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Al’Thor drehte sich um und ging. Die Töchter erhoben sich auf unsicheren Beinen und stolperten hinter ihm her.

»Wer hat da geschrien?«, fragte Naeff. »Der in der Nähe, im Haus. Habt ihr das gehört?«

Ituralde runzelte die Stirn. Was war das gewesen? Er durchquerte den Raum, und die anderen – einschließlich ein paar von Basheres Offizieren – schlossen sich ihm an. Aber viele blieben in dem Raum und starrten das Feld an, das von Eis und Feuer gereinigt worden war. Es war seltsam, aber Ituralde hatte auf dem Hügel nicht einen umgestürzten Turm entdecken können. Es war, als hätten al’Thors Angriffe irgendwie nur das Schattengezücht getroffen. Konnte ein Mann wirklich so präzise sein?

Der Korridor war verlassen, aber Ituralde hatte mittlerweile einen Verdacht, wo der Schrei hergekommen war. Er ging zu Lord Torkumens Tür; Bashere schloss sie auf, und sie traten ein.

Der Raum schien leer zu sein. Ituralde verspürte einen Stich der Furcht. War der Mann geflohen? Er zog das Schwert.

Nein. Eine Gestalt hockte in der Ecke neben dem Bett, die feine Kleidung zerknittert, das Wams blutbefleckt. Ituralde senkte die Klinge. Lord Torkumens Augen gab es nicht mehr. Er schien sie sich mit einer Schreibfeder ausgestochen zu haben; der blutige Gegenstand lag neben ihm auf dem Boden.

Das Fenster war zerbrochen. Bashere blickte hinaus. »Dort unten liegt Lady Torkumen.«

»Sie ist gesprungen«, flüsterte Torkumen und krallte mit den blutigen Fingern nach den Augenhöhlen. Er klang benommen. »Das Licht… dieses schreckliche Licht.«.

Ituralde sah Bashere an.

»Ich kann es nicht ansehen«, murmelte Torkumen. »Ich kann es nicht! Großer Herr, wo ist dein Schutz? Wo sind deine vernichtenden Heere, wo dein schneidendes Schwert? Das Licht frisst an meinem Verstand, wie Ratten an einer Leiche. Es verbrennt meine Gedanken. Es tötet mich. Das Licht tötet mich!«

»Er ist verrückt geworden«, sagte Bashere grimmig und kniete neben dem Mann nieder. »Besser, als er es verdient hat, wenn man nach diesem Gestammel urteilt. Beim Licht! Mein eigener Cousin ein Schattenfreund! Und hat die Kontrolle über die Stadt!«

»Wovon redet er da?«, sagte einer von Basheres Männern. »Ein Licht? Er kann die Schlacht doch gar nicht gesehen haben. Keines dieser Fenster zeigt in die richtige Richtung!«

»Ich bin mir nicht sicher, dass er die Schlacht meinte, Vogeler«, sagte Bashere. »Kommt schon. Vermutlich wird der Lord Drache erschöpft sein. Ich will mich vergewissern, dass man sich gut um ihn kümmert.«

Das ist es, dachte Min und tippte auf das Blatt. Sie saß im Stein von Tear auf ihrer Fensterbank und genoss die Brise. Versuchte nicht an Rand zu denken. Er war nicht verletzt, aber seine Gefühle waren so stark. Zorn. Dabei hatte sie gehofft, dass er nie wieder so wütend sein würde.

Sie schüttelte die Sorge ab; sie hatte zu arbeiten. Folgte sie der falschen Spur? Interpretierte sie das falsch? Erneut las sie die Zeile. Das Licht hält man vor den Rachen des unendlichen Nichts, und alles, was er ist, kann ergriffen werden.

Ihre Spekulationen brachen ab, als sie im Zimmer, das dem Korridor gegenüberlag, einen Lichtschein sah. Sie ließ das Buch fallen und sprang zur Tür. Rand war plötzlich sehr nahe. Das verriet ihr der Bund.

Zwei Töchter bewachten das andere Zimmer, hauptsächlich um andere Leute daran zu hindern, den Raum zu betreten und durch Wegetore verletzt zu werden. Das gerade geöffnete Tor führte an einen Ort, der nach Qualm stank. Rand stolperte hindurch. Min rannte zu ihm. Er sah erschöpft aus, seine Augen waren gerötet, und er war blass. Seufzend lehnte er sich gegen sie und ließ sich von ihr zu einem Stuhl helfen.

»Was ist passiert?«, wollte Min von Evasni wissen, der Tochter, die als Nächste kam. Sie war eine schlanke Frau mit dunkelroten Haaren, die wie bei den meisten Töchtern bis auf einen Zopf im Nacken kurz geschnitten waren.

»Dem Car’a’carn geht es gut«, sagte die Frau. »Auch wenn er wie der Junge ist, der eine Runde mehr um das Lager läuft als jeder andere, nur um zu beweisen, dass er es kann.«

»Er hat heute viel Ji errungen«, sagte Ifeyina, die andere Tochter, beinahe herausfordernd. Sie klang sehr ernst.

Rand seufzte und lehnte sich in den Stuhl zurück. Bashere folgte aus dem Tor. Unter ihnen hörte Min Rufe ertönen – eine Gruppe verletzter Soldaten wurde durch ein größeres Wegetor gebracht.

Heilerinnen der Aes Sedai eilten herbei, um sich um die blutigen, rußverschmierten Männer zu kümmern.

Nach Bashere kam ein schlanker Domani in den mittleren Jahren. Rodel Ituralde. Er sah übel mitgenommen aus; sein dreckiges Gesicht war blutverschmiert, seine Kleidung zerfetzt, sein Arm wies einen primitiven Verband auf. Rand zeigte keine sichtbaren Verletzungen. Seine Kleidung war sauber, obwohl er immer noch darauf bestand, den alten braunen Umhang zu tragen. Aber er sah so müde aus, beim Licht!

» Rand «, sagte Min und ging neben ihm auf die Knie.» Rand, bist du in Ordnung?«

»Ich bin wütend geworden«, sagte Rand leise. »Ich glaubte, ich wäre darüber hinaus.«

Min fröstelte.

»Es war kein schrecklicher Zorn, so wie früher«, fuhr Rand fort. »Es war nicht der Zorn der Zerstörung, obwohl ich vernichtete. Ich sah in Maradon, was man den Männern antat, die mir folgten. Ich sah das Licht in ihnen, Min. Sie trotzten dem Dunklen König, und die Länge seines Schattens war ihnen völlig egal. Wir werden leben, verkündete dieser Trotz. Wir werden lieben, und wir werden hoffen.

Und ich sah, wie er sich so sehr bemühte, das zu vernichten. Er wusste, es würde etwas bedeuten, sollte er sie brechen können. Den Willen der Menschen zu brechen … danach dürstet er. Er schlug viel härter zu, als er es sonst getan hätte, weil er meinen Mut brechen wollte.« Seine Stimme wurde leiser, und er schlug die Augen auf und schaute sie an. »Also stellte ich mich ihm entgegen.«

»Ihr habt Erstaunliches geleistet«, sagte Bashere, der mit verschränkten Armen neben ihnen stand. »Aber habt Ihr Euch dazu von ihm provozieren lassen?«

Rand schüttelte den Kopf. »Ich habe ein Recht auf meine Wut, Bashere. Versteht Ihr denn nicht? Zuvor wollte ich alles tief in meinem Inneren verborgen halten. Das war falsch. Ich muss fühlen. Die Qualen, der Tod und der Verlust dieser Menschen muss mich schmerzen. Ich muss mich an diese Dinge klammern können, damit ich weiß, warum ich kämpfe. Es gibt Augenblicke, an denen ich das Nichts brauche, aber das macht meinen Zorn keineswegs weniger zu einem Teil von mir.«

Er schien mit jedem Wort an Selbstvertrauen zu gewinnen, und Min nickte.

»Nun, Ihr habt die Stadt gerettet«, stellte Bashere fest.

»Nicht früh genug«, erwiderte Rand. Min fühlte seine Trauer. »Und meine heutigen Anstrengungen könnten sich immer noch als Fehler erweisen.«

Min runzelte die Stirn. »Warum?«

»Um ein Haar wäre es zu einer Konfrontation zwischen uns gekommen«, sagte Rand. »Das muss am Shayol Ghul geschehen und zwar zur richtigen Zeit. Ich kann es mir nicht leisten, mich von ihm provozieren zu lassen. Bashere hat recht. Genauso wenig, wie ich es mir leisten kann, dass die Männer dem Glauben verfallen, ich könnte mich immer rechtzeitig einmischen und sie retten.«

»Vielleicht«, sagte Bashere. »Aber was Ihr heute getan habt…«

Rand schüttelte den Kopf. »Ich bin nicht dazu da, diesen Krieg zu führen, Bashere. Die heutige Schlacht hat mich weit mehr erschöpft, als ich hätte zulassen dürfen. Würden sich meine Feinde jetzt in diesem Augenblick auf mich stürzen, wäre ich erledigt. Davon abgesehen kann ich immer nur an einem Ort kämpfen. Aber was da auf uns zukommt, wird viel größer sein, größer und schrecklicher, als ein Mann allein hoffen kann aufzuhalten. Ich werde Euch vorbereiten, aber ich muss Euch verlassen. Dieser Krieg wird Euer Krieg sein.«