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»Du veränderst dich, Perrin Aybara«, sagte Gaul.

»Was?«, sagte Perrin und nahm Traber von einem Pferdeknecht entgegen.

»Das ist eine gute Sache«, erwiderte Gaul. »Gut zu sehen, dass du aufhörst, dich zu beschweren, ein Häuptling zu sein. Gut zu sehen, dass du das Kommando genießt.«

»Ich habe aufgehört, mich darüber zu beschweren, weil ich Besseres zu tun habe«, erwiderte Perrin. »Und ich genieße es keinesfalls, das Kommando zu haben. Ich tue es, weil ich es tun muss.«

Gaul nickte, als wäre er der Ansicht, dass Perrin ihm zustimmte.

Aiel. Perrin schwang sich in den Sattel. »Also lass uns gehen. Die Männer marschieren los.«

»Ab mit Euch«, sagte Faile zu Aravine. »Das Heer marschiert los.«

Aravine machte einen Knicks und ging los, um den Befehl an die Flüchtlinge weiterzuleiten. Faile war sich nicht sicher, was dieser Tag bringen würde, aber sie wollte, dass die Zurückbleibenden das Lager abbrachen und sich für alle Fälle zum Abmarsch vorbereiteten.

Als Aravine ging, sah Faile, dass sich der Buchhalter Aldin ihr anschloss. In letzter Zeit schien er Aravine recht oft zu besuchen. Vielleicht hatte er Arrela endlich aufgegeben.

Sie eilte zum Zelt. Unterwegs kam sie an Flann Barstere, Jon Gaelin und Marek Cormer vorbei, die Bogensehnen und die Befiederungen an den Pfeilen überprüften. Alle drei schauten auf und winkten. In ihren Blicken schien eine gewisse Erleichterung zu liegen, was ein gutes Zeichen war. Einst hatten diese Männer beschämt ausgesehen, wenn sie sie sahen, als würden sie sich für die Art und Weise verantwortlich fühlen, auf die Perrin während ihrer Abwesenheit angeblich mit Berelain gebalzt hatte.

Die Zeit, die sie mit Berelain verbrachte, und die formelle Entkräftung der Gerüchte überzeugte das Lager langsam, dass nichts Ungehöriges geschehen war. Interessanterweise schien die Tatsache, dass Faile Berelain während der Blase des Bösen das Leben gerettet hatte, die Meinung der Leute am stärksten zu beeinflussen. Sie nahmen deswegen an, dass zwischen den beiden Frauen kein Streit herrschte.

Natürlich hatte Faile der Frau nicht das Leben gerettet, sondern ihr bloß geholfen. Aber die Gerüchte besagten anderes, und es freute Faile, dass sie ausnahmsweise einmal zugunsten von Perrin und ihr arbeiteten.

Sie erreichte das Zelt und wusch sich rasch mit einem feuchten Tuch. Dann trug sie etwas Parfüm auf und zog ihr hübschestes Gewand an; es wies ein dunkles Graugrün auf und hatte aufgestickte Ranken auf dem Oberteil und am Saum. Schließlich warf sie einen schnellen Blick in den Spiegel. Gut. Sie verbarg ihre Nervosität. Perrin würde nichts passieren. Nichts.

Sie schob sich trotzdem ein paar Messer in den Gürtel und in die Ärmel. Ein Pferdeknecht hatte ihr Tageslicht gebracht. Sie saß auf – und vermisste Schwalbe, den die Shaido getötet hatten. Selbst die Röcke ihrer besten Kleider waren zum Reiten abgenäht; auf Reisen trug sie nichts anderes. Ihre Mutter hatte ihr beigebracht, dass bei Soldaten nichts mehr die Glaubwürdigkeit einer Frau zunichtemachte als ein Damensattel. Und sollte das Unvorstellbare dennoch eintreten und Perrin fallen, würde Faile das Kommando über die Streitkräfte übernehmen.

Im Schritttempo ritt sie an die Spitze des sich versammelnden Heeres. Perrin saß dort schon im Sattel. Wie konnte er es wagen, so geduldig auszusehen!

Faile ließ sich ihren Ärger nicht anmerken. Es gab eine Zeit für einen Wirbelsturm und eine Zeit für eine sanfte Brise. Sie hatte Perrin bereits deutlich zu verstehen gegeben, was sie von dieser Gerichtsverhandlung hielt. Im Augenblick aber musste man sehen, dass sie ihren Gemahl unterstützte.

Sie ritt an seine Seite, während die Aes Sedai hinter ihm Aufstellung nahmen und genau wie die Weisen Frauen zu Fuß gingen. Keine Töchter. Wo steckten sie? Es musste wichtig sein, um sie von der Verhandlung fernzuhalten. Für Sulin und die anderen war der Schutz Perrins eine vom Car’a’carn auferlegte Pflicht, und sollte er fallen, würde das für sie eine ernsthafte Angelegenheit von Toh sein.

Sie ließ den Blick über das Lager schweifen und bemerkte zwei Gai’schain, die in ihren weißen Kapuzengewändern zur vordersten Reihe eilten. Gaul, der neben Perrins Pferd stand, runzelte die Stirn. Eine der Gestalten verneigte sich vor ihm und hielt ihm ein Bündel Speere hin. »Frisch geschärft«, sagte Chiad.

»Und neu befiederte Pfeile«, fügte Bain hinzu. »Ich habe bereits Speere und Pfeile«, erwiderte Gaul. »Ja«, sagten die Frauen wie aus einem Mund, gingen vor ihm auf die Knie und hielten ihre Gaben noch immer hin.

»Was?«

»Wir sorgen uns bloß um deine Sicherheit«, sagte Bain. »Schließlich hast du alle diese Waffen selbst vorbereitet.« Sie sagte das in einem völlig ernsten Tonfall, ohne einen Hauch von Spott oder Unehrlichkeit. Und doch kamen die Worte einer Belehrung sehr nahe.

Gaul fing an zu lachen. Er nahm die angebotenen Waffen und übergab den Frauen die anderen. Trotz der anstehenden Probleme musste Faile lächeln. Der Umgang der Aiel miteinander wies eine hinterhältige Komplexität auf. Was Gaul an seinen Gai’schain hätte erfreuen sollen, schien ihn oft zu frustrieren, aber was man als beleidigend hätte betrachten können, wurde mit Belustigung aufgenommen.

Als sich Bain und Chiad zurückzogen, betrachtete Faile das sich versammelnde Heer. Jeder kam, nicht nur die Hauptmänner oder abkommandierten Gruppen. Die meisten würden den Prozess gar nicht sehen können, aber sie mussten da sein. Für alle Fälle.

Faile beugte sich zu ihrem Gemahl hinüber. »Etwas macht dir Sorgen«, sagte sie zu ihm.

»Die Welt hält den Atem an, Faile,« » Was meinst du?«

Er schüttelte den Kopf. »Die Letzte Jagd hat begonnen. Rand ist in Gefahr. Mehr als jeder Einzelne von uns. Und ich kann nicht an seine Seite eilen. Noch nicht.«

»Perrin, deine Worte ergeben keinen Sinn. Wie kannst du wissen, ob Rand in Gefahr ist?«

»Ich sehe ihn. Jedes Mal, wenn ich seinen Namen erwähne oder an ihn denke, eröffnet sich mir eine Vision von ihm.«

Sie blinzelte.

Er wandte sich ihr zu, und in seinen gelben Augen lag ein nachdenklicher Blick. »Ich bin mit ihm verbunden. Er… er zieht an mir, musst du wissen. Schließlich wollte ich dir gegenüber über solche Dinge offen sein.« Er zögerte. »Meine Heere hier, sie werden getrieben. Wie Schafe zu ihrem Metzger.« Plötzlich hielt er inne. »Da war eine Vision im Wolfstraum, Schafe, die von Wölfen gehetzt wurden. Und ich glaubte zu ihnen zu gehören.«

Faile hörte aufmerksam zu. »Und dann?«

»Ich erzähle es dir später genau. Aber mir ist gerade etwas klar geworden. Beim Licht, ich habe mich geirrt.« Er nickte. »Der Wind verrät es mir. Das Problem mit den Wegetoren hat mit etwas im Wolfstraum zu tun. Jemand will, dass wir nicht von diesem Ort fliehen können.«

Ein kalter Lufthauch schlug über ihnen zusammen, in dieser Mittagshitze eher seltsam. »Bist du sicher?«, wollte Faile wissen.

»Ja«, erwiderte Perrin. »Seltsamerweise bin ich das.« »Sind die Töchter damit beschäftigt? Sind sie auf Erkundung?«

»Jemand will uns hier festhalten und angreifen. Da ist es vernünftig, uns mit den Weißmänteln streiten zu lassen und dann die Überlebenden zu töten. Aber dazu würde man ein Heer brauchen, von dem aber jede Spur fehlt. Es gibt nur uns und die Weißmäntel. Elyas sucht nach einem Tor der Kurzen Wege, aber bis jetzt hat er noch nichts gefunden. Also ist das vielleicht alles Unsinn, und ich habe Angst vor meinem eigenen Schatten.«

»In letzter Zeit, mein Gemahl, ist es wahrscheinlich, dass diese Schatten beißen können. Ich vertraue deinen Instinkten.«

Er sah sie an, dann lächelte er breit. »Vielen Dank.« » Was also sollen wir tun?«

»Wir reiten zu dieser Verhandlung«, sagte Perrin. »Und bemühen uns nach allen Kräften, nicht gegen die Weißmäntel in die Schlacht ziehen zu müssen. Und heute Abend sehe ich, ob ich das Ding vernichten kann, das unsere Wegetore verhindert. Wir können nicht weit genug reiten, um ihm zu entkommen; das Ding kann bewegt werden. Ich sah es an zwei Orten. Irgendwie muss ich es vernichten. Danach entkommen wir.«