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Gawyn verspürte Übelkeit. Der Verdacht war ihm in dem Moment gekommen, in dem er die Schwangerschaft entdeckt hatte. »Soll man mich doch zu Asche verbrennen«, sagte er. »Elayne, wie konntest du nur? Nach dem, was er unserer Mutter antat!«

»Er hat ihr nichts angetan. Ich kann zahllose Zeugen aufmarschieren lassen, die das bestätigen werden, Gawyn. Mutter verschwand, bevor Rand Caemlyn befreite.« Wenn sie von ihm sprach, trat ein liebevoller Ausdruck in ihre Augen. »Etwas geschieht mit ihm. Ich kann es fühlen, wie er sich verändert. Sich reinigt. Er hat die Wolken vertrieben und die Rosen blühen lassen.«

Gawyn runzelte die Stirn. Sie glaubte, dass die Rosen wegen al’Thor blühten? Nun, Liebe konnte einen die seltsamsten Sachen glauben lassen, und wenn es sich bei dem Mann, von dem sie sprach, um den Wiedergeborenen Drachen handelte, konnte man vielleicht eine gewisse Irrationalität erwarten.

Sie kamen zu dem kleinen Steg des Teiches. Er konnte sich daran erinnern, wie er dort als Kind geschwommen war und sich dafür eine ordentliche Standpauke hatte anhören müssen. Nicht von seiner Mutter, sondern von Galad, obwohl ihm seine Mutter einen strengen, enttäuschten Blick gewidmet hatte. Er hatte nie jemandem verraten, dass er nur deshalb dort geschwommen war, weil Elayne ihn ins Wasser geschubst hatte.

»Das vergisst du nie, oder?«, fragte Elayne.

»Was?«

»Du hast daran gedacht, wie du während Mutters Zusammentreffen mit Haus Farah in den Teich gefallen bist.«

»Gefallen? Du hast mich geschubstl«

»Das habe ich nicht«, erwiderte Elayne steif. »Du musstest angeben und hast auf den Pfosten balanciert.«

»Und du hast den Steg zum Wackeln gebracht.«

»Ich habe ihn betreten«, sagte Elayne. »Kräftig. Ich bin eine lebhafte Person. Ich habe einen energischen Schritt.«

» Einen energischen … Das ist einfach gelogen!«

»Nein, ich gehe bloß kreativ mit der Wahrheit um. Ich bin jetzt eine Aes Sedai. Das ist eines unserer Talente. Nun, du ruderst mich doch über den Teich, oder?«

»Ich habe … dich rudern? Wie kommst du jetzt darauf?«

»Das ist mir gerade eingefallen. Hast du nicht zugehört?«

Gawyn schüttelte verwirrt den Kopf. »Also gut.« Hinter ihnen nahmen mehrere Gardistinnen ihre Posten ein. Sie waren immer in der Nähe, oft von der hochgewachsenen Frau angeführt, die sich für das Ebenbild der Birgitte aus den Sagen hielt. Und vielleicht sah sie ja tatsächlich wie Birgitte aus – auf jeden Fall nannte sie sich so und diente als Generalhauptmann.

Zu den Gardistinnen gesellte sich eine wachsende Gruppe von Dienern und Boten. Die Letzte Schlacht rückte immer näher, und Andor bereitete sich vor – und unglücklicherweise erforderten viele dieser Vorbereitungen Elaynes unmittelbare Aufmerksamkeit. Obwohl Gawyn da eine seltsame Geschichte zu Ohren gekommen war, dass man sie vor ungefähr einer Woche in einem Bett auf die Stadtmauer getragen hatte. Bis jetzt hatte er keine Gelegenheit gehabt, sie zu fragen, ob das stimmte oder nicht.

Er winkte Birgitte zu, die ihm ein Stirnrunzeln schenkte, als er Elayne zu dem kleinen Ruderboot des Teiches führte. »Ich verspreche, sie nicht hineinzuwerfen«, rief er. Um dann zu murmeln: »Obwohl ich vielleicht zu ›heftig‹ rudere und uns umkippe.«

»Ach, hör auf mit dem Unsinn«, sagte Elayne und stieg ein. »Teichwasser wäre nicht gut für die Babys.«

»Da wir gerade davon sprechen«, sagte Gawyn und stieß das Boot mit der Stiefelspitze ab, dann stieg er selbst ein. Das Gefährt wackelte bedrohlich, bis er sich gesetzt hatte. »Solltest du wegen deines ›Zustands‹ nicht viel laufen?«

»Ich werde Melfane sagen, dass ich die Gelegenheit brauchte, um meinen schurkischen Bruder auf den richtigen Weg zurückzuführen. Man kommt mit allem Möglichen durch, wenn man jemand ordentlich ausschimpft.«

»Und das erwartet mich jetzt? Ordentlich ausgeschimpft zu werden?«

»Nicht notwendigerweise.« Ihre Stimme klang ernst. Gawyn nahm die Ruder und schob sie ins Wasser. Der Teich war nicht riesig, gerade groß genug, um ein Boot zu rechtfertigen, aber zwischen den Schmetterlingen auf dem Wasser zu fahren hatte etwas Beruhigendes an sich.

»Gawyn, warum bist du nach Caemlyn gekommen?«

»Das ist mein Zuhause«, sagte er. »Warum sollte ich nicht hier sein?«

»Während der Belagerung machte ich mir große Sorgen um dich. Ich hätte dich während der Kämpfe brauchen können. Aber du bliebst fort.«

»Das habe ich doch erklärt, Elayne. Ich war in die Ränke der Weißen Burg verstrickt, ganz zu schweigen vom Winterschnee. Es ärgert mich, dass ich nicht helfen konnte, aber diese Frauen hatten mich in der Hand.«

»Ich bin selbst eine ›dieser Frauen‹, weißt du.« Sie hob die Hand. Der Große Schlangenring saß auf ihrem Finger.

»Du bist anders«, behauptete Gawyn. »Außerdem hast du ja recht. Ich hätte hier sein sollen. Aber ich weiß nicht, welche Entschuldigung du noch hören willst.«

»Ich erwarte keine Entschuldigungen«, sagte Elayne. »Ach, Gawyn, ich mache dir doch gar keine Vorwürfe. Obwohl ich dich sicher hätte brauchen können, haben wir es ja auch so geschafft. Ich hatte die Sorge, dass du zwischen die Fronten gerätst, entweder Egwene oder die Burg zu verteidigen. Anscheinend hat sich das ja alles geklärt. Also frage ich dich. Warum bist du jetzt hergekommen? Braucht Egwene dich nicht?«

»Anscheinend nicht«, sagte Gawyn und stoppte das Boot. Am Ufer wuchs eine gewaltige Trauerweide und hängte ihre Äste zopfgleich über die Teichoberfläche. Er hob die Ruder vor den Ästen in die Höhe, und das Boot hielt an.

»Nun«, sagte Elayne. »Ich maße mir nicht das Recht an, da in dich zu dringen – zumindest nicht im Augenblick. Du bist hier immer willkommen, Gawyn. Ich würde dich zum Generalhauptmann machen, wenn du mich darum bittest, aber ich glaube nicht, dass du das willst.«

»Wieso sagst du das?«

»Nun, den größten Teil deiner Zeit verbringst du damit, hier im Garten herumzuhängen und Trübsal zu blasen.«

»Ich habe keine Trübsal geblasen. Ich habe nachgedacht.«

»Ah, ja. Wie ich sehe, hast auch du gelernt, die Wahrheit auf kreative Weise auszudrücken.«

Er schnaubte leise.

»Gawyn, du hast nicht die geringste Zeit mit deinen Freunden oder Bekannten aus dem Palast verbracht. Du bist nicht in die Rolle eines Prinzen oder Generalhauptmanns getreten. Stattdessen hast du … nachgedacht.«

Gawyn schaute auf den Teich hinaus. »Ich verbringe keine Zeit mit den anderen, weil sie alle wissen wollen, warum ich bei der Belagerung nicht hier war. Sie fragen ständig, wann ich meine Stellung hier einnehme und deine Heere anführe.«

»Das ist schon in Ordnung. Du musst kein Generalhauptmann sein, und wenn ich muss, kann ich auch ohne meinen Ersten Prinzen des Schwertes überleben. Obwohl ich zugeben muss, dass Birgitte ziemlich aufgebracht ist, weil du nicht Generalhauptmann wirst.«

»Ist das der Grund für die finsteren Blicke?«

»Ja. Aber sie wird es schon schaffen, sie ist ganz gut in dieser Aufgabe. Und wenn es jemanden gibt, von dem ich will, dass du ihn beschützt, dann ist es Egwene. Sie verdient dich.«

» Und wenn ich entschieden habe, dass ich sie nicht will?«

Elayne beugte sich vor und legte ihm die Hand auf den Arm. Ihr vom blonden Haar eingerahmtes Gesicht sah besorgt aus. »Oh, Gawyn. Was ist nur mit dir passiert?«

Er schüttelte den Kopf. »Bryne glaubt, dass ich mich zu sehr an den Erfolg gewöhnt habe und nicht weiß, was ich tun soll, wenn sich die Dinge nicht nach meinem Willen entwickeln.«

»Und was glaubst du?«

»Ich glaube, es tut mir gut, hier zu sein«, sagte Gawyn und holte tief Luft. Ein paar Frauen gingen den Pfad am Teich entlang, angeführt von einer Frau mit hellrotem Haar, das mit weißen Strähnen durchzogen war. Dimana war eine gescheiterte Schülerin der Weißen Burg oder etwas in der Art. Gawyn war sich nicht sicher, was es mit den Kusinen genau auf sich hatte und in welcher Beziehung sie zu Elayne standen.