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»Allerdings hat er sich verändert«, meinte Siuan nachdenklich. »Das sagtet Ihr selbst.«

»Ja«, seufzte Nynaeve. »Die Aiel sagen, er hat den Tod umarmt. «

»Das habe ich von ihnen auch einmal gehört«, sagte Egwene. »Aber ich schaute ihm in die Augen, und da hat sich noch etwas anderes verändert, etwas Unerklärliches. Der Mann, den ich sah …«

»Er erschien anders als der, der Natrins Hügel zerstörte?« Bei dem Gedanken erschauderte Siuan.

» Der Mann, den ich sah, hätte diesen Ort nicht zu zerstören brauchen«, sagte Egwene. »Die Menschen dort wären ihm einfach gefolgt. Hätten sich seinen Wünschen gebeugt. Einfach, weil er das ist, was er ist.«

Die drei Frauen schwiegen.

Egwene schüttelte den Kopf und aß einen Löffel. Sie hielt inne, dann lächelte sie. »Nun, wie ich sehe, ist es eine gute Suppe. Vielleicht sind die Dinge ja doch nicht so schlimm, wie ich fürchtete.«

»Die Zutaten kommen aus Caemlyn«, bemerkte Nynaeve. »Ich hörte, wie die Dienstmägde das sagten.« »Oh.«

Noch mehr Schweigen.

»Mutter«, sagte Siuan bedächtig. »Die Frauen sind noch immer wegen der Todesfälle in der Burg besorgt.«

»Dem stimme ich zu«, sagte Nynaeve. »Die Schwestern starren einander voller Misstrauen an. Das bereitet mir Sorgen. «

»Du hättest sie mal früher sehen sollen«, erwiderte Egwene. »Während Elaidas Herrschaft.«

»Falls das schlimmer als jetzt war«, sagte Nynaeve, »dann bin ich froh, dass ich nicht hier war.« Sie warf einen Blick auf ihren Großen Schlangenring. Das tat sie in letzter Zeit oft. Wie ein Fischer mit einem neuen Boot oft in Richtung Dock sah und lächelte. Obwohl sie immer darauf beharrt hatte, Aes Sedai zu sein, und obwohl sie diesen Ring nun schon so lange Zeit trug, war sie offensichtlich zufrieden, die Prüfung bestanden und die Drei Eide abgelegt zu haben.

»Es war schrecklich«, sagte Egwene. »Und ich habe nicht vor, es wieder so weit kommen zu lassen. Siuan, der Plan muss durchgeführt werden.«

Siuan runzelte die Stirn. »Ich habe die anderen unterrichtet. Aber ich halte das für keine gute Idee, Mutter. Sie sind kaum gut genug ausgebildet.«

»Worum geht es?«, wollte Nynaeve wissen.

»Aes Sedai«, sagte Egwene. »Sorgfältig ausgewählt und mit Traum-Ter’angrealen ausgestattet. Siuan zeigt ihnen, wie Tel’aran’rhiod funktioniert.«

»Mutter, dieser Ort ist gefährlich.«

Egwene aß einen Löffel Suppe. »Ich glaube, das weiß ich besser als die meisten. Aber es ist notwendig; wir müssen die Mörder zu einer Konfrontation verleiten. Ich veranstalte ein ›geheimes‹ Treffen meiner loyalsten Aes Sedai in der Welt der Träume; vielleicht noch ein paar zusätzliche Hinweise, dass andere wichtige Leute ebenfalls daran teilnehmen. Siuan, Ihr habt die Windsucherinnen benachrichtigt?«

Siuan nickte. »Allerdings wollen sie wissen, was sie dafür bekommen, wenn sie sich mit Euch treffen.«

»Die Leihgabe der Traum-Ter’angreale wird reichen«, meinte Egwene trocken. »Nicht alles muss auf einen Handelsvertrag hinauslaufen.«

»Für die meisten von ihnen schon«, sagte Nynaeve. »Aber darum geht es auch nicht. Du lädst Windsucherinnen ein, um Mesaana aus der Reserve zu locken?«

»Nicht ganz genau. Ich werde die Windsucherinnen zur gleichen Zeit an einem anderen Ort treffen. Und auch ein paar der Weisen Frauen. Genug von ihnen, um Mesaana auf die Idee zu bringen, dass sie uns an diesem Tag unbedingt im Tel’aran’rhiod ausspionieren sollte – wir gehen von der Voraussetzung aus, dass sie Spione hat, die die anderen Gruppen an Machtlenkerinnen beobachten.

Du und Siuan veranstaltet ein Treffen im Saal der Burg, aber das wird ein Vorwand sein, um Mesaana oder ihre Handlanger aus dem Versteck zu locken. Mit Schutzgeweben und ein paar Schwestern, die alles gut verborgen beobachten, werden wir sie gefangen nehmen können. Siuan wird nach mir schicken, sobald sie in der Falle sitzen.«

Nynaeve runzelte die Stirn. »Es ist ein guter Plan, abgesehen von einer Sache. Es gefällt mir nicht, dass du dich in Gefahr begibst. Lass mich diesen Kampf führen. Das schaffe ich.«

Egwene musterte Nynaeve, und Siuan bekam einen Einblick in die wahre Egwene. Nachdenklich. Mutig, aber berechnend. Sie sah auch Egwenes Erschöpfung, die Last der Verantwortung. Dieses Gefühl kannte Siuan gut.

»Ich muss zugeben, dass deine Sorge durchaus berechtigt ist«, sagte Egwene. »Seit meiner Gefangennahme durch Elaidas Handlanger außerhalb von Tar Valon frage ich mich, ob ich mich nicht zu sehr in Gefahr begebe, mich zu sehr in Einzelheiten verstricke.«

»Ganz genau«, sagte Nynaeve.

»Aber wir kommen nun einmal nicht um die einfache Tatsache herum, dass ich diejenige von uns bin, die am besten mit Tel’aran’rhiod umgehen kann«, fuhr Egwene fort. »Ihr beide seid gut darin, keine Frage, aber ich habe die größere Erfahrung. In diesem Fall bin ich nicht nur die Anführerin der Aes Sedai. Ich bin ein Werkzeug, das die Weiße Burg benutzen muss.« Sie zögerte. »Ich habe es geträumt, Nynaeve. Sollten wir Mesaana hier nicht besiegen können, könnte alles verloren sein. Wird alles verloren sein. Das ist nicht der Augenblick, um unsere Werkzeuge in Reserve zu halten, wie wertvoll sie auch sein mögen.«

Nynaeve griff nach ihrem Zopf, aber der reichte nur noch bis zu ihrer Schulter. Das ließ sie mit den Zähnen knirschen. »Da könntest du recht haben. Aber es gefällt mir nicht.«

»Die Traumgängerinnen der Aiel…«, sinnierte Siuan. »Mutter, Ihr sagtet, Ihr trefft Euch mit ihnen. Wären sie vielleicht bereit, uns zu helfen? Ich könnte mich viel eher mit der Vorstellung anfreunden, dass Ihr kämpft, wenn ich wüsste, dass sie in der Nähe sind und Euch im Auge behalten.«

»Ja. Ein guter Vorschlag. Ich nehme vor unserem Treffen mit ihnen Kontakt auf und bitte sie darum, nur für alle Fälle.«

»Mutter«, sagte Nynaeve. »Vielleicht könnte Rand …«

»Diese Sache ist Angelegenheit der Burg«, fiel ihr Egwene ins Wort. »Wir kümmern uns selbst darum.«

»Also gut.«

»Und jetzt müssen wir uns etwas einfallen lassen«, sagte Egwene, »wie wir am besten die richtigen Gerüchte in Umlauf bringen, damit Mesaana nicht widerstehen kann, uns zu belauschen …«

Perrin drang rennend in den Albtraum ein. Die Luft um ihn herum dehnte sich, und die Häuser der Stadt – dieses Mal handelte es sich um die flache Sorte der Cairhiener – verschwanden. Die Straße unter seinen Füßen wurde ganz weich, wie Schlamm, dann verwandelte sie sich in Flüssigkeit.

Er landete aufplatschend im Meer. Schon wieder Wasser?, dachte er ärgerlich.

Dunkelrote Blitze zuckten über den Himmel und schleuderten tiefrotes Licht über die See. Jeder Ausbruch enthüllte schattenhafte Kreaturen, die unter den Wellen lauerten. Gewaltige Kreaturen, die im zuckenden roten Licht böse und sehnig erschienen.

Menschen klammerten sich an das, was von dem Schiff noch übrig geblieben war, schrien vor Angst und riefen nach ihren Angehörigen. Männer auf zerborstenen Planken, Frauen, die versuchten, ihre Säuglinge über Wasser zu halten, während gewaltige Wellen über ihnen zusammenschlugen. Leichen schaukelten wie Getreidesäcke auf und ab.

Die Kreaturen unter den Wellen schlugen zu, rissen Menschen von der Oberfläche weg und zerrten sie mit zuckenden Flossen und funkelnden, rasiermesserscharfen Zähnen in die Tiefe. Bald brodelte das Wasser mit einem Rot, das nicht von den Blitzen kam.

Wer auch immer diesen Albtraum träumte, hatte eine ganz besonders verdrehte Vorstellungskraft.

Perrin weigerte sich, sich davon vereinnahmen zu lassen. Er unterdrückte seine Furcht und schwamm nicht zu einer der Planken. Das ist nicht real. Das ist nicht real. Das ist nicht real.