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»Ihr grabt Euch Euer eigenes Grab, Aybara«, sagte Bornhaid, stand auf und zeigte mit dem Finger auf ihn. »Unser Kommandierender Lordhauptmann sagte, er könne nicht beweisen, dass Ihr ein Schattenfreund seid, und hier stellt Ihr Euch hin und präsentiert unseren Fall!«

»Das macht mich nicht zu einem Schattenfreund«, sagte Perrin.

»Der Zweck dieser Verhandlung besteht nicht darin, über diese Beschuldigung zu urteilen«, sagte Morgase energisch. »Wir werden Aybaras Verantwortung für den Tod dieser beiden Männer ergründen und nichts anderes. Ihr dürft Euch setzen, Kind Bornhaid.«

Bornhaid setzte sich wütend.

»Ich habe noch immer nicht Eure Verteidigung gehört, Lord Aybara«, sagte Morgase.

»Ich habe Euch gesagt, was ich bin und was ich tue, um Euch zu zeigen, dass diese Wölfe meine Freunde waren.« Er holte tief Luft. »Diese Nacht in Andor … sie war schrecklich, genau wie Byar sagte. Wir hatten Angst, wir alle. Die Weißmäntel fürchteten sich vor den Wölfen, die Wölfe fürchteten sich vor dem Feuer und den drohenden Bewegungen der Männer, und ich hatte einfach nur Angst vor der ganzen Welt um mich herum. Ich hatte die Zwei Flüsse noch nie zuvor verlassen und verstand nicht, warum ich Wölfe in meinem Kopf hörte.

Nun, nichts davon ist eine Entschuldigung, und das soll es auch nicht sein. Ich tötete diese Männer, aber sie griffen meine Freunde an. Wenn die Männer Jagd auf Wolfspelze machten, wehrten sich die Wölfe.« Er hielt inne. Sie mussten die ganze Wahrheit erfahren. »Um ehrlich zu sein, Euer Gnaden, ich hatte mich nicht unter Kontrolle. Ich wollte mich ergeben. Aber mit den Wölfen in meinem Kopf… ich fühlte ihren Schmerz. Dann töteten die Weißmäntel einen guten Freund von mir, und ich musste kämpfen. Ich würde das Gleiche tun, um einen Bauer zu beschützen, der von Soldaten gequält wird.«

»Ihr seid eine Kreatur des Schattens!«, stieß Bornhaid hervor und stand wieder auf. »Eure Lügen beleidigen die Toten!«

Perrin wandte sich dem Mann zu und erwiderte seinen Blick. Stille breitete sich im Zelt aus. Perrin konnte die Anspannung riechen, die in der Luft hing. »Ist Euch noch nie aufgefallen, dass sich manche Männer von Euch unterscheiden, Bornhaid?«, fragte er. »Habt Ihr je versucht, Euch zu überlegen, wie es sein muss, ein anderer zu sein? Wenn Ihr durch meine goldenen Augen sehen könntet, würdet Ihr die Welt als einen anderen Ort betrachten.«

Bornhaid öffnete den Mund, als wollte er eine weitere Beleidigung ausspucken, leckte sich aber die Lippen, als wären sie plötzlich ausgetrocknet. »Ihr habt meinen Vater ermordet«, brachte er schließlich hervor.

»Das Horn von Valere wurde geblasen«, erwiderte Perrin, »am Himmel kämpfte der Wiedergeborene Drache gegen Ishamael. Artur Falkenflügels Heere waren an diese Küsten zurückgekehrt, um sie zu unterwerfen. Ja, ich war in Falme. Ich ritt an der Seite der Helden des Horns in die Schlacht, an der Seite von Falkenflügel selbst, kämpfte gegen die Seanchaner. Ich kämpfte auf derselben Seite wie Euer Vater, Bornhaid. Ich sagte bereits, dass er ein guter Mann war, und das war er auch. Er griff tapfer an. Er starb tapfer.«

Das Publikum stand so still, dass sie genauso gut Statuen hätten sein können. Niemand regte sich. Bornhaid wollte erneut widersprechen, sagte dann aber nichts.

»Ich schwöre Euch unter dem Licht, bei meiner Hoffnung auf Rettung und Wiedergeburt, dass ich Euren Vater nicht getötet habe«, sagte Perrin. »Und ich hatte auch nichts mit seinem Tod tun.«

Bornhaid betrachtete forschend Perrins Blick und sah aufgewühlt aus.

»Hört nicht auf ihn, Dain«, sagte Byar. Sein Geruch war stark, stärker als alle anderen im Pavillon. Erregt, wie verfaultes Fleisch. »Er hat Euren Vater getötet.«

Galad stand noch immer da und verfolgte die Diskussion. »Ich habe nie so richtig verstanden, woher Ihr das wisst, Kind Byar. Was habt Ihr gesehen? Vielleicht sollte das der Gegenstand der Verhandlung sein, die wir abhalten.«

»Es ist nicht das, was ich sah, Lordhauptmann«, sagte Byar. »Sondern was ich weiß. Wie erklärt sich sonst, dass er überlebte, die Legion aber nicht! Euer Vater war ein tapferer Krieger, Bornhaid. Er wäre den Seanchanern nie zum Opfer gefallen!«

»Das ist doch Unsinn«, sagte Galad. »Die Seanchaner haben uns immer wieder geschlagen. Selbst ein guter Mann kann in der Schlacht fallen.«

»Ich sah Goldauge dort«, erwiderte Byar und deutete wild auf Perrin. »Wie er an der Seite von Geistern kämpfte! Kreaturen des Bösen!«

»Die Helden des Horns, Byar«, sagte Perrin. »Könnt Ihr nicht begreifen, dass wir an der Seite der Weißmäntel kämpften?«

»Es hatte den Anschein«, sagte Byar wild. »Genau wie du die Menschen in den Zwei Flüssen scheinbar verteidigt hast. Aber ich habe dich durchschaut, Schattengezücht! Ich habe dich in dem Augenblick durchschaut, in dem ich dir begegnete!«

»Habt Ihr mir deshalb geraten, ich solle fliehen?«, sagte Perrin leise. »Nach meiner Gefangennahme, als man mich im Zelt von Lord Bornhaid dem Vater einsperrte. Ihr habt mir einen scharfkantigen Stein gegeben und mir gesagt, dass mich niemand verfolgen würde, wenn ich fliehe.«

Byar erstarrte. Das schien er völlig vergessen zu haben.

»Ihr wolltet, dass ich versuche zu fliehen«, fuhr Perrin fort, »damit Ihr mich töten konntet. Ihr wolltet Egwene und mich um jeden Preis tot sehen.«

»Stimmt das, Kind Byar?«, fragte Galad.

Byar stotterte. »Natürlich … natürlich nicht. Ich …« Plötzlich fuhr er auf dem Absatz herum und wandte sich an Morgase auf ihrem schlichten Richterstuhl. »Bei diesem Verfahren geht es nicht um mich, sondern um ihn! Ihr habt beide Seiten gehört. Wie lautet Eure Antwort? Richtet, Frau!«

»Ihr solltet nicht so zu meiner Mutter sprechen«, sagte Galad leise. Seine Miene war ganz ruhig, aber Perrin roch Gefahr an ihm. Bornhaid hatte sich wieder hingesetzt und stützte den Kopf mit den Händen; er wirkte sehr aufgewühlt.

»Nein, schon gut«, sagte Morgase. »Er hat recht. Bei diesem Verfahren geht es um Perrin Aybara.« Sie betrachtete Perrin. Und er erwiderte ihren Blick. Sie roch … als sei sie wegen irgendetwas neugierig. »Lord Aybara. Seid Ihr der Ansicht, ausreichend in Eurem Fall gesprochen zu haben?«

»Ich beschützte mich und meine Freunde«, sagte Perrin. »Die Weißmäntel hatten nicht die Autorität, uns herumzukommandieren oder zu bedrohen. Ich vermute, Ihr kennt ihren Ruf genauso gut wie wir alle. Wir hatten gute Gründe, ihnen zu misstrauen und uns ihren Befehlen zu widersetzen. Es war kein Mord. Ich habe mich nur verteidigt.«

Morgase nickte. »Dann werde ich meine Entscheidung treffen. «

» Soll kein anderer für Perrin sprechen?«, verlangte Faile zu wissen und stand auf.

»Das wird nicht notwendig sein, Lady Faile«, sagte Morgase. »Soweit ich es sagen kann, ist die einzige andere Person, die wir befragen könnten, Egwene al’Vere, die für dieses Verfahren nicht zur Verfügung zu stehen scheint.«

»Aber…«

»Es reicht«, unterbrach Morgase sie mit kalter Stimme. »Wir könnten ein Dutzend Kinder aufmarschieren lassen, die ihn als Schattenfreund bezeichnen, und zwei Dutzend seiner Anhänger, die seine Tugenden preisen. Nichts davon würde diesem Verfahren dienlich sein. Wir sprechen von bestimmten Ereignissen an einem bestimmten Tag.«

Faile verstummte, obwohl sie wütend roch. Sie nahm Perrins Arm, blieb aber stehen. Perrin verspürte … Bedauern. Er hatte die Wahrheit dargestellt. Aber er war nicht zufrieden.

Er hatte diese Weißmäntel nicht töten wollen, aber er hatte es getan. Und er hatte es in einem wilden Rausch getan, völlig außer Kontrolle. Er konnte dafür die Wölfe verantwortlich machen, er konnte dafür die Weißmäntel verantwortlich machen, aber die schlichte Wahrheit war, dass er die Kontrolle verloren hatte. Als er erwacht war, hatte er sich kaum noch an das erinnern können, was er getan hatte.

»Ihr kennt meine Antwort, Perrin«, sagte Morgase. »Ich kann es in Euren Augen lesen.«