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Er schwieg, und Flinn trat durch das Wegetor und ließ es zuschnappen.

»Ich muss mich jetzt ausruhen«, sagte Rand leise. »Morgen treffe ich mich mit Eurer Nichte und den anderen Grenzländern, Bashere. Ich weiß nicht, was sie von mir wollen, aber sie müssen wieder auf ihre Posten zurückkehren. Wenn sich Saldaea in einem solchen Zustand befindet, obwohl einer der Großen Hauptmänner die Verteidigung organisierte, dann kann ich nur erahnen, wie die anderen Nationen der Grenzlande leiden.«

Min half ihm beim Aufstehen. »Rand«, sagte sie leise. »Cadsuane ist zurückgekehrt, und sie hat jemanden mitgebracht.« Er zögerte. »Bring mich zu ihr.«

Min seufzte. »Ich hätte es nicht erwähnen sollen. Du musst ausruhen.«

»Das werde ich. Keine Sorge.«

Seine Erschöpfung konnte sie noch immer genau spüren. Aber sie widersprach ihm nicht. Sie verließen den Raum. An der Schwelle blieb Rand noch einmal stehen. »Rodel Ituralde. Ihr werdet mich begleiten wollen. Ich kann Euch nicht die Ehre vergelten, die Ihr gezeigt habt, aber ich habe etwas, das ich Euch geben kann.«

Der grauhaarige Domani nickte und folgte ihnen. Min stützte Rand auf dem Korridor und sorgte sich um ihn. Musste er sich so hart antreiben?

Leider muss er das. Rand al’Thor war der Wiedergeborene Drache. Bevor das hier vorbei war, würde er ausgeblutet und völlig verbraucht sein. Eigentlich reichte das aus, um eine Frau aufgeben zu lassen.

»Rand …«, sagte sie. Ituralde und mehrere Töchter folgten ihnen. Glücklicherweise befand sich Cadsuanes Zimmer nicht weit entfernt.

»Mit mir ist alles in Ordnung«, sagte er. »Ich verspreche es.

Haben deine Nachforschungen etwas Neues ergeben?« Er versuchte sie abzulenken.

Leider weckte diese Frage in ihr nur eine andere Sorge. »Hast du dich je gefragt, warum Callandor in den Prophezeiungen so oft als ›furchterregende Klinge‹ oder als ›Klinge der Zerstörung‹ bezeichnet wird?«

»Es ist ein so mächtiges Sa’angreal«, sagte er. »Vielleicht wegen der Zerstörung, die es anrichten kann?«

»Vielleicht.«

»Du glaubst, es geht um etwas anderes.«

»Es gibt da einen Satz«, sagte Min, »in der Jendai-Prophezeiung. Ich wünschte, wir würden mehr von ihnen kennen. Aber egal, dort steht: ›Und die Klinge wird ihn binden mit zwein‹.«

»Zwei Frauen«, sagte Rand. »Um sie zu kontrollieren, muss ich einen Zirkel mit zwei Frauen erschaffen.« Sie verzog das Gesicht.

»Was? Tu dir keinen Zwang an, Min. Ich muss es wissen.«

»Da gibt es noch einen anderen Satz aus dem Karaethon-Zyklus. Aber wie dem auch sei, ich glaube, dass Callandor noch auf andere Weise fehlerhaft sein könnte. Ich glaube, es könnte… Rand, ich glaube, es könnte dich schwächen oder angreifbar machen, wenn du es benutzt.«

»Vielleicht werde ich ja auf diese Weise getötet.«

»Du wirst nicht getötet«, sagte Min.

»Ich…«

»Du wirst das hier überleben, Schafhirte«, beharrte sie. »Ich sorge dafür, glaube mir das.«

Er lächelte sie an. Er sah so müde aus. »Beinahe glaube ich, dass du das tun wirst, Min. Vielleicht bin ich gar nicht derjenige, um den sich das Muster beugt, sondern du.« Er klopfte an eine Tür.

Sie öffnete sich einen Spalt, Merise spähte hinaus. Sie musterte Rand von oben bis unten. »Ihr seht aus, als könntet Ihr kaum noch auf den Beinen stehen, al’Thor.«

»Das ist wohl wahr«, erwiderte er. »Ist Cadsuane Sedai da?«

» Sie hat getan, worum Ihr sie gebeten habt«, erwiderte Merise. »Und ich muss sagen, dass sie doch sehr zuvorkommend war, wenn man bedenkt, wie Ihr sie …«

»Lasst ihn herein, Merise«, ertönte Cadsuanes Stimme im Raum.

Merise zögerte, dann öffnete sie die Tür, aber nicht, ohne Rand einen finsteren Blick zuzuwerfen. Cadsuane saß auf einem Stuhl und unterhielt sich mit einem älteren Mann, dessen langes graues Haar ungehindert auf seine Schultern fiel. Er hatte eine auffällige Hakennase und war prächtig gekleidet.

Rand trat zur Seite. Hinter ihm keuchte jemand auf. Rodel Ituralde trat anscheinend völlig verblüfft vor. Der Mann im Zimmer drehte sich um. Er hatte freundliche Augen und kupferfarbene Haut.

»Mein Lehnsherr«, rief Ituralde, eilte los und ließ sich dann auf ein Knie nieder. »Ihr lebt!«

Min spürte die überwältigende Freude, die von Rand ausging. Ituralde weinte anscheinend. Rand trat zurück. »Komm, gehen wir auf mein Zimmer und ruhen uns aus.«

»Der König von Arad Doman. Wo hast du ihn gefunden?«, sagte Min. »Woher hast du das gewusst?«

»Eine Freundin hinterließ mir ein Geheimnis«, erwiderte Rand. »Die Weiße Burg sammelte Mattin Stepaneos ein, um ihn ›zu beschützen‹. Nun, da war es nicht weit hergeholt, dass sie das möglicherweise auch mit anderen Monarchen taten. Und wenn sie vor Monaten Schwestern nach Arad Doman schickten, um ihn zu ergreifen, bevor eine von ihnen über die Wegetore Bescheid wusste, dann hätten sie möglicherweise auf der Rückreise im Schnee stecken bleiben können.« Er schien erleichtert. »Graendal hat ihn nie in ihrer Gewalt gehabt. Ich habe ihn nicht getötet, Min. Ein Unschuldiger, den ich glaubte getötet zu haben, lebt noch. Das ist etwas. Eine Kleinigkeit. Aber sie hilft.«

Sie stützte ihn den Rest des Weges zu ihren Gemächern und war – für den Augenblick – damit zufrieden, sein warmes Gefühl der Freude und Erleichterung zu teilen.

33

Eine gute Suppe

Siuans Suppe war überraschend gut. Sie aß einen weiteren Löffel und hob eine Braue. Es war eine schlichte Mahlzeit, Brühe und Gemüse, mit ein paar Stücken Huhn, aber wenn das meiste Essen fad schmeckte, erschien das hier wie ein Wunder. Sie probierte den Zwieback. Keine Getreidekäfer? Köstlich!

Nynaeve war einfach verstummt; ihre Schüssel stand vor ihr und dampfte vor sich hin. Frisch erhoben hatte sie früher am Tag die Eide abgelegt. Sie saßen im Arbeitszimmer der Amyrlin; die Fensterläden standen weit geöffnet, und goldenes Licht strömte herein. Auf dem Boden lagen neue grüne und golddurchwirkte Teppiche.

In Gedanken schalt sich Siuan, dass sie sich von der Suppe hatte ablenken lassen. Nynaeves Bericht erforderte eine sorgfältige Betrachtung. Sie hatte von ihrer Zeit bei Rand al’Thor erzählt und vor allem von Ereignissen wie der Reinigung. Natürlich hatte Siuan Berichte über die Reinigung von Saidin gehört; während der Spaltung hatte ein Asha’man das Lager besucht. Sie hatte das alles mit Skepsis betrachtet, aber jetzt konnte man es nicht mehr abstreiten.

»Nun«, sagte die Amyrlin, »ich freue mich über diese längere Erklärung, Nynaeve. Die Reinigung von Saidin macht die Vorstellung des Bundes zwischen Asha’man und Aes Sedai sicherlich weniger unerfreulich. Ich wünschte, Rand hätte mich während seines Besuches darüber unterrichtet.« Sie sagte es völlig ruhig, aber Siuan wusste, dass ihr die Vorstellung, dass Männer mit Frauen den Bund eingingen, ungefähr so gefiel, wie einem Hauptmann eine Feuersbrunst in seiner Festung.

»Das schätze ich auch«, sagte Nynaeve und verzog die Lippen. »Falls es eine Rolle spielt, Rand hält nichts davon, dass die Männer mit Frauen den Bund eingehen.«

»Es spielt keine Rolle, ob er das tut oder nicht«, sagte Egwene. »Er ist für die Asha’man verantwortlich.«

»So wie du für die Aes Sedai, die ihn in Ketten legten und schlugen?«, fragte Nynaeve. »Mutter?«

»Möglicherweise ein Erbe von Elaida«, erwiderte Egwene, deren Augen ein kleines bisschen schmaler wurden.

Es war richtig von ihr, Nynaeve zurückzuholen, dachte Siuan und nahm einen Löffel Suppe. Sie ergreift viel zu oft seine Partei.

Nynaeve seufzte und griff nach ihrem Löffel. »Das sollte keine Anschuldigung sein. Ich wollte nur aufzeigen, wie er denkt. Beim Licht! Ich war mit vielen seiner Entscheidungen nicht einverstanden, vor allem in letzter Zeit. Aber ich kann verstehen, wieso er diesen Weg einschlug.«