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Bashere drehte sich um und zuckte zusammen. »Beim Licht! Ihr seht aus wie der Tod, Mann!« Er wandte sich an die Soldaten. » Er sollte im Zelt der Heiler sein! Jemand soll einen Asha’man holen!«

»Mir geht es gut«, sagte Ituralde und zwang Nachdruck in seine Stimme. »Ich schätze, ich sehe schlimmer aus, als ich mich fühle.«

Die Soldaten zögerten, sahen Bashere an. »Nun«, sagte der Mann, »dann holt ihm wenigstens einen Stuhl und etwas, womit er sich das Gesicht abwischen kann. Ihr armer Kerl; wir hätten schon von Tagen hier sein sollen.«

Draußen konnte Ituralde leisen Schlachtenlärm hören.

Bashere hatte ein hohes Gebäude ausgewählt, von dem aus er den Kampf überwachen konnte. Die Soldaten brachten einen Stuhl, und obwohl sich Ituralde so sehr wünschte, dem anderen General Stärke zu zeigen, setzte er sich seufzend.

Sein Blick fiel nach unten, und es erstaunte ihn zu sehen, wie schmutzig seine Hände waren, als hätte er einen Kamin sauber gemacht. Zweifellos war auch sein Gesicht rußverschmiert, von Schweißbahnen durchzogen, und vermutlich klebte dort noch immer geronnenes Blut. Seine Kleidung war von der Explosion zerfetzt, die die Mauer zerstört hatte, ganz zu schweigen von einem provisorisch verbundenen Schnitt an seinem Arm.

»Wie Ihr die Stadt verteidigt habt, ist schlichtweg erstaunlich, Lord Ituralde«, sagte Bashere. Sein Tonfall klang recht förmlich – Saldaea und Arad Doman waren nicht verfeindet, aber keine zwei starke Nationen konnten eine Grenze miteinander teilen, ohne dass es gelegentlich zu Übergriffen kam. »Vergleicht man die Zahl der toten Trollocs mit der Zahl der Euch zur Verfügung stehenden Männer… und mit dieser riesigen Bresche in der Mauer … Lasst mich sagen, dass ich beeindruckt bin.« Basheres Ton deutete durchaus an, dass ihm das Lob nicht leichtfiel.

»Was ist mit Yoeli?«

Basheres Ausdruck wurde ernst. »Meine Männer fanden eine kleine Gruppe, die seine Leiche verteidigten. Er starb tapfer, auch wenn es mich überrascht hat, ihn als Befehlshaber vorzufinden und Torkumen, der ein entfernter Cousin von mir und der eigentliche Befehlshaber der Stadt ist, unter Hausarrest stehend vorzufinden, wo man ihn zurückließ und die Trollocs ihn hätten erwischen können.«

»Yoeli war ein guter Mann«, sagte Ituralde steif. »Einer der tapfersten, die ich die Ehre zu kennen hatte. Er rettete mir das Leben und brachte meine Männer gegen Torkumens ausdrücklichen Befehl in die Stadt. Es ist eine lodernde Schande, ausgerechnet ihn zu verlieren. Eine lodernde Schande. Ohne Yoeli würde Maradon nicht mehr stehen.«

»Im Grunde steht es sowieso nicht mehr«, sagte Bashere ernst.

Ituralde zögerte. Er ist der Onkel der Königin – vermutlich ist diese Stadt sein Zuhause.

Die beiden sahen sich wie alte Wölfe an, Anführer rivalisierender Rudel. Die sich vorsichtig umkreisten. »Euer Verlust tut mir leid«, sagte Ituralde.

»Die Stadt steht so, wie sie dasteht, allein wegen Euch«, erwiderte Bashere. »Ich bin nicht wütend. Ich bin traurig, aber nicht wütend. Und ich nehme Euer Wort für Yoeli. Um ehrlich zu sein, habe ich Torkumen nie gemocht. Ich habe ihn erst einmal in dem Zimmer gelassen, in dem wir ihn glücklicherweise noch lebend fanden, auch wenn ich mir wegen seiner Behandlung noch etwas von der Königin werde anhören müssen. Sie hat ihn immer sehr gemocht. Bah! Normalerweise hat sie ein besseres Urteilsvermögen.«

Bashere deutete mit dem Kopf zur Seite, als er von Torkumen sprach, und Ituralde erkannte überrascht, dass er dieses Gebäude kannte. Das war Torkumens Heim, in das Yoeli ihn an seinem ersten Tag in der Stadt geführt hatte. Vernünftig, dieses Gebäude als Kommandoposten zu wählen – es stand nahe genug an der Nordmauer, um einen guten Blick auf die Stadt zu gewähren, war aber weit genug von der Explosion entfernt, um sie im Gegensatz zur Ratshalle unbeschadet überstanden zu haben.

Nun, Torkumen hätte es verdient, von den Trollocs geholt zu werden. Ituralde lehnte sich zurück und schloss die Augen, während sich Bashere mit seinen Offizieren beriet. Bashere war ein fähiger Mann, so viel stand fest. Er hatte die Stadt sehr schnell gesäubert; sobald die Trollocs begriffen hatten, dass sie gegen eine größere Streitmacht kämpften, hatten sie die Stadt aufgegeben. Ituralde verspürte einen gewissen Stolz, dass es teilweise seine Zähigkeit gewesen war, die sie zu diesem schnellen Abzug gedrängt hatte.

Ituralde hörte weiter zu. Die meisten von Basheres Männern waren mit Wegetoren in die Stadt gekommen, nachdem ein Späher einen sicheren Ort für sie gefunden hatte. Straßenkämpfe würden ihm nicht so zugesagt haben wie Ituralde; die Taktik, sich zu verstecken und dann zuzuschlagen, hatte nur so viel Schaden wie möglich vor dem unausweichlichen Tod anrichten sollen. Es war eine Taktik, bei der man verlor.

Die Trollocs hatten sich in die Befestigungen zurückgezogen, aber dort würden sie nicht lange bleiben. Während er mit geschlossenen Augen dort saß und sich bemühte, wach zu bleiben, hörte er, wie Bashere und seine Hauptmänner zu dem gleichen schrecklichen Schluss wie er zuvor kamen. Maradon war verloren. Das Schattengezücht würde auf die Nacht warten und dann stürmen.

Nach der ganzen Mühe einfach flüchten? Nachdem Yoeli gestorben war, um die Stadt zu halten? Nachdem Rajabi von einem Drakhar getötet worden war? Nachdem Ankaer und Rossin bei Scharmützeln innerhalb der Stadtmauer gefallen waren? Nach dem ganzen Blutvergießen traf endlich Hilfe ein, die dann aber nichts ausrichten konnte?

»Vielleicht könnten wir sie von diesem Hügel drängen«, schlug einer von Basheres Männern vor. »Die Befestigungen säubern.«

Er hörte sich nicht sehr optimistisch an.

»Mein Sohn«, sagte Ituralde und zwang die Augen auf, »ich habe diesen Hügel wochenlang gegen eine überlegene Streitmacht gehalten. Eure Leute haben ihn gut befestigt, und das Problem mit gut gemachten Befestigungen liegt darin, dass der Feind sie gegen einen benutzen kann. Bei einem Angriff werdet ihr nur Männer verlieren. Viele Männer.«

Schweigen breitete sich in dem Raum aus.

»Dann ziehen wir ab«, sagte Bashere. »Naeff, wir brauchen Wegetore.«

»Ja, Lord Bashere.« Der schlanke Mann mit dem kantigen Gesicht trug den schwarzen Mantel und die Drachennadel eines Asha’man.

»Malain, sammelt die Kavallerie und lasst sie draußen Aufstellung nehmen; es soll so aussehen, als wollten wir ihre Befestigungen angreifen. Das wird sie zögern lassen. Wir evakuieren die Verletzten, dann lassen wir die Kavallerie in die andere Richtung stürmen und …«

»Beim Licht und meiner Hoffnung auf Wiedergeburt!«, rief plötzlich eine Stimme. Jeder im Zimmer drehte sich schockiert um; diesen Fluch hörte man nicht jeden Tag.

Ein junger Soldat stand am Fenster und schaute mit einem Fernglas hinaus. Bashere fluchte und eilte an das Fenster, die anderen drängten sich um ihn, mehrere holten Ferngläser heraus.

Was ist denn jetzt?, dachte Ituralde, stand trotz seiner Müdigkeit auf und eilte ebenfalls ans Fenster. Was können sie denn jetzt noch herbeigeschafft haben? Noch mehr Draghkar? Schattenhunde?

Er schaute hinaus, und jemand reichte ihm ein Fernglas. Er nahm es, und wie vermutet stand das Gebäude hoch genug, um über die Stadtmauer auf das dahinter befindliche Schlachtfeld und weiter zu sehen. Auf den Türmen auf dem Hügelkamm drängten sich Horden von Raben. Durch das Fernglas entdeckte er Massen aus Trollocs, die das Oberlager, Türme und Bollwerke hielten.

Hinter dem Hügel strömte eine ungeheure Streitmacht Trollocs durch den Pass, mehrfach so groß wie die Anzahl, die Maradon angegriffen hatte. Der Strom der Ungeheuer schien nicht enden zu wollen.

»Wir müssen gehen«, sagte Bashere und senkte das Fernglas. »Sofort.«