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»Ich weiß.« Perrin spuckte Wasser aus. Er biss die Zähne zusammen, dann stellte er sich vor, wie Springer auf den Wellen zu stehen. Gesegneterweise stieg er aus dem See, um auf seiner Oberfläche zu stehen. Es war ein seltsames Gefühl, wie sich das Wasser unter ihm bewegte.

So wirst du den Schlächter nicht besiegen können.

»Dann werde ich noch mehr lernen.«

Es ist wenig Zeit.

»Ich lerne schneller.«

Schaffst du das?

»Uns bleibt keine andere Wahl.«

Du könntest dich entscheiden, nicht gegen ihn zu kämpfen.

Perrin schüttelte den Kopf. »Rennen wir vor unserer Beute weg? Sollten wir das tun, wird sie stattdessen uns jagen. Ich stelle mich ihm, und ich muss vorbereitet sein.«

Da gibt es eine Möglichkeit. Der Wolf roch besorgt.

»Ich werde tun, was ich tun muss.«

Folge mir. Springer verschwand, und Perrin bekam einen unerwarteten Geruch mit: Müll und Schlamm, brennendes Holz. Menschen.

Perrin versetzte sich und fand sich auf einem Gebäude in Caemlyn wieder. Er hatte diese Stadt nur einmal besucht, und das auch nur kurz, und die wunderschöne Innenstadt vor sich zu sehen – uralte Gebäude, Kuppeln und Türme, die sich wie die majestätischen Bäume auf einer Bergspitze erhoben -, ließ ihn innehalten. Er befand sich in der Nähe der alten Stadtmauer, hinter der sich die Neustadt erstreckte.

Springer saß neben ihm und schaute auf die wunderschöne Stadt hinaus. Ein großer Teil davon war angeblich von Ogiern erbaut worden, und bei diesem grandiosen Panorama glaubte Perrin das sofort. Tar Valon sollte angeblich noch prächtiger als Caemlyn sein. Perrin konnte sich kaum vorstellen, dass so etwas überhaupt möglich war.

»Warum sind wir hier?«, fragte er.

Hier träumen Menschen, erwiderte Springer.

Das taten sie, aber in der richtigen Welt. Hier war der Ort leer. Trotz des stürmischen Himmels war es hell genug, um Tag zu sein, und Perrin war der Ansicht, dass die Straßen von Menschen bevölkert hätten sein müssen. Frauen, die auf den Markt einkaufen gingen. Adlige auf Pferden. Wagen, die Alefässer und Kornsäcke transportierten. Umherlaufende Kinder und nach Opfern suchende Taschendiebe, Arbeiter, die Pflastersteine ersetzten, und geschäftige Straßenhändler, die ihre Pasteten feilboten.

Stattdessen gab es Hinweise. Schatten. Ein auf der Straße liegendes Taschentuch. Türen, die im einen Augenblick offen und im nächsten geschlossen waren. Ein abgefallenes Hufeisen, das im Schlamm einer Gasse steckte. Es war, als hätte man sämtliche Menschen verschwinden lassen, geholt von den Blassen oder irgendeinem Ungeheuer aus der finsteren Geschichte eines Gauklers.

Unten erschien kurz eine Frau. Sie trug ein wunderschönes grünes und goldenes Kleid. Mit gläsernem Blick starrte sie auf die Straße und war wieder verschwunden. Gelegentlich erschienen Menschen im Wolfstraum. Perrin vermutete, dass das geschah, wenn sie schliefen, als Teil ihrer natürlichen Träume.

Dieser Ort ist nicht nur ein Ort der Wölfe. Er ist ein Ort für alle.

»Für alle?« Perrin setzte sich auf die Dachschindeln. Alle Seelen kennen diesen Ort. Sie kommen her, wenn sie danach greifen.

»Also wenn sie träumen.«

ja. Springer legte sich neben ihn. Die Angstträume der Menschen sind stark. So stark. Manchmal kommen diese schrecklichen Träume her. Die übermittelte Botschaft bestand aus einem gewaltigen Wolf von der Größe eines Hauses, der viel kleinere Wölfe zur Seite stieß, die nach ihm schnappen wollten. Den Wolf umgab ein Geruch von Schrecken und Tod. Wie … ein Albtraum. Perrin nickte langsam.

Viele Wölfe haben sich in den Schmerzen dieser Angstträume verfangen. Sie erscheinen öfter, wo sich die Menschen bewegen, obwohl die Träume ohne ihre Schöpfer leben.

Springer sah Perrin an. In den Angstträumen zu jagen wird dir Stärke beibringen. Aber du könntest sterben. Es ist sehr gefährlich.

»Ich habe für sichere Dinge keine Zeit mehr übrig«, erwiderte Perrin. »Lass es uns tun.«

Springer fragte nicht, ob er sich sicher war. Er sprang hinunter auf die Straße, und Perrin folgte ihm und landete weich. Der Wolf trabte los, also lief Perrin ihm hinterher.

»Wie finden wir sie?«

Riech die Furcht. Entsetzen.

Perrin schloss die Augen und atmete tief ein. Genau wie sich im Wolfstraum Türen blitzschnell öffneten und schlossen, konnte er hier manchmal Dinge riechen, die nur für einen Moment existierten. Modrige Winterkartoffeln. Der Mist eines vorbeilaufenden Pferdes. Ein Kuchen im Backofen.

Als er die Augen öffnete, sah er nichts dergleichen. Diese Dinge waren nicht wirklich da, aber sie waren beinahe da. Sie hätten sein können.

Da, sagte Springer und verschwand. Perrin folgte ihm und erschien neben dem Wolf vor einer kleinen Gasse. Die Dunkelheit darin sah zu finster aus, um natürlich zu sein.

Geh rein. Das erste Mal wirst du nicht lange durchhalten. Ich komme dich holen. Denk daran, dass es nicht ist. Denk daran, dass es falsch ist.

Erfüllt von einer gewissen Sorge, aber dennoch entschlossen betrat Perrin die Gasse. Die Wände zu beiden Seiten waren schwarz, als hätte man sie so gestrichen. Aber… diese Wände waren zu dunkel für jede Farbe. War das ein Grasbüschel unter seinem Fuß? Der Himmel über seinem Kopf hatte aufgehört zu brodeln, und er glaubte Sterne sehen zu können. Ein blasser, viel zu großer Mond erschien am Himmel, von Wolken verhüllt. Er gab ein kaltes Glühen von sich, so wie Eis.

Perrin befand sich nicht mehr in der Stadt. Alarmiert drehte er sich um und stand mitten in einem Wald. Die Bäume hatten mächtige Stämme, und er kannte ihrer Sorte nicht. Die Äste waren kahl. Die Rinde war von einem leichten Grau, das von dem Phantomlicht in der Höhe angestrahlt wurde, und sah wie Knochen aus.

Er musste zurück in die Stadt! Fort von diesem schrecklichen Ort. Er drehte sich um.

In der Nacht blitzte etwas auf, und er fuhr auf dem Absatz herum. »Wer ist da!«, rief er.

Eine Frau brach aus der Dunkelheit hervor und rannte wie eine Besessene. Sie trug ein locker sitzendes weißes Gewand, kaum dicker als ein Unterhemd, und ihr langes schwarzes Haar wehte hinter ihr her. Sie erblickte ihn und erstarrte, dann drehte sie sich um und wollte anscheinend die Richtung wechseln.

Perrin schnitt ihr den Weg ab, ergriff ihre Hand und zog sie zurück. Sie wehrte sich, und ihre Füße gruben tiefe Abdrücke in den lehmigen dunklen Untergrund, als sie sich losreißen wollte. Keuchend schnappte sie nach Luft. Ein und aus. Ein und aus. Sie roch nach Verzweiflung.

»Ich muss den Weg hier heraus erfahren!«, sagte Perrin. »Wir müssen in die Stadt zurück.«

Sie erwiderte seinen Blick. »Er kommt«, zischte sie. Ihre Hand entglitt seinem Griff, und sie rannte los, verschwand in der Nacht; die Dunkelheit hüllte sie ein wie ein Leichentuch. Perrin tat mit ausgestreckter Hand einen Schritt nach vorn.

Ein Geräusch ertönte hinter ihm. Langsam drehte er sich um und sah sich etwas Gewaltigem gegenüber. Ein Schatten, der das Mondlicht verschlang. Das Ding schien jeden Atemzug aufzusaugen, schien sein Leben und seine Willenskraft zu absorbieren.

Das Ding ragte noch weiter in die Höhe. Es war größer als die Bäume, ein schwerfälliges Ungeheuer mit Armen so dick wie Fässer, dessen Antlitz und Körper sich im Schatten verloren. Es öffnete dunkelrote Augen, zwei gewaltigen Scheiten gleich, die aufflammten.

Ich muss es bekämpfen!, dachte Perrin, und der Hammer erschien in seiner Hand. Er machte einen Schritt nach vorn, dann überlegte er es sich noch einmal. Beim Licht! Das Ding war gewaltig. Er konnte nicht dagegen kämpfen, nicht so. Er brauchte Deckung.