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»Gawyn?«, fragte Egwene.

»Nichts Neues«, erwiderte Silviana. »Ich habe heute Nachmittag einen Boten geschickt, aber der Bote ist nicht zurückgekehrt. Ich vermute, dass Gawyn seine Antwort verzögert, um schwierig zu sein.«

»Er ist einfach nur stur«, sagte Egwene. Ohne ihn fühlte sie sich schutzlos. Das war überraschend, da sie ihm ausdrücklich befohlen hatte, sich von ihrer Tür fernzuhalten. Jetzt machte sie sich Sorgen, weil er nicht da war?

»Verdoppelt meine Wächter, und sorgt dafür, dass in der Nähe Soldaten stationiert sind. Wenn meine Schutzgewebe ausgelöst werden, machen sie Lärm.«

»Ja, Mutter«, sagte Silviana.

»Und schickt Gawyn einen weiteren Boten. Mit einem höflicher formulierten Brief. Bittet ihn zurückzukehren; befehlt es ihm nicht.« Egwene kannte Silvianas Meinung über Gawyn und war davon überzeugt, dass der erste Brief bestenfalls brüsk gewesen war.

Und damit holte Egwene tief Luft, betrat ihre Räume, überprüfte ihre Schutzgewebe und machte sich zum Schlafen bereit.

Ich sollte mich nicht so erschöpft fühlen, dachte Perrin, als er aus Trabers Sattel stieg. Ich habe doch bloß geredet.

Das Verfahren lastete schwer auf ihm. Es schien auf dem ganzen Heer zu lasten. Perrin betrachtete die Männer, als sie zurück ins Lager geritten kamen. Morgase war da, allein. Faile hatte sie den ganzen Rückweg lang gemustert und nach Wut gerochen, dabei aber kein Wort gesagt. Alliandre und Berelain hatten Distanz gehalten.

Morgase hatte ihn verurteilt, aber das war ihm eigentlich egal. Er hatte die Weißmäntel abgewehrt; jetzt musste er seine Leute in Sicherheit bringen. Morgase ritt durch das Lager und suchte Lini und Meister Gill. Sie waren unversehrt eingetroffen, zusammen mit all den anderen Gefangenen, genau wie Galad Damodred versprochen hatte. Überraschenderweise hatte er ihnen auch sämtliche Karren und Vorräte geschickt.

Das Gerichtsverfahren war also ein Sieg. Seine Männer schienen das nicht so zu sehen. Die Soldaten teilten sich in Gruppen auf, als sie ins Lager geschlichen kamen. Es wurde nur wenig gesprochen.

Gaul schüttelte den Kopf. »Zwei Silberpunkte«, sagte er.

»Was?«, fragte Perrin und übergab Traber an einen Pferdeknecht.

»Ein Sprichwort«, sagte Gaul und schaute zum Himmel hinauf. »Zwei Silberpunkte. Zweimal sind wir in die Schlacht geritten und haben keinen Feind vorgefunden. Noch einmal, und wir verlieren Ehre.«

»Es ist besser, keinen Feind zu finden, Gaul«, sagte Perrin. »Es ist besser, wenn kein Blut vergossen wird.«

Gaul lachte. »Ich sage ja nicht, dass ich den Traum beenden will, Perrin Aybara. Aber sieh dir deine Männer an. Sie können fühlen, was ich sage. Du solltest den Tanz der Speere nicht sinnlos tanzen, aber du solltest auch nicht zu oft verlangen, dass sich die Männer aufs Töten vorbereiten und ihnen dann niemand zu bekämpfen geben.«

»Ich tue das, so oft es mir gefällt«, knurrte Perrin, »wenn man dadurch eine Schlacht vermeiden kann. Ich …«

Pferdehufe trommelten auf den Boden, und der Wind trug ihm Failes Duft heran, als er sich zu ihr umdrehte.

»Eine Schlacht wurde in der Tat vermieden, Perrin Aybara «, sagte Gaul,» und zu einer anderen aufgefordert. Mögest du Wasser und Schatten finden.« Er lief los, als Faile abstieg.

Perrin holte tief Luft.

»Also gut, mein Gemahl«, sagte sie und kam auf ihn zu.

»Du wirst mir jetzt erklären, was du dir dabei gedacht hast. Du lässt ihn das Urteil über dich fällen? Du hast versprochen, dich ihm auszuliefern? Ich hatte nicht den Eindruck, einen Narren geheiratet zu haben!«

»Ich bin kein Narr, Frau«, brüllte er zurück. »Du sagst mir doch immer, dass ich führen muss. Nun, heute bin ich deinem Rat gefolgt!«

»Du bist ihm gefolgt und hast die falsche Entscheidung getroffen.«

» Eine richtige Entscheidung gab es nicht!«

»Wir hätten gegen sie kämpfen können!«

»Sie wollen in der Letzten Schlacht kämpfen«, sagte Perrin. »Jeder Weißmantel, den wir töten, wäre ein Mann weniger im Kampf gegen den Dunklen König. Ich, meine Männer, die Weißmäntel – verglichen mit dem, was auf uns zukommt, ist keiner von uns wichtig! Sie mussten leben, genau wie wir. Und das war die einzige Möglichkeit!«

Beim Licht, sie anzubrüllen fühlte sich so verkehrt an. Aber es besänftigte ihr Temperament. Erstaunlicherweise fingen die umstehenden Soldaten an zu nicken, als hätten sie die Wahrheit nicht erkennen können, bevor er sie herausgebrüllt hatte.

»Ich will, dass du das Kommando über den Rückzug übernimmt«, sagte Perrin zu Faile. »Die Falle ist noch nicht zugeschnappt, aber ich werde jede Minute unruhiger. Etwas beobachtet uns; sie haben uns unsere Wegetore weggenommen, und sie wollen uns tot sehen. Jetzt wissen sie, dass wir nicht gegen die Weißmäntel kämpfen werden, was bedeutet, dass sie bald angreifen. Vielleicht heute Abend; wenn wir Glück haben, warten sie bis morgen früh.«

»Diese Diskussion ist noch nicht zu Ende«, warnte sie.

»Was erledigt ist, ist erledigt, Faile. Sieh nach vorn.«

»Also gut.« Sie roch noch immer wütend, in ihren wunderschönen dunklen Augen lag ein wilder Blick, aber sie beherrschte sich.

»Ich begebe mich in den Wolfstraum«, sagte Perrin und warf einen Blick zum Lagerrand, wo ihr Zelt stand. » Entweder zerstöre ich diese Kuppel, oder ich finde eine Möglichkeit, den Schlächter dazu zu zwingen, mir zu verraten, wie das Reisen wieder funktioniert. Bereite die Leute auf den Abmarsch vor, und die Asha’man sollen immer wieder bis hundert zählen und dann versuchen, ein Wegetor zu öffnen. In dem Augenblick, in dem es funktioniert, schaffst du die Leute hier weg.«

»Wohin?«, fragte Faile. »Jehannah?«

Perrin schüttelte den Kopf. »Zu nahe. Der Feind könnte es beobachten. Andor. Bring sie nach Caemlyn. Das heißt, nein. Weißbrücke. Bleiben wir allen Orten fern, die sie vielleicht erwarten. Außerdem will ich nicht mit einem Heer auf Elaynes Türschwelle auftauchen, bevor ich sie vorgewarnt habe.«

»Ein guter Plan«, sagte Faile. »Wenn du einen Angriff befürchtest, sollten wir zuerst den Tross herausschaffen, statt die Soldaten durchzuschleusen und uns ungeschützt zurückzulassen.«

Perrin nickte. »Aber fang an, sobald die Wegetore wieder funktionieren.«

»Und wenn du es nicht schaffst?« Faile hatte angefangen, entschlossen zu klingen. Ängstlich, aber entschlossen.

»Habe ich die Wegetore nicht in einer Stunde wiederhergestellt, fang an, sie zu der Grenze marschieren zu lassen, hinter der Neald Tore machen kann. Ich glaube nicht, dass es klappt; ich glaube, der Schlächter wird einfach die Kuppel verschieben und uns darunter festhalten. Aber es wäre ein Anfang.«

Faile nickte, aber ihr Geruch wurde zögerlich. »Es wird uns auf den Weg bringen, statt im Lager festzusitzen. Viel einfacher, uns so zu überfallen.«

»Ich weiß«, sagte Perrin. »Darum darf ich nicht scheitern.«

Sie nahm ihn in die Arme und legte den Kopf an seine Brust. Sie roch so wunderbar. Wie Faile. Das war seine Definition von wunderbar. »Du sagtest, er ist stärker als du«, flüsterte sie.

»Das ist er.«

»Kann ich etwas tun, um dir dabei zu helfen?«, fragte sie leise.

»Wenn du auf sie aufpasst, während ich weg bin, dann hilft das.«

»Was passiert, wenn er dich dort tötet?«

Perrin antwortete nicht.

» Es gibt keinen anderen Weg?«

Er löste sich von ihr. »Faile, ich bin mir ziemlich sicher, dass er Lord Luc ist. Sie riechen anders, aber sie haben auch eine gewisse Ähnlichkeit. Und als ich den Schlächter damals im Wolfstraum verletzte, hatte Luc dieselbe Verletzung.«

»Soll ich mich darum jetzt besser fühlen?«, fragte sie und verzog das Gesicht.

»Alles kommt wieder zurück. Wir sind in Maiden fertig und stoßen einen Steinwurf weiter auf die Reste der Weißmäntel, bei denen Byar und Bornhaid sind. Der Schlächter erscheint wieder im Wolfstraum. Der Mann, von dem ich dir erzählte, Noam, der in dem Käfig. Weißt du noch, wo ich ihn fand?«