpft von der Bresche fort. Der Rest schleuderte einen letzten Schwall Feuer und explodierende Erde, dann folgten sie ihren Gefährten. Wie befohlen ließen sie die Lücke völlig unverteidigt.

Kommt schon, dachte Ituralde, als sich der Rauch auflöste.

Die Trollocs spähten durch den Qualm und kletterten über die Kadaver ihrer von den Asha’man getöteten Artgenossen. Das Schattengezücht bewegte sich auf Hufen und dicken Tatzen. Manche schnüffelten.

Die Straßen hinter der Bresche war mit sorgfältig platzierten Männern gefüllt, die blutig und verwundet waren. Sie fingen an zu schreien, als die Trollocs kamen, ergriffen wie befohlen die Flucht. Vermutlich war nichts von ihrer Furcht vorgetäuscht. Die Szene sah jetzt noch viel schrecklicher aus, da viele der umstehenden Gebäude wie durch die Explosion beschädigt qualmten; Dächer brannten, Rauch strömte aus den Fenstern. Die Trollocs würden nicht wissen, dass die Schieferdächer so gebaut waren, dass sie nicht brennen konnten, und Gesetze verhinderten, dass Häuser zu viel Holz enthielten.