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Sie nickte, und Perrin gab den Befehl zum Abmarsch. Obwohl die hinter ihnen versammelte Streitmacht chaotisch erschien – wie ein verheddertes Seil -, setzte sich das Heer in Bewegung. Die verschiedenen Gruppen ordneten sich selbst und entwirrten sich.

Sie legten das kurze Stück auf der Jehannahstraße zurück und näherten sich dem Feld mit dem Pavillon. Die Weißmäntel waren bereits da; sie standen in Formation. Dem ersten Anschein nach hatten auch sie ihr gesamtes Heer mitgebracht.

Das würde ein spannungsgeladener Nachmittag.

Gaul lief neben Perrins Pferd, und weder erschien er besorgt, noch hatte er sich verschleiert. Faile wusste, dass er es für eine ehrenhafte Sache hielt, dass sich Perrin diesem Prozess stellte. Perrin musste sich entweder verteidigen oder Toh zugeben und das Urteil akzeptieren. Aiel waren ohne Fesseln zu ihrer eigenen Hinrichtung gegangen, um Toh zu akzeptieren.

Sie ritten zum Pavillon. Am nördlichen Ende hatte man auf einer niedrigen Plattform einen Stuhl hingestellt, dessen Rücken dem fernen Wald aus Zwerglorbeer zugewandt stand. Morgase saß auf dem erhöhten Stuhl und sah jeden Zoll wie eine Königin aus; sie trug ein Gewand in roten und goldenen Farben, das Galad irgendwo für sie aufgetrieben haben musste. Wie hatte Faile diese Frau nur jemals für eine beliebige Zofe halten können?

Vor Morgase waren Stühle aufgestellt worden, die zur Hälfte mit Weißmänteln gefüllt waren. Galad stand neben ihrem provisorischen Richterthron. Seine Uniform war makellos, sein Umhang fiel glatt zu Boden, jede Haarlocke lag perfekt an Ort und Stelle. Faile warf einen Blick zur Seite und erwischte Berelain dabei, wie sie Galad anstarrte und errötete; sie sah fast schon hungrig aus. Sie hatte die ganze Zeit den Versuch nicht aufgegeben, Perrin überreden zu wollen, sie zu den Weißmänteln zu schicken, um Frieden zu schließen.

»Galad Damodred«, rief Perrin und stieg vor dem Pavillon vom Pferd. Faile stieg ebenfalls ab und blieb an seiner Seite. »Ich möchte, dass Ihr mir etwas versprecht, bevor wir anfangen.«

»Und was sollte das sein?«, rief der junge Kommandant aus dem Zelt mit den aufgerollten Wänden.

»Schwört, das nicht in eine Schlacht ausarten zu lassen.«

»Das könnte ich versprechen«, erwiderte Galad. »Aber natürlich müsstet Ihr mir versprechen, dass Ihr nicht weglauft, sollte Euch das Urteil nicht gefallen.«

Perrin schwieg. Dann legte er die Hand auf seinen Hammer.

»Wie ich sehe, wollt Ihr das nicht versprechen«, sagte Galad. »Ich biete Euch diese Gelegenheit, weil meine Mutter mich dazu überredet hat, Euch zu erlauben, zu Eurer Verteidigung zu sprechen. Aber ich würde eher sterben, als einem Mann, der Kinder des Lichts ermordet hat, zu erlauben, sich ungehindert zurückzuziehen. Wenn Ihr nicht wollt, dass das hier mit einer Schlacht endet, dann solltet Ihr Eure Verteidigung überzeugend präsentieren, Perrin Aybara. Entweder das oder die Strafe akzeptieren.«

Faile sah ihren Gemahl an; er runzelte die Stirn. Er erweckte den Eindruck, als wollte er das geforderte Versprechen geben. Sie legte ihm die Hand auf den Arm.

»Ich sollte das tun«, sagte er leise. »Wie kann ein Mann über dem Gesetz stehen, Faile? Ich habe diese Männer in Andor getötet, als Morgase Königin war. Ich sollte mich ihrem Urteil fügen.«

»Und was ist mit der Pflicht, die du den Menschen in deinem Heer gegenüber hast? Deine Pflicht Rand gegenüber und der Letzten Schlacht?« Und mir!

Perrin zögerte, dann nickte er. »Du hast recht.« Dann fuhr er lauter fort: »Bringen wir es hinter uns.«

Perrin betrat den Pavillon, dicht gefolgt von Neald, Dannil und Grady. In ihrer Gegenwart kam sich Perrin wie ein Feigling vor; ihre Haltung verkündete deutlich, dass sie nicht vorhatten, Perrin ohne Gegenwehr abführen zu lassen.

Was war ein Prozess, dessen Urteil er sich nicht unterwerfen würde? Nur ein Schauspiel, nichts weiter.

Die Weißmäntel beobachteten sie angespannt, ihre Offiziere standen im Schatten des Pavillons, ihr Heer nahm Paradestellung ein. Sie erweckten nicht den Eindruck, während des Verfahrens bequem stehen zu wollen. Perrins weniger ordeutlich aufgestellte, wenn auch zahlenmäßig überlegene Streitkräfte reagierten, indem sie sich gegenüber von den Weißmänteln aufbauten.

Perrin nickte, und Rowan Hurn setzte sich in Bewegung, um sich zu vergewissern, dass Galad die Gefangenen freigelassen hatte. Perrin ging an dem Pavillon entlang und blieb direkt vor Morgases erhöhtem Sitz stehen. Faile blieb an seiner Seite. Man hatte Stühle für ihn aufgestellt, und er setzte sich. Ein paar Schritte zu seiner Linken erhob sich Morgases Plattform. Zu seiner Rechten setzten sich die Zuschauer. Er kehrte seinem Heer den Rücken zu.

Faile nahm neben ihm Platz; sie roch nach Misstrauen. Andere gesellten sich hinzu. Berelain und Alliandre setzten sich mit ihren Wächtern neben ihn; die Aes Sedai und Weisen Frauen blieben stehen. Die letzten freien Sitze wurden von ein paar Männern aus den Zwei Flüssen in Beschlag genommen und einigen Abgeordneten der Flüchtlinge.

Die Offiziere der Weißmäntel setzten sich auf der anderen Seite hin, genau gegenüber von ihm und Faile. Bornhaid und Byar saßen in der ersten Reihe. Insgesamt gab es etwa dreißig Stühle, die die Weißmäntel vermutlich Perrins Ausrüstung entnommen hatten.

»Perrin«, sagte Morgase. »Seid Ihr sicher, dass Ihr das tun wollt?«

»Das bin ich.«

»Also gut«, sagte sie mit regloser Miene, obwohl sie zögernd roch. »Ich erkläre diese Verhandlung formell für eröffnet. Der Angeklagte ist Perrin Aybara, auch als Perrin Goldauge bekannt.« Sie zögerte. »Lord der Zwei Flüsse«, fügte sie hinzu. »Galad, Ihr tragt die Anklage vor.«

»Es gibt drei Anklagepunkte«, begann Galad. »Die ersten beiden betreffen die unrechtmäßige Ermordung von Kind Lathin und die unrechtmäßige Ermordung von Kind Yamwick. Aybara wird ebenfalls beschuldigt, ein Schattenfreund zu sein und die Trollocs zu den Zwei Flüssen geführt zu haben.«

Die letzte Anschuldigung löste bei den Männern aus den Zwei Flüssen wütendes Gemurmel aus. Diese Trollocs hatten auch Perrins Familie getötet.

Galad sprach weiter. »Die letzte Beschuldigung kann noch nicht untermauert werden, da man meine Männer aus den Zwei Flüssen vertrieb, bevor sie Beweise sammeln konnten. Was die ersten beiden Anklagepunkte angeht, hat Aybara seine Schuld bereits zugegeben.«

»Stimmt das, Lord Aybara?«, wollte Morgase wissen.

»Ich tötete diese Männer«, sagte Perrin. »Aber es war kein Mord.«

»Dann wird dieses Gericht das klären«, sagte Morgase förmlich. »Und das ist der Disput.«

Morgase schien eine völlig andere Person als Maighdin zu sein. Erwartete man von ihm ein solches Verhalten, wenn er Recht sprach? Aber er musste zugeben, dass sie dem Verfahren etwas von der dringend nötigen Formalität verlieh. Schließlich fand es in einem Zelt auf einem Feld statt, und der Richterstuhl war anscheinend mit ein paar Kisten erhöht worden, über die man einen Teppich geworfen hatte.

»Galad«, sagte Morgase. »Eure Männer dürfen ihre Sicht der Geschichte erzählen.«

Galad nickte Byar zu. Byar stand auf, und ein anderer Weißmantel, ein junger Mann, der gänzlich kahl war, trat vor und gesellte sich zu ihm. Bornhaid blieb sitzen.

»Euer Gnaden«, begann Byar, »es geschah vor etwa zwei Jahren. Im Frühling. Einem ungewöhnlich kalten Frühling, wie ich mich erinnere. Wir waren auf dem Rückweg von einer wichtigen Mission für den Kommandieren Lordhauptmann, und wir durchquerten die Wildnis in der Mitte Andors. Wir wollten in einem verlassenen S tedding der Ogier übernachten, am Fuß der Überreste einer einstmals gewaltigen Statue. Die Art von Ort, von der man annimmt, dort sicher zu sein.«