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Die Sonne sank dem Horizont entgegen, aber vermutlich würde es für viele von ihnen eine lange Nacht werden, da sie sich um die Verletzten kümmern mussten. Tausende waren verwundet worden, auch wenn die meisten Verletzungen – glücklicherweise – nicht gravierend waren. Sie hatten ein paar Menschen verloren. Zu viele, vielleicht genauso viele, wie den Schlangenbissen zum Opfer gefallen waren.

Perrin grunzte. Gaul selbst trug einen Arm in der Schlinge; er hatte seine Speere abgewehrt, nur um beinahe von einem seiner Pfeile getötet zu werden. Er hatte ihn mit dem Unterarm blockiert. Als Perrin gefragt hatte, hatte er gelacht und gesagt, dass es Jahre her sei, seit er das letzte Mal mit seinem eigenen Pfeil auf sich geschossen hatte. Aielhumor.

»Haben sich die Weißmäntel gemeldet?«, fragte Perrin und wandte sich an Aravine, die an seiner anderen Seite ging.

»Ja«, antwortete sie. »Aber sie teilten nichts Genaues mit. Ihr Kommandant sagte, er würde darüber ›nachdenken‹ uns mehr Zeit zu geben.«

»Nun, er wird es nicht entscheiden«, sagte Perrin und betrat den Lagerabschnitt der Mayener, um nach Berelains Leuten zu sehen. »Ich riskiere keine Schlacht, wenn ein Viertel meiner Männer verwundet und meine Asha’man völlig vom Heilen erschöpft sind. Wir gehen zu dieser Verhandlung, wenn ich es sage, und wenn das Damodred nicht passt, kann er uns ja angreifen.«

Gaul grunzte zustimmend. Er trug seine Speere, aber Perrin entging nicht, dass sie fester als gewöhnlich verschnürt waren. Aravine trug eine Laterne, obwohl sie sie bis jetzt noch nicht hatten anzünden müssen. Auch sie rechnete mit einer langen Nacht.

»Lasst mich wissen, wenn Tarn und Elyas wieder da sind«, sagte er zu Gaul. Er hatte sie einzeln losgeschickt, um die Dörfer in der Nähe zu besuchen und sich zu vergewissern, dass ihre Bewohner – die, die sich nicht den vorbeimarschierenden Heeren angeschlossen hatten – nicht unter der Blase des Bösen gelitten hatten.

Berelain hatte sich wieder unter Kontrolle; ihre Hand war verbunden. Sie erstattete ihm in ihrem Zelt selbst Bericht, meldete, wie viele ihrer Soldaten verletzt worden waren, und nannte die Namen der Männer, die sie verloren hatten. In ihrem Lager waren es nur sechs.

Perrin gähnte, als er das Zelt verließ, und schickte Aravine los, um nach den Aes Sedai zu sehen. Gaul war schon gegangen, um beim Transport von Verwundeten zu helfen, und so war Perrin allein, als er den Pfad zu Alliandres Lagersektion betrat.

Sein Hammer hatte nicht versucht, ihn umzubringen. Soweit er wusste, war das die einzige Waffe gewesen, die nicht auf die Blase des Bösen reagiert hatte. Was hat das zu bedeuten?

Er schüttelte den Kopf, dann zögerte er und blieb nachdenklich stehen, als er hörte, wie jemand hinter ihm herlief. Tams Geruch wehte ihm entgegen, und er drehte sich zu dem stämmigen Mann um.

»Perrin, mein Sohn«, sagte Tarn atemlos vom Laufen. »Gerade ist etwas Ungewöhnliches passiert.«

»Die Blase des Bösen hat das Dorf getroffen?«, fragte Perrin alarmiert. »Gab es Verletzte?«

»O nein«, sagte Tarn. »Das nicht. Im Dorf war alles in Ordnung. Sie haben nicht einmal bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Es geht um etwas anderes.« Tarn roch seltsam. Nachdenklich, besorgt.

Perrin runzelte die Stirn. »Was? Was ist passiert?«

»Ich … nun, ich muss gehen, mein Sohn«, sagte Tarn. »Ich muss das Lager verlassen. Ich weiß nicht, wann ich zurück bin.«

»Ist das…«

»Es hat nichts mit den Weißmänteln zu tun«, sagte Tarn. »Ich darf nicht viel sagen. Aber es geht um Rand.«

Die Farben wirbelten. Rand schritt durch die Korridore des Steins von Tear. Seine Miene war finster. Gefährlich.

»Perrin. Ich glaube, das ist etwas, das ich tun muss. Es hat mit den Aes Sedai zu tun, und ich muss dich jetzt verlassen. Ich kann nicht mehr sagen. Sie haben es mich schwören lassen.«

Perrin schaute Tarn in die Augen und entdeckte dort Ehrlichkeit. Er nickte. »Also gut. Brauchst du Hilfe? Jemanden, der dich begleitet, wo auch immer du hingehst?«

»Ich komme zurecht«, sagte Tarn. Er roch verlegen. Was ging da nur vor? »Ich versuche, dir Hilfe zu besorgen, mein Sohn.« Er legte Perrin eine Hand auf die Schulter. »Das hier hast du gut gemacht. Ich bin stolz auf dich, und dein Vater wäre es auch. Mach weiter so. Ich sehe dich bei der Letzten Schlacht wieder, vielleicht auch früher.«

Perrin nickte. Tarn eilte zu seinem Zelt, vielleicht um zu packen.

Majestätisch auszusehen fiel schwer, wenn man auf einer Krankentrage auf Caemlyns Stadtmauer herumgetragen wurde, aber Elayne tat ihr Bestes. Manchmal war es wichtiger, das zu bekommen, was man wollte, als majestätisch auszusehen.

Bettruhe! Für eine Königin! Um Melfane nicht ständig im Nacken sitzen zu haben, hatte sie geschworen, nicht herumzulaufen. Aber sie hatte nichts davon gesagt, in ihrem Schlafzimmer zu bleiben.

Vier Gardisten trugen die Trage auf ihren Schultern. Elayne saß sicher zwischen Armlehnen. Sie trug ein blutrotes Gewand, hatte das Haar sorgfältig gebürstet und die Rosenkrone von Andor aufgesetzt.

Der Tag war schwül, das Wetter war warm geworden, obwohl der Himmel noch immer von Wolken verfinstert wurde. Sie gönnte sich einen Moment, um sich schuldig zu fühlen, weil sie den armen Männern befohlen hatte, sie in ihren Ausgehuniformen durch diese frühsommerliche Hitze zu schleppen. Aber diese Männer würden in ihrem Namen in die Schlacht reiten; sie konnten warmes Wetter ertragen. Davon abgesehen, wie oft bekamen die Gardisten wohl die Ehre, ihre Königin tragen zu können?

Birgitte ging neben dem Bett her, und der Bund verriet, dass sie sich amüsierte. Elayne hatte befürchtet, sie würde diesen Ausflug verhindern wollen, aber stattdessen hatte sie gelacht! Birgitte musste zu dem Schluss gekommen sein, dass die Aktivitäten dieses Tages kein Risiko für Elayne oder ihre Kinder darstellten – auch wenn sie Melfane sicherlich aufregen würden. Für die Behüterin bedeutete das die Gelegenheit, erleben zu können, wie Elayne durch die Stadt getragen wurde und albern aussah.

Elayne zuckte innerlich zusammen. Was würden wohl die Leute sagen? Die Königin auf einer Trage, die man zur äußeren Stadtmauer brachte? Nun, sie würde sich nicht von Gerüchten davon abhalten lassen, dem Test persönlich beizuwohnen, genauso wenig, wie sie sich von einer tyrannischen Hebamme herumkommandieren lassen würde.

Sie hatte einen erstaunlichen Ausblick von der Mauer. Zu ihrer Linken lagen die Felder, die nach Aringill führten; zu ihrer Rechten brodelte die Stadt vor Leben. Auch diese Felder waren braun. Berichte aus dem Reich waren schrecklich. Neun Felder von zehn waren verdorrt.

Elaynes Träger brachten sie zu einem der Türme an der Stadtmauer, dann gab es eine Verzögerung, als ihnen klar wurde, dass die Stangen der Trage zu lang waren, um durch das Treppenhaus im Turm zu kommen; die Demonstration sollte oben auf seiner Spitze stattfinden. Glücklicherweise gab es für solche Situationen Griffe. Sie entfernten die Stangen, nahmen die Griffe und gingen weiter.

Während man sie nach oben schleppte, lenkte sie sich mit dem Gedanken an Cairhien ab. Alle dortigen Adelshäuser behaupteten, es gar nicht abwarten zu können, dass sie kam und sich den Thron nahm, doch niemand bot ihr mehr als ein Lippenbekenntnis, wenn es um Unterstützung ging. Daes Dae’mar war in vollem Gange, und die Rangelei um die beste Ausgangsposition für Elaynes Thronbesteigung – oder ihr Scheitern – hatte in dem Moment angefangen, in dem Rand seine Absicht erwähnt hatte, ihr diese Nation zu überlassen.

In Cairhien bliesen stets hundert verschiedene politische Winde in hundert verschiedene Richtungen. Sie hatte nicht die nötige Zeit, um sämtliche verschiedene Fraktionen kennenzulernen, bevor sie sich auf den Thron setzte. Davon abgesehen, betrachtete man sie als Mitspielerin im großen Spiel, würde man sie als jemanden betrachten, den man besiegen konnte. Sie musste eine Möglichkeit finden, den Sonnenthron zu ergreifen, ohne sich zu sehr in die örtliche Politik der Adelshäuser einzumischen.