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Die Laterne entglitt Talmanes und spritzte Öl über die Hauswand. Das trockene Holz fing sofort Feuer, Flammen tanzten das Lampenöl entlang, beleuchteten den Gholam. Er sprang auf Talmanes zu. Mat warf den Ashandarei.

Der Speer mit der breiten Klinge war nicht zum Werfen gemacht, aber er hatte kein Messer zur Hand. Er zielte auf den Kopf des Gholam. Aber das hätte nie jemand erahnt, denn er verfehlte sein Ziel kläglich. Glücklicherweise flog die Waffe zwischen die Beine des Gholam.

Das Ungeheuer stolperte und krachte schwer auf das Kopfsteinpflaster. Talmanes eilte weiter die Stufen zu dem mittlerweile hell lodernden Haus hinauf.

Gesegnet sei mein Glück, dachte Mat.

Der Gholam erhob sich und machte Anstalten, Talmanes weiter zu verfolgen, aber dann fiel sein Blick auf das, was ihn zu Fall gebracht hatte. Die Kreatur warf Mat ein durchtriebenes Grinsen zu; das halbe Gesicht wurde in das Licht des brennenden Gebäudes getaucht. Sie hob den Ashandarei auf – an den noch immer das Fuchskopf-Medaillon festgebunden war -, dann schleuderte sie die Waffe mit einem mächtigen Schwung weg. Der Speer krachte durch ein Fenster in das brennende Haus hinein.

Drinnen flammten Lampen auf, als würden die Bewohner erst jetzt den in ihrer Nähe tobenden Kampf bemerken. Talmanes schaute zu Mat, und ihre Blicke trafen sich. Der Cairhiener warf sich gegen die Haustür des brennenden Gebäudes und verschwand darin. Der Gholam wandte sich Mat zu, von hinten von den sich ausbreitenden Flammen beleuchtet. Mats Herz pochte alarmiert, als die Kreatur unnatürlich schnell auf ihn zukam.

Mit schweißfeuchten Fingern griff er in die Manteltaschen. Bevor ihn der Gholam erreichte – seine Hände schnellten auf Mats Hals zu -, zog er etwas hervor und klatschte es gegen die Handflächen der Kreatur. Es zischte laut, als läge Fleisch auf einem Grill, und der Gholam kreischte schmerzerfüllt auf. Er stolperte zurück und starrte Mat mit weit aufgerissenen Augen an.

Der in jeder Hand ein Fuchskopf-Medaillon hielt.

Er ließ sie vorwärts schnellen und an den langen dicken Ketten umherwirbeln, an denen sie befestigt waren. Die Medaillons schienen im Feuerschein zu glühen, als Mat zuschlug und den Arm des Ungeheuers traf.

Aufheulend wich die Kreatur einen weiteren Schritt zurück. »Wie?«, verlangte sie zu wissen. »Wie?«

»Das weiß ich selbst nicht genau.« Elayne hatte behauptet, ihre Kopien seien nicht perfekt, aber sie schienen ihre Aufgabe gut zu erfüllen. Solange sie den Gholam verletzten, waren ihm ihre weiteren Fähigkeiten egal. Mat grinste und wirbelte das zweite Medaillon nach vorn. »Schätze, ich habe eben Glück gehabt.«

Der Gholam starrte ihn böse an, dann stolperte er die Stufen des brennenden Hauses hinauf. Er stürmte hinein und wollte vermutlich fliehen. Aber Mat würde ihn nicht entkommen lassen, dieses Mal nicht. Er eilte die Stufen hinauf und duckte sich durch den brennenden Eingang, streckte die Hand aus, damit ihm Talmanes aus einem Seitenkorridor den Ashandarei zuwerfen konnte.

Mat fing die Waffe auf und ließ die Medaillons um die Unterarme gewickelt. Der Gholam fuhr zu ihm herum; der Korridor stand bereits in Flammen, und die Hitze von den Seiten und dem Obergeschoss war erstickend. An der Decke sammelte sich Rauch. Talmanes hustete, ein Taschentuch vor das Gesicht gedrückt.

Knurrend wandte sich der Gholam Mat zu und griff an. Mat stellte sich der Bestie in der Mitte des breiten Korridors und riss den Speer hoch, um die klauenähnlichen Hände der Kreatur abzuwehren. Das Feuer hatte den Schaft des Ashandarei angesengt, und das Holz qualmte an seinem Knauf.

Und Mat griff an mit allem, was er hatte, ließ den Ashandarei wirbeln und eine Rauchfahne in die Luft zeichnen. Der Gholam schlug nach ihm, aber Mat zog den Speer mit einer Hand nach unten und schleuderte ein Medaillon wie ein Messer, traf die Kreatur mitten ins Gesicht. Aufheulend stolperte sie mit schwarz verbranntem und qualmendem Gesicht zurück. Mat trat vor, hieb mit dem Speerknauf gegen das fallende Medaillon und traf die Kreatur erneut damit.

Der Ashandarei zuckte vor, und ein paar Finger des Gholam flogen durch die Luft. Sicher, weder blutete er, noch schienen ihm gewöhnliche Verletzungen Schmerzen zuzufügen, aber das würde ihn etwas langsamer machen.

Der Gholam fauchte, Zorn loderte in seinen Augen. Das Lächeln war verschwunden. Blitzartig warf er sich nach vorn, aber Mat drehte sich und schlitzte das braune Hemd der Kreatur auf und entblößte ihre Brust. Dann peitschte er mit dem zweiten Medaillon zu und traf den Gholam, während der die Haut an Mats Arm aufschlitzte und Blut an die Wand spritzen ließ.

Mat grunzte. Der Gholam heulte und stolperte tiefer in den brennenden Korridor zurück. Hitze und Anstrengung ließen Mat schwitzen. Gegen diese Kreatur kam er nicht an. Jedenfalls nicht lange. Aber das spielte keine Rolle. Er setzte sich in Bewegung, ließ den Ashandarei so schnell wirbeln, dass er wie ein Schemen erschien. Traf den Gholam mit der flachen Seite, wo das Medaillon befestigt war. Als sich die Bestie davon erholte, schleuderte er ihr das zweite Medaillon ins Gesicht. Der Gholam duckte sich. Aber schon trat Mat die dritte Kopie in die Höhe, und sie prallte gegen seinen Hals.

Der Ashandarei zeichnete Rauchfahnen in die Luft, als Mat ihn schwang und wieder in beide Hände nahm. Das Ende seiner Waffe glühte und qualmte. Er brüllte etwas in der Alten Sprache, ohne sich dessen richtig bewusst zu sein.

»Al dival, al kiserai, al mashil« Für Licht, Ruhm und Liebe!

Der Gholam wich knurrend vor dem Schlaghagel zurück. Er schaute über die Schulter und schien etwas hinter sich zu bemerken, aber Mats Angriff erforderte seine volle Aufmerksamkeit.

»Tai’daishar!« Das wahre Blut der Schlacht!

Mat drängte die Bestie auf eine geöffnete Tür im hinteren Teil des Korridors zu. In dem dahinter liegenden Raum herrschte völlige Finsternis. Das Licht der Flammen erreichte die Wände nicht.

Carai manshimaya Tylin. Carai an manshimaya Nalesean. Carai an manshimaya ayend’an! Die Ehre meiner Klinge für Tylin. Die Ehre meiner Klinge für Nalesean. Die Ehre meiner Klinge für die Gefallenen.

Der Ruf der Vergeltung.

Der Gholam wich in den dunklen Raum zurück, trat auf einen knochenweißen Boden und schaute den Bruchteil einer Sekunde nach unten.

Tief Luft holend, sprang Mat die letzten Kräfte aufbietend über die Schwelle und rammte der Kreatur den qualmenden Knauf des Ashandarei gegen die Schläfe. Funken und Asche explodierten in ihrem Gesicht. Fluchend stolperte das Ungeheuer nach rechts.

Und kippte beinahe vom Rand einer Plattform, die über einem grenzenlosen Nichts schwebte. Der Gholam zischte vor Wut; ein Bein hing über dem Abgrund, während er mit den Armen ruderte, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

Auf dieser Seite der Tür zeichnete ein glühendes weißes Licht den Rahmen nach – die Ränder eines Wegetores, das zum Gleiten bestimmt war. »Ich weiß nicht, ob du sterben kannst«, sagte Mat leise. »Ich hoffe beim Licht, dass das nicht möglich ist.« Und er hob den Fuß und rammte dem Ding den Stiefel in den Rücken, katapultierte es von der Plattform in die Finsternis. Der Gholam stürzte ins Nichts, drehte sich in der Luft herum und starrte ihn voller Entsetzen an.