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»Tut, was Ihr tun müsst«, erwiderte er.

»Perrin Aybara, ich erkläre Euch für schuldig.«

»Nein!«, schrie Faile. »Wie könnt Ihr es wagen! Er hat Euch aufgenommen!«

Perrin legte ihr die Hand auf die Schulter. Reflexartig hatte sie nach ihrem Ärmel gegriffen und den dort versteckten Messern.

»Das hat nichts mit meinen persönlichen Gefühlen für Perrin zu tun«, sagte Morgase. »Das ist ein Gerichtsverfahren nach andoranischem Gesetz. Nun, das Gesetz ist eindeutig. Perrin mag glauben, dass die Wölfe seine Freunde waren, aber das Gesetz legt fest, dass der Hund oder das Vieh eines Mannes einen bestimmten Wert hat. Sie zu töten verstößt gegen das Gesetz, aber einen Mann zur Vergeltung zu töten ist ein noch größerer Verstoß. Ich kann Euch die genauen Passagen zitieren, falls Ihr es wünscht.«

Im Pavillon herrschte Stille. Neald hatte sich ein Stück von seinem Stuhl erhoben, aber Perrin warf ihm einen Blick zu und schüttelte den Kopf. Die Mienen der Aes Sedai und der Weisen Frauen verrieten nichts. Berelain sah resigniert aus, und die blonde Alliandre hatte eine Hand vor den Mund geschlagen.

Dannil und Azi al’Thone rückten näher an Perrin und Faile heran, und Perrin zwang sie nicht zurück.

»Was spielt das für eine Rolle?«, verlangte Byar zu wissen. »Er wird sich dem Urteil sowieso nicht unterwerfen!«

Weitere Weißmäntel standen auf, und dieses Mal vermochte Perrin nicht alle niederzustarren, die auf seiner Seite ihrem Beispiel folgten.

»Ich habe noch kein Urteil verkündet«, sagte Morgase kühl.

»Was für ein anderes Urteil könnte es da schon geben?«, sagte Byar. »Ihr habt gesagt, dass er schuldig ist.«

»Ja. Obwohl ich der Ansicht bin, dass es noch andere Umstände gibt, die für das Urteil relevant sind.« Ihre Züge waren noch immer wie in Stein gemeißelt, und sie roch nach Entschlossenheit. Was hatte sie vor?

»Die Weißmäntel waren eine unautorisierte militärische Gruppe in meinem Reich«, sagte Morgase. »Unter dem Licht erkläre ich Perrin zwar für schuldig, Eure Männer getötet zu haben, aber ich stelle fest, dass der Zwischenfall unter das Kainec-Protokoll fällt.«

»Ist das nicht das Gesetz, das Söldnerfragen regelt?«, fragte Galad.

»In der Tat.«

»Was ist das?«, fragte Perrin.

Galad wandte sich ihm zu. »Sie hat entschieden, dass unser Streit eine Prügelei zwischen Söldnergruppen war. Grob gesagt stellt das Urteil fest, dass es bei der Auseinandersetzung keine Unschuldigen gab – darum seid Ihr auch nicht des Mordes angeklagt. Stattdessen habt Ihr illegal getötet.«

»Da gibt es einen Unterschied?«, fragte Dannil stirnrunzelnd.

»Das ist eine Frage der Auslegung«, sagte Galad, die Hände noch immer hinter dem Rücken verschränkt. Perrin fing seinen Geruch auf; Neugier. »Ja, das ist eine gute Entscheidung, Mutter. Aber ich glaube, die Strafe ist trotzdem der Tod.«

»Das kann sie sein«, sagte Morgase. »Galad, Ihr tragt die Verantwortung für die getöteten Männer, oder zumindest kommt Ihr dem am nächsten. Ich übertrage Euch das Strafmaß. Ich habe das Urteil gesprochen und die legale Definition festgelegt. Ihr entscheidet die Strafe.«

Galad und Perrin starrten sich quer durch den Pavillon an.

»Ich verstehe«, sagte Galad. »Eine seltsame Entscheidung, Euer Gnaden. Aybara, die Frage stellt sich erneut. Fügt Ihr Euch dem Urteil dieses Verfahrens, das Ihr selbst angeregt habt? Oder muss das durch einen Kampf entschieden werden?«

Faile spannte sich an seiner Seite an. Perrin hörte genau, wie hinter ihm sein Heer in Bewegung geriet, Männer murmelnd Schwerter in ihren Scheiden lockerten. Die Botschaft verbreitete sich unter ihnen wie ein leises Summen. Lord Perrin, für schuldig befunden. Sie werden versuchen ihn zu ergreifen. Das lassen wir nicht zu, oder?

Im Pavillon vermengten sich die bitteren Gerüche von Furcht und Zorn; beide Seiten starrten sich bedrohlich an. Und über allem konnte Perrin das in der Luft liegende Übel riechen.

Kann ich weiter davonlaufen?, dachte er. Verfolgt von diesem Tag? Ta’veren kannten keine Zufälle. Warum hatte ihn das Muster an diesen Ort gebracht, um sich den Albträumen seiner Vergangenheit zu stellen?

»Ich füge mich, Damodred«, verkündete Perrin.

»Was?«, keuchte Faile.

»Aber«, fuhr Perrin fort und hob einen Finger, »nur solange Ihr versprecht, das Urteil erst dann zu vollstrecken, nachdem ich in der Letzten Schlacht meine Pflicht tat.«

»Ihr akzeptiert das Urteil nach der Letzten Schlacht?«, fragte Bornhaid verwirrt. »Nach dem Ereignis, das möglicherweise das Ende der Welt selbst ist? Nachdem Ihr Zeit zur Flucht hattet, uns vielleicht verraten habt? Was soll das denn für ein Versprechen sein?«

»Das Einzige, das ich geben kann«, erwiderte Perrin. »Ich weiß nicht, was uns die Zukunft bringt, oder ob wir sie je erleben. Aber wir kämpfen um unser Überleben. Vielleicht sogar das Überleben der Welt. Dem gegenüber sind alle anderen Dinge zweitrangig. Das ist die einzige Möglichkeit, mit der ich dienen kann.«

»Woher sollen wir wissen, dass Ihr Euer Wort haltet?«, fragte Galad. »Meine Männer halten Euch für Schattengezücht. «

»Ich kam her, oder nicht?«, fragte Perrin. »Weil wir Eure Leute gefangen hatten.« »Würde Schattengezücht darauf etwas geben?«, wollte Perrin wissen. Galad zögerte.

»Ich schwöre es«, sagte Perrin. »Beim Licht und meiner Hoffnung auf Erlösung und Wiedergeburt. Bei meiner Liebe für Faile und bei dem Namen meines Vaters. Ihr bekommt Eure Gelegenheit, Galad Damodred. Überlebt Ihr und ich das bis zum Ende, unterwerfe ich mich Eurer Autorität.«

Galad musterte ihn, dann nickte er. »Also gut.«

»Nein!«, rief Byar. »Das ist doch Wahnsinn!«

»Wir gehen, Kind Byar«, sagte Galad und ging auf den Rand des Pavillons zu. »Ich habe meine Entscheidung getroffen. Mutter, begleitest du mich?«

»Es tut mir leid, Galad«, sagte Morgase. »Nein. Aybara ist auf dem Weg zurück nach Andor, und ich muss mit ihm gehen. «

» Nun gut.« Galad ging weiter.

»Wartet«, rief Perrin. »Ihr habt mir noch nicht gesagt, welche Strafe ich zu erwarten habe, wenn ich mich Euch unterwerfe. «

»Nein«, sagte Galad und ging weiter. »Das habe ich nicht.«

35

Die richtige Entscheidung

Ihr versteht, was Ihr zu tun habt?«, wollte Egwene wissen und schlug den Weg zu ihren Gemächern in der Weißen Burg ein. Siuan nickte.

»Wenn sie auftauchen, lasst Ihr Euch nicht in einen Kampf verwickeln.«

»Wir sind keine Kinder, Mutter«, sagte Siuan trocken.

»Nein, Ihr seid Aes Sedai – fast genauso schlimm darin, Befehle zu befolgen.«

Siuan warf ihr einen schwer zu deutenden Blick zu, und Egwene bereute ihre Worte. Das war unangebracht gewesen; sie war nervös. Sie zwang sich zur Ruhe.

Bis jetzt hatte sie Mesaana mit mehreren verschiedenen Ködern herauslocken wollen, aber sie war nicht einmal in die Nähe gekommen. Egwene hätte geschworen, förmlich fühlen zu können, wie die Frau sie in Tel’aran’rhiod beobachtete. Yukiri und ihre Gruppe kamen nicht weiter.

Ihre beste Hoffnung war das für diese Nacht angesetzte Treffen. Es musste sie anlocken. Egwene lief die Zeit davon – die von ihr überredeten Monarchen begaben sich bereits auf die Reise, und Rands Streitkräfte sammelten sich.

Heute Nacht. Es musste heute Nacht geschehen.

»Geht«, sagte Egwene. »Sprecht mit den anderen. Ich will nicht, dass irgendwelche albernen Fehler vorkommen.«

»Ja, Mutter«, grummelte Siuan und wandte sich ab.

»Und … Siuan«, rief Egwene ihr hinterher.

Die ehemalige Amyrlin zögerte.

»Achtet heute Nacht auf Eure Sicherheit«, sagte Egwene. »Ich möchte Euch nicht verlieren.«

Siuan hatte für solche Besorgnis meistens nur barsche Bemerkungen übrig, aber an diesem Abend lächelte sie. Egwene schüttelte den Kopf und eilte weiter zu ihren Gemächern, wo Silviana bereits wartete.